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Das Handy in der Schule. Nutzen und Risiken im Unterricht

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Das Handy als Individualmedium von Heranwachsenden

2 Bedeutung des Handys im Alltag der SchülerInnen
2.1 Sprachliche Kommunikation
2.2 Kreativ-produktive Funktionen
2.3 Das Handy als Organizer

3 Risiken für SchülerInnen durch Handys
3.1 Kostenfalle
3.2 Datenschutz
3.3 Enthemmungseffekte
3.4 Kritische Inhalte
3.4.1 Rezeption gewalthaltiger Videos
3.4.2 Gewalt mit dem Handy

4 Potenziale des Handys in der Bildung
4.1 Aufgaben der Pädagogik
4.2 Handys in der Schule
4.2.1 Sensibilisierung der Jugendlichen für das Medium
4.2.2 Die verschiedenen Funktionen als Unterrichtsmittel
4.2.3 Unterrichtskonzept für eine Projektwoche zum Handy- clip-Wettbewerb „Ohrenblick mal“

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Seminar „Medienbildung“ wurden verschiedene Medien sowie die Möglichkeiten, diese sinnvoll in den pädagogischen Kontext mit einzubeziehen, vorgestellt. Das Thema der media- len Einflüsse auf die Gesellschaft wurde auch theoretisch betrachtet. Mit der Erstellung des „Medienpädagogischen Manifests“ haben die TeilnehmerInnen des Kongresses „Keine Bil- dung ohne Medien“ im März 2009 die wesentlichen Forderungen zusammengefasst (siehe Punkt 4.1), die sich aus ihrer Sicht aus der sich wandelnden Mediengesellschaft ergeben. Im Seminar wurden diverse Erziehungs- und Bildungsbereiche sowie die außerschulische Kin- der- und Jugendarbeit, die berufliche Aus- und Fortbildung sowie Erwachsenen-, Familien- und Altenbildung als Bereiche des Medienpädagogik vorgestellt. Neben diesen pädagogischen Bereichen, die sich u. a. im Hinblick auf Altersgruppe und Bildungs-/Erziehungscharakter un- terscheiden, standen vor allem auch die unterschiedlichen Arten der Medien im Fokus.

Neben PCs, Internet, Kameras und Spielkonsolen etc. wurde auch das Handy thematisiert. Vor allem in der Altersgruppe der Heranwachsenden scheinen Mobiltelefone im Alltag einen sehr hohen Stellenwert einzunehmen: Fast jeder von ihnen ist im Besitz eines solchen Mediums (siehe Punkt 2). Das Gerät kann als Individualmedium bezeichnet werden, da die Heranwachsenden in ihm etwas sehr Intimes sehen und sich oftmals auch über ihr Handy und dessen Gestaltung ausdrücken und darstellen: Es wird von den Jugendlichen als „Schatz“ oder „Teil meines Körpers“ oder als „was ganz Privates wie ein Tagebuch“ beschrieben (vgl. Grimm 2008: 2). Da den Handys in dieser Altersgruppe augenscheinlich diese große Bedeutung zukommt, möchte ich sie im Hinblick auf diese näher betrachten.

Ziel dieser Hausarbeit soll sein, zunächst die Bedeutung des Handys für die Gruppe der Heranwachsenden anhand der Nutzungsarten mit den damit verbundenen Risikofaktoren zu eruieren. Dazu dienen vor allem die Daten aus den Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, anhand derer aktuelle Aussagen über die Relevanz und das Nutzungsverhalten hinsichtlich des Mediums Handy für die Jugendlichen getroffen werden können. Die JIM-Studie „Jugend, Information, (Multi-)Media“, auf die ich mich in diesem Teil überwiegend beziehe, befragte 12-19-jährige Jugendliche.

Im zweiten Teil werde ich darauf eingehen, welche Aufgaben diese Potenziale und Risiken, die das Handy birgt, an die Pädagogik im Allgemeinen stellt, um im Anschluss praktische Herangehensweisen vorzustellen, wie sich die Tatsache, dass fast jeder Jugendliche ein Handy besitzt, sinnvoll in die Pädagogik einbeziehen lässt.

