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Aus- und Einwanderung auf den Britische Inseln am Beispiel von England und Irland

Hausarbeit 2013 24 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 England
2.1 England als Auswanderungsland
2.2 Vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland – Die Einflüsse der Industrialisierung
2.3 England als Einwanderungsland
2.3.1 Beginn der innereuropäischen Zuwanderung
2.3.2 Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien
2.3.3 Gesetze zur Steuerung der Einwanderung: Commonwealth Immigration Act und Immigration Act
2.3.4 Immigration heute
2.3.5 Zielregionen der Zuwanderer
2.4 Fazit

3 Irland
3.1 Irland als Auswanderungsland
3.1.1 Beginn der Auswanderungen und Folgen der Großen Hungersnot
3.1.2 Irische Auswanderer in den USA
3.2 Vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland
3.2.1 Erster Wechsel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland
3.2.2 Rückentwicklung zum Auswanderungsland
3.3 Irland als Einwanderungsland
3.3.1 Pullfaktor Celtic Tiger
3.3.2 Herkunftsländer der Zuwanderer
3.3.3 Zielregionen der Zuwanderer
3.4 Fazit

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausdehnung des British Empire im 1. Weltkrieg (BROWN, LOUIS 2001, S. 4)

Abbildung 2: Vergabe der Sozialversicherungsnummern an Immigranten in UK (vgl. HARRIS, MORAN, BRYSON 2012, S. 215, eigene Hervorhebung)

Abbildung 3: Verteilung der ethnischen Gruppen in den Regionen 2004 (vgl. WEHLING 2007, S. 88)

Abbildung 4: Verteilung der irischen Auswanderer auf die US-Bundesstaaten 1850 (vgl. COHN 2009, S. 168, eigene Darstellung)

Abbildung 5: Anteile irischer Bevölkerung in den US-Bundesstaaten (US CENSUS BUREAU 2011)

Abbildung 6: Immigranten nach Nationalität (CSO 2012, S. 7)

Abbildung 7: Immigration 2001-2002 (WALSH 2007, S. 39)

Abbildung 8: Entwicklung des Wanderungssaldos (BPB 2010, S. 2)

1 Einleitung

Die folgende Arbeit untersucht die Entwicklung der Migration auf den Britischen Inseln an den Beispielländern England und der Republik Irland.

Migration allgemein bezeichnet „die Wanderung bzw. Bewegung von Individuen oder Gruppen im geographischen und sozialen Raum. Die Begriffe ‚Emigration‘ (Auswanderung) und ‚Immigration‘ (Einwanderung) weisen in diesem Zusammenhang auf die Zielrichtung der Wanderung hin“ (STRASSER 2009, S. 17).

Im vorliegenden Fall wird nur die Wanderung im geographischen Raum betrachtet, hierbei soll vor allem der Wechsel von Emigration zu Immigration untersucht werden.

Von besonderem Interesse sind dabei die Faktoren, die dazu führen, dass ein Land Auswanderungsland bzw. Einwanderungsland wird, die so genannten Push- und Pull-Faktoren.

Zunächst sollen jedoch die Begrifflichkeiten geklärt werden:

Ein Auswanderungsland besitzt eine negative Einwanderungsbilanz, d.h. es wandern mehr Menschen aus als ein. Im Gegensatz dazu verfügt ein Einwanderungsland über eine positive Einwanderungsbilanz. Entscheidend beeinflusst wird die Einwanderungsbilanz von den Push- und Pull-Faktoren.

Push-Faktoren beeinflussen eine Auswanderung aus dem Herkunftsland, Pull-Faktoren hingegen begünstigen eine Einwanderung in das Zielland. Push-Faktoren wirken sich also negativ auf die Einwanderungsbilanz aus, Pull-Faktoren haben einen positiven Einfluss darauf. Von besonderer Bedeutung hierbei sind Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sowie staatliches Handeln (vgl. FASSMANN 2009, S. 11ff.).

Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst untersucht werden, wie sich die Einwanderungsbilanzen von England und Irland in der Vergangenheit bis heute entwickelt haben und welche Ereignisse diese Entwicklung beeinflusst haben. Ziel ist ein Vergleich der Entwicklung Englands und Irlands sowie der auslösenden Faktoren.

