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Die Luthertexte als Bestseller des 16. Jahrhunderts. Kultureller Kontext, Rhetorik und Rezeption

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit:
2.1 Das Reich
2.2 Die Kirche
2.3 Die Volksreligiosität:
2.4 Die Sprache
2.5 Der Buchdruck

3. Das Wort
3.1 Martin Luther:
3.2 Luthers Sprache
3.3 Rezeption

4. Zusammenfassung:

5. Fazit:

6. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Als am 31. Oktober 1517 der 33-jährige Augustinermönch Martin Luther seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, ahnte er nicht, welche weltgeschichtliche Bedeutung dies haben würde. Seine Absicht war, die Geistlichkeit seiner Zeit zu einer wissenschaftlichen Disputation anzuregen, die tatsächlichen Folgen jedoch führten zu einer Spaltung der christlichen Welt.

Wie konnte es soweit kommen? Warum bewirkte der bis zu diesem Zeitpunkt fast unbekannte Luther solch ein Ereignis? Weshalb wurde er zu einem erfolgreichen Reformator und nicht zu einem von der Kirche verdammten Ketzer, dessen Weg auf dem Scheiterhaufen endete? Welchen Anteil an dieser Entwicklung hatte seine Persönlichkeit, seine Rhetorik, seine Sprache?

Um diese Fragen zu beantworten, beschreibe ich zuerst die politische Lage im damaligen deutschen Reich. Danach skizziere ich die Situation der Kirche im 16. Jahrhundert und die Religiosität des Volkes. Je ein kurzes Kapitel zum Entwicklungsstand der deutschen Sprache und über den Buchdruck beenden der ersten Teil der Ausführung.

Im zweiten Teil fasse ich den Lebenslauf Martin Luthers zusammen, gehe auf seinen Sprachstil und seine Ausdrucksweise ein. Anschließend schildere ich die Rezeption seiner Schriften und ende mit einer Zusammenfassung der einzelnen Kapitel.

Im Fazit beantworte ich die Frage nach dem Anteil der Sprache Martin Luthers am Erfolg der Reformation.

2. Die Zeit

2.1 Das Reich

Karl V., König von Spanien und Herzog von Burgund, war 1519 zum römisch-deutschen König gewählt worden[1] Ab 1530 stand er als Kaiser an der Spitze des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er war Herr über einen Großteil Europas und über verschiedene amerikanische Kolonien. Als Habsburger hatte er seine Hausmacht in Österreich. Sein Hauptinteresse galt dem Erhalt seines Weltreiches, nicht dem politischen Geschehen in Deutschland. Im Reich gab es keine politische Zentralgewalt, es bestand aus lauter kleinen Staatsgebilden. Den jeweiligen Kurfürsten und Reichsstädten kam die Situation gelegen, da sie mit einem weit entfernten Kaiser und dadurch mit wenig Einmischung rechnen konnten.[2] Sie nutzten die Gegebenheit zur Stärkung ihrer Territorialmacht und zur Schwächung der Habsburger. Karl V. bekämpfte jedoch die reformatorische Bewegung. Durch die Spaltung des Christentums sah er die politische Einheit seines großen Reiches bedroht. Zusätzlich war ihm ein die gute Beziehung zum Papst wichtig, da er auf dessen Unterstützung bei seinem Kampf gegen Frankreich hoffte.[3] Karls Kräfte allerdings waren außenpolitisch gebunden. In den Anfangsjahren der Reformation sah keine Möglichkeit den Glaubenskonflikt militärisch zu lösen.

