Lade Inhalt...

Polizei im Fokus der Informationstechnologie. Bedeutung der ICT für Polizeikorps

Diplomarbeit 2012 29 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abkürzungsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1. Management Summary

2. Einleitung
2.1. Trend 1 - Integrierte Systeme
2.2. Trend 2 - Erhöhte Mobilität
2.3. Trend 3 - Überwachungstechnologie
2.4. Trend 4 - Digitale Biometrie
2.5. Trend 5 - Anwenderakzeptanz
2.6. Trend 6 - Social Media
2.7. (Nicht-) Abgrenzung HPI

3. Konzept und Arbeitsprozess

4. Ergebnisse
4.1. Umfrageergebnisse
4.2. Mobilität
4.3. Integration
4.4. Benutzerakzeptanz
4.5. Social Media
4.6. Smarter Police
4.7. Gemeinsames Verständnis und Brücken bauen
4.8. Zusammenfassung der Ergebnisse

5. Diskussion und Schlüsse
5.1. Gefahren
5.2. Chancen

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1. Umfrageformular

II. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Beispiel der Punktevergabe pro Fragestellung

Abbildung 2 - Mehrwert der (IST-) Systemumgebungen

Abbildung 3 - Bewertung (Mittelwert) der aktuellen ICT Systemlandschaft

Abbildung 4 - Geforderte Weiterentwicklungen

Abbildung 5 - Mobilität am Beispiel KAPOgoesMOBILE

Abbildung 6 - Integration am Beispiel KAPOgoesMOBILE

Abbildung 7 - KAPOgoesMOBILE Projektkommunikation (Twitter)

Abbildung 8 - (Theoretische) Zuständigkeiten eines Business Analysten

Abbildung 9 - Umfrage 'wer Brücken bauen soll'

Abbildung 10 - Umfrage - 'von wo aus Brücken gebaut werden sollen'

Abbildung 11 - Ideales Business Analysten Profil bei der Kantonspolizei

Abbildung 12 - Graphische Zusammenfassung der Ergebnisse

1. Management Summary

Die Informations- und Kommunikations- Technologie Was sind die technischen Faktoren, welche verändert Geschäftsprozesse. Auch bei der Polizei. Die vorliegende Diplomarbeit beleuchtet ein äusserst interessantes Spannungsfeld. Steht doch Polizeiarbeit für Sicherheit und ICT Trends für Veränderungen.

(Polizeiliche) Sicherheit im Umfeld von stetigen und aktuell rasanten technologischen Entwicklungen zu produzieren ist eine der grossen zukünftigen Heraus- forderungen. Als erfolgreiches und modernes Korps muss man sich auf diese Veränderungen einlassen und erarbeitet sich damit eine Basis für die Polizeiarbeit von morgen. Im Zentrum dieser Diplomarbeit stehen fünf Fragestellungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Thesen und Quellen zu möglichen ICT Entwicklungen in

den nächsten Jahren sind umfassend und zahlreich. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird insbesondere die

COMPOSITE Studie1 zu den ICT Trends in European Policing als Basis beigezogen. Diese Trendanalyse ist in Zusammen- arbeit von Polizeioffizieren aus zehn europäischen Ländern und 20 Vertretern von Lieferanten entstanden.

Und wie kann ein Polizeikorps diese Trends nachhaltig organisieren. Sowohl kulturell, wie auch organisatorisch, verändert sich Bekanntes mit einer vielleicht wirklich neuen Dimension. Im Verlauf der

Erstellung und Bearbeitung hat sich dann eine neue zentrale Frage- stellung aufgetan. Wie können Brücken geschlagen werden?

Polizisten reden eine andere Sprache als ICT Fachkräfte. Polizeikorps haben andere Voraussetzungen als öffentlich tätige Unternehmen.

Eine optimale Planung der Zukunft bedingt eine enge Zusammen- arbeit und benötigt aktive Brückenschlager2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Arbeit endet nicht mit doppelt unterstrichenen Zahlen und notwendigen personellen und finanziellen Mitteln. Nein, die Arbeit hat den Anspruch die Korpsführungen zu sensibilisieren, was die Konsequenzen sein können, wenn keine intensiven Auseinandersetzungen damit erfolgen. Gesellschaftliche und technische Veränderungen haben einen markanten Einfluss auf die Polizeiarbeit. Ermittlungserfolge, die interne Arbeitskultur, die Sicherheit der Einsatzkräfte, die Effizienz eines Korps, die Einsatzdoktrin, die Informationsverarbeitung, die Motivation und viele weitere Aspekte werden betroffen sein.

