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Kultur und Entwicklung. Zur Relevanz soziokultureller Faktoren in den Entwicklungstheorien

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Soziologie - Kultur, Technik und Völker

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kultur und Entwicklung

3. Entwicklungstheorien
3.1. Theorien der Kolonialzeit
3.2. Imperialismustheorien
3.3. Modernisierungstheorien
3.4. Dependenztheorien

4. Einordnung der Thematik in die Agenda des Seminars

5. Resümee

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Im Seminar „Von den kulturellen Universalien zur universellen Kultur“ wurde Kultur als ein zentraler Begriff der Anthropologie behandelt. In diesem Zusammenhang gilt es auf kulturelle Gemeinsamkeiten, jedoch ebenso auf kulturelle Unterschiede in den verschiedenen Gesellschaften hinzuweisen. Weiter muss gefragt werden, was die Gründe für kulturelle Gemeinsamkeiten auf der Erde sind? Die Fragen zu kulturellen Universalien sind bis heute nicht eindeutig beantwortet. Eine Anpassung an Umweltbedingungen wird unter anderem aufgeführt, jedoch ist dies nur ein Teilaspekt.

UniversalforscherInnen versuchen die zentrale Frage zu ergründen, was allen Kulturen gemein ist. Dazu gibt es verschiedene Auflistungen mit unterschiedlichen Gemeinsamkeiten, jedoch ist ein Konsens über die einzelnen Punkte nicht immer gegeben. Bei der Universalforschung geht es also darum, trotz zahlreicher Differenzen die gemeinsamen kulturellen Aspekte aller Gesellschaften herauszuarbeiten. So werden als Gemeinsamkeiten beispielsweise Punkte wie Schamgefühl, Inzesttabus, Ekel, Ethik und Musik aufgeführt (vgl. Antweiler 2007a: 1ff.).

Diese Seminararbeit soll sich mit der Thematik von Kultur und Entwicklung beschäftigen, und dabei auf die Relevanz von soziokulturellen Faktoren in den Entwicklungstheorien eingehen. Kulturelle Aspekte spielen sowohl in den Entwicklungsländern wie auch in den Industrieländern eine Rolle, teilweise von unterschiedlicher Intensität. Zu beachten ist hierbei, dass es zu kulturellen Missverständnissen und Fehldeutungen kommen kann, wenn Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaften aufeinander treffen. In der Entwicklungszusammenarbeit kommt es zum kulturellen Austausch durch Menschen aus den Ländern des Südens und Menschen aus den westlichen Industrienationen. Hierbei gilt es jedoch auf die hierarchischen Machtverhältnisse hinzuweisen, die immer noch vorhanden sind, sowohl in den Entwicklungstheorien wie auch in der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit, trotz einer in der Öffentlichkeit wirksamen Phrase von Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe.

Für die Anthropologie und die Entwicklungsforschung gibt es grundlegende Fragen, die wie folgt aussehen können: „Welche Rolle spielen kulturelle Faktoren im Zusammenleben der Menschen? Was ist Kultur? Was bedeutet dies für den Entwicklungsprozess? Und wofür steht eigentlich Entwicklung?“ (Faschingeder 2001: 8). Weitergehend ist zu hinterfragen, ob universelle Konzepte für lokale Gegebenheiten geeignet sind? Diese allgemeine Frage gilt es auf die Ebene der Entwicklung herunter zu brechen. Kann also ein universales Entwicklungskonzept auf beliebige Entwicklungsprojekte in den Ländern des Südens angewendet werden?

Im Rahmen dieser Seminararbeit wird nach einer kurzen einleitenden Erläuterung der Begriffe Kultur und Entwicklung, die Geschichte der Entwicklungstheorien dargestellt. Dabei soll der zeitliche Bogen gespannt werden von den Theorien der Kolonialzeit über Imperialismustheorien und Modernisierungstheorien bis hin zu Dependenztheorien. Im Blickpunkt steht dabei, welche Relevanz soziokulturelle Faktoren in den verschiedenen Entwicklungstheorien einnehmen. Nach einer Einordnung der Thematik in die gesamte Fragestellung des Seminars soll ein abschließendes Resümee darauf zurück kommen, ob ein universales Entwicklungskonzept für die Entwicklungsländer geeignet ist.