Nur wenn die Tragweite des Mediums Handy im Alltag der Jugendlichen erkannt ist, kann das Handy als „Gegenstand aktueller Jugendkultur“ (Struckmeyer 2010: 177) anerkannt werden und dann ist es auch möglich, die Potenziale und Risiken desselben zur Diskussion zu stellen (vgl. Struckmeyer 2010: 177). Nur unter der Prämisse der Anerkennung können die notwendi- gen pädagogischen Forschungen durchgeführt werden und Konzepte erstellt werden, die so- wohl die Jugendlichen als auch die pädagogischen Fachkräfte mit dem Wissen und der Sicher- heit ausstatten können, um die Potenziale auszuschöpfen und die Risiken zu vermeiden.

Da die Schule eine zentrale Institution im Leben der Jugendlichen darstellt, möchte ich vor al- lem hierauf eingehen. Unter Punkt 4.2.2 sollen besonders das Projekt „Ohrenblick mal“ - ein deutschlandweiter Handyclip-Wettbewerb und ein dazu von mir erstelltes Unterrichtskonzept als konkretes Beispiel für die Möglichkeit der Einbringung des Mediums Handy in das Schul- wesen vorgestellt werden.

2 Bedeutung des Handys im Alltag der SchülerInnen

Wie in der Einleitung bereits vermutet, nimmt das Handy mit seinen verschiedenen Funktionen und mit einer möglichst individuellen Gestaltung eine wichtige Rolle im Alltag der SchülerInnen ein. Der Besitz eines Handy ist nahezu selbstverständlich: 96 Prozent der 12- bis 19- Jährigen besitzen ein eigenes Handy (vgl. Mpfs JIM 2012: 52). Damit liegt das Handy auf Platz eins des Gerätebesitzes von Jugendlichen, dicht gefolgt von dem ebenfalls sehr weit verbreiteten Internetzugang und dem PC-Besitz (vgl. Mpfs JIM 2012: 8).

2.1 Nutzung des Handys zur sprachlichen Kommunikation und Information

Obwohl das Handy mittlerweile multifunktional ist, werden die Grundfunktionen der sprachli- chen Kommunikation der Handys am häufigsten von allen Nutzungsmöglichkeiten gebraucht. Mehr als 80 Prozent der Heranwachsenden geben an, ihr Handy täglich oder zumindest mehr- mals pro Woche zur Kommunikation via Kurznachrichtenservice und Telefonfunktion zu nut- zen. Darüber hinaus nimmt die Verständigung über Communitys und die Nutzung des Inter- nets über das Handy zu. Fast die Hälfte aller Heranwachsenden verfügt über ein Smartphone und über 80 Prozent können mit dem Handy ins Internet gehen. Zu den wichtigsten Apps auf dem Smartphone zählen Communitys und Instant-Messenger. Darüber hinaus nutzt fast ein Fünftel der Jugendlichen das Handy, um E-Mails abzurufen oder zu verschicken und knapp zehn Prozent erhalten mobil regelmäßig Newsticker oder -letter. Auf Smartphones gibt es Apps, die das Abrufen von Nachrichten und Informationen zu Wetter und Börse ermöglichen; sie liegen mit einer Nennung von 12 Prozent auf Platz vier der häufigst genutzten Apps. Die Nutzung ist bei beiden Geschlechtern gleich verteilt (vgl. Mpfs JIM 2012: 52 ff.).

Handys werden sowohl für das Initiieren als auch die Pflege von Kontakten und Beziehungen von Jugendlichen genutzt (vgl. Struckmeyer 2010: 178). In der rein textlichen Kommunikation z. B. per SMS ergeben sich Besonderheiten, die zur Profilierung in der Peergroup und zur Abgrenzung gegenüber anderen dienen können: „Dabei entsteht […] häufig eine ganz eigene, „codeartige“ Kommunikation, die nur jene Jugendlichen verstehen und beherrschen, welche einer bestimmten Gruppe angehören.“ (Struckmeyer 2010: 178).

Durch die rein textbasierte und meist ohne Verzögerung mögliche Verständigung verleitet das Schreiben über das Handy zu einer mutigeren Vorgehensweise, was als ein Risiko gezählt werden kann (siehe Punkt 3).

