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Verbesserung der Kooperation im Sportunterricht

Unterrichtsentwurf 1999 14 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I THEMA DER UNTE RRICHTSREIHE

II LEITENDE ZIE LVORSTELLUNG DER UNTERRICHTSREIHE

III ZUR STRUKTUR DER UNTERRICHTSREIHE

IV TEILZIELE DER UNTERRICHTSSTUNDE

V BEDINGUNGSFELD

VI LEGITIMATION

VII SACHSTRUKTUR DER UNTERRICHTSREIHE

VIII DIDAKTISCHE REDUKTION

IX SACHSTRUKTUR DER UNTERRICHTSSTUNDE

X METHODISCHE SCHLÜSSELENTSCHEIDUNGEN

XI GEPLANTER STUNDENVERLAUF

I Thema der Unterrichtsreihe

Kooperative Spielformen im Sportunterricht - Wir treiben Sport gemeinsam und nicht in Konkurrenz.

II Leitende Zielvorstellung der Unterrichtsreihe

Die Schüler sollen in der geplanten Unterrichtsreihe lernen sich im Sportunterricht koope- rativ zu verhalten und gemeinsam zu Problemlösungen gelangen. Die dabei erfahrenen Momente, die eine von Kooperation und Akzeptanz der Schüler untereinander geprägte Lernatmosphäre erzeugen, sollen in Hinblick auf die Erarbeitung sportunterrichtlicher Un- terrichtsinhalte genutzt werden. Ein weiterer Zielaspekt der Unterrichtsreihe besteht in der kontinuierlichen Anleitung der Schüler zu einer selbst gestalteten Aufwärmarbeit, die durch eine schrittweise vorgenommene Reduktion der lehrergeleiteten Inhaltsmomente erreicht werden soll (siehe Anlage "schülergerechte Gymnastik" und Abschnitt "Methodische Schlüsselentscheidungen")

III Zur Struktur der Unterrichtsreihe

Die Unterrichtsstunden wurden als Doppelstunden gehalten und sind bei Abweichungen als Einzelstunde kenntlich gemacht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kooperation im Sportunterricht - Völkerballvarianten Inhalte:

Die Schüler1 erkennen über das praktische Gegenüberstellen verschiedener Völkerballvarianten, das ein Miteinander im Sportunterricht bzw. im Sportspiel unerlässlich ist, um gemeinsam (im Team) zu einem Spielerfolg zu gelangen (Völkerball klassisch in Gegenüberstellung zum Mattenvölkerball in verschiedenen Variationen). Die praktischen Inhalte wurden genutzt, um den Bereich der Teamfähigkeit bzw. der sozia- len Komponenten zu thematisieren (zusätzlich wurden kleine kooperative Spiele durchgeführt [Rübenzie- hen, Jurtenkreis, Gordischer Knoten etc. ]).

Kooperation im Sportunterricht - heutige Stunde Gemeinsam Handeln - Akrobatische Grundformen/ Kooperationsspiele Tschoukball - eine Einführung Tschoukballspiel - Grundtechniken Werfen, Fangen in Anlehnung an das Handball-/ Volleyballspiel Tschoukballspiel - spielnahes Anwenden der Grundtechniken Wir spielen Tschoukball - Regelkunde und Spiel

IV Teilziele der Unterrichtsstunde

Motorische Lernziele und -inhalte

- Die Schüler üben sich im selbstständigen Aufwärmen.
- Die Schüler schulen Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit.
- Die Schüler üben sich im Werfen und Fangen.
- Die Schüler verbessern ihre kinästhetischen und koordinativen Fähigkeiten Kognitive Lernziele und -inhalte
- Die Schüler lernen sich auf andere Schüler und deren Lösungsvorschläge einzulassen und so die Lösung von Bewegungsaufgaben gemeinsam zu erarbeiten.
- Die Schüler verbalisieren wesentliche Momente eines kooperativen Sportunterrichts.
- Die Schüler lernen in einer von Akzeptanz und Kooperation geprägten Lernatmosphäre.
- Die Schüler erproben verschiedene Lösungsalternativen um zu einem Ergebnis zu kommen. Sozial-affektive Lernziele und -inhalte
- Die Schüler kombinieren wetteifern und gemeinsames Handeln und lernen in ange- nehmer Lernatmosphäre gut motiviert.
- Die Schüler bauen untereinander Berührungsängste ab
- Im Sinne einer sinnvollen Koedukation werden Geschlechterbarrieren im Sportunter- richt abgebaut
- Die Schüler übernehmen Verantwortung für einen Teil des Unterrichts und identifizie- ren sich mit den Unterrichtsinhalten.
- Die Schüler lernen Gruppeninteraktionsprozesse kennen und erfahren Methoden für eine geregelte Kommunikation (Zuhören, gemeinsam zu Lösungen kommen).
- Das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Lerngruppe wird verbessert
- Die Schüler planen strategische Handlungsabfolgen in der Gruppe
- Die Schüler erweitern ihre kooperative Handlungsfähigkeit beim Planen und Durchfüh- ren der Lösungen
- Dass Zusammenarbeit erfordert, eigene Interessen zurückzustellen,

