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Zu "Jungen im Kindergarten" von Margarete Blank-Mathieu

Rezension / Literaturbericht 2013 10 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Margarete Blank-Mathieu

Jungen im Kindergarten

2. erweiterte und aktualisierte Auflage 2006. Copyright by Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt am Main. 140 Seiten. ISBN 3-86099-266-X. D: 9,90 €.

Das Buch „Jungen im Kindergarten“ von Margarete Blank-Mathieu erschien erstmals 1996. Im Jahr 2006 kam das Buch in überarbeiteter und aktualisierter Form auf den Markt. Die Seite »Inhalt« ist nicht nummeriert, er ist durch die Schrift (kursiv, nicht kursiv) klar untergliedert.

Die Autorin Margarete Blank-Mathieu, geboren 1945, verheiratet, vier Kinder, hatte ihre Erstausbildung zur Kindergärtnerin und Hortnerin und war in vielen sozialpädagogischen Bereichen tätig. Von 1992-1995 machte sie ein Studium in Sozialwesen und war anschließend Dozentin an einer Fachschule. Im Anschluss daran machte sie ein weiteres Studium am Institut für Erziehungswissenschaften in Tübingen, war Lehrbeauftragte an einer Fachschule für Sozialwesen, freiberuflich als Autorin und in der Fortbildung von ErzieherInnen tätig. Seit ihrer Promotion im Jahr 2002 ist sie Dozentin an der Evang. Fachschule für Sozialpädagogik in Stuttgart-Botnang.

Zentrales Thema des Buches ist die Geschlechtsidentitätsentwicklung von Jungen im Alter von 3-6 Jahren im Kindergarten und welchen Einfluss die ErzieherInnen darauf haben können. Das Buch soll Denkanstöße und praxisnahe Umsetzungs-möglichkeiten sowie konkrete Lösungsansätze für das ErzieherInnen Team bieten.

Im Vorwort beschreibt die Autorin ihre Motivation zum Buch (S. 7-9). Sie will die Rolle der Erzieherin bei der Sozialisation von Jungen und Mädchen untersuchen, in diesem Buch speziell bei der Sozialisation von Jungen im Kindergarten. Sie möchte dem Vorwurf nachgehen, dass Frauen in der Kleinkinderziehung für die anhaltende Benachteiligung von Mädchen verantwortlich sind und das typische Jungenverhalten verstärken. Die Jungenerziehung ist ihr dabei sehr wichtig. Sie sagt, dass Frauen ihre Macht (in der Kleinkinderziehung) nutzen sollten die sie übertragen bekommen, um Jungen und Mädchen anders zu erziehen.

Jungen fehlt die männliche Vorbildrolle und Frauen können ihnen auch kein Identifikationsmodell sein, schreibt Margarte Blank-Mathieu. Außerdem erwähnt sie, dass sich Jungen oft unrealistische Männerbilder (z.B. aus Medien) suchen und dies kann verhängnisvolle Folgen in Bezug auf ihre Geschlechtsrolle haben.

Im ersten Kapitel des Buches „ Die Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Jungen bis zum Kindergarteneintritt“ (S. 11) befasst sich die Autorin in vier Unterkapitel mit folgenden Themen, „Das Kindergartenkind: Aussagen und Beobachtungen über Jungen und Mädchen im Kindergarten“, „Was beeinflusst die Geschlechts-identifikation im Kindergarten“, „Die Rolle der Erzieherin“ und „Die Rolle von Männern im Kindergarten“.

Zu Beginn erläutert sie, Eltern hätten bereits vor der Geburt verschiedene Vorstellungen und Erwartungen bezüglich des Geschlechts ihres ungeborenen Kindes haben. Blank-Mathieu schreibt, dass die Mutter, die sich oft in der ersten Zeit um das Kind kümmert, für die Weitergabe des geschlechtsspezifischen Rollenbildes verantwortlich gemacht wird und wie wichtig die Rollen der Eltern sind. Sie zitiert dabei verschiedene Autoren, unter anderem Helga Bilden die zusammenfassend feststellt, dass es eine geschlechtsunterschiedliche Behandlung von Geburt an gibt. „Biologische und soziale Faktoren steuern und selektieren die Erfahrungen, die ein Kind von Anfang an macht. Dem Kind ist es zunächst völlig egal, welchem Geschlecht es angehört, […]“ (S. 13).

