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Die Erneuerung des stadtrömischen Compitalkults unter Augustus

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprünge und Hintergründe des Kultes
2.1. Laren
2.2. compitalia
2.3. Verbote zu Zeiten der Republik

3. Neuinstitution unter Augustus
3.1. Genius
3.2. Neuorganisation
3.3. Umstrukturierung der Verwaltung
3.1.1. Exkurs Augustalen

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Laut Cassius Dio hat Augustus 7 v. Chr. einige alte Kulte wieder hergestellt. Zu diesen Kulten gehörte unter anderem der Compitalkult. Die Geschichte dieses Kultes beinhaltet Phasen der Stärkung des Kultes, Verbote wie beispielsweise unter Caesar[1], aber eben auch eine Neubelebung wie unter Augustus. Cassius Dio berichtet weitergehend von Ritualen, die Augustus Genius verehrten und die Inkorporation des Augustus in den Kult. Ebenfalls bei Cassius Dio finden sich Belege von Augustus Umgestaltung der Verwaltung im Imperium Romanum. Eine Frage die mit Hilfe von Cassius Dio nicht beantwortet werden kann, ist die nach der Intention Augustus den diskutierten Kult wiederherzustellen und in der konkreten Ausgestaltung wie er es getan hat. Im Folgenden soll eben diese Frage beantwortet werden.

Die Zweiteilung die bei Cassius Dio zu finden ist, also eine Trennung von religiösem Hintergrund und Ausgestaltung des Compitalkultes und die Umstrukturierung der Verwaltung, wird in dieser Arbeit beibehalten werden. Zuerst werden die religiösen Aspekte geklärt werden, beginnend mit der Geschichte des Kultes, seiner Bedeutung und den Verboten in der Republik. Der zweite Teil befasst sich mit der Umstrukturierung der Verwaltung und der Neuinstitution des Kultes unter Augustus. In diesem Zusammenhang werden die neu eingerichteten Ministerien näher erläutert. Konkret wird geklärt werden, welche Hintergründe der Kult hat und ob er von Augustus instrumentalisiert wurde um die Beziehung zwischen ihm und der plebs zu festigen.

Zur Erarbeitung dienen als schriftliche Quellen schwerpunktmäßig der Historiker Cassius Dio, der ausführlich über die Änderungen unter Augustus berichtet und Suetons Kaiserviten, die sowohl über Caesars als auch Augustus Umgang mit den Kulten berichtet. Zusätzlich werden Inschriften und Altarreliefs genutzt werden, um die Rolle der Freigelassenen und Sklaven in den Kulten zu identifizieren und interpretieren.

2. Ursprünge und Hintergründe des Kultes

2.1. Laren

Der Lar war ursprünglich ein Schutzgeist, der von der zumeist ländlichen Bevölkerung verehrt und als „spritis of the dead ancesters“[2] verstanden wurde. Konkret war der Lar familiaris für Schutz der gesamten familia zuständig[3] und schloss daher auch die Sklaven mit ein. Der Laren Kult war folglich Teil der sacra privata, damit also ein häuslicher Kult, bei dem „der pater familias […] als Priester“[4] fungierte. Die Verehrung fand zumeist am Herd der Familie statt und beinhaltete tägliche Speisen- und Trankopfer zu den Mahlzeiten. Später wurden zwei Laren als Laren der Familie verehrt, wobei nicht geklärt ist wie es zu dieser Verdopplung kam[5]. Da ebenfalls jedes Grundstück einen Lar besaß, trat in der Weiterentwicklung die Laren Verehrung aus dem privaten Raum heraus. An Grundstücksgrenzen, beziehungsweise an Wegkreuzungen wurden die lares compitalis [6] verehrt, die Schutzgeister der Wegkreuzungen. Es fand folglich eine Entwicklung zur öffentlichen Kulthandlung statt, womit der Larenkult Teil der sacra publica wurde. Zu diesem Zweck wurden kleine Kapellen und Altäre mit Statuen der verehrten Laren an den Wegkreuzungen errichtet. Die Aufgaben des pater familias übernahmen Priester.

2.2. compitalia

Die compitalia war ein Fest das von der gesamten familia zu Jahresanfang begangen wurde. Da dieses dem bäuerlichen Kalender angepasst war, gab es kein konkretes im Festkalender ausdrücklich bestimmtes Datum. Zu finden sind meist erste Tage des Januars[7]. Zu Ehren des Festes gab es gemeinsame Mahlzeiten. Im Zuge der compitalia wurden den Sklaven, wie auch zu den saturnalia, besondere Zuwendungen erlaubt, wie beispielsweise Opferhandlungen. Der Brauch Wollgebilde an den compita anzubringen, zeigt den Grundgedanken eines Festes für alle Mitglieder einer familia. Gestaltet wurden männliche und weibliche Wollgebilde für die Freien und Wollbälle für die Unfreien.