Mobilität und Integration sind treibende Faktoren, welche eine hohe operative und technische Bedeutung haben. Geschäftsprozesse müssen dazu unter der Leitung von polizeilichen Führungsstellen optimiert werden. Eine dazu notwendige Wissens- und Informations- Drehscheibe könnte durch die Einführung von Business Analysten sichergestellt werden.

2. Einleitung

Die rasche Entwicklung der ICT Technologie hat zum heutigen Zeitpunkt einen sehr hohen Einfluss auf die Polizeiarbeit. Technologische Innovationen können sowohl die Polizeiarbeit unterstützen, beinhalten aber auch neues kriminelles Potenzial. Im Rahmen des europaweiten Research Projekts (COMPOSITE) liegt ein Studienresultat vor, welches die ICT Entwicklungen im Polizeiumfeld betrachtet.

Bezugnehmend auf aktuelle und teilweise neue Fragestellungen zur Sicherheit (Terrorismus, organisierte Kriminalität, Gewalt, Ausschreitungen an Sportveranstaltungen aber auch die offenen Grenzen, der Umgang mit Informationen, Wirtschaftsdelikte, ...) wird die Polizei immer mehr, und auch von der Politik und der Bevölkerung, zur Problemlösung aufgefordert oder sogar verantwortlich gemacht. Dies führt zu einem erhöhten Druck zur Modernisierung und zur Effizienzsteigerung in den nationalen, kantonalen und regionalen polizeilichen Einheiten.

Das Research Projekt COMPOSITE hat auf der Basis der ICT Trends und Entwicklungen die Kernfaktoren der anstehenden Veränderungen, die Herausforderungen für die Implementation (wenigstens ansatzweise) und die Erfolgschancen untersucht. Es sollte gemäss der Studie möglich sein, auf dieser Basis die konzeptionelle und die Planungsarbeit sowie die (Re-) Organisation und Implementation in den einzelnen polizeilichen Einheiten (Korps) einzuleiten.

"Das Forschungsprojekt COMPOSITE untersucht, ob und inwieweit organisatorische und kulturelle Aspekte die Erfolgswahrscheinlichkeit von Ver ä nderungsprozessen in Polizeiorganisationen beeinflussen. Analysiert werden wesentliche Einflussfaktoren, die Umsetzung und Erfolgschancen bestimmen. Betrachtet werden die Polizeiorganisationen von zehn europ ä ischen Staaten; n ä mlich Belgien, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Mazedonien, den Niederlanden, Rum ä nien, Spanien und der Tschechischen Republik 3."

Die Polizeiarbeit ist (hoch) komplex, erfordert einen hohen Integrationsgrad von verschiedensten Datenquellen und die Auswertung muss in einer kurzen Zeit erfolgen können. Ein grosser Teil der Informationen ist klassifiziert und ein ‘falscher’ Umgang damit kann die Relevanz einer adäquaten ICT Architektur4 erhöhen. ICT Systeme sind eine Chance für die Einsatzkräfte und können die Möglichkeiten der Polizei erweitern. Die ICT Konzepte, die Architektur und die Informationssicherheit sind dazu von grösster Wichtigkeit und unterstehen einer ständigen Weiterentwicklung (Innovation). Was heute noch am Arbeitsplatz installiert ist, wird morgen an der Front (bei der Frontperson, im Auto, …) verwendet werden.

Die Nutzung der ICT Anwendungen ist aber weit mehr als nur eine Folge der technischen Entwicklung um die Polizeiarbeit einfacher und effizienter gestalten zu können. Die technologischen Innovationen werden die Organisationen und deren Umfeld in unterschiedlichsten Weisen verändern. Die Polizeiarbeit ist stark rechtlich reguliert und die durch den Mitarbeiter gewohnten Möglichkeiten der privat nutzbaren Anwendungen und Unterstützungen der ICT bedeuten ein erhöhtes Spannungsfeld zwischen den technischen Möglichkeiten und der entsprechenden Umsetzung im Polizeiumfeld.

Die Diplomarbeit hat somit die Interaktion zwischen Technologie, Polizeiorganisation, individuell Beteiligter / Betroffener, privater Unternehmen (Lieferanten) und der Behördenstellen zu berücksichtigen. Zur Einleitung werden die sechs ICT Trends in European Policing nach COMPOSITE erläutert und allgemein verständlich zusammengefasst.