2.2 Kreativ-produktive Funktionen des Handys

Die multimedialen Fähigkeiten des Handys erstrecken sich vom Abspielen von Medien über das Produzieren und Verschicken derselben bis hin zum Spielen auf dem Gerät. Vor allem das Abspielen von Musik steht direkt nach den sprachlich-kommunikativen Funktionen unter den Jugendlichen hoch im Kurs. Mehr als die Hälfte (66 Prozent) der Heranwachsenden gibt an diese Funktion täglich oder mehrmals in der Woche zu nutzen. Diese Nutzung ist eine neue Entwicklung der letzten Jahre. Videos werden dagegen nur von einem Fünftel der Befragten mobil angesehen und die Option, mit dem Handy fernzusehen, wird nur von einem Prozent genutzt (vgl. Mpfs JIM 2012: 55 ff.).

Etwas mehr als ein Drittel der Befragten (37 Prozent) gibt an, das Handy oft für die Aufnahme von Videos und Fotos zu nutzen und mehr als zehn Prozent der Befragten nutzt das Handy auch zum Versenden von Fotos/Filmen oder MP3s. Darüber hinaus werden Medien von 6 Prozent der Heranwachsenden auch direkt auf dem Handy bearbeitet (vgl. Mpfs JIM 2012: 55 ff.).

Knapp ein Drittel der Befragten verbringt oft Zeit damit, Handyspiele zu spielen. Nach den sprachlich-kommunikativen Apps stehen Computerspiele mit 31 Prozent an dritter Stelle der am häufigsten genutzten Apps. Dabei ist ein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern erkennbar. Während die Funktionen der Communitys und Instant-Messenger eher von Mädchen genutzt werden, liegen die Jungen bei der Nutzung von Spielen auf dem Smartphone deutlich vorn (vgl. Mpfs JIM 2012: 55 ff.).

2.3 Das Handy als Organizer im Alltag der Jugendlichen

Das Handy ist fast immer dabei und somit sind seine Funktionen auch jederzeit verfügbar. Deshalb spielt das Handy auch in der Organisation des Alltags vieler junger Menschen eine wichtige Rolle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen lassen sich durch ihr Handy wecken und die Kalenderfunktion wird von 33 Prozent genutzt, um sich an wichtige private und schuli- sche Termine erinnern zu lassen. Die Weckfunktion liegt immerhin auf Platz 4 der meist ge- nutzten Handyfunktionen. 40 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig das Internet, das po- tenziell auch als kurzfristige Informationsquelle zur Planung und Strukturierung des Alltages dienen kann. Auf dem Smartphone spielt die Informationseinholung ebenso eine große Rolle. 12 Prozent der 12- bis 19-Jährigen geben als für sie wichtigste App solche an, die Informationen über Wetter, Nachrichten und die Börse bieten (vgl. Mpfs JIM 2012: 55 ff.).

Natürlich sind auch die sprachlich-kommunikativen Funktionen geeignet, um die eigene Zeit zu planen und organisieren. „Darüber hinaus werden die meisten Verabredungen unter Ju- gendlichen mit dem Handy vereinbart, verschoben oder auch abgesagt [...]“ (Struckmeyer 2010: 178).

3 Risiken für SchülerInnen durch das Handy

So vielfältig die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten des Handys, so stark variieren auch die Risiken, die sich für SchülerInnen durch den Gebrauch von Handys ergeben können. Die Spannweite der möglichen Risikofaktoren erstreckt sich dabei über die Finanzierung des Handys und der Nutzung über die eingegebenen persönlichen Daten bis hin zu der über das Handy praktizierten Kommunikation und die über das Handy verfügbaren Medien sowie der Nutzung der kreativ-produktiven Funktionen des Handys.

3.1 Das Handy als (Abo-)Kostenfalle

Durch den individuellen Wert, der dem Handy von den Jugendlichen zugemessen wird, stellen diese eine besonders beliebte Zielgruppe von Werbung und Marketingstrategien der Anbieter von mobilen Diensten und Handyangeboten dar.

Die „Kostenfalle Handy“ beginnt schon bei der Anschaffung eines Gerätes und dem Abschluss eines dazugehörigen Vertrages, geht über Dienste wie das Anfordern von Logos, Klingeltönen oder Spielen bis hin zu Abos solcher Dienste.

