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Die Bedeutung des Gottesbezuges in der Präambel des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland

Referat (Ausarbeitung) 2014 9 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. (…)“[1] So lautet der erste Teil der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Im Laufe des folgenden Referats soll sich mit der Bedeutung des Gottesbezuges („ Verantwortung vor Gott und den Menschen[2] ) auseinander gesetzt werden.

Ein historisches Vorbild für den Gottesbezug im Grundgesetz, auch Nominatio Dei genannt, lässt sich in der deutschen Geschichte nicht finden. Weder in der Verfassung der Paulskirchenverammlung von 1848/49, die im Übrigen auch keine Präambel besaß, noch in der Reichsverfassung von 1871 und auch nicht in der Verfassung der Weimarer Republik. Letztere bekräftigte eher den Wandel von der Monarchie zur Demokratie und lässt vielleicht bewusst eine Bezugnahme auf Gott bzw. eine metaphysische Instanz weg, da sich die Monarchie als von Gott und mit seinem Willen eingesetzt sah. Überlegungen um eine Verwendung in der Präambel der Weimarer Verfassung sind aber historisch belegt[3]. Selbst in den ersten Vorlagen für die Präambel des Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat, genauer in dem zuständigen Ausschuss für die Formulierung des Gleichen, im Jahre 1948, gab es keinen Gottesbezug und auch keine Erwähnung irgendeiner Metaphysischen Instanz. Stattdessen wurde explizit Bezug auf die Vergangenheit und den Nationalsozialismus genommen. „ Die nationalsozialistische Zwingerherrschaft hat das deutsche Volk seiner Freiheit beraubt; Krieg und Gewalt haben die Menschheit in Not und Elend gestürzt. Das staatliche Gefüge der in Weimar geschaffenen Republik wurde zerstört. (…)“[4] Gegen diesen Vorschlag setzte sich, jedoch der spätere Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) vehement ein, da Hitler und der Nationalsozialismus nicht am Anfang des neuen Staates stehen dürfen. Der Vorschlag im Oktober 1948 von Adolf Süsterhenn (CDU), dem sog. Vater der Verfassung von Rheinland-Pfalz[5], sollte in der Präambel neben der politischen und juristischen Qualifikation auch eine ethische Qualifikation enthalten sein. Deshalb empfahl er einen direkten Gottesbezug sowohl in die Präambel als auch in den ersten Artikel des Grundgesetzes mit aufzunehmen.[6] Dieses stoß bei Heuss ebenfalls auf Bedenken, ohne den Gottesbezug aber abzulehnen wie der Erwähnung des Nationalsozialismus. Dadurch kam eine erste Diskussion über die Verwendung eines Gottesbezuges im Grundgesetzt zu Stande. Erst der aus Niedersachsen stammende Abgeordnete Hans-Christoph Seebohm (DP) brachte die Formulierung „Verantwortung vor Gott“ ein. Dabei meinte er keinen bestimmten Gott, sondern eine metaphysischen Instanz, die das Gewissen begründete.[7]

Diese Formulierung übernahm Theodor Heuss, als sich die Diskussion über einen Gottesbezug in der Präambel dahin neigte, eine Formulierung zu wählen wie z.B. „ in Ehrfurcht vor Gott “ oder „ im Vertrauen auf Gott “. Eine solche Formulierung hätte den Gottesbezug zu einer Invocatio Dei gemacht, zu deren Begrifflichkeit ich später noch genauer eingehen werde. Heuss meinte es wäre eine theologische Überhebung und lehne sich zu sehr an Hitler an, wenn man für alle getanen Dummheiten Gott verantwortlich macht.[8] Heuss legte am 10. Dezember 1948 dem zuständigen Ausschuss den Entwurf der Präambel mit der Formulierung: „ Im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott (…)“ vor. Der Entwurf wurde mit 19 zu zwei Stimmen angenommen[9].

Und so kam es, dass nach keinen großen Änderungen, am 23.Mai 1949, Dr. Konrad Adenauer die Verkündigung des Grundgesetzes begann mit den Worten: „ Uns alle leitet bei unserer Arbeit der Gedanke und das Ziel, das die Präambel des Grundgesetzes in so vortrefflicher Weise in folgenden Worten zusammenfaßt: ‘Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt (…)‘ [10] Auf die Frage, welchen Einfluss die beiden christlichen Kirchengemeinschaften, Protestanten und Katholiken, auf die Väter und Mütter des Grundgesetztes ausübten, spezieller in diesem Fall auf die Präambel, ausübten, lässt sich so beantworten, dass der evangelische Vertreter im Parlamentarischen Rat, Heinrich Held, und auch sonstige Vertreter der evang. Kirche kaum Einfluss ausübten und die Aufnahme des Gottesbezuges in die Präambel als „Grundsatzentscheidung“ verstanden und ihn positiv aufnahmen. Dagegen übten die Vertreter der Katholischen Kirche enormen Einfluss aus, vor allem der Prälat des Erzbistums Köln, Wilhelm Böhler. Während der Verfassungsberatung hatten sich auch einzelne Bischöfe für einen Gottesbezug in der Präambel ausgesprochen und nach einer Verfassung, die die christlichen Werte zum Ausdruck bringt.[11]