2.1. Trend 1 - Integrierte Systeme

Heute und auch in Zukunft werden unterschiedlichste Systeme und Datenquellen vorhanden sein und genutzt werden. Die laufenden Aktivitäten im Polizeiumfeld (HPI, Harmonisierung der Polizei Informatik) der Schweiz zeigen dabei bereits klare Tendenzen wie dies erfolgen wird. Unter der Leitung des fedpol steht ein technischer Schnittstellenstandard (vorerst mit dem Schwerpunkt Rapportierung- und Journalisierung) zur Verfügung. Mit diesem Trend können verschiedene Systeme und unterschiedliche Datenstrukturen neu eine gute Unterstützung für umfassend und rasch verfügbare Informationen bieten. Integrierte Systeme sind ebenfalls die Grundlage für eine Einmalerfassung. Dabei spielen kantonale Grenzen (und auch nationale) je länger je weniger eine Rollen, respektive diese stellen wenigstens technisch keine Hürden mehr dar. Mit integrierten Systemen ist nicht die Monopolstellung durch einzelne Produkte von einzelnen Lieferanten gemeint. Im Gegenteil, offen gestaltete Systeme ermöglichen den zweckmässigen Datenaustausch und ermöglichen damit neue Funktionen und Möglichkeiten.

2.2. Trend 2 - Erhöhte Mobilität

Wie die COMPOSITE Studie zeigt, gibt es bei diesem Trend eine grosse, europaweite Einheitlichkeit. Mit der Einführung von digitalem Sicherheitsfunk (in der Schweiz durch POLYCOM), Computern in Fahrzeugen, Smartphones, Notebooks, … stehen Möglichkeiten für die Polizeiarbeit zur Verfügung, welche eine ICT Unterstützung vor Ort anbieten. Die Entwicklung geht in Richtung ‘ortsabhängige, real-time Informationen’ und somit zum intelligenten Support der Polizeiarbeit. Dazu gehören auch erweiterte Sensoren, welche durch Polizeisysteme bearbeitet und ausgewertet werden können. Bei allen diesen Trends zur erhöhten Mobilität stellt sich die Frage wie die hierarchisch strukturierten Korps mit diesen neuen Möglichkeiten organisatorisch umgehen.

2.3. Trend 3 - Überwachungstechnologie

Ebenfalls ist ein Trend in der Weiterentwicklung und Nutzung von Überwachungstechnologien erkennbar. Denken Sie an die Diskussionen zur automatischen Bilderkennung an Flughäfen oder die Unterstützung welche bereits heute durch Videoaufnahmen ermöglicht wird. Dabei stehen in der Zukunft vermehrt auch die zu klärenden Fragestellungen nach der Balance zwischen der Notwendigkeit zur Sicherstellung der polizeilichen Aufgaben und den geforderten Persönlichkeitsrechten / Privatsphäre an. Wie das Beispiel der Lawful Interception5 zeigt, existieren heute Europaweit unterschiedliche Gesetze, Vorgaben und Prozesse bezüglich der Datensammlungen und den Analysemöglichkeiten. Teilweise können Daten bis zu mehreren Jahren oder unter bestimmten Voraussetzungen noch länger gespeichert werden.

2.4. Trend 4 - Digitale Biometrie

Der Einsatz biometrischer Verfahren wird gegenwärtig im Umfeld des E-Commerce, bei Zutritts- Kontrollanlagen sowie in der Terrorismusbekämpfung diskutiert. Ziel ist hierbei eine gegenüber dem blossen Besitz, etwa eines Ausweises, verbesserte Identitätsprüfung. Aus diesem Grunde gewinnt die Biometrie gerade in der jüngsten Zeit an Bedeutung, da sie die Personen- Identifikation mit eindeutigen und unveränderlichen bzw. über einen langen Zeitraum stabilen Merkmalen eines Menschen verknüpft. Menschen besitzen gewisse eindeutige Eigenschaften (im Sinne von körperlichen Merkmalen), die für jedes Individuum unterschiedlich sind. In einer zunehmend elektronisch kommunizierenden Welt wächst das Bedürfnis nach vertrauenswürdiger und automatisierter Personenidentifikation. So können nach erfolgreicher Identifikation vorgegebene Privilegien wie der Zutritt zu Räumen eingeräumt werden. Eine zusätzliche biometrische Prüfung eines Ausweises kann die Überprüfung der wahren Berechtigung des Inhabers erleichtern.