Die Autorin weist darauf hin, je aktiver das Kind an dem Prozess der Sozialisation teilhat und umso mehr es verschiedene Ausprägungen von »männlich und weiblich« erfährt, desto eher kann man von einer individuellen Aneignung einer Geschlechts-identität sprechen. Die Autorin gibt zu denken, dass Jungen trotz der intensiveren mütterlichen Zuwendung (weil oft kränklicher als Mädchen) von Erwachsenen anders »erkannt« werden als Mädchen, nämlich als kräftig, groß und aktiv. Sie verweist hier auf die Autoren Günthner & Kolthoff, die dazu (1991) verschiedene Untersuchungen veröffentlicht haben. Mädchen würden demnach eher als hübsch, klein und zart beschrieben. Kinder können recht früh männlich oder weiblich unterscheiden. „Bevorzugt beachtete Unterscheidungsmerkmale sind hierbei Haartracht, Kleidung und Stimme.“ (S. 17)

Die Autorin verweist hier auf verschiedene Autoren, die sich darin einig sind, dass die Geschlechtszuordnung mit der Sprache erworben wird. „Das Wissen um das eigene Geschlecht ist eine psychosexuelle und kognitive Leistung […].“ (S. 18)

Blank-Mathieu sagt, die Ablösung von der ersten weiblichen Bezugsperson muss gelingen, ohne sie gibt es keine eigene Geschlechtsidentität bei Jungen.

Jungen dürfen oft nur das machen was »männlich« ist, nur nicht weiblich sein und sie dürfen alles was Mädchen nicht dürfen.

Im Unterkapitel „Das Kindergartenkind: Aussagen und Beobachtungen über Jungen und Mädchen im Kindergarten“ geht es um die unterschiedlichen Zeichnungen von Mädchen und Jungen und um eine klare Abgrenzung innerhalb ihrer Gruppe in »Jungengruppen und Mädchengruppen«. Mädchen und Jungen haben zwar oft die gleichen Themen aber dennoch beschäftigen sich die Jungen mehr für die Außenwelt z.B. Männertätigkeiten im Beruf, Fahrzeuge usw. und Mädchen sich eher mit der Innenwelt der Familie, was man anhand ihrer Zeichnungen erkennen kann, schreibt Blank-Mathieu. Sie beschreibt auch eine Unterscheidung im Spielverhalten, Sozialverhalten und der Kontaktaufnahme von beiden Geschlechtern. „Beim Kindergarteneintritt stellt man fest, dass jüngere Kinder noch nicht so geschlechtsspezifisch festgelegt sind. Man kann davon ausgehen, dass für die Verstärkung der Rollenfixierung der Kindergarten eine wichtige Rolle spielt.“ (S. 25)

Im Unterkapitel „Was beeinflusst die Geschlechtsidentifikation im Kindergarten?“ beschreibt sie verschiedene Untersuchungen die deutlich gemacht haben, dass die vorschulischen Erziehungseinflüsse nicht geeignet sind, die Ausbildung von Geschlechtsrollenstereotypen zu verhindern oder aufzuweichen. Sie geht nun in den folgenden Unterkapiteln näher auf die einzelnen Aspekte „die Rolle der Erzieherin“ und „die Rolle von Männern im Kindergarten“ ein. ErzieherInnen, so schreibt sie, bevorzugen oft eher ruhige Spiele, feinmotorische Aktivitäten und harmonisches Zusammensein. Wilde Jungen Spiele lehnen sie jedoch ab und unterbinden diese.

Dieses Verhalten ist aber den ErzieherInnen oft nicht bewusst. Sie geben durch ihr „…Verhalten ihre eigenen Geschlechtsrollenstereotypen…“ weiter. (S. 33) Anschließend stellt sie die Frage nach der Rolle von Männern in Kindergärten. Der Erzieher Beruf ist immer noch eine Frauen Domäne und nur selten erscheinen männliche Kollegen in der Einrichtung und wenn, dann oft in Form von Praktikanten oder FSJ (freiwilliges soziales Jahr). Sie schreibt, dass Jungen oft aufgrund der Familienstruktur ein »lebendiges« Männeridentifikationsobjekt fehle und sie sich auch deshalb (wie oft beobachtet wurde) geradezu auf männliche Kollegen stürzten und sie „vereinnahmten“.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656694427
ISBN (Buch)
9783656695875
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276101
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
2
Schlagworte
jungen kindergarten margarete blank-mathieu

Autor

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