Als im Jahre 1990 die beiden deutschen Staaten sich vereinigten musste auch das Grundgesetzt überarbeitet bzw. angepasst werden, da Teile nun ihre Wirkung verloren, so z.B. das Wiedervereinigungsgebot[12] in der Präambel. Im Zuge dieser Überarbeitung kam es auch zu dem Vorschlag die Präambel gänzlich neu zu formulieren und auf den Gottesbezug zu verzichten. Dieser Vorschlag ging von dem Theologen Wolfgang Ullmann (Bündnis 90/ Die Grünen) aus. Statt des Gottesbezuges wollte er die Formulierung „ Verantwortung vor der deutschen Geschichte und den künftigen Generationen “ drin stehen haben. Des Weiteren forderte er eine Toleranz für die Nichtgläubigen, da eine Verfassung, für die die nicht an Gott glauben keine Gültigkeit hat, wenn sich diese auf Gott beruft. Nach dem Ausscheidens Ullmanns aus der Verfassungskommission wurde sein Antrag von der PDS wörtlich übernommen und scheiterte, am 1.Juli 1993, mit 4 gegen 52 Stimmen und vier Enthaltungen.[13] Neben dem Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes existiert noch eine weitere Gottesformel in der Verfassung. Die Bezugnahme auf Gott in der Eidesform, also der allgemeine Zusatz: „So wahr mir Gott helfe“. Die Beteuerungsformel genannt wird. Dieser Zusatz steht jedem frei zu sprechen oder wegzulassen. Die Weimarer Verfassung legte den Eid ohne Beteuerungsformell aus und stellte es offen, die Hilfe auf Gott hinzuzufügen. D.h. hier wurde die Situation umgekehrt und das Sprechen ohne Bezug auf Gott als Normalform ausgelegt.[14] Hier ist wie schon oben erwähnt der Abstand von Gott als Instrument der Monarchie in der Weimarer Republik zusehen, deren Ziel es war eine Demokratie in Deutschland aufzubauen und so eine Trennung dieser beiden Systeme zu erwirken. Aber auch in den sog. „Neuen“ Bundesländern lässt sich keine Einheitlichkeit erkennen. So haben z.B. Brandenburg, Sachsen und Thüringen keinen Gottesbezug. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt versuchen eine neutrale Stellung einzunehmen, indem sie den Eid ohne Gottesbezug darstellen und sagen:“Der Eid kann mit der religiösen Bekräftigung ‘So wahr mir Gott helfe‘ oder ohne geleistet werden.[15]

[...]


[1] Präambel des Grundgesetzes, 23.Mai.1949

[2] Ebenda

[3] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.15 f.

[4] Parlamentarischer Rat, Entwürfe, 1; vgl. ders., Akten und Protokolle, Bd. 5/I, 333.

[5] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.13

[6] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.13 f.

[7] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.15 „ Ich bin der Auffassung, daß die Bezugnahme auf unsere Verantwortung vor Gott in diese Präambel hineingehört; denn wir sind nicht nur dem deutschen Volk, sondern durch unser Gewissen auch den geistigen Mächten verantwortlich, die sich in Gott personifizieren.“

[8] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S. 19.

[9] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S. 20.

[10] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.23. Ansprache Konrad Adenauers zur Verkündigung des Grundgesetztes

[11] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.25 ff.

[12] Präamble vom 23. Mai 1949: „(…) Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“

[13] Weinholt, Werner, Gott in der Verfassung, Frankfurt am Main 2001, S.27 ff.

[14] Schneider, Hans-Peter, „Gott im Grundgesetz?“ in: Loccumer Protkolle 14/93, Loccum 1994, S. 13.

[15] Verfassung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin, 16.Januar 2012 S.45.

Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656690207
ISBN (Buch)
9783656694007
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276162
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,0
Schlagworte
bedeutung gottesbezuges präambel grundgesetztes bundesrepublik deutschland

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