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Entwicklungsindikatoren. Wie soll Entwicklung gemessen werden?

Seminararbeit 2010 19 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Bedeutung von Entwicklung.

3. Entwicklungsindikatoren
3.1. Geschichte der Entwicklungsindikatoren
3.2. Definition von Entwicklungsindikatoren
3.3. UNRISD-Indikatoren
3.4. Indikatoren für soziale Entwicklung..
3.5. Indikatoren für soziale und politische Menschenrechte
3.6. Indikatoren für außenwirtschaftliche Verwundbarkeit und Nachhaltigkeit.

4. Nutzen und Probleme bei der Verwendung von Indikatoren.

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars Entwicklungspolitik mit dem Seminarthema Entwicklungsbegriff und Entwicklungstheorien wurden unterschiedliche Sichtweisen und Themenstellungen zu diesen beiden Begriffen dargestellt. So wurden beispielsweise der Grundbedürfnisansatz, frühe Konzepte von Entwicklung, die Geschichte der Unterentwicklung, das Entwicklungsproblem aus der Sicht des Südens, Dualismus, der informelle Sektor sowie der Washingtoner Konsens angesprochen. Die Referatseinheit am 15. April 2010 behandelte das Thema Entwicklungsindikatoren. Dabei lautete die zentrale Fragestellung: Wie soll man Entwicklung messen?

In dieser Seminararbeit wird es thematisch nun darum gehen, wie Entwicklung gemessen werden kann und welche Rolle dabei Indikatoren der Entwicklung spielen können. Entwicklung ist eine ambivalente Begrifflichkeit, die einerseits ziemlich verschwommen ist und sich durch unterschiedliche Definitionen auszeichnet, andererseits jedoch häufig eine westliche Sichtweise widerspiegelt, die auf eine lineare Fortschrittsmodernisierung abzielt, und andere Entwicklungsmöglichkeiten nicht in Betracht zieht.

Einführend wird auf die Bedeutung von Entwicklung eingegangen und was darunter zu verstehen ist. Die Entwicklungsindikatoren werden geschichtlich dargestellt und definiert sowie thematisch eingeteilt. Nutzen und Probleme bei der Verwendung von Indikatoren werden angesprochen und abschließend ein Resümee gezogen.

2. Die Bedeutung von Entwicklung

Wenn von Entwicklung gesprochen wird, handelt es sich dabei stets um einen Prozess. Dieser geht von einem bestimmten Startpunk aus, der länderspezifisch unterschiedlich ausfällt. H. W. Singer weist darauf hin, dass für viele Länder des Südens schlechte Ausgangsbedingungen vorherrschend sind. Ein Grund dafür sind die hohen Schulden der Entwicklungsländer, die eine Abhängigkeit von anderen AkteurInnen nach sich ziehen. Als Beispiel wird die neoliberale Ideologie der Bretton Woods Institute angeführt, die den Washingtoner Konsens diktierten. Somit befinden sich die Entwicklungsländer in einer Schuldenabhängigkeit, die enorme negative Auswirkungen für die jeweiligen Länder nach sich ziehen (vgl. Singer 1993: 9ff.).

In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, wurde die Bezeichnung der ökonomischen Entwicklung dahingehend verwendet, dass damit die Ausbeutung und Entwicklung von natürlichen Ressourcen verstanden wurde (vgl. Arndt 1981: 463). „In the immediate postwar years, “economic development” became virtually synonymous with growth in per capita income in the less developed countries. Arthur Lewis in 1944 declared the object of a program of rapid economic development to be to “narrow the gap” in per capita income between rich and poor countries.” (Arndt 1981: 465). Somit war zu diesen Zeiten der Entwicklungsbegriff stark auf natürliche Ressourcen und das Einkommen pro Kopf ausgerichtet.

Dudley Seers gibt hingegen den Hinweis darauf, dass Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum nicht gleichzusetzen sind, denn Entwicklung bedeutet mehr als die ausschließliche Fokussierung auf ein wirtschaftliches Wachstum. Jedoch handelt es sich bei dieser Einsicht nur um eine inhaltsleere Worthülse, da Planungsziele immer noch überwiegend oder sogar gänzlich darauf ausgerichtet sind, eine Erhöhung des Sozialprodukts zu erreichen (vgl. Seers 1981: 39). Dies deutet auf ein Vorhandensein des Bewusstseins hin, dass Entwicklung nicht gleichbedeutend ist mit wirtschaftlichem Wachstum, aber in der praktischen Umsetzung zielt es dennoch häufig genau darauf ab.

