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Die Tagelieder Wolfram von Eschenbachs "Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen" und Jakob von Wartes "Guot rîter, merke waz ich sage"

Die personalen Aspekte

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Tagelied
2.1. Definition
2.2. Die vier Konstituenten

3. Wolfram von Eschenbach
3.1. Tagelieder bei Wolfram
3.2. Inhalt ,Sîne klâwen’
3.3. Analyse der personalen Konstituenten

4. Jakob von Warte
4.1. Inhalt ,Guot rîter’
4.2. Analyse der personalen Konstituenten mit Bezug auf ,Sîne klâwen’

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7 Anhang

1. Einleitung

In der folgenden Arbeit mit dem Titel „Tageliedvergleich zwischen Wolfram von Eschenbachs Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen und Jakob von Wartes Guot rîter, merke waz ich sage - Die personalen

Konstituenten“ werde ich, wie der Titel sagt, die beiden genannten Lieder vergleichend analysieren. Einen besonderen Fokus setze ich dabei auf die personalen Konstituenten und die Figur des Wächters. Meine Leitfrage lautet: Welche Rolle spielt der Wächter in den jeweiligen Tageliedern?

Ich habe mich dafür entschieden die Arbeit über Tagelieder zu schreiben, da mich das Thema während des Seminars am meisten interessierte. Denn im Gegensatz zu den „normalen“ Minneliedern, in denen die Liebe zwischen zwei Menschen nicht erfüllt wird, wurde hier die Liebe zwischen zwei Menschen zwar erfüllt, doch muss dies geheim gehalten werden, da die Liebenden in einem Gegensatz zur höfischen Gesellschaft stehen. Ein gemeinsames Leben der „Paare“ beschränkt sich demnach auf Liebesnächte. Tagsüber leben sie ihr normales, ihren Normen entsprechendes, Leben.

Mit der Seminararbeit möchte ich zeigen, was für eine Variationsbreite es innerhalb der Gattung Tagelieder gibt. Zudem kommt hinzu, dass eines meiner ausgewählten Tagelieder von einem deutschen, Wolfram von Eschenbach, und eines von einem Schweizer, Jakob von Warte, geschrieben wurde. Ob dies eine Besonderheit für die Analyse der Tagelieder ergeben hat, werde ich im Fazit erläutern. Außerdem werde ich, wie erwähnt, einen Fokus auf die Wächterrolle setzen.

Zunächst beginne ich mit einer Einführung in das Thema, indem ich definiere, was Tagelieder sind. Anschließend stelle ich die vier sogenannten Konstituenten vor, die sich in Tageliedern wiederfinden.

Im nächsten Kapitel mit dem Titel „Wolfram von Eschenbach“ werde ich zunächst etwas zu den Tageliedern bei Eschenbach sagen und danach den Inhalt des Tagelieds ‚Sîne klâwen’ klären. Danach werden die personalen Konstituenten analysiert.

Das nächste Kapitel mit dem Namen „Jakob von Warte“ ist kürzer als das Vorherige und steigt gleich mit der Klärung des Inhalts von dem Tagelied ,Guot rîter’ ein. Anschließend werde ich wieder die personalen Konstituenten analysieren und gelegentlich auf das Tagelied Eschenbachs Bezug nehmen. Der „richtige“ Vergleich der beiden Tagelieder folgt dann im anschließenden Fazit.

Als schwierig erweist sich, dass zu dem Schweizer Jakob von Warte keine brauchbare Literatur zu finden ist, so dass die Analyse anhand vorher erarbeiteter Merkmale selbstständig erfolgt.

2. Das Tagelied

2.1. Definition

Nach der Einleitung, in denen die Motive für die Arbeit erläutert wurden, soll nun der Begriff des Tageliedes definiert und mit Inhalt gefüllt werden.

Christoph Cormeau (1992, S.695) sieht im Tagelied eine „beliebte Liedgattung im deutschen Minnesang“ denn die großen Sammelschriften vom Beginn des 14. Jahrhunderts überlieferten gut 50 Lieder. Er stellt außerdem fest, dass das Tagelied, trotz eines relativ festen Schemas eine große Variationsbreite aufweise.

Allgemein kann das Tagelied als ein am Morgen gesungenes Lied bzw. ein Weckruf verstanden werden (Schweikle, 1989, S.135).

Das Thema des Tageliedes ist die Trennung zweier Liebender nach einer gemeinsamen Liebesnacht. Obwohl das angestrebte Ziel, die Vereinigung der Liebenden, erreicht wurde, ist das Tagelied zu den leidbesetzten Liedern zu zählen. Denn nicht die Erfüllung der Liebe, sondern der Abschied der Liebenden ist Mittelpunkt des Tageliedes. Demnach deckt sich, trotz der anderen Situation, der Stimmungsrahmen mit anderen Minneliedern (Schweikle, 1989, S.135).

