Lade Inhalt...

Heinrich von Clairvaux. Zisterzienser und päpstlicher Legat

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Zisterzienser und das päpstliche Legatenwesen

3. Heinrich von Clairvaux
3.1 Biographie
3.2 Der Weg Heinrichs zum päpstlichen Legaten
3.3 Allgemeine Legationstätigkeiten Heinrichs
3.4. Heinrichs Vorgehen gegen die Waldenser
3.5 Heinrich als Legat in Okzitanien
3.6 Heinrich nach der Rückkehr aus Okzitanien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits seit der Gründung des Klosters Citeaux durch einige Benediktinermönche stand der sich in der Gründung befindliche Zisterzienserorden in einem engen Kontakt zum Papsttum.1 So musste der Gründung des neuen Klosters erst von kirchlicher Seite zugestimmt werden, die Einwilligung dazu wurde beim Erzbischof von Lyon geholt, welcher gleichzeitig päpstlicher Legat und somit die höchste kirchliche Autorität neben dem Papst selbst, war.2 Im Laufe der Zeit folgten weitere Bulle, Privilegien und Bestimmungen zugunsten des Zisterzienserordens, auf die in dieser Arbeit allerdings nicht weiter eingegangen wird3. Der Orden verbreitete sich während des gesamten 12. Jahrhunderts schnell über ganz Europa, die enge Verbindung zum Papsttum blieb bestehen. Neben dem Aspekt des Schutzes durch die Päpste, wurden Angehörige des Zisterzienserordens nun in Ämter gehoben und ebenso zu Beratern wichtiger, sowohl weltlicher als auch geistlicher, Würdenträger. Die Äbte von Clairvaux und Citeaux, den zwei einflussreichsten Zisterzienserklöstern dieser Zeit, besaßen sowohl politisch als auch religiös einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geschehnisse ihrer Zeit.4 Mit dieser Einbeziehung in das außerklösterliche, weltliche Leben, vor allem durch die Einsetzung in kirchliche Positionen durch die Päpste, sahen sich die Zisterziensermönche nun in einem Zwiespalt zwischen dem Ordensideal - das Leben nach der Benediktsregel und der Carta Caritatis - und der Wirklichkeit.

Ziel dieser Arbeit soll es sein herauszuarbeiten, wie sich zisterziensische Mönchen in diesen Situationen verhielten. Versuchten sie die Benediktsregel zu verfolgen und ihrem Ordensideal treu zu bleiben, handelten sie in den ihnen übertragenen Positionen lediglich so wie der Papst es verlangte und welchen Raum nahmen Eigeninteressen in ihrem Handeln ein?

Durch die Betrachtung eines Abtes aus dem Orden der Zisterzienser, welcher als päpstlicher Legat in Frankreich und Deutschland tätig war, soll versucht werden eine Antwort auf die Frage zu finden.

Der Zisterziensermönch, welcher den Mittelpunkt dieser Arbeit darstellt, ist Heinrich von Clairvaux.

Bevor man sich jedoch mit der Rolle Heinrichs als päpstlichen Legaten auseinandersetzen kann, ist es nötig einige grundlegende Worte über das Verhältnis von Legatenwesen und Zisterziensertum zu verlieren. Zwei Monographien bilden die Basis zu den Daten und Fakten über das Leben Heinrichs von Clairvaux. Zum einen die 1909 erschienene Dissertation von Georg Künne, in welcher die wesentlichen biographischen Daten zusammengetragen werden5, zum zweiten ein neueres Werk von Beverly Mayne Kienzle zur Rolle der Zisterzienser in Okzitanien.6 Des Weiteren bilden Aufsätze zum Thema Legatenwesen allgemein sowie zu den Zisterziensern im Albigenserkreuzzug eine wichtige Basis dieser Arbeit.