Wenn es um die Entwicklung eines Landes geht, muss hinterfragt werden, inwieweit Armut im Land vorhanden ist, wie hoch der Anteil der arbeitslosen Bevölkerung ist und wie es um die Ungleichheit im Land bestellt ist? Wenn es zu einer Verringerung der Armut gekommen ist, die Anzahl der arbeitslosen Personen abgenommen hat und weniger Ungleichheit im Land vorherrschend ist, dann kann offenbar von einer Phase der Entwicklung für das jeweilige Land gesprochen werden. Wenn sich jedoch eines, zwei oder alle dieser zentralen Problemfelder verschlechtert haben, ist es paradox, von Entwicklung zu sprechen, auch wenn gleichzeitig ein Anstieg des Einkommens pro Kopf zu verzeichnen ist. Diese Gegebenheit gilt es sich auch stets vor Augen zu führen, wenn es darum geht, einen Entwicklungsplan zu bestimmen. Wenn darin die Verringerung von Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Armut nicht enthalten ist, kann in diesem Zusammenhang nicht von Entwicklung gesprochen werden (Seers 1974: 225).

3. Entwicklungsindikatoren

In diesem Kapitel soll es geschichtliche Hintergründe zu den Entwicklungsindikatoren geben sowie eine Definition dieser. Anschließend erfolgt eine Einteilung der Entwicklungsindikatoren in thematische Gruppen. Um Messungen im Bereich Entwicklung durchzuführen, benötigt es Indikatoren. Die Verwendung von bestimmten Indikatoren trifft schon eine gewisse Vorauswahl, welche Aspekte von Entwicklung gemessen werden. Generell liegt die Absicht bei der Messung von Entwicklung darin, dass Entwicklungsunterschiede aufgezeigt werden können. Anhand dieser Abweichungen in der Entwicklung, werden Schwachstellen aufgezeigt und es ergeben sich Ansatzmöglichkeiten, um Fehlentwicklungen entgegen zu steuern.

3.1. Geschichte der Entwicklungsindikatoren

In den 1970er Jahren gab es besonders durch die Organisationen United Nations Research Institute for Social Development (UNRISD) und United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) zahlreiche Diskussionen und Meinungsaustausch bezüglich Sozial- und Entwicklungsindikatoren. Danach verschwand das Thema Indikatoren aus der Öffentlichkeit, jedoch wurde die Forschung darüber von den internationalen Organisationen weiter geführt, da für Vergleichsstatistiken Indikatoren eine wichtige Rolle spielten. In dieser Zeit wurden verschiedene Studien durchgeführt, welche von den Vereinten Nationen im Jahr 1989 im Handbook of Social Indicators zusammen gefasst wurden. Der durch die United Nations Development Programme (UNDP) im Human Development Report präsentierte Human Development Index von 1990 belebte den Diskussionsbedarf hinsichtlich Indikatoren wieder (vgl. Nohlen 1992: 76).

3.2. Definition von Entwicklungsindikatoren

Die Bezeichnung Indikator wird oftmals unreflektiert verwendet. Prinzipiell deutet ein Indikator auf eine Gegebenheit hin, die er nicht selbst repräsentiert, oder zumindest nur teilweise. Er zeigt mehrere Komponenten eines komplexen Gefüges an, als er selber in der Lage ist zu messen. Indikatoren werden daher auch Ersatzmaßeinheiten genannt. Eine statistische Größe stellt nicht automatisch einen Indikator dar, sondern nur dann, wenn ein theoretischer Bedeutungszusammenhang erzeugt wird (vgl. Nohlen 1992: 77).

So sind „ökonomische und soziale Indikatoren […] nicht einfach Statistiken und Statistiken sind nicht ipso facto Indikatoren – es sei denn, eine Theorie oder Annahme machen sie dazu, indem die Indikator-Variable zu einem Phänomen in Beziehung gesetzt wird, das nicht ist, was sie direkt und voll mißt“ (McGranahan zitiert nach Nohlen 1992: 77f.).

Indikatoren werden demnach herangezogen, um bestimmte Hintergründe zu beleuchten und über spezielle Sachverhalte eine Aussage zu treffen. Bezüglich der Entwicklungsforschung wird dabei der Versuch unternommen, einzelne Aspekte der Entwicklung besser zu verstehen und hierfür Maßnahmen zu treffen, um einen Entwicklungsprozess zu unterstützen.

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Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656694656
ISBN (Buch)
9783656695578
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276406
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Internationale Entwicklung
Note
Schlagworte
Internationale Entwicklung Entwicklung Entwicklungsbegriff Entwicklungstheorien Entwicklungsindikatoren Bedeutung Geschichte Definition Indikatoren UNRISD sozial politisch außenwirtschaftlich Menschenrechte Verwundbarkeit Nachhaltigkeit Nutzen Probleme Verwendung Ökonomie Bruttonationaleinkommen Entwicklungsplanung Entwicklungsbereiche

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