Die Leitfragen der Untersuchung lauten:

Wann begann die erste Auswanderungsphase und wodurch wurde sie ausgelöst?

Wann und wodurch erfolgte ein Umschwung zum Einwanderungsland?

Wie oft erfolgte ein Wechsel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland (bzw. umgekehrt)?

Gibt es Besonderheiten in der Migrationsgeschichte?

Wie wirkt sich die Immigration auf das heutige England/Irland aus?

Es würde zu weit führen, die Einwanderungen der Kelten, Römer oder Wikinger auf die Britischen Inseln zu berücksichtigen.

Daher beginnt die Untersuchung Englands ab dem 16. Jahrhundert, die Irlands ab dem 19. Jahrhundert, da zu diesen Zeitpunkten die Entwicklungen, die schließlich die ersten Auswanderungswellen auslösten, begannen.

2 England

2.1 England als Auswanderungsland

Englands Rolle als Auswanderungsland wurde vor allem durch die britischen Kolonien bestimmt.

Miles und Cleary bezeichnen in diesem Zusammenhang Irland als erste Kolonie Englands (vgl. MILES, CLEARY 1992, S. 122). Nachdem Heinrich VIII sich 1541 selbst zum irischen König ernannte, folgten erste Ansiedlungen „rechtgläubiger protestantischer Loyalisten“ (STURM 2006, S. 57).

Entscheidend für die Entstehung des britischen Weltreichs waren jedoch die Kolonien in Nordamerika.

Nach der Überfahrt der sog. Pilgerväter auf der Mayflower im Jahr 1620 kam es zu ersten planmäßigen Besiedlungen der Kolonien in Nordamerika und auf den Westindischen Inseln: Diese Auswanderungswelle wurde durch den Tabakhandel mit dem amerikanischen Virginia entfesselt, der bewies, dass die Möglichkeit des Güteraustauschs zwischen dieser Kolonie und dem Mutterland bestand. Gleiches galt für die neu gegründeten Plantagen auf den Westindischen Inseln. Neben den wirtschaftlichen und finanziellen Vorteilen war auch die Möglichkeit des Grundbesitzes sowie der religiösen Freiheit für viele Auswanderer ausschlaggebend. Letzteres beeinflusste insbesondere die Auswanderung vieler Puritaner (vgl. WEHLING 2007, S. 51).

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Kolonien u.a. auf Indien, Australien, die Karibik und Afrika ausgeweitet. Besonders seit den 1830er Jahren kam es zu verstärkten Auswanderungswellen in die Kolonien (vgl. WEHLING 2007, S. 56).

So wanderten zwischen 1820 und 1860 beispielsweise 303.000 Engländer in die USA aus (vgl. COHN 2009, S. 24).

Im Gegensatz zu anderen Kolonialmächten pflegte England die Idee der kolonialen Selbstverwaltung, was sich sicherlich auf die Emigration in die Kolonien auswirkte. Seine größte Ausdehnung erreichte das British Empire 1914 (vgl. WEHLING 2007, S. 56).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ausdehnung des British Empire im 1. Weltkrieg (BROWN, LOUIS 2001, S. 4).

Die Kolonien sollten auch bei der Entwicklung zum Einwanderungsland eine entscheidende Rolle spielen, wie in Kapitel 2.3.2 noch gezeigt wird.

2.2 Vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland – Die Einflüsse der Industrialisierung

Erste Tendenzen eines Umschwungs zeichneten sich durch die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ab. Hierdurch entwickelten sich erstmalig moderne Formen der Arbeitskräftewanderung – die sowohl die Migration aus Übersee als auch die binneneuropäische Migration stark beeinflussten (vgl. MÜNZ 2012, S. 4).

Die Zuwanderung erfolgte insbesondere in die neuen Zentren der Eisen- und Stahlindustrie, beispielsweise die Midlands (vgl. MÜNZ 2012, S. 4). Diese Entwicklung verdeutlicht die Stadt Birmingham, die im Rahmen der Industrialisierung schnell zur zweitgrößten Stadt des Vereinigten Königreichs anwuchs (vgl. WEHLING 2007, S. 105).

