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Chancengleichheit von Migranten im Bildungssystem Deutschlands

Bestandsaufnahme, Handlungsfelder und Perspektiven

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Chancengleichheit von Migranten im Bildungssystem Deutschlands
2.1 Begriffsklärung Chancengleichheit
2.2 Migration
2.2.1 Migration und Entwicklung in Deutschland
2.2.2 Migration in Zahlen
2.3 Die Bedeutung der Migration für das deutsche Bildungswesen
2.4 Migranten und ihr Platz im deutschen Bildungssystem
2.5 Die Ergebnisse deutscher Schüler im PISA-Test aus der PISA-Studie
2.6 Paradigmenwechsel: Vom Ausländer- zum Migrationskonzept

3 Fazit

Literatur und Quellen

Anhangsverzeichnis

Anhang

1 Einführung

„Migrationsbewegungen bilden einen integralen Bestandteil der Menschheitsgeschichte. (…) Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahrzehnte hat das Interesse an Themen, die mit internationaler Migration in Verbindung stehen, unter politischen Entscheidungsträgern, Pädagogen, Wissenschaftlern sowie der Öffentlichkeit zugenommen.“[1]

Da im Jahr 2000 weltweit ca. 175 Millionen Menschen in einem anderen als ihrem Geburtsland lebten und von 1990 bis zu dem genannten Jahr 46% mehr Migration zu verzeichnen war, ist Migration ein Phänomen von globaler Bedeutung.[2]

„Die Integration von Migranten stellt eine große Herausforderung sowohl für die Migranten selbst, als auch für die einheimische Bevölkerung in den Aufnahmeländern dar. Besonders für die Kinder von Migranten ist dies ein kritischer Prozess. Schulen und andere Bildungseinrichtungen spielen dabei eine entscheidende Rolle.“[3]

In der vorliegenden Hausarbeit soll eine Bestandsaufnahme zur Migration in Deutschland erfolgen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Umsetzung der Chancengleichheit im Bildungswesen für Kinder mit Migrationshintergrund. Des Weiteren sollen Handlungsfelder und Perspektiven zur nachhaltigen Förderung von Migranten im Bildungsbereich aufgezeigt werden.

Zur Annäherung an das Thema werden die Begriffe Chancengleichheit und Migration erläutert. Ebenso wird der Migrationsbegriff auf Deutschland bezogen dargestellt, indem die Entwicklung auf nationaler Ebene kurz dargelegt wird. Anschließend werden Zahlen zur Migration gegeben, um einen Überblick über den Umfang dieser zu ermöglichen. Die Bedeutung der Migration für das deutsche Bildungswesen und der Platz der Migranten innerhalb dieses werden danach beschrieben. Um die Problematik detaillierter darzustellen, werden Teilergebnisse der PISA-Studie aufgezeigt. Inwieweit ein Paradigmenwechsel in der Sicht auf Migration nach Durchführung der beschriebenen Studien stattgefunden hat, wird im Folgenden näher gebracht. Innerhalb des Fazits werden die Konsequenzen der bereits dargelegten Ergebnisse für das deutsche Bildungswesen und daraus entwickelte Perspektiven aufgezeigt.

2 Chancengleichheit von Migranten im Bildungssystem Deutschlands

2.1 Begriffsklärung Chancengleichheit

Der Begriff „Chancengleichheit“ bezieht sich auf den in der Verfassungsbestimmung niedergeschriebenen Artikel 3 des Grundgesetzes.[4] In ihm sind die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben und die Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben und religiöser und politischer Anschauung untersagt.[5]

Im Gegensatz zu der zufälligen Chancenverteilung in der Natur, werden Chancen in der Gesellschaft durch den Einfluss der Menschen, die in ihr leben, bestimmt.[6]

„Die liberale Auffassung von Chancengleichheit betont im Wesentlichen die Notwendigkeit zur Anpassung von Startchancen, beispielsweise gleiche Möglichkeiten der Schulbildung für alle Kinder (Bildung). Die sozialdemokratische Sicht kritisiert dieses als Wettbewerbsgleichheit unter Ungleichen und fordert zusätzliche Gleichheiten, etwa bei den Lebensbedingungen, bei der Beteiligung an Entscheidungen und bei der Teilhabe an den Ressourcen von Natur und Gesellschaft.“[7]