2. Die Zisterzienser und das päpstliche Legatenwesen

Den Titel des Legaten gibt es bereits seit der Antike7, jedoch nicht mehr mit der inhaltlichen Bedeutung, die es im Mittelalter annehmen sollte. Vor allem seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, also mit Beginn des Reformpapsttum, gewann das Legatenwesen an Bedeutung.8 Durch die damit einsetzende Konzentration der kirchlichen Angelegenheiten auf Rom und den Papst und den gleichzeitig anstehenden Reformen war es für den Papst nötig Legaten zu ernennen und auszusenden.9 Dadurch dass der Papst zwar einerseits das Recht für sich beanspruchte, die oberste Entscheidungsinstanz bei kirchlichen Streitigkeiten und religiösen Fragen zu sein, jedoch andererseits nicht überall vor Ort sein konnte, wo Probleme auftraten, entstand nun die Notwendigkeit vermehrt Legaten zu senden, welche kraft der apostolischen Autorität Entscheidungen treffen durften.10 Sie waren also als apostolische Stellvertreter vor Ort tätig. Mit diesem quantitativen Anstieg der Legaten seit dem 12. Jahrhundert stellte sich natürlich auch die Frage nach den Personen, welche diese Funktion ausfüllen konnten und sollten. Aus dem Blickwinkel des Papstes waren Mönche aus dem Zisterzienserorden geeignet für diese Aufgabe. ÄDie Zisterzienser erschienen den Päpsten aufgrund ihrer als vorbildlich erachteten, bis 1152 über nahezu jede Kritik erhabene Lebensform besonders prädestiniert, gesamtkirchliche Aufgaben zu übernehmen […].“11 Auch dass die Zisterzienser nur selten höhere Ämter in der Kurie innehatten spielte keine Rolle, der Papst konnte jeden Geistlichen zum Legaten ernennen.12

Von Seiten der Zisterzienser gestaltete sich die Situation allerdings gänzlich anders. Was den Zisterzienserorden von früheren Orden unterschied war, dass die Carta Caritatis nicht nur einen Ägemeinsamen Lebensstil“ darstellte, sondern eine verbindliche Lebensregel.13 Die

Carta Caritatis stellte hier allerdings nicht nur eine Handlungsvorgabe dar, sondern eher ein Äzisterziensisches Grundgesetz“14, an welches sich gehalten werden musste. Im Mittelpunkt dieser Carta Caritatis stand wiederrum die strikte Befolgung der Benediktsregel - die genaue Befolgung dieser Regel wiederrum war ein konstitutionierendes Moment bei der Gründung des Ordens.15 In der Benediktsregel selbst war wiederrum zum einen die Vorschrift gegeben Äsich dem Treiben der Welt zu entziehen“.16 Des Weiteren war die stabilitas loci, also Ortsfestigkeit, die Grundlage der mönchischen Lebensform und somit auch des zisterziensischen Ordens.17

Diese beiden Vorschriften machen klar, dass für die Mönche, welche sich gemäß den Idealen ihres Ordens verhielten, jegliches kirchliche Amt außerhalb ihres Ordenssystems auszuschließen sei. Hier besteht ein innerer Widerspruch, welcher nicht zu lösen war. Dennoch wurden im 12. Jahrhundert einige Zisterziensermönche Bischöfe, Erzbischöfe, Legaten und Mitglieder der Kurie in Rom. Mit Eugen III. und Lucius III. stiegen sogar zwei Zisterzienser zu Päpsten auf. Zwei Beispiele mögen genügen um aufzuzeigen, dass die Mönche selbst sich über diesen Konflikt im Klaren waren. So beklagte sich Bernhard von Clairvaux schon 1128 bei Kanzler Haimerich Ä[…] über die große Belastung durch die Schlichtung zahlreicher Streitfälle; dem Papst gegenüber halte er sich für unfähig solche Aufgaben zu übernehmen. Aber wegen seines Seelenheils wolle er dem päpstlichen Befehl gehorchen.“18 Keine 30 Jahre später ermahnte der Zisterzienserpapst Eugen III. in einem Brief das Generalkapitel nicht den Versuchungen der Welt zu erliegen. ÄKurzum er warnt das Generalkapitel, dass das Leben oder der Untergang des Zisterzienserordens von seiner Treue zum kontemplativen Ideal abhängen.“19

Man sieht hier also deutlich den Zwiespalt, in dem sich vor allem die Äbte des Zisterzienserordens befanden.

Wie verhielten diese sich aber, wenn sie nun tatsächlich Aufgaben für den Papst übernahmen?

[...]