"Authentizit ä t ist neben Vertraulichkeit, Integrit ä t und Verf ü gbarkeit eines der herausragenden Sicherheitsziele im informationstechnologischen Zusammenhang.

Wenn also die Zuordnung des k ö rperlichen Merkmals zu einer Person korrekt erfolgt, kann mit Verwendung dieses Merkmals sichergestellt werden, dass es sich bei der vorhandenen Person tats ä chlich um die angenommene bzw. behauptete Identit ä t handelt6 ."

Im polizeilichen Umfeld sind heute vorwiegend digitale Fingerabdrücke (mobil und stationär), Gesichts- und Iris- Erkennungen im Einsatz. Es ist jedoch auch festzuhalten, dass es einige weitere Verfahren gibt. Wie etwa die Unterschriftenerkennung, die Sprecher- oder Stimmenerkennung, die Handgeometrie oder das Erkennen des Tippverhaltens an einer Tastatur.

2.5. Trend 5 - Anwenderakzeptanz

Erkennbar als eine ständige Herausforderung seit mehreren Jahren ist die Akzeptanz der Anwender bei der Einführung von neuen technischen Systemen und auch der Umgang mit der technischen Innovation im Generellen. Aus verschiedenen Gründen werden wichtige und grundlegende Funktionen von Systemen nicht oder nur mangelhaft genutzt. Aus Rücksicht auf ältere Einsatzkräfte wird die Innovationsgeschwindigkeit reduziert und neue Systeme aufgrund mangelnder Akzeptanz oder hohen Forderungen nach Ausbildungen verspätet eingeführt. Im Weiteren steht auch immer wieder die Frage nach der Nutzung von ‘einfachen’ Standardprodukten und den bestehenden Anforderungen für polizeispezifische Konfigurationen zur Diskussion. Als Trend erkennbar ist die Notwendigkeit, dass die Polizeikorps mit der Entwicklung Schritt halten müssen und die Akzeptanz vermehrt auch eine ‘Kulturfrage’ wird.

2.6. Trend 6 - Social Media

Social Media wie Facebook, Twitter, Google+ oder Skype sind als Trends für die zukünftige Polizeiarbeit unumstritten zu berücksichtigen. Es besteht eine grosse Chance diese Daten in einem bedeutend grösseren Umfang für polizeiliche Ermittlungen nutzen zu können. Auch für den Austausch mit dem Bürger können Social Media eine neue Unterstützung bieten. Bereits heute wird dieser Weg als zusätzlicher Kanal zur Publikation und zur Werbung der Polizeiarbeit genutzt. Polizeiaktionen (oder auch Nichtaktionen) stehen aber unter ständigen Online Kommentar und generieren einen zusätzlichen Druck auf die Arbeit. Für die Zukunft gilt es ebenfalls die Rolle der Polizei im virtuellen Raum zu definieren.

2.7. (Nicht-) Abgrenzung HPI

Die Ergebnisse der COMPOSITE Studie mit dem Verständnis und den Bedürfnissen der Polizei zu vergleichen und Schlüsse zu ziehen steht im Vordergrund dieser vorliegenden Arbeit. Nichts desto trotz wäre es (zu) einfach, die aktuellen Bestrebungen in der Schweiz unter dem Namen 'Harmonisierung Polizei Informatik Schweiz' (HPI) in dieser Arbeit als Abgrenzung zu führen.

Die vorgängig vorgestellten und stark zusammengefassten sechs Trends sind aus einem polizeilichen Blickwinkel getrieben. Sie COMPOSITE beurteilt Trends und deren beschreiben mögliche polizeiliche Entwicklungen mit organisatorischen und kulturellen Aspekten, basierend auf den festgestellten ICT Trends in der europäischen Polizeiarbeit.

Auswirkungen auf die Polizeiarbeit.

Zurzeit basiert das HPI Programm auf treibenden Kräften aus ICT Fachbereichen. Beispielsweise bei den Basisaussagen7 (auch Mind Set genannt) wird die Situationsanalyse nach einem MIT Enterprise Architecture as Strategy Modell8 dargestellt. Das weitere Vorgehen soll dabei abhängig von der technischen Integrationstiefe und dem Level an Standardisierung definiert und festgelegt werden. Die bedeutend konkreteren Ausdrucksweisen von HPI sind in den ICT Strategiegrundsätzen9 beschrieben. Dabei werden organisatorische, fachliche und technische Sichten mit einem Planungshorizont von drei bis fünf Jahren ausgeführt. In der Planung werden folgende wesentlichen Elemente aufgeführt:

- Rolle und Einbettung der Informatik innerhalb HPI und nach aussen
- Organisation und Mitarbeitende
- Anwendungen und Systemdesign
- Technologiearchitektur
- Betrieb und Unterhalt
- IT Sicherheit

Eine Abgrenzung zu HPI ist in dieser Arbeit dort definiert, wo bereits Einzelgeschäfte als Projekte abgewickelt werden.