2. Kultur und Entwicklung

Die Begriffe Kultur und Entwicklung gilt es kurz zu erläutern. Diese Bezeichnungen sind allgemein bekannt, dennoch geht von beiden eine gewisse Ungenauigkeit aus, da eine präzise Bestimmung schwer fällt: Die AutorInnen Boeckh und Sevilla gelangen sogar zu folgendem Zitat: „Bei kaum einem anderen Thema sind so viele dünne Bretter gebohrt worden, kaum ein anderes Thema ist so missbrauchsanfällig, kaum ein anderes Thema ist mit einer solchen Vagheit bei den grundlegenden Begriffen geschlagen, bei kaum einem anderen Thema haben sich so viele Sackgassen aufgetan, und kaum ein anderes Thema ist derart intellektuellen Moden unterworfen wie dieses.“ (Boeckh 2007: 7).

Die beiden Autoren Braun und Rösel sind zu Beginn der 1990er Jahre bei einer Zählung der unterschiedlichen Kulturbegriffe auf 160 verschiedene Bezeichnungen gekommen (vgl. Boeckh 2007: 7). In der internationalen Praxis der Entwicklungspolitik hat sich heutzutage ein erweiterter Kulturbegriff herausgebildet, der im Jahre 1982 auf der Weltkonferenz MONDIACULT in Mexiko ausersehen worden ist. Stark vereinfacht ausgedrückt fungiert dabei Kultur als die Software einer Gesellschaft. Dabei spielt Kunst eine wichtige Rolle, aber auch Ethnizität, Religion, Sprache sowie Geschlechter- und Machtbeziehungen sind Bestandteil (vgl. Schmidjell 2008: 1).

Die Definition von Entwicklung erscheint erst einmal einfach. Alle Menschen sollen die Möglichkeit haben, ein gutes Leben zu führen. Dies wird als Ziel vorgegeben. Entwicklung soll nun den Weg dorthin vorgeben. Doch was genau ist mit einem guten Leben führen gemeint? Beinhaltet dies Glück, Bildung, Gesundheit oder Wohlstand? (vgl. Fischer 2004: 13). Möglicherweise beinhaltet es jedoch andere Faktoren. Dabei gilt es kritisch zu hinterfragen, wer die Auswahl darüber trifft und wohin die Entwicklung gehen soll. So definieren die beiden Autoren Nohlen und Nuscheler den Begriff wie folgt: „Entwicklung ist ein in den verschiedensten Zusammenhängen verwendeter, entsprechend vieldeutiger, definitorisch kaum faßbarer und dem Meinungs- und Ideologiestreit entrückbarer Begriff.“ (Nohlen 1993: 56).

In der entwicklungspolitischen Debatte wurde in den letzten Jahren verstärkt auf die Thematik von Kultur und Entwicklung eingegangen. In der internationalen entwicklungspolitischen Debatte hat „Kultur und Entwicklung“ in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Nicht nur kulturelle Institutionen wie die UNESCO, sondern auch die Europäische Kommission, der Europäische Rat, Weltbank, OECD und viele nationale Entwicklungsagenturen haben dieses Thema bearbeitet. Durch die Vielfältigkeit der unterschiedlichen AkteurInnen kam es auch dazu, dass sich verschiedene Zugänge zu Kultur und Entwicklung herauskristallisiert haben (vgl. Schmidjell 2008: 1).

Faschingeder beschreibt die Verbindung von Kultur und Entwicklung „als ein Thema, von dem nicht feststeht, ob es lediglich einen zusätzlichen Akzent in Entwicklungstheorie und -praxis einbringt oder vielmehr eine Neuorientierung erfordert. Gerade in der jüngeren Fachliteratur wird zunehmend nach der Rolle der kulturellen und/oder der ethnischen Differenz gefragt, wird Entwicklungsarbeit als interkulturelle Arbeit verstanden. Eine fruchtbare Perspektive für das Thema Kultur und Entwicklung erschließt sich erst, wenn Kultur nicht in einem engeren Sinne verstanden wird, sondern sämtliche Lebensbereiche als kulturell geprägt aufgefasst werden. Die Herausforderung liegt darin, Kulturreflexionen zu beachten und zugleich Machtfragen einzubeziehen. Impulse für ein differenziertes Verständnis von Kultur in der Entwicklungszusammenarbeit sind zu suchen. Der Kulturbegriff sollte zu einer konstruktiven Sicht auf globale Macht- und Kulturfragen befähigen.“ (Faschingeder 2001: 2).

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Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656694717
ISBN (Buch)
9783656694830
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276310
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Kultur- und Sozialanthropologie
Note
Schlagworte
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