Da das Handy als Statussymbol und oftmals auch als „Eintrittskarte“ in die gewünschte Peer- group gilt, ist es für die Jugendlichen meist von besonderer Bedeutung, dass sie möglichst das neueste und angesagteste Handy bekommen (vgl. Struckmeyer 2010: 178). Hierbei ist ein Trend erkennbar: Je geringer der Bildungshintergrund, desto neuer ist das Handy. „So hat je- der zweite Handybesitzer an der Hauptschule, bzw. mit Hauptschulabschluss ein Handy, das weniger als ein Jahr alt ist, bei den Jugendlichen mit mittlerer Bildung sind es 44 Prozent und nur 30 Prozent der Jugendlichen mit höherer Bildung haben ein neues Handy (jünger als 12 Monate).“ (Mpfs JIM 2012: 52)

Dies kann dazu führen, dass die Jugendlichen sich ein Modell aussuchen, das ihre eigentlichen finanziellen Möglichkeiten übersteigt und volljährige Heranwachsende könnten sich überdies einen Vertrag aufbürden, der sie über einen längeren Zeitraum hinweg bindet. Durchschnittlich bezahlen die jungen Handynutzer 17,10 Euro pro Monat für ihre Handynutzung (vgl. Mpfs JIM 2012: 53).

Das Anfordern von Handyspielen ist oft einfach per SMS oder aber auf Smartphones im Play- store/Appstore möglich. Die Angebote sind oft unüberschaubar und die eigentlichen Kosten können leicht übersehen werden, da sie im Kleingedruckten versteckt sind (vgl. Struckmeyer 2010: 179).

„Wie teuer der Service wirklich war, erfahren Heranwachsende oft erst beim Blick auf die Handyrechnung, wenn es bereits zu spät ist.“ (Struckmeyer 2010: 179)

Darüber hinaus sind mit den Services oft Abos verbunden, deren Kosten dann regelmäßig an- fallen und sich somit stetig Schulden anhäufen können, die von den Jugendlichen allein nicht mehr zu tilgen sind. Hier ist es wichtig, eine Gesprächskultur zu etablieren, die es den jungen Menschen erlaubt, frühzeitig ihre Sorgen zu äußern; denn meist sind die „[...] 'Verträge' oder Kaufhandlungen gar nicht gültig“ (Struckmeyer 2010: 179) und können durch die Jugendli- chen selbst oder die Eltern rückgängig gemacht werden (vgl. AG Berlin Mitte. Urteil vom 28.07.2008).

3.2 Datenschutz

Das Thema Datenschutz erstreckt sich über die ständige Erreichbarkeit durch das Handy und die freigegebenen Daten (bewusst oder unbewusst) bis zu den Ortungsmöglichkeiten. Vor allem durch den mobilen Internetzugang wird die Sicherheit der persönlichen Daten relevant. Der Datenschutz ist nicht nur in Bezug auf das Handy, sondern vor allem im Hinblick auf die mobile Internetverfügbarkeit und die damit verbundenen, auch oftmals schnellen und einfachen, Veröffentlichungen in Online-Communitys zu betrachten.

Von den fast volljährigen und volljährigen Jugendlichen sind über 80 Prozent in einer Online- Community angemeldet und fast 80 Prozent der Befragten nutzen ihr Profil mehrmals in der Woche bzw. täglich (Mpfs JIM 2012: 34 ff.). Drei Viertel der befragten Jugendlichen hinterle- gen in solchen sozialen Netzwerken Angaben zu ihren Hobbys und weit mehr als die Hälfte der User stellen eigene Fotos oder Videos online (Mpfs JIM 2012: 46). 22 Prozent der Befrag- ten posten täglich über ihre Aktivitäten („Posten was man gerade so macht“, Mpfs JIM 2012: 42). Der mobile Zugang zu den Online-Communitys ermöglicht spontane Postings mit dem Handy über das eigene Handeln und schnelle Veröffentlichen von Bildern oder Videos, die mit dem Handy produziert wurden.

In den Online-Communitys können die Nutzer mit den Privacy-Optionen beeinflussen, wer ihre vollständigen Profile sehen darf. Dabei wird meist allgemein bestimmt, ob das Profil öffentlich einsehbar ist oder ob nur bestätigte „Freunde“ die Informationen sehen dürfen. Wichtig hierbei ist zu erwähnen, dass die durchschnittliche Anzahl der „Freunde“ bei 272 bestätigten Kontakten liegt, sodass trotz einer Beschränkung auf diese Gruppe viele andere Nutzer die eingegebenen Daten einsehen können (vgl. Mpfs JIM 2012: 44).

