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Die Sozialversicherung in Deutschland

Ein tragfähiges Konzept in Anbetracht der demographischen Entwicklung?

Hausarbeit 2014 19 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die demographische Entwicklung in Deutschland
2.1 Einflussfaktoren
2.2 Bevölkerungsentwicklung

3 Die soziale Sicherung in Deutschland
3.1 Entstehung und Entwicklung
3.2 Soziale Sicherung im Überblick
3.3 Probleme der Sozialversicherung

4 Alternative: Bedingungsloses Grundeinkommen
4.1 Reformvorschlag und Idee
4.2 Finanzierung des Grundeinkommens
4.3 Chancen und Risiken eines bedingungslosen Grundeinkommen

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

1 Einleitung

"Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft Recht auf soziale Sicherheit; er hat Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maß nahmen und internationale Zusammen- arbeit unter Berücksichtigung der Organisation und der Hilfsmittel jedes Staates in den Genuß der für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit un- entbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen."1

Durch die Sozialversicherung wird Menschen in Problemlagen durch Umlage der gemeinschaftlich gezahlten Sozialversicherungssumme geholfen, ihren Lebensunterhalt mindestens existenzsichernd zu bestreiten. Doch staatlich finanzierte Menschen scheinen in unserer Gesellschaft weniger wert zu sein, als die, die ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten können. Aber kann ein Mensch überhaupt weniger „wert“ sein, als ein anderer?

Das deutsche Sozialversicherungssystem berücksichtigt alle Bürger, welche bei Be- dürftigkeit von dieser Versicherung profitieren. Da es sich um eine soziale Versiche- rung handelt, scheint es, dass die, denen es besonders schlecht geht, davon am meis- ten profitieren. Dies führt weniger zu einem solidarischen Miteinander, sondern bringt vielmehr beide Gruppen gegeneinander auf und führt mitunter zu einem Ge- fühl der Ungerechtigkeit, anstelle eines Gefühls der Gemeinschaft. Deutschland be- steht aus Reichen, Armen, Kinderlosen, Kinderreichen, Kranken, Gesunden, Alten und Jungen. Der demographische Wandel ist gerade durch die Mehrheit an Kinderlo- sen und Alten geprägt.

Im Folgenden möchte ich die Einflussfaktoren des demografischen Wandels in Ver- bindung mit der veränderten Bevölkerungsstruktur vorstellen. Diesbezüglich werde ich das aktuelle Sozialversicherungssystem in Deutschland darlegen und im An- schluss das bedingungslose Grundeinkommen als Alternative zur deutschen Sozial- versicherung vorstellen.

2 Die demographische Entwicklung in Deutschland

2.1 Einflussfaktoren

Einfluss auf die demographische Entwicklung nimmt die Geburtenziffer, die Lebens- erwartung und die Wanderung. Diese drei Faktoren verändern sich insbesondere in Abhängigkeit von der medizinischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ent- wicklung.

Die Geburtenziffer, welche die Anzahl der geborenen Kinder pro Frau darstellt, ist seit mehr als drei Jahrzehnten zu gering. Durch die sozio-ökonomische Entwicklung kam es zu einem sogenannte „ersten Geburtenrückgang“, der sich zwischen 1908 und 1933 ereignete. Ausschlaggebend hierfür waren die abnehmende ökonomische Bedeutung von Kindern und die Einführung von staatlichen Fürsorgeleistungen. Der „zweite Geburtenrückgang“ vollzieht sich seit 1965. Durch die damalige Einführung der Antibabypille und der damit verbundenen sinkenden Fertilität der Frauen, sinkt die Geburtenrate weiter. Am zunehmenden Geburtenrückgang sind vielfältige, sich gegenseitig beeinflussende Faktoren beteiligt, wie zum Beispiel die veränderten so- zio-ökonomischen Rahmenbedingungen, der kulturelle und damit verbundene Wer- tewandel, vielfältigere Lebensformen und der damit verbundene Wandel der Institu- tionen in Familie, Wirtschaft und Politik. Um die Bevölkerung auf einem etwa glei- chen Niveau zu halten, müsste jede Frau mehr als 2 Kinder gebären (Geburtenziffer 2,1).2 Eine Geburtenziffer von etwa 2,1 wurde in Deutschland zuletzt 1969 erreicht. Im Jahr 2010 wurde Sie zum Vergleich mit weniger als 1,4 beziffert.3 Das heißt, dass damit die heutige Bevölkerungsanzahl weiter sinken wird.