2.2 Die Kirche

Der Mittelpunkt des Lebens war im Mittelalter der christliche Glaube. Seine Vertreter jedoch hatten sich immer mehr vom ursprünglichen Gedanken des Christentums entfernt. Der Papst war nicht nur geistlicher, sondern auch weltlicher Herrscher. Religion und Politik waren eng mit einander verwoben. Die Kirche hatte immensen Reichtum angehäuft. Die Geistlichen lebten im Luxus. Innerkirchliche Reformansätze endeten im Nichts. Die Anhänger der sich seit dem 15.Jahrhundert entwickelnden außerkirchlichen Erneuerungsbewegungen wurden verfolgt und als Ketzer verurteilt. Die Korruptheit der Kurie, der weltliche Lebenswandel der Päpste und des Klerus sowie eine Vernachlässigung der Seelsorge wurden an den Pranger gestellt.[4] Die Rufe nach Reformen wurden lauter und verstummten nicht mehr.[5]

2.3 Die Volksreligiosität

Das religiöse Leben des Spätmittelalters bot eine bunte Vielfalt. Es gab zahlreiche Laienbewegungen und mystische Strömungen. Viele Menschen glaubten an das kurz bevorstehende Ende der Welt. Seuchen, Naturkatastrophen, Sonnen- und Mondfinsternisse, abnorme Geburten und angebliche Wundererscheinung wurden als Zeichen des drohenden Weltunterganges gedeutet. Die Furcht vor dem strafenden Gott, dem Tod und dem Fegefeuer war allgegenwärtig Durch prachtvolle Kirchenbauten, Stiftungen und Spenden zum Beispiel hoffte man, sich sein Seelenheil erkaufen zu können. Wallfahrtsorte wurden populär, zahlreiche Heiligen- und Reliquienkulte entstanden. Immer mehr Gebete wurden gebetet, immer mehr Messen gelesen. Doch all dies konnte die Angst vor dem Jüngsten Gericht nicht mehr beschwichtigen.[6].

2.4 Die Sprache

Im 16. Jahrhundert befanden sich die verschiedenen deutschen Mundarten auf dem Weg zu einer Vereinheitlichung. Es fand ein allmählicher Sprachausgleich auf der Grundlage der Kanzleisprachen statt. Laut Theodor Frings[7] spielte das Ostmitteldeutsche, in das Luther hineingeboren wurde, eine große Rolle in diesem Prozess. Es hatte sich zu der von den Kanzleien vorrangig benutzten Sprache herausgebildet und trug dadurch wesentlich zur Entwicklung des Neuhochdeutschen bei.[8]

2.5 Der Buchdruck

Die von Johann Gensfleisch zu Gutenberg im Jahr 1454 entwickelte Drucktechnik mit beweglichen Lettern war für die knapp ein Jahrhundert später einsetzende Reformation von außerordentlicher Bedeutung.[9]. Texte mussten nicht mehr in langwieriger Arbeit handschriftlich kopiert werden, sondern konnten schnell gedruckt, vervielfältigt und verbreitet werden. Die Bibel konnte in vielen Auflagen hergestellt, die Flugblätter und -schriften konnten zeitnah unters Volk gebracht werden.

3. Das Wort

3.1 Martin Luther

Am 10. November 1483 wurde Martin Luther in Eisleben geboren. Nach dem Besuch der Mansfelder Trivialschule[10] (1488), der Domschule in Magdeburg (1497) und der Eisenacher Pfarrschule St. Georg (1498-1501) wechselte er zur Universität Erfurt. Hier befasste er sich hauptsächlich mit Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Logik und Ethik. 1505 erwarb er den Abschluss Magister artium und entschied er sich für ein Jura-Studium.

Im Sommer 1505 entging er knapp dem Tode. Ganz in seiner Nähe war ein Blitz eingeschlagen. Unter dem Eindruck des Geschehens legte Martin Luther ein Gelübde ab. Er wurde Mönch bei den Erfurter Augustiner-Eremiten. 1507 fand die Priesterweihe statt. Nun studierte er Theologie und wechselte im Oktober 1508 in den Wittenberger Augustinerkonvent. 1510 wurde Luther von seinem Orden nach Rom geschickt, wo ihm die Verweltlichung der Kirche vor Augen geführt wurde. Sein Entsetzen war groß. 1511 kehrte er nach Erfurt zurück, im Oktober 1512 promovierte er zum Doktor der Theologie. Luthers Kritik an den Missständen innerhalb der kirchlichen Institutionen und dem ausschweifenden Lebensstil des Klerus wuchs stetig. Der ausufernde Ablasshandel war ihm unerträglich. Er verfasste 95 Thesen, die er am 31. Okt. 1517 an der Wittenberger Allerheiligenkirche aushängte. Sie waren als Diskussionsgrundlage gedacht, wurden jedoch zum politischen Zündstoff und zum Beginn der Glaubensspaltung. Die Reformation hatte begonnen.[11]