3.3 Enthemmungseffekte

Bei sämtlicher schriftlicher Kommunikation fehlen wichtige Übermittler von mit ausgedrückten Emotionen. Mimik, Gestik und Intonation der Stimme können bei schriftlichem Austausch nicht übermittelt werden. Sie können ansatzweise in verschiedenartigen „Codes“ wiedergegeben werden (wie z. B. Abkürzungen oder Smileys), die je nach Peergroup variieren (vgl. Struckmeyer 2010: 178; siehe Punkt 2.1)

Die Tatsache, dass es kein reales Gegenüber gibt, ermöglicht den Jugendlichen eine „mutigere Kommunikation, gerade was das Ausdrücken von positiven oder negativen Gefühlen betrifft“ (Struckmeyer 2010: 178). Das Handy ist in den meisten Situationen verfügbar und die Übermittlung einer nonverbalen Nachricht ist binnen Sekunden abgeschlossen. Daneben bieten Smartphones Apps zur Kommunikation, deren Nutzung im Normalfall außer den Internetgebühren (das Internet steht jedem dritten Jugendlichen als Flatrate zur Verfügung (vgl. Mpfs JIM 2012: 54)) keine extra Kosten verursacht.

Struckmeyer beschreibt den Verlauf der Nutzung des Kurznachrichtenservice als „Eifer des Gefechts“ (Struckmeyer 2010: 178), der oft später bereut wird. Dabei erstrecken sich die Si- tuationen, in denen Jugendliche zu impulsiven und unüberlegten Nachrichten veranlasst wer- den, über alle Lebensbereiche der Jugendlichen - von der Absage einer Verabredung bis hin zum Flirt oder der Beendigung einer Beziehung. Auch Wagner betont die Veränderungen, die das „kommunikationstechnische Vehikel“ (Wagner 2006: 20) im Alltag der Jugendlichen mit sich bringt: „Beim Versand von SMS entsteht ein 'Zwang zur Reziprozität' […] auf eine Nach- richt wird eine unmittelbare Antwort erwartet, wodurch sich ein permanenter, ortsungebunde- ner Kontakt […] entwickelt.“ (Wagner 2006: 20). Diese ständige Erreichbarkeit kann sich dar- über hinaus auch zu einem Druck entwickeln, dem sich die Jugendlichen nur schwer entzie- hen können.

3.4 Kritische Inhalte

Als problematisch wird im Umgang der Jugendlichen mit dem Handy vor allem der erleich- terte Zugang zu pornografischen und gewalthaltigen Inhalten gesehen (vgl. Struckmeyer 2010: 178). Wie Struckmeyer (2010, S. 180) anmerkt, spiegelt das Handy, das wie andere Me- dien und Inhalte frei verfügbar ist, die aktuelle Lage in der Gesellschaft wider und demzufol- ge ist auch die Diskussion um die Inhalte in diesem Kontext zu führen. Es ist nicht anzuneh- men, dass Jugendliche über das Medium Handy den ersten Kontakt mit pornografischen und gewalthaltigen Inhalten haben (vgl. Schell 2006: 39). Jedoch bietet das Handy neben dem er- leichterten Konsum der Videos mit seinen vielfältigen Funktionen auch die Möglichkeit der eignen Produktion von Gewaltvideos und deren einfache Verbreitung. Darin unterscheidet sich das Medium Handy maßgeblich von anderen Medien, wie z. B. ein PC mit Internetzu- gang: Das Handy ist immer dabei und verfügt über schnell einsatzbereite Aufnahmefunktio- nen (siehe Punkt 3.4.2).

3.4.1 Rezeption gewalthaltiger Videos

Die problematischen Videos zeigen entweder reale Unfälle und Gewalthandlungen oder nach- gestellte Inszenierungen von Gewalt (vgl. Struckmeyer 2010: 180). In sogenannten „Snuff-Vi- deos“ (engl. 'snuff' - jmdn. umbringen/auslöschen) werden „Akte brutaler Körperverletzung und Tötung- von der Vergewaltigung bis hin zur grausamen Hinrichtung“ dargestellt (BPjM 2013). Solche Videos sind 68 Prozent der Jugendlichen bekannt, der Unterschied zwischen den Geschlechtern ist marginal. Dagegen haben mehr Jungen (23 %) als Mädchen (16 %)

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Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656699347
ISBN (Buch)
9783656700050
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276193
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,0
Schlagworte
handy schule nutzen risiken unterricht

Autor

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