Auch die Bevölkerung Londons stieg stark an. Lebten während der Volkszählung 1801 etwa eine Million Menschen in der Stadt, so hatte sich die Bevölkerung innerhalb von 50 Jahren verdoppelt (vgl. WEHLING 2007, S. 119). Denn England stellte nun für die Engländer selbst eine Alternative zur Auswanderung nach Übersee dar (vgl. MÜNZ 2012, S. 4), aber auch viele Fernwanderer zog es aufgrund der Industrialisierung nach England. Die größte Gruppe der Fernwanderer zu dieser Zeit waren die Iren (vgl. WEHLING 2007, S. 79).

Der tatsächliche Wandel vom Auswanderungsland zum Einwanderungsland – also das Erreichen eines erstmals positiven Wanderungssaldos – erfolgte allerdings erst in den 1950/60er Jahren (vgl. FASSMANN 2009, S. 26f.).

2.3 England als Einwanderungsland

2.3.1 Beginn der innereuropäischen Zuwanderung

Die Entwicklungen vor bzw. während des 2. Weltkrieges wirkten sich sehr stark auf den Umschwung des Wanderungssaldos aus.

So nahm England beispielsweise 50.000 ausgewanderte deutsche Juden auf und die Polen, denen man als Dank für ihren Kriegseinsatz und aufgrund fehlender englischer Arbeitskräfte ein Ansiedlungsrecht gewährte, wurden zu einer wichtigen Minorität (vgl. WEHLING 2007, S. 86).

Ebenfalls als Arbeitskräfte wurden außerdem viele Iren angeworben. Eine Vielzahl dieser Arbeitsmigranten kehrte jedoch nach einiger Zeit wieder in das Herkunftsland zurück (vgl. MÜNZ 2012, S. 5).

In den Jahren 1945 bis 1962 erlebte Großbritannien insgesamt den stärksten Zustrom an Einwanderern der gesamten Nachkriegszeit (vgl. WEHLING 2007, S. 86). Spellman spricht von allein 250.000 Zuwanderern aus Europa von 1946 bis 1951 (vgl. SPELLMAN 2008, S. 36).

2.3.2 Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien

Auch auf die Zuwanderung aus Übersee hatte der 2. Weltkrieg – wie bei allen Kolonialmächten – deutliche Auswirkungen. Durch den Rückzug aus den Kolonien wanderten in Europa in Summe „mehrere Millionen Siedler europäischer Herkunft sowie in der Kolonialverwaltung tätige Beamte und Soldaten in die jeweiligen Mutterländer“ (MÜNZ 2012, S. 5).

Den Migranten englischer Herkunft folgten zahlreiche Einwohner aus den Kolonien, insbesondere Inder, Pakistanis und Anglo-Karibier. Man versprach sich bessere Arbeits- und Bildungschancen oder floh vor den nach der Entkolonialisierung ausgebrochenen Bürgerkriegen und politischen Repressionen (vgl. MÜNZ 2012, S. 5).

Eine Besonderheit in England war hierbei folgende Gesetzeslage: „as Commonwealth citizens, they were also British subjects and they therefore had an unrestricted right of entry to, and settlement in, Britain“ (MILES, CLEARY 1992, S. 130). Somit wurde also jeder Commonwealth-Bürger als britischer Staatsbürger betrachtet und hatte daher das Recht, sich in Großbritannien niederzulassen.

England versuchte jedoch die Einwanderungen aus den Kolonien zu steuern:

Zunächst gab es gezielte Rekrutierungsprogramme in der Karibik. Man betrachtete die Karibier als „leichter integrierbar“ als die Asiaten, weil sie die englische Sprache beherrschten und man davon ausging, dass sie – aufgrund eines angeblichen Fehlens einer eigenen Kultur – die britische Kultur stärker verinnerlichten. Ab Mitte der 1950er Jahre folgten dennoch Einwanderer aus Indien und Pakistan, die die fehlende Arbeiterschaft in der Kohle-, Stahl- und Textilindustrie ersetzen. Hierdurch kam es zu einer Ansiedlung der einzelnen Migrantengruppen in unterschiedlichen Regionen, worauf an späterer Stelle noch näher eingegangen wird (vgl. BERG 2006, S. 252).

