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Kostenmanagement. Controlling mit Simulationswerkzeugen innerhalb von Distributionsnetzwerken

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 20 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

I. Trends und logistische Herausforderungen

II. Die Distribution in der Logistik
II.1 Distributionsaufgaben im Supply Chain Management
II.2 Vorbereitung der Modellierung
II.3 Klassische Logistikmodelle
II.4 Überbetriebliche Prozessmodellierung SCOR-Modell

III. Simulation von Distributionsprozessen
III.1 Simulationsmethoden von Distributionsnetzwerken
III.2 Vor- und Nachteile der Simulationsanwendung
III.3 Praxisbeispiel simulationsgestützer Logistikabläufe VOLVO

IV. Distributionssimulationen im Kostenmanagement
IV.1 Bedeutung der Prozesskostenrechnung
IV.2 Die Supply Chain Balanced Scorecard im Controlling

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Horizontale und vertikale Aufbau eines Liefernetzwerks

Abbildung 2 Traditionelle Kaskadierung einer Supply-Chain

I. Trends und logistische Herausforderungen

Im Bereich Supply Chain Management (SCM) werden in der Fachliteratur auf den ersten Seiten meist Schlagwörter über die kritischen Herausforderungen an die Unternehmen. Darunter fallen beispielsweise komplexe Basistrends, wie die Individualisierung der Nachfrage, verkürzte Produktlebenszyklen bei steigenden Innovationsraten und Marktdynamik bei höheren Unsicherheiten der wirtschaftlichen Unternehmensumwelt. Um diesen Basistrends entgegenzuwirken, wurden mitunter komplexe Lieferantenketten und arbeitsteilige Prozesse innerhalb moderner Produktions- und Distributionssysteme entwickelt, welche ein Produkt durchläuft bevor es beim Endkunden eintrifft. Dabei gilt es nicht nur das eigene Unternehmen als abgeschlossenes System zu betrachten wie es in der klassischen Betriebswirtschaft üblich war. Vielmehr müssen bei jedem Teilnehmer die Beschaffung, Leistungserstellung und der Absatz eine gemeinsame Koordination über das gesamte Netzwerk anstreben. Dieses Konzept der ganzheitlichen flussorientierten Gestaltung der unternehmensübergreifenden Wertschöpfung ist heute unter dem Terminus Supply Chain Management bekannt.1

Es ist eine neue Herausforderung für jedes Unternehmen in einer Lieferkette die geeigneten Methoden zu definieren, Referenzmodelle, Standards und IT-Werkzeuge zu harmonisieren welche die Prozesse und Abläufe des eignen Unternehmens und der Partnerunternehmen geeignet wiedergeben2. Im folgenden Abschnitt werden allgemeine Grundsätze und Lösungsvorschläge dieser komplexen Aufgabe in Zusammenhang der Prozessmodellierung einer Distributionskette beschrieben. Im Anschluss wird die etwas in Vergessenheit geratene Methode der Simulation aufgegriffen. Dieses Kapitel folgt der Idee, dass durch die bereits verbreiteten Ansätze der Logistikmodelle und Prozessmanagement im Supply Chain Management die Kluft bis zum Einsatz von Simulationen abgenommen hat. Die Simulationsmethode ist nur selten in Unternehmen implementiert und meist ein Stand-Alone-Tool bei größeren Investition. Die Aussichten der kommenden Jahre zeigen aber eine leichte Tendenz, dass Simulationen gerade in der Logistik wieder im Kommen sind. Es folgt ein ergänzendes Kapitel um die Argumentation für den Einsatz von Simulationen im Supply Chain Management aus Kostensicht zu verdeutlichen. Da seit den 90er Jahren die Forderung der leistungsgerechten Kostenverteilung innerhalb der indirekten Bereiche im Kostenmanagement und Controlling stärker diskutiert wird. Abschließen erfolgt ein Fazit über die gewonnen Erkenntnisse.