Weiteren Einfluss in Bezug auf den demographischen Wandel nimmt die zunehmen- de Lebenserwartung in Deutschland. Bedingt durch den medizinisch-technischen Fortschritt und einem gesundheitsbewussteren Verhalten, hat sich die durchschnitt- lich zu erwartende Lebenserwartung verlängert. Mittlerweile liegt sie für Männer bei etwa 75 Jahren und 81 Jahren für Frauen. Die Lebenserwartung wird weiter steigen.4

Ferner nimmt die Differenz zwischen den Zu- und Abwanderungen Einfluss auf die soziale und demographische Entwicklung. Hierbei ist keine Kontinuität festzustellen, da die Wanderungsbewegungen von politischen, wirtschaftlichen, demografischen und ökologischen Faktoren in den Herkunftsländern sowie in Deutschland entschei- dend sind. Daher ist es schwer, Prognosen bezüglich dieser Entwicklung zu erstel- len.5 Da in Deutschland weniger Kinder geboren werden und Überschüsse in den Bildungskapazitäten bestehen, könnten wir von Einwanderern aus Ländern mit Kin- derüberschuss und niedrigem Bildungsstand beidseitig profitieren.6 Es zeichnet sich derzeit ein deutlicher Wanderungsgewinn von Rumänen und Bulgaren ab. Im Jahr 2012 hat sich die Zahl der Zuzüge aus Rumänien im Vergleich zu 2006, dem Jahr vor dem EU-Beitritt in etwa verfünffacht. Im Falle Bulgariens hat sich die Zuwande- rungszahl fast verachtfacht. Die Zahl der bildungsausländischen Studenten ist im Vergleich zum Vorjahr um 9% gestiegen. Die Zuwanderung ist durch Fluktuation geprägt, hält sich dennoch seit etwa 20 Jahren auf einem stabilen Level von etwa + 9%. Auch die Abwanderung aus Deutschland spielt eine große Rolle. Der Vergleich der Zu- und Fortzüge einzelner Staatsangehörigkeiten zeigte, dass im Jahr 2012 bei allen EU-Staaten ein Wanderungsüberschuss festzustellen war, außer bei den Deut- schen.7 Die Auswirkungen bleiben ungewiss.

2.2 Bevölkerungsentwicklung

In Anbetracht der benannten Einflussfaktoren, wird die deutsche Bevölkerung schrumpfen und altern. Der heutige Altersaufbau ist prägend für die zukünftige Be- völkerung. Im Jahr 2020 wird die „Babyboomer“- Generation allmählich verrentet. Daraufhin wird ein enormer Zuwachs der Älteren ab 65 Jahren und Hochaltrigen ab ca. 80 Jahren zu verzeichnen sein, wo hingegen die Jüngeren bis 65 Jährigen zunehmend schrumpfen werden.8

Genauer wird prognostiziert, dass im Jahr 2030 mehr als 40% der deutschen Bevöl- kerung aus über 60 Jährigen bestehen wird. Der Anteil der 20 Jährigen wird laut Un- tersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) durch- schnittlich um 11% sinken. Zudem werden sich regionale Unterschiede verschärfen. Im Landkreis München wird sich ein enormer Bevölkerungszuwachs verzeichnen (bis zu +21%), hingegen wird die Bevölkerung in kleineren Kommunen und kreis- freien Städten schrumpfen, wie beispielsweise im brandenburgischen Kreis Ober- spreewald- Lausitz (ca. - 30%).9

3 Die soziale Sicherung in Deutschland

Die Verschiebung der Bevölkerungsstruktur wird enorme politische Anstrengungen in vielen Bereichen fordern. Insbesondere im Bereich der sozialen Sicherung.

3.1 Entstehung und Entwicklung

Kaiser Wilhelm I führte, auf Initiative des damaligen Reichskanzlers Otto von Bis- marck, am 17.11.1881 den Aufbau einer Arbeitnehmerversicherung in Deutschland ein. Die Sozialversicherung, mit dem Ziel der Existenzsicherung, entstand. 1883 führte Bismarck die Krankenversicherung ein, 1884 die Unfallversicherung und ab 1889 gab es die Möglichkeit sich als Arbeitnehmer erstmals gesetzlich gegen die Folgen von Alter und Invalidität abzusichern. 1927 trat die Arbeitslosenversicherung in Kraft. Zuletzt wurde die soziale Pflegeversicherung ab 1994 stufenweise einge- führt.10

[...]


1 Artikel 22 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948

2 Vgl. Sporket (2011), S. 25 ff.

3 Vgl. http://www.human-fertility.org/cgi- bin/getfile.plx?f=DEUTNP\20130521\DEUTNPtrfRR.txt&c=DEUTNP&tab=si

4 Vgl. Sporket (2011), S. 28 ff.

5 Vgl. Sporket (2011), S. 31 ff.

6 Vgl. Walter (2013), S. 14

7 Vgl. Migrationsbericht 2012 (2014), S. 7, 27, 290

8 Vgl. Sporket (2011), S. 36 ff.

9 Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/datenreport-2013/raeumliche-mobilitaet-und-regionale- unterschiede/173870/bevoelkerungsentwicklung (Robert Habich 26.11.2013)

10 Vgl. http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/wegweiser/einfuehrung.html

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656694199
ISBN (Buch)
9783656694984
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276362
Institution / Hochschule
Fachhochschule Münster – Sozialwesen
Note
1,7
Schlagworte
Bedingungsloses Grundeinkommen Götz Werner Rentensystem Sozialversicherungen Demografie Alternde Gesellschaft

Autor

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Titel: Die Sozialversicherung in Deutschland