Der Begriff der Chancengleichheit im Bildungssystem Deutschland wird mit dem Begriff Bildungschance gleichgesetzt und betrachtet die Bildungsbeteiligung, vor allem aber Bildungsbenachteiligung von Gruppen in Deutschland, „die über geringe kulturelle, soziale oder finanzielle Ressourcen verfügen.“[8] Bildungsbenachteiligung befasst sich dabei weniger mit Diskriminierung, sondern eher mit bildungsspezifischen Nachteilen, die auf die Verteilung von Bildungschancen wirken und den Erfolg der Bildung beeinflussen.[9]

„In der Bundesrepublik gilt jedoch die Forderung nach uneingeschränkter Chancengleichheit. Diese besagt im Bildungsbereich, dass alle entsprechend ihren Leistungen und Fähigkeiten gleiche Chancen zum Erwerb mittlerer oder höherer Bildungsabschlüsse haben sollen.“[10]

2.2 Migration

2.2.1 Migration und Entwicklung in Deutschland

Der Begriff der Migration leitet sich aus dem lateinischen ‚migrare‘ ab und bedeutet auswandern.[11] In diesem Zusammenhang bezeichnet Migration Wanderungsbewegungen von Personen oder Personengruppen zwischen Staaten. Ein Migrant ist demnach eine Person, die aufgrund unterschiedlichster Umstände einen längerfristigen Wohnortwechsel von einem Staat in einen anderen Staat vollzieht.[12]

Es lässt sich allerdings keine genauere allgemeingültige Definition des Begriffs Migration finden, denn diese wird im wissenschaftlichen Bereich durch die Forschenden selbst je nach Datenerhebung vorgenommen.[13]

„Migration im Sinne eines permanenten Ortswechsels stellt meistens ein sehr einschneidendes Ereignis im Leben eines Individuums dar. Dies ist mit einer Vielzahl von Chancen und Risiken verbunden. Die Chancen umfassen insbesondere eine bessere materielle und immaterielle Lebensqualität, deren Realisierung allerdings meist mit Unsicherheit behaftet ist. Die Risiken sind beispielsweise das Zurücklassen einer vertrauten Umgebung und Sozialstruktur am Heimatort.“[14]

In Deutschland gibt es zwei verschiedene Migranten-Gruppen:

· Die erste Gruppe entstammt den Gastarbeitern, welche aus dem mediterranen Raum in den 1960ern und frühen 1970ern nach Deutschland kamen.

· Die zweite Gruppe besteht aus Aussiedlern, welche nach dem Fall der Mauer (1989) nach Deutschland emigrierten.[15]

2.2.2 Migration in Zahlen

Im Mikrozensus 2005 wurden Daten zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund erhoben. Demnach lebten im Jahr 2005 15,3 Millionen Menschen mit einem solchen Hintergrund in der BRD. Bei den Kindern unter fünf Jahren liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei ca. einem Drittel.[16]

„Fast 62% der nach Deutschland Zugewanderten kommen aus Europa. Die neun wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei (mit 14,2% aller Zugewanderten), die Russische Föderation (9,4%), Polen (6,9%), Italien (4,2%), Rumänien sowie Serbien und Montenegro (jeweils 3,0%), Kroatien (2,6%), Bosnien und Herzegowina (2,3%) sowie Griechenland (2,2%).“[17]

Weitere Ergebnisse des Mikrozensus sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle: Ergebnisse des Mikrozensus 2005 (Eigene Erstellung)[18]

Die PISA-Studie lieferte folgende Ergebnisse: Menschen mit Migrationshintergrund der 1. Generation erwarben ihren Bildungsabschluss meist im Ausland. Die Migranten der 2. und 3. Generation haben zum Großteil das deutsche Schulsystem durchlaufen. Große Unterschiede zwischen Menschen mit und Menschen ohne Migrationshintergrund bestehen in der Altersgruppe der 25-35-Jährigen. „Bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil der Personen ohne beruflichen Abschluss in dieser Altersgruppe 15 %, bei den Personen mit Migrationshintergrund sind es 41%.“[19]

Die Migranten, die in 2. oder 3. Generation in Deutschland leben, haben ihre Bildung auch hier erworben. Diese erreichen zwar genauso oft die Hochschulreife wie Deutsche ohne Migrationshintergrund, jedoch haben im Vergleich zu Deutschen doppelt so viele Migranten zwischen 25-65 Jahren keinen Bildungsabschluss (32%). „Dem deutschen Bildungssystem gelingt es also, die qualifizierten Migranten zu fördern, nicht jedoch die Bildungshemmnisse bei den Problemgruppen auszugleichen.“[20]