Auf dem Wormser Reichstag (1521) sollte Luther zum Widerruf bewegt werden. Da er sich weigerte, wurde er mit der Reichsacht belegt. Zuvor hatte ihn Papst Leo X.[12] exkommuniziert. Geschützt durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich von Sachsen verbrachte er ein knappes Jahr auf der Wartburg in Eisennach. Hier übersetzte er das Neue Testament aus dem Griechischen. In den Jahren danach befasste er sich mit der Übertragung des Alten Testaments aus dem Hebräischen in das Deutsche. 1534 erschien die erste Ausgabe seiner deutschen Bibel.

1525 hatte Luther geheiratet. Er widmete sich der Konsolidierung seiner Kirche, überarbeitete die Bibel und setzte sich mit theologischen Lehrfragen auseinander. 1535 wurde er zum Dekan der theologischen Fakultät der Wittenberger Universität ernannt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod am 18. Februar 1546 aus.[13]

3.2 Luthers Sprache

Martin Luther war in seinem Leben mit vielen deutschen Mundarten in Berührung gekommen. Seine Eltern redeten thüringisch, ein ostmitteldeutscher Dialekt, der dem hochdeutschen zugerechnet wird. Sie waren in Mansfeld zugewandert, so dass ihre Kinder in einem niederdeutschen Sprachgebiet heranwuchsen. Der Großteil des Schriftverkehrs fand jedoch in Mitteldeutsch statt.[14]

[...]


[1] Karl V. (1500 - 1558) ab 1516 als Karl I. König von Spanien, 1519 durch Wahl Römisch-deutscher König. 1530 Krönung zum Kaiser durch den Papst.

[2] Vergl. Schnyder, Caroline: Reformation, Stuttgart 2008, S. 33.

[3] Vergl. Stollberg-Rilinger, Barbara: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalters bis 1806, München 4 2009, S. 52.

[4] Vergl. Schnyder: Reformation, S. 23 ff..

[5] Vergl. Heim, Manfred: Einführung in die Kirchengechichte, München 2 2008, S. 82.

[6] Vergl. Schnyder: Reformation, S. 21 ff.

[7] Theodor Frings (1886 - 1968) deutscher germanistischer Mediävist und Linguist.

[8] Vergl. König, Werner: dtv-Altas Deutsche Sprache, München 16 2007, S. 93.

[9] Vergl. Krischke, Wolfgang: Was heißt hier Deutsch? Kleine Geschichte der deutschen Sprache, München 2009, S. 83.

[10] Trivialschule: Bezeichnung aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit für eine Lateinschule. Hier wurde das Trivium (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) unterrichtete, während in den Universitäten das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik) gelehrt wurde.

[11] Vergl. Schnyder: Reformation, S. 31..

[12] Leo X.: (geboren am 11. Dez. 1475 als Giovanni de Medici; Pontifikatszeit: 11. März 1513 bis zu seinem Tod am 1. Dez. 1521).

[13] Wolf, Herbert: Martin Luther, eine Einführung in germanistische Luther-Studien, Stuttgart 1980, S. 11 ff.

[14] Vergl. Krischke: Was heißt hier Deutsch?, S. 79.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656697770
ISBN (Buch)
9783656699859
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276621
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
luthertexte bestseller jahrhunderts kultureller kontext rhetorik rezeption

Autor

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Titel: Die Luthertexte als Bestseller des 16. Jahrhunderts. Kultureller Kontext, Rhetorik und Rezeption