Trotz der großen Variationsbreite weist jedes Tagelied feste Strukturelemente auf. Zu nennen sind hier die beiden Liebenden, Anzeichen des Tagesanbruchs, wie Vogelsang oder der Sonnenaufgang und die Abschiedsklage der Dame (Schweikle, 1989, S.135). Dieser Grundtypus wird in den Tageliedern häufig variiert und erweitert. Bei Wolfram von Eschenbach, tritt zum Beispiel als dritte Person häufig der Wächter auf (Schweikle, 1989, S.135). Seine Funktion ist es, den Liebenden durch seinen Weckruf den Tag anzukündigen. Außerdem fungiert er als Hüter und Warner der Liebenden (Schweikle, 1989, S.136).

Zur Wirkung des Tageliedes schreibt Schweikle (1989, S.137): „Das Tagelied wirkt stärker realitätsorientiert [...] Vereinzelte Realitätspartikel wie palas, zinne, kemenate verweisen das Tageliedgeschehen in den höfischen Raum.“ Meist blieben jedoch auch im Tagelied die Personen und auch die Szene unbezeichnet.

Da nun kurz definiert wurde, was ein Tagelied ist, werden im nächsten Schritt die so genannten „vier Konstituenten“ erläutert, die sich in Tageliedern wiederfinden.

2.2. Die vier Konstituenten

Wie bereits erwähnt, ist die Tageliedsituation, der Abschied zweier Liebender nach einer gemeinsamen Nacht, das Hauptmerkmal eines jeden Tageliedes. Dieses nächtliche Zusammensein der beiden stellt einen Verstoß gegen gesellschaftliche Normen dar, was durch vier Konstituenten konkretisiert wird (Kühnel, 1993, S.149): den personalen Konstituenten, den temporalen Konstituenten, den lokalen Konstituenten und den bestimmten konstitutiven Handlungselementen.

Die personalen Konstituenten im Tagelied sind die Rollen: die Dame, der Ritter und meistens auch der Wächter.

Mit den temporalen Konstituenten ist gemeint, dass die Tageliedsituation an der Grenze zu Tag und Nacht angesiedelt ist.

Die lokalen Konstituenten sind „Innen“ und „Außen“: die Dame und der Ritter befinden sind in einem geschlossenen Raum, also innen, der Wächter ist außerhalb dessen angesiedelt, etwa auf einem Wachturm.

Zu den konstitutiven Handlungselementen zählen Dinge wie der Tagesanbruch, der Weckruf, die Abschiedsklage der Dame oder etwa die letzte Liebesvereinigung (Kühnel, 1993, S.149).

Nach Kühnel gibt es durchaus bestimmte Relationen zwischen den Konstituenten und Handlungselementen (1993, S.149). Als Beispiel nennt er den Tagesanbruch, der durch den Weckruf des Wächters den Liebenden von „außen“ nach „innen“ vermittelt werde. Dieser bedeute für den Ritter gesteigerte Gefahr, der daraufhin aus der Nacht in den Tag aufbrechen müsse. Die Dame reagiere auf den Weckruf mit Klage und gebe sich dem Ritter ein letztes Mal hin, bevor sich die beiden trennen (Kühnel, 1993, S.149). Diese beschriebene Relation besitze, nach Kühnel, auch einen formalen Ausdruck durch den Wechsel erzählender und dialogischer Partien.

In den folgenden Analysen der beiden Tagelieder, werde ich mein Hauptaugenmerk auf die personalen Konstituenten richten, um so auch die Figur des Wächters näher betrachten zu können.

3. Wolfram von Eschenbach

3.1. Tagelieder bei Wolfram

Von Wolfram von Eschenbach sind insgesamt fünf Tagelieder überliefert, die alle das gleiche Grundschema aufweisen: Morgenanbruch, Weckruf, Trennungsklage, letzte Vereinigung und Abschied. In jedem seiner Tagelieder ist das Wort urloup zu finden, das sowohl „Abschied“, als auch „Hingabe“ bedeutet. Formal ähneln sich Wolframs Lieder ebenso, denn sie weisen alle „kurze dreiteilige Stollen und [einen] gewaltig anschwellenden Abgesang auf“ (Bumke, 1964, S.22).