2.3 Die Bedeutung der Migration für das deutsche Bildungswesen

„Die unterschiedlich begründeten und verlaufenden Wanderungsbewegungen aus anderen Staaten nach Deutschland (Arbeitsmigranten, Aussiedler, Asylbewerber u. a.) sowie die kulturelle und soziale Heterogenität der Zuwanderungspopulation bieten ein großes Entwicklungspotenzial für die deutsche Gesellschaft.“[21]

Aus diesen ergeben sich allerdings auch neue Herausforderungen, wie z. B. Regelungen zum Umgang mit der Heterogenität. Gleichzeitig stellen sie auch eine Chance dar, da aufgrund der Sprachen- und Kulturvielfalt ein enormes Potenzial vorhanden ist, welches im Hinblick auf die ständig wachsende Bedeutung internationaler Beziehungen, genutzt werden könnte. Das Bildungswesen nimmt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselposition ein, da eine funktionierende gesellschaftliche Integration langfristig zu Erfolgen in der genannten Gruppe führt und eine Entlastung des deutschen Sozialsystems bedeutet. Bezieht man die demografische Entwicklung ein, so scheint es besonders wichtig, die Familien mit Migrationshintergrund zu fördern, da diese meist kinderreicher sind als die deutschen. Denn nur durch gut ausgebildete junge Menschen kann sich Deutschland langfristig zu einem Wohlfahrtsstaat entwickeln.[22]

Zur nachhaltigen Erfüllung dieses Bildungsanspruchs sind Kooperationen von Wirtschaft und Politik notwendig. Aber auch soziale Einrichtungen können einen Beitrag zur Umsetzung der Integration leisten. Das Spannungsverhältnis zwischen internen Strukturen, äußeren Bedingungen und den Aufgaben von den verschiedensten Sozial- und Bildungsinstitutionen muss abgebaut werden, um Perspektiven für Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen.[23]

„Integration durch Bildung und Integration ins Bildungswesen hängen für Kinder und Jugendliche eng zusammen. Ziel der Integration durch Bildung ist, dass es Kindern von Zugewanderten im Laufe der Zeit gelingt, ähnliche Kompetenzen und Bildungsabschlüsse zu erreichen wie die übrige Gleichaltrigenbevölkerung.“[24]

Trotz der durch den Artikel 3 des Grundgesetzes festgeschriebenen Gleichheit, besteht ein Missverhältnis bei der Verteilung von Kindern auf Oberschulen. Obwohl es in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Bemühungen gab, dieses Gefälle abzubauen, gibt es auch heute signifikante Unterschiede hinsichtlich der Schulabschlüsse und der Kompetenzen. Die Sensibilität der Öffentlichkeit für diese Problematik entstand im Zuge der Publikation der Ergebnisse der PISA-Studien.

[...]


[1] Christensen, G.; Stanat, P. (2006), S.18.

[2] Vgl. Ebd., S. 18.

[3] Ebd., S.18.

[4] Vgl. Institut für Deutsche Gebärdensprache, Universität Hamburg (2008).

[5] Vgl. Deutscher Bundestag (2010).

[6] Vgl. Deutscher Bildungsserver (2009), Stichwort „Chancengleichheit“.

[7] Institut für Deutsche Gebärdensprache, Universität Hamburg (2008).

[8] Deutscher Bildungsserver (2009), Stichwort „Bildungsbenachteiligung“.

[9] Vgl. Ebd..

[10] Esser, A.-L. (2003), S.2.

[11] Vgl. Duden – Deutsches Universalwörterbuch (2007), Stichwort „Migration“.

[12] Bundeszentrale für politische Aufklärung (2010), Lexikon: „Migration“.

[13] Geis. M. (2007), S. 7.

[14] Ders., S. 1.

[15] Vgl. Frick, J. R.; Wagner, G. G. (2001), S. 300.

[16] Vgl. Statistisches Bundesamt (2007) Pressemitteilung Nr. 183 vom 04.05.2007.

[17] Statistisches Bundesamt (2007), Pressemitteilung Nr. 183 vom 04.05.2007.

[18] Vgl. Ebd..

[19] Konsortium für Bildungsberichterstattung (2006), S. 145f.

[20] Konsortium für Bildungsberichterstattung (2006), S. 148.

[21] Ders., S. 137.

[22] Vgl. Ebd., S. 137.

[23] Vgl. Ebd., S. 137.

[24] Ebd., S. 137.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656690863
ISBN (Buch)
9783656690849
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276273
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
chancengleichheit migranten bildungssystem deutschlands bestandsaufnahme handlungsfelder perspektiven

Autor

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