In dieser Arbeit stehen die systemische Betrachtung und die eher langfristigen Bedeutungen der ICT Trends im Vordergrund. Unter einer systemischen Sicht wird die Berücksichtigung der personellen Aspekte, der Prozesse, der Organisation und der Technik verstanden. Wenn wir uns also der Bedeutung für ein Korps und den möglichen Vorbereitungen HPI agiert konkreter, mögliche, zukünftige technische Plattform Zusammen arbeits- formen. der zukünftigen Polizeiarbeit annehmen wollen, dann müssen alle drei Prozess Aspekte (Personal, Prozesse und Technik) bearbeitet, analysiert und ausgewertet werden.

3. Konzept und Arbeitsprozess

Damit diese Arbeit zu nachhaltigen Schlüssen kommen kann, muss eine gute Balance der 'Beobachtungen' gewährleistet werden. Nach der intensiven Auseinandersetzung mit den Studienergebnissen aus dem COMPOSITE Bericht stand dazu das 'Abholen' verschiedener Sichten an. Dabei habe ich vier unterschiedliche Anspruchsgruppen definiert. Die Polizeiarbeit (durch ausgebildete und vereidigte Polizisten) in Front und Rückwärtig differenziert und die technischen Fachkräfte nach Führungsstufen (Führung und Mitarbeiter) eingeteilt.

Zur Erstellung der Umfrage - welche sich mit dieser Ausgangslage natürlich aufdrängte - wurden unterschiedlichste Aspekte berücksichtigt. Umfragen werden teilweise schon fast inflationär eingesetzt, persönliche 'Interpretationen' gehen weitgehend verloren, die Motivation der Umfrageteilnehmer steht somit nicht auf dem bestmöglichen Niveau. Dank der Online Umfrage überwiegten trotzdem die positiven Aspekte. So konnte ohne finanzielle Kosten eine einfache Benutzerführung, eine kurze Zeit für die Dauer der Umfrage und eine rasche (elektronische) Auswertung ermöglicht werden. Die Umfrage selbst (siehe Anhang) basiert auf vier aufeinander aufbauenden Fragegruppen.

Einleitende, allgemeine Fragestellungen System- und Trendbewertungen Fragen nach dem wer, wie und was Verständnis-und Präzisierungsfragen An der Umfrage haben 19 Mitarbeiter der Kantonspolizei St.Gallen teilgenommen. Dies sind zehn Polizisten mit Frontkontakt, drei Polizisten im rückwärtigen Dienst und je drei ICT Angestellte mit und ohne Führungsaufgaben. Durchschnittlich arbeiten die Umfrageteilnehmer seit sechs bis zehn Jahren bei der Kantonspolizei St.Gallen. Drei sind seit über 16 Jahren und drei seit weniger als zwei Jahren bei der Polizei im Einsatz. Total wurden 42 Personen angeschrieben, was einer Teilnahmequote von 45% entspricht.

Wie sind die Graphiken zu lesen? Es sind immer alle angegebenen Antworten in Punkte umgewandelt. So sind am hier abgebildeten Beispiel -2 Punkte für 'absolut unzufrieden' oder für 'eher positiv' +1 Punkt vergeben. In der Graphik selbst sehen Sie jeweils den Mittelwert pro Anspruchsgruppe in einer eigenen Farbe dargestellt.

Abbildung 1 - Beispiel der Punktevergabe pro Fragestellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ausgewerteten Umfrageergebnisse werden mit den COMPOSITE Trends, den HPI Aktivitäten und auch mit den dem Autor bekannten Praxiserfahrungen verglichen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wird das mögliche weitere Vorgehen analysiert. Dies führte zu einer weiteren und erst im Verlauf der Arbeit initialisierten zusätzlichen Umfrage. Aufgrund der gebotenen Möglichkeit des Chefs Kommandodienste konnte diese (zweite) Umfragerunde direkt mit den Dienststellenchefs und Stellvertretern durchgeführt werden. Dabei nähern wir uns dem idealen Profil einen Brückenbauers, wir werden diesen in der Folge auch Business Analyst nennen.