Alle Fünf schöpften, nach Kühnel (1993, S.148) in ihrem Nebeneinander, die Fülle der beschriebenen Variationsmöglichkeiten bis zu einem gewissen Grad aus. So schreibt Kühnel (1993, S.148) weiterhin: „Wolfram hat [...] mit seinen Tageliedern den literaturhistorischen Prozeß, in dessen Verlauf sich das Gattungssystem des Minnesangs herausbildet, entscheidend vorangetrieben.“ Ebenso war es Wolfram, der den Wächter als dritte Person in die Tagelieder einführte und der von diesem Zeitpunkt an häufig in anderen Tageliedern auftauchte (Schweikle, 1989, S.135). So auch in dem Tagelied ,Guot rîter’ des Schweizers Jakob von Warte, dass später auch analysiert wird.

Dies zeigt, was für eine wichtige Stellung Wolfram von Eschenbachs Tagelieder in der Literaturgeschichte einnehmen.

Im Folgenden wird knapp der Inhalt des Tageliedes ,Sîne klâwen’ von Wolfram von Eschenbach erläutert, um es so auf die anschließende Analyse vorzubereiten.

3.2. Inhalt ,Sîne klâwen’

Den mittelhochdeutschen Text des Tageliedes ,Sîne klâwen’ von Wolfram von Eschenbach, sowie die Übersetzung ins Neuhochdeutsche, sind im Anhang der Arbeit zu finden.

Das vorliegende Lied ist, recht untypisch für Tagelieder, in fünf Strophen untergliedert, wobei die ersten vier Strophen in Dialogform gehalten sind und die fünfte Strophe erzählenden Charakter hat. Hauptfiguren in dem Lied sind das Liebespaar, also die Dame und der Ritter, sowie der Wächter. Bemerkenswert ist, dass der Ritter nicht redet, aber bei dem Dialog der Dame und des Wächters anwesend ist.

Thema des Tageliedes ist, wie typisch für diese Gattung und schon beschrieben, der „Abschied zweier Liebender bei Tagesanbruch nach einer Liebesnacht“ (Schweikle, 1989, S.135).

Das Lied beginnt mit einem Monolog des Wächters indem er den anbrechenden Tag beschreibt. Dabei ist festzuhalten, dass er dies sehr bildgewaltig tut: „Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen, er stîget ûf mit grôzer kraft“ (Strophe I, Vers 1 bis 3).

Aus dem Hereinbrechen des Tages folgert der Wächter, dass er den Ritter aus den Armen der Geliebten entfernen muss: „ich bringe in hinnen, ob ich kan“ (Strophe I). Diesen vom Wächter gesprochenen Monolog empfindet die Dame als Morgenlied denn sie sagt daraufhin: „Wahtaer, du singest, daz mir manige vreude nimt“ (Strophe II, Vers 1,2). Aus dieser Situation entwickelt sich ein Streitgespräch zwischen dem Wächter und der Dame, denn beide Seiten haben verschiedene Anliegen. Die Dame befiehlt, dem Wächter, dass er ihr den Morgen nicht ankündigen, gar verschweigen solle, und verspricht ihm sogar Lohn dafür: „des lôn ich dir, als ich getar“ (Strophe II, Vers 9). Der Wächter geht darauf nicht ein und entgegnet der Dame, dass der Ritter gehen müsse, damit er Ansehen und Ehre behalte. Die Dame aber bittet den Wächter ihr den Geliebten zu lassen: „wahtaer, sinc und lâ den hie,der minne brâht und minne empfienc“ (Stophe IV, Vers 2,3). Am Ende ihrer Klage fügt sie an, dass der Wächter ihr den Geliebten zwar aus den Armen, aber nicht aus ihrem Herzen reißen könne: „du hâst in dicke mir benomen von blanken armen, und ûz herzen niht.“ (Stophe IV, Vers 9,10). Die letzte Strophe ist dann keine Gegenreaktion des Wächters mehr. Sie weist erzählenden Charakter auf und schildert in einer sehr erotischen Weise, die letzte Liebesvereinigung des Ritters und der Dame vor der Trennung.

Nachdem der Inhalt nun kurz umrissen wurde, werde ich das vorliegende Tagelied im Hinblick auf die personalen Konstituenten analysieren.

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656708902
ISBN (Buch)
9783656712152
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277906
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
2,7
Schlagworte
Minnesang Schweizer Minnesang Tagelied Vergleich Wolfram von Eschbach Wärter Wächterfigur Wächter Ritter Germanistik Mediävistik Jakob von Warte Tagelieder

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Titel: Die Tagelieder Wolfram von Eschenbachs "Sîne klâwen durch die wolken sint geslagen" und Jakob von Wartes "Guot rîter, merke waz ich sage"