V Bedingungsfeld

(A) Anthropogene und soziokulturelle Voraussetzungen

Am Sportunterricht nehmen 13 Schüler und 10 Schülerinnen der 6. Jahrgangsstufe teil. Ich unterrichte diese Lerngruppe seit Beginn des Schuljahres jeweils donnerstags in der 3. und 4. Stunde, konnte krankheitsbedingt jedoch erst 5 Doppelstunden unterrichten. Ein Teil der Schüler ist mir aus dem Schwimmunterricht des letzten Schuljahres bekannt. Der Unterricht findet in der Halle 4 der Hauptschule II +++ statt. Diese Kleinturnhalle ver- fügt über eine ausreichend gute Materialausstattung und kann von uns in ihrer Gesamtheit genutzt werden. Zusätzliche Sportgeräte2 können in die Unterrichtsplanung einbezogen werden, da unser überdurchschnittlich motivierter Hallenwart sehr engagiert am Unter- richtsgeschehen in seinen Hallen Anteil nimmt.

Für die Schüler und Schülerinnen besteht nach dem Sportunterricht Duschpflicht. Dies muss in der Stundenplanung berücksichtigt werden, um den Schülern eine ausreichende Körperhygiene zu ermöglichen.

Die dargestellte Unterrichtsstunde stellt den ersten 45 Minuten Teil der Doppelstunde dar.

(B) Sachstruktureller Entwicklungsstand

Der Sportunterricht wurde bisher möglichst offen gestaltet, hier zeigten die Schüler und Schülerinnen ein hohes Maß an Kreativität und Ideenreichtum. Ein bewusst kooperatives und strategisches Handeln ist für diese Lerngruppe erst seit Beginn der Unterrichtsreihe thematisiert worden bzw. wurde meist unbewusst von den Schülern durchgeführt. In der heutigen Stunde sollen die Schüler daher ihre bisherigen Erfahrungen aus dem Bereich der Sozialkompetenzen nutzen, um gemeinsam zu Lösungen zu gelangen. Die Klasse ist al- tersgemäss gut für die verschiedenen Inhalte des Sportunterrichtes zu begeistern und zeigt sich auch neuen und alternativen Bewegungsangeboten gegenüber sehr aufge- schlossen. Im Rahmen der Unterrichtsarbeit wurden beispielsweise auch Inhalte zum Fris- beespiel ohne Probleme erarbeitet.

In Bezug auf das Sozialverhalten, welches in dieser Stunde das inhaltlich zentrale Unter- richtsthema darstellt, weisen die Schüler der Klasse teilweise aufzuarbeitende Defizite auf. Die Klasse ist insgesamt sehr ungestüm und bewegungsfreudig. Dies stellt einerseits eine gute Grundlage für ein gelingendes Sporttreiben dar, führt aber dann zu Problemen, wenn es darum geht gemeinsame Aufgaben zu bearbeiten oder bestimmte organisatorische Vorgaben zu erfüllen3. In solchen Momenten stellen sich immer wieder die "Experten" in den Vordergrund, andere Schüler fallen automatisch in eine sehr passive Position. Die Klasse ist sehr darauf bedacht alle Arten von wettkampforientierten Sportspielen zu spielen, was desöfteren zu nicht ganz unproblematischen Diskussionen und letztlich zu einer Lernatmosphäre führt, die nicht selten von Trotz und Aggression geprägt sind. Ins- besondere die im Folgenden aufgeführten Schüler fallen beim Vergleich mit dem Rest der Lerngruppe durch ihre ungestümes (nicht böse gemeintes) Verhalten auf. Das Verhalten einiger Schüler in der Klasse machte es in der Vergangenheit zusätzlich nö- tig, auf das jeweilige Sozialverhalten Bezug zu nehmen. Hier trat besonders das respektlo- se Verhalten gegenüber der Mädchen und leistungsschwächeren Schülern in den Vorder- grund der Besprechungen.

In diesem Zusammenhang fallen Nedjad4 (jugoslawischer Abts.), Kemal5 (türkischer Abst.), Albert6 (jugoslawischer Abst.) und Sascha7 heraus. Sie sind sehr aufbrausender Natur und prinzipiell sehr gut motiviert. Sie sind sehr gute Sportler, weisen aber im Sport- unterricht sehr egoistische Züge auf. Es fällt allen Vier sehr schwer sich einmal den Be- dürfnissen der Gruppe unterzuordnen. Im Unterrichtsverlauf kam es desöfteren zu aggres- siven Disputen mit ihren Mitschülern, die jedoch nach dem Unterricht zurückgestellt wer- den. Ich konnte selbst erfahren, dass es diesen Schülern enorme Schwierigkeiten bereitet Fehler8 vor der Gruppe einzugestehen und Einsicht zu zeigen. Sie prägen in dieser Lern- gruppe das Lernverhalten erheblich.