II. Die Distribution in der Logistik

II.1 Distributionsaufgaben im Supply Chain Management

Bereits 1933 hat Christaller angenommen, dass ein zentrales (fokales) Unternehmen im Mittelpunkt eines jeden Netzwerks steht und der Transport der Waren von diesem Zentrum zu den umliegenden Regionen stattfindet, wodurch Transportkosten entstehen, welche bei weiteren Entfernungen und gleichzeitig gegenläufigen Absatz steigen, weil ein steigender Preis die Nachfrage senkt. Es entsteht für den Absatz des Produkts eine kritische Entfernung für das Unternehmen, welche die maximale Reichweite und die mögliche Marktnachfrage bestimmt. Diese bemerkenswert einfache Erklärung bildet die Grundlage fast aller Supply Chain Management Entscheidungen im Distributionsnetzwerk.3 Aus heutiger Sicht betrachten wir die gesamte Logistikkette über das eigene Unternehmen hinaus, wodurch das lineare Grundmodell der Lieferkette zu einem komplexen Liefernetzwerk wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Horizontale und vertikale Aufbau eines Liefernetzwerks 4

In Abbildung 1 ist ein theoretisches Liefernetzwerk dargestellt unter der Annahme, dass ein starkes Unternehmen mit hoher Stellung das Netzwerk kontrolliert (Bsp. Automobilhersteller). Die Lieferanten wie auch die Kunden werden systematisch unterteilt und in Entfernungsstufen zum zentralen Unternehmen (Tier 1, Tier 2) aufgefächert. Betrachten wir das logistische Netzwerk einmal näher, erkennen wir eine Vielzahl von Knoten, die das Netzwerk zusammenhalten. Diese Knoten muss das Material vom Rohmaterialhersteller bis zum Endkunden durchlaufen. Um diese Knoten zu überwinden und den Bullwhip-Effekt5 entlang der Lieferkette zu verringern, gilt es eine langfristige Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen anzustreben, Vertrauen zu schaffen, Unsicherheiten abzubauen mit dem Ziel nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben.6 Eine solche Abstimmung zwischen den Unternehmen kann sich dabei z.B. auf die Optimierung von mehrstufigen Distributionssystemen beziehen. Im folgendem werden die betroffenen Netzwerkelemente und deren Funktionen innerhalb des Distributionsnetzwerks näher beschrieben, da deren Ursachen-Wirkungsverhältnisse für die Prozessmodellierung und die darauf aufbauende Distributionssimulation eine gewichtete Bedeutung besitzen.

II.2 Vorbereitung der Modellierung

Eine gute Vorbereitung der Modellierung ist gerade bei einer unternehmensübergreifenden Betrachtung unabdingbar. Ziel ist es einen Modellierungsstandard zu erstellen, der als Leitfaden während der Modellerstellung und -pflege dient.

