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Eine spieltheoretische Analyse von Whistleblowing im oligopolistischen Wettbewerb und in den internationalen Beziehungen am Beispiel Edward Snowdens

Bachelorarbeit 2013 47 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Whistleblowing: Definition

Teil 1: Oligopoltheorie und Whistleblowing
1.