1 Zur Ordengründen und den Anfängen der Zisterzienser vgl. u.a. Eberl, Immo: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens, Stuttgart 2002, S. 11 - 47; Schneider, Reinhard: Anfänge und Ausbreitung des Zisterzienserordens, in: Scholkmann, Barbara / Lorenz, Sönke (Hrsg.): Von Citeaux nach Bebenhausen. Welt und Wirken der Zisterzienser, Tübingen 2000, S. 1 - 20.

2 Vgl. Schneider: Anfänge und Ausbreitung, S. 4.

3 So zum Beispiel die Bestätigung der Carta Caritatis durch Calixt II. 1119, vgl. Eberl: Die Zisterzienser, S. 42ff. 2

4 Künne, Georg: Heinrich von Clairvaux (=Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde einer Hohen Philosophischen Fakultät der Universität zu Tübingen), Berlin 1909, S. 30.

5 Vgl. Anmerkung 4.

6 Kienzle, Beverly Mayne: Cistercians, Heresy and Crusade 1145 - 1229. Preaching in the Lord´s Vineyard, York 2001.

7 Wirth, Gerhard: Art. Legatus, in: LexMa V (1999), Spalte 1796.

8 Vgl. Schieffer, Rudolf: Die päpstliche Kurie als internationaler Treffpunkt, in: Zey, Claudia / Märtl, Claudia (Hrsg.): Aus der Frühzeit europäischer Diplomatie. Zum geistlichen und weltlichen Gesandtenwesen vom 12. bis zum 15. Jahrhundert, Zürich 2008, S. 23 - 40, hier S. 29.

9 Vgl. Kamp, Hermann: Friedensstifter und Vermittler im Mittelalter, Darmstadt 2001, S. 126.

10 Vgl. Zey, Claudia: Gleiches Recht für alle? Konfliktlösung und Rechtsprechung durch päpstliche Legaten im 11. und 12. Jahrhundert, in: Esders, Stefan (Hrsg.): Rechtsverständnis und Konfliktbewältigung. Gerichtliche und Außergerichtliche Strategien im Mittelalter, Köln / Weimar / Wien 2007, S.93 - 120, hier S. 98f.

11 Seibt, Hubertus: Autorität und Funktion. Das Papsttum und die neuen religiösen Bewegungen in Mönch- und Kanonikertum, in: Hehl, Ernst-Dieter / Ringel, Ingrid Heike / Seibt, Hubertus (Hrsg.): Das Papsttum in der Welt des 12. Jahrhunderts (=Mittelalter-Forschung Bd. 6), Stuttgart 2002, S. 217.

12 Wie sich die Tendenzen bei der Ernennung von Legaten ändern zeigt Zey, Claudia: Die Augen des Papstes. Zu Eigenschaften und Vollmachten päpstlicher Legaten, in: Johrendt, Jochen / Müller, Harald (Hrsg.): Römisches Zentrum und kirchliche Peripherie. Das universale Papsttum als Bezugspunkt der Kirchen und von Reformpäpsten bis zu Innozenz III., Berlin / New York 2007, S. 77 - 108.

13 Vgl. Cygler, Florent: Ausformung und Kodifizierung des Ordensrechts vom 12. bis 14. Jahrhundert. Strukturelle Beobachtungen zu den Cisterziensern, Prämonstratensern, Kartäusern und Cluniazensern, in: Melville, Gert (Hrsg.): De ordine vitae. Zu Normvorstellung, Organisationsformen und Schriftgebrauch im mittelalterlichen Ordenswesen (= vita regularis. Ordnungen und Deutungen religiösen Lebens im Mittelalter, Bd. 1), Münster 1996, S. 9.

14 Ebd. S. 18.

15 Wie Anmerkung 1.

16 Regula benedicti, URL: http://www.stiftmelk.at/frame_regula.htm [letzter Zugriff: 19.03.2013, 10.55 Uhr].

17 Vgl. Cygler, Ausformung und Kodifizierung, S. 16.

18 Vgl. Seibt, Autorität und Funktion, S. 219.

19 Ebd., S. 217 Fußnote 51.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656693093
ISBN (Buch)
9783656693864
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276246
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,7
Schlagworte
Zisterzienser Heinrich von Clairvaux Clairvaux Legaten Legatenwesen Waldenser Südfrankreich Mittelalter Abt von Clairvaux Papst päpstliche Legaten Diplomatie

Autor

Zurück

Titel: Heinrich von Clairvaux. Zisterzienser und päpstlicher Legat