2.3.3 Gesetze zur Steuerung der Einwanderung:Commonwealth Immigration Act und Immigration Act

Durch die verstärkter Zuwanderung „nichtweißer“ Bevölkerung, die bereits angesprochenen Konzentrationen von Immigranten in bestimmten Regionen sowie verschiedene Unruhen in Nottingham und im Londoner Stadtteil Notting Hill im Jahr 1958 wurde 1962 der Commonwealth Immigration Act erlassen. Dieses Gesetz war offen rassistisch, denn es unterschied zwischen Einwanderern aus dem New Commonwealth und dem Old Commonwealth (vgl. WEHLING 2007, S. 86).

Als Old Commonwealth wurden Kanada, Australien und Neuseeland bezeichnet (vgl. MILES, CLEARY 1992, S. 132). Unter New Commonwealth wurden die ehemaligen Kolonialstaaten des Indischen Subkontinents sowie Afrikas (ohne Südafrika) verstanden (vgl. SPELLMAN 2008, S. 36).

Das Gesetz setzte somit nur für die Einwanderer, deren ausländische Herkunft durch die Hautfarbe „sichtbar“ war, Quoten, kontrollierte aber nicht die Anzahl der Zuwanderungen aus Irland und dem Old Commonwealth (vgl. WEHLING 2007, S. 86f.).

Begründet wurde dieses Gesetz von der Regierung mit drei Argumenten: Erstens drohe eine Überbevölkerung, zweitens würde die Zuwanderung das Problem der Arbeitslosigkeit verstärken und drittens gäbe es Probleme mit der Integration der Einwanderer (vgl. MILES, CLEARY 1992, S. 133).

Erst 1971 brachte der Immigration Act eine Gesetzesänderung. Danach fand zwar keine Unterscheidung mehr zwischen New und Old Commonwealth statt, aber die Rechte aller Commonwealth-Bürger wurden dadurch stark beschnitten. Es wurde nun zwischen legaler und illegaler Einwanderung unterschieden (vgl. WEHLING 2007, S. 87). Des Weiteren bestand nur noch eine befristete Arbeitserlaubnis für Einwanderer. Die Möglichkeit zur permanenten Aufenthaltserlaubnis bekamen die Immigranten erst nach vier Jahren (vgl. BERG 2006, S. 253).

2.3.4 Immigration heute

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung der Sozialversicherungsnummernvergabe (NINo = National Insurance Number). Die rote Markierung zeigt die innereuropäische Zuwanderung, die blaue Markierung die Zuwanderung aus ehemaligen Kolonien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vergabe der Sozialversicherungsnummern an Immigranten in UK (vgl. HARRIS, MORAN, BRYSON 2012, S. 215, eigene Hervorhebung).

Die innereuropäische Einwanderung wird auch durch die Bewegungsfreiheit für EU-Bürger (vgl. MILES, CLEARY 1992, S. 139) beeinflusst. Wie in der Tabelle zu sehen ist, wird diese insbesondere von den 2004 beigetretenen osteuropäischen Ländern stark genutzt. Demnach wird von Einwandern aus Polen, Litauen, Lettland und der Slowakei besonders häufig eine Sozialversicherungsnummer angefordert, aber auch das 2007 beigetretene Rumänien belegt seither vordere Plätze.

Auch die ehemaligen Kolonialstaaten Indien, Pakistan, Australien, Nigeria und Südafrika spielen nach wie vor eine Rolle.

Großbritannien wirkt jedoch nach wie vor selbst kontrolliert auf Zuwanderungen ein. So werden gezielt Immigranten mit bestimmten Qualifikationen angeworben. Ein Beispiel hierfür ist die Anwerbung von 20.000 philippinischen Krankenschwestern für das britische Gesundheitssystem zwischen 2000 und 2004 (vgl. DWYER 2010, S. 162).

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Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656690153
ISBN (Buch)
9783656690146
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276066
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes
Note
1,0
Schlagworte
Irland England Schottland Nordirland Wales Migration Immigranten Great Famine Kartoffelfäule Hungersnot USA

Autor

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Titel: Aus- und Einwanderung auf den Britische Inseln am Beispiel von England und Irland