Alle diese Erkenntnisse und Analysen werden zum Abschluss diskutiert und konkreten Schlüssen zugeführt.

4. Ergebnisse

4.1. Umfrageergebnisse

Ein erstes und den Autor überraschendes Ergebnis betrifft die Nutzenbewertung durch die Anwender der heute im Einsatz stehenden Systeme. Deshalb präsentiert sich diese Erkenntnis auch gleich hier am Anfang dieses Kapitels. Nicht innerhalb der einleitend aufgeführten Trends (COMPOSITE / HPI) wird der grösste Nutzen erkannt, sondern im eigentlich nahe liegenden. Mit einigem Vorsprung und als einzige Systemumgebung mit positiver Bewertung durch sämtliche befragten Anwendergruppen wird die Arbeit mit der (MS-) Office Palette betrachtet.

Abbildung 2 - Mehrwert der (IST-) Systemumgebungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Gesamtbeurteilung durch alle Umfrageteilnehmer zeigt folgende Reihenfolge:

1. Office Umgebung (5.0)
2. Portallösungen (2.7)
3. Übergreifende Suche (1.8) und
3. Führungs- und Informationssysteme (1.8) und
3. Dienstplanung (1.8)
6. Journal/Rapportsystem (-0.4)

Eine interessante Erkenntnis zeigt sich beim Journal/Rapportierungssystem. Die direkt Betroffenen (sprich Polizisten und somit die tagtäglichen Anwender) des Journal/Rapportsystem bewerten den Mehrwert positiv, die den technischen Teil betreibenden und unterhaltenden (sprich Angestellte aus den ICT Bereichen) negativ. Ebenfalls zu erwähnen ist die negative Bewertung der Dienstplanung durch die im Rückwärtigen arbeitenden Polizisten. Der Frontpolizist erkennt (oder nutzt) den Mehrwert der Führungs- und Informationssysteme im Gegensatz zum im Rückwärtig tätigen Polizisten nicht. ICT Führungspersonen und im Rückwärtigen tätige Polizisten erkennen in fünf von sechs Systemumgebungen einen durchaus nennenswerten Mehrwert. Bedeutend kritischer ist die Sicht der ICT Mitarbeitenden (3 negative zu 3 positiven). Diese Gruppe ist zugleich auch die den Mehrwert von ICT Systemen generell am geringsten einschätzende.

[...]


1 Comparative Police Studies in the EU, Draft of Deliverable D4.1, 2011, www.composite-project.eu (Dezember 2011)

2 Brückenschlager ist eine 'Eigenkreation' und meint damit unterschiedliche Ansprüche, verschiedene Arbeitskulturen und Problemlösungsprozesse zu akzeptieren und von allen das Beste zu einem gemeinsamen Erfolg zu nutzen

3 Quelle: http://www.fit.fraunhofer.de/de/fb/ucc/projects/composite.html (Januar 2012)

4 ICT Architektur beinhaltet alle statischen und dynamischen Rahmenbedingungen der Informations- und Kommunikationstechnologie eines Unternehmens oder einer Organisation. Sie stellt eine Leitlinie dar, die die Grundstrukturen beschreibt und gleichzeitig das Zusammenwirken aller Komponenten koordiniert. http://www.ict- expert.com/services/ictarchitecture.php (Juli 2012)

5 Lawful Interception (deutsch: Telekommunikationsüberwachung) bezeichnet die Möglichkeit von Staaten, den Telekommunikationsverkehr von beispielsweise Sprache, Text, Bildern und Filmen überwachen zu dürfen. (MELANI, 03.07.2012)

6 Quelle: https://www.bsi.bund.de/ContentBSI/Publikationen/Faltblaetter (Mai 2012)

7 Diese HPI Grundsätze standen dem Autor erst in den letzten Zügen der Diplomarbeit zur Verfügung. Eine Einbettung in diese Diplomarbeit, wenn auch nur punktuell und themenbezogen, ist trotzdem sichergestellt.

8 http://web.mit.edu/itag/eag/ (Juli 2012)

9 Quelle: ICT-Basisstrategie HPI, Version 1.1 (18.04.2012)

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656767893
ISBN (Buch)
9783656767916
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v277398
Institution / Hochschule
Hochschule Luzern – Polizei-Institut
Note
Sehr gut
Schlagworte
geschäftsprozesse european policing trends Topic_Polizei

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Polizei im Fokus der Informationstechnologie. Bedeutung der ICT für Polizeikorps