Trotz der genannten Aufälligkeiten macht mir der Unterricht in dieser Lerngruppe ausserordentlich viel Spass. Insbesondere weil sie allen Bewegungsangeboten aufgeschlossen gegenüber reagieren und immer gewillt sind, das Unterrichtsgeschehen auch kritisch und offen zu reflektieren.

VI Legitimation

Der didaktische Schwerpunkt der Stunde "kooperatives bzw. strategisches Handeln" lässt sich in keinen der in den Richtlinien aufgeführten Sportbereich einordnen. Die den Schü- lergruppen zur gemeinsamen Lösung gestellte Bewegungsaufgabe soll die soziale Hand- lungskompetenz innerhalb der Lerngruppe fördern. Die darin enthaltenen Lernchancen sind, auch über die Grenzen des Sportunterrichts hinaus, von großer Bedeutung. Hinsichtlich der zu erwerbenden Qualifikationen stellt die spielerische, explorative und so- zial-integrative Bewegungsaufgabe die Schüler vor ein sie herausforderndes Problem.

"Beim Problemlösen werden wichtige Komponenten sportbezogener und sportübergreifender Handlungsfähigkeit gefordert (und damit zugleich gefördert), z.B. die Fähigkeit zu Improvisieren, Einfallsreichtum, produktivem Denken und Handeln, Strategien zur Zusammenarbeit." (Brodtmann 1984, 12) In den pädagogischen Rahmenvorgaben für den Schulsport des Landes Nordrhein- Westfalen wird vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung (1998) das Kooperieren, Wettkämpfen und sich verständigen im Hinblick auf die Richtlinien 2000 deutlich hervor- gehoben. Diese wichtige pädagogische Perspektive des Schulsports wird der Erwartung von Schule gerecht, mehr Gewicht auf Erziehung zu legen und ausreichend Anlässe für soziales Lernen und soziale Verantwortung zu schaffen. Die Lerngruppe kann als Gemein- schaft erlebt werden, Spielfähigkeit und Fairness werden gefördert. In diesem Sinne soll den Schülern innerhalb der Unterrichtsreihe ermöglicht werden, das soziale Miteinander in typischen Situationen des Sports zunehmend selbstständig und verantwortungsvoll zu re- geln. "Anlässe dafür bieten alle sportlichen Aufgaben, die durch gemeinsames Handeln zu lösen sind, besonders wenn arbeitsteilig kooperiert wird" (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung 1998, 11).

Der Sportunterricht kann Kindern und Jugendlichen Anstösse geben, die in mehrfacher Hinsicht förderlich sind. Es ist daher eine unverzichtbare Aufgabe der Schule, diese im Sport angelegten besonderen pädagogischen Möglichkeiten zu erschliessen (Richtlinien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vergleichende Darstellung der alten und neuen Richtlinien für das Fach Sport in NRW bezüglich des Unterrichtsthemas.

[...]


1 Hier sind Schüler und Schülerinnen gemeint, aus stilistischen Gründen wird im Weiteren für beide Geschlechter der Begriff "Schüler" verwendet.

2 Tennisbälle, Gymnastikbälle, Badmintonschläger etc.

3 Das ungestüme Verhalten setzt sich beispielsweise auch während des Auf- und Abbauens von Sportgeräten fort und führt oft dazu, dass Bewegungszeit gegenüber Organisationszeit in den Hintergrund tritt.

4 Er ist für alle Inhalte gut zu motivieren, bekommt Anleitungen und Beschreibungen leider trotz ruhiger und bewusster Ansprachen oft nicht mit. Typischer Ausspruch: "Wann fangen wir denn endlich an ? und was sollen wir machen ?"

5 Er ist der kräftigste Schüler der Klasse und nimmt für viele seiner Schüler eine "Führerrolle" ein.

6 Er zeigt gegenüber eigenen Fehlleistungen ein geringes Frustpotenzial und fühlt sich schnell benachteiligt.

7 Er wiederholt diese Jahrgangsstufe, fügt sich aber trotz seines sehr antriebhaften Wesens gut in das Klassengefüge ein.

8 Beispiele: Akzeptanz eigener Regelverletzungen, Zurückstellen eigener Wünsche vor Wünschend er Gruppe etc...

Details

Seiten
14
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638296557
ISBN (Buch)
9783640133765
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27666
Note
1.0
Schlagworte
Verbesserung Kooperation Sportunterricht Studienseminar Arnsberg team teamarbeit

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