Laut Latte führten geänderte Umstände dazu, dass die Grundbesitzer in die Städte zogen. Infolge dessen wurden die Gutshöfe von Unfreien verwaltet[8]. Aus diesem Grund wurden die compitalia von den niederen Schichten, also Sklaven und Freigelassenen ausgerichtet. Da sie kaum noch von den Gutsbesitzern besucht wurden, wurden die Feste zunehmend ausschweifender gefeiert. Die für die Ausrichtung Verantwortlichen schlossen sich zu sogenannten collegia compitalicia zusammen. Vereine dieser Art wurden zu damaliger Zeit oft als Ausgangspunkt für „revolutionäre Gärung“[9] vermutet.

2.3. Verbote zu Zeiten der Republik

Da Vereine generell als Unruheherde gesehen wurden, kam es immer wieder zu Verboten. Beispielsweise wurde bereits 186 v. Chr. der Bacchanalia Kult verboten, der auf Grund seiner nächtlichen Ausübung als verdächtig galt[10]. Im Jahre 64 v. Chr. beschloss der Senat erneut Verbote von Kollegien. Dieses Verbot hob Publius Clodius Pulcher auf Grund von Protesten mit seiner Lex Clodia de Sodalitatibus auf und ermöglichte somit erneute Vereinsbildungen[11]. Unter Caesar „all guilds [were dissolved], apart from those of ancient foundation.“[12], da sie, wie oben genannt als gefährlich für die politische Ordnung gesehen wurden. Zu ihnen gehörten auch der Compitalkult und seine collegia compitalicia. Die Larenkapellen, die häufig Mittelpunkt des sozialen Lebens und Versammlungsort der örtlichen Bevölkerung waren, waren in Caesars Augen ein „Unsicherheitsfaktor“[13]. Die vollständige Auslöschung der Kulte scheiterte in der Umsetzung und nach Caesars Ermordung lebten sie in weiten Teilen des Imperiums wieder auf.

3. Neuinstitution unter Augustus

3.1. Genius

Während die Laren im römischen Verständnis Geister der Ahnen sind, galt der Genius als Wirkkraft die jeder Mann besaß und als „Schutzgott des lebenden Individuums“[14]. Zur Definition des Genius im Allgemeinen dient Censorinus De die natali. Er beschreibt hierin, dass es sich bei dem Genius um einen Gott handle, der ab der Geburt über die Person wacht[15]. Anders als die Laren ist der Genius an eine Person gebunden und hat somit auch nur zu dessen Lebzeiten eine Wirkkraft. Im Jahr 30 v. Chr. beschloss der Senat, dass „[ihm] bei sämtlichen Gastmählern, nicht nur öffentlichen, sondern auch privaten, [...] ein Trankopfer [dargebracht]“[16] werden musste. Folgt man Clauss so bezieht sich die Formulierung 'ihm' nicht auf die Person des Octavian, sondern seinen Genius[17]. Folglich bereitete diese Einführung die Integration des Genius des Herrschers in einen Kult vor.

[...]


[1] Suet. Iul. 42.

[2] Ross Taylor, L., The Divinity of the Roman Emperor, Middletown 1931 (ND Philadelphia 1975), 182.

[3] Mastrocinque, A, s.v. Laren, DNP 6 (1999), 1149.

[4] Muth, R., Einführung in die griechische und römische Religion, Darmstadt 21998, 289.

[5] Vgl. Muth, Einführung Religion, 290.

[6] Kreuzungen von drei oder mehr Wegen wurden compitum genannt. Siehe hierzu: Scholz, U. W., s.v. compitalia, DNP 3 (1997), 110.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Latte, K., Römische Religionsgeschichte, München 1960, 92.

[9] Kienast, D., Prinzeps und Monarch, Darmstadt 42009, 195.

[10] Rüpke, J., Die Religion der Römer, München 2001, 38.

[11] Vgl. Nippel, W., Publius Clodius Pulcher – „Der Achill der Straße“, in: K.-J. Hölkeskamp – E. Stein-Hölkeskamp (Hrsg.), Von Romulus zu Augustus, München 22010, 284.

[12] Suet. Iul. 42.

[13] Kienast, Prinzeps, 196.

[14] Clauss, M., Kaiser und Gott: Herrscherkult im Römischen Reich, München – Leipzig 2001, 50.

[15] Censorinus De die natali III 1.

[16] Cass. Dio 51, 19.

[17] Clauss, Kaiser und Gott, 221.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656688389
ISBN (Buch)
9783656688372
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276055
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Schlagworte
erneuerung compitalkults augustus

Autor

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