Zu Beginnst ist die Frage zu klären, ob die Modellierung zum Ziel hat eine plastische Darstellung eines Plan-, Ist- oder Soll-Prozesses wiederzugeben. Im zweiten Arbeitsgang werden aus Sicht des SCM die von ihnen verfolgten Anforderungen an das Modell und alle Beteiligten identifiziert. Im Fall der Distributionsperspektive sind das im klassischem Sinn der Hersteller, das Hersteller- und Zwischenlager, die Transportdienstleister und die Kunden. Es kann festgehalten werden, dass die Qualität des Modells umso höher ist, je besser es die Anforderungen aus der jeweiligen Perspektive der Betroffenen wiedergibt. Im Hinblick auf die Anzahl der Betroffenen innerhalb eines Distributionsnetzwerkes besitzen diese meist individuelle Unternehmensstrategien in Fertigung, Material-, Lagerhaltung und der Distributionslogistik, die es gilt zu harmonisieren. Eins der ältesten und Verbreitesten Konzepte ist die Make to Stock Strategie bei dem die Ware vor Eingang eines Kundenauftrags produziert wird welches mit dem Push-Prinzip der Logistik eng einhergeht. Durch die in der Einleitung erwähnten Herausforderungen an die Unternehmen wurden neuere Strategiekonzepte entwickelt um die Kundenanforderungen Just in Time zu erfüllen. Im einfachsten Fall der Make to Order Strategie, fängt der Hersteller erst nach Eingang des Kundenauftrags an die Ware herzustellen. Folgen Unternehmen der Ideologie der Lean Manufacturing und einer Just in Time Produktion bei hoher Befriedigung individueller Kundenanforderungen spricht man von Engineering to Order bzw. Design to Order Strategie, einer Sonderform der Make to Order Konzepts. Die Ware wird erst hergestellt nach dem der Kundenauftrag mit seinen individuellen Spezifikationen eingegangen ist. Ein weiteres spezielleres Make to Order Konzept ist die Baukastenstrategie (Assemble to Order). Es werden die gleichen Schlüsselkomponenten für verschieden Waren verwendet. Das Produkt oder erforderliche Dienstleistungen werden erst nach dem Eingang des Kundenauftrags aus den kombinierbaren Basisbaukästen zusammengesetzt. Hinter der Make to Order, Design/Engineer to Order und Assemble to Order steckt das Pull-Prinzip der Logistik.7

Weiterhin ist die Struktur des Distributionssystems zu spezifizieren. Ausgangspunkt ist das in Zentrum stehende Unternehmen des Distributionsnetzwerks dem der Absatzkanal zuzurechnen ist. Zu klären sind die Frage ob nachgeschaltete Lager (Zentral-, Regional- oder lokale Lager) vorhanden sind, welche Ausprägung die Ladung (Klein-, Stück-, Sammelgut) besitzt und welche Transportmittel ggf. Kombinationen (Sprinter, LKW; Bahn, See- oder Luftfracht) zur Versendung zum Kunden erforderlich sind. Aufgrund der Vielzahl von harten und weichen Faktoren konzentrieren wir uns im Distributionssystem auf den Faktor der Lagergunst hinsichtlich Betriebskoten, Transportkosten und Serviceniveau.8

Betrachtet man die realen Aufgaben und Tätigkeiten aus den Perspektiven der Betroffenen zu detailliert kann das Modell dabei relativ schnell sehr komplex und unübersichtlich werden. Daher sollten vor der Modellierung eines Logistikmodells geeignete Qualitätskriterien und Modellierungskonventionen ausgestaltet werden. Wesentliche Kriterien sind die Richtigkeit bzw. die korrekte Abbildung des Sachverhalts, dessen Relevanz, seine wirtschaftliche Bedeutung, es sollte eine klare und verständliche Sprache besitzen, und den Grundsätzen der Vergleichbarkeit und des systematischem Aufbau folgen. Dabei sollte man immer beachten, dass jedes Modell nur eine beschränkt gültige Abbildung der Realität darstellt.9

II.3 Klassische Logistikmodelle

Die klassischen Logistikmodelle folgenden drei Ansätzen. Der erste und bekannteste ist die Unterteilung und Zuordnung nach den betrieblichen Funktionen. Dieses Modell beinhaltet die Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, Distributionslogistik und Entsorgungslogistik. Eine weitere Abbildungsart folgt dem Ansatz, die Logistik in deren Grundfunktionen zu unterteilen. Bei dieser Sichtweise wird gleichzeitig aufgezeigt, welche Funktionen einen wirtschaftlichen Nutzen für das Unternehmen stiften. Am geläufigsten sind die logistischen Funktionen der TUL-Logistik wobei die Informationsfunktion mehr an Bedeutung gewinnt (TUIL-Logistik). Modernere Logistikkonzepte erweitern die Aufgaben mit Funktion der Konfektionierung, d. h. die produktionstechnische Modifizierung von Konsumgütern für spezielle Zielmärkte. Diese einfache Unterscheidung ermöglicht es bereits komplexe Zusammenhänge zu erkennen. Als letztes wird das Netzwerkmodell der Logistik genannt (Abb.1). Die Verbindungslinien stellen die Überwindung von Raum-, Mengen, Informations- und Zeitdifferenzen sowie die Verbindung zwischen den unabhängigen Unternehmen dar. Die dabei betrachteten Bezugsgrößen innerhalb des Netzwerks können Rechte, Güter, Finanzströme und Informationen sein, welche zwischen den Netzwerkelementen, von den Quellen über Zwischenknoten zu den Senken fließen. Die Darstellung des Liefernetzwerks wird dann verwendet, wenn die Austauschvorgänge stark standardisierten Abläufen folgen.10

Ein Distributionsnetzwerk im Sinne des SCM ist nicht nur auf den eigenen Unternehmensbereich der Distribution beschränkt. Das Distributionsnetzwerk umfasst die Funktionen, in einem geographisch definierten Raum die Produktionsstandorte und nachgelagerter Lager mit der Kundennachfrage zu koordinieren und Warenströme bis zur Senke zu leiten. Dabei bestimmt die Struktur der Kundennachfrage wie auch der Produktionsstandorte und Nachschublager das Distributionsnetzwerk. Die einzelnen Aktivitäten der Distribution umfassen im Groben das Lagern der fertigen Waren, die Kommissionierung, das Verpacken, das Etikettieren, das Be- und Entladen sowie das Ausliefern an den Kunden.11

[...]


1 vgl.:Isermann (1994), S.71, Vahrenkamp (2003), S.1-4, Vahrenkamp (2007), S.3-6, 24, Bacher (2004), S.43-44, Bacher (2004), S.43-44, Stadtler/Kilger (2008), S.10, Horváth (2006), S.525

2 vgl. Mertens et al. (2000), S.45-47, Delfmann/Reihlen (2003), S.57ff., Supply Chain Council (2013), S.4ff

3 Christaller (1933), S.3ff.: Logische Unterschiede zum SCM-Konzept ist die Richtung des Transports. Zum einen fehlt der Bezug des Materials an den Hersteller und zum anderen Up-Stream Effekt nicht betrachtet wurde.

4 vgl. Cooper et al. (1997), S.10

5 Bullwhip-Effekt auch Whiplash oder Whipsaw-Effekt beschreibt die Auswirkungen von Bedarfsschwankungen in Lieferketten bei unvollständigen Informationen. Die Lagerbestände schwanken umso stärker, je weiter der Lieferant vom Kunden entfernt ist. vgl. Wenzel et al. (2006), S.83, Vahrenkamp (2007), S.37

6 vgl.: Vahrenkamp (2007), S.26-27, Wenzel et al. (2006), S.83-86

7 vgl.: Becker et al. (2000), S.185-220, 540-544, Wenzel et al. (2006), S.43 ff., Vahrenkamp (2007), S.169- 171, 262,285,342-356,388, Kramer et al. (2000), S.6ff., Mertens et al. (2000), S.282-283

8 vgl.: Vahrenkamp (2007a), S.141-142

9 vgl.: Becker et. al (2000), S.45-50, Wenzel et al. (2006), S.56 ff., Kühn (2006), S.27

10 vgl.: Vahrenkamp (2007), S.7-9 Anmerkung: Auf eine detaillierte Beschreibung von Netzwerk- Externalitäten wird an dieser Stelle abgesehen und nur formhalber hingewiesen.

11 vgl.: Becker et al. (2000), S.475, Vahrenkamp (2007), S.85

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656711575
ISBN (Buch)
9783656712312
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277418
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Betriebswirtschaftslehre
Note
2,0
Schlagworte
Kostenmanagement Cost Management Controlling Simulation Simulation Tools Distribution Distributionsnetzwerk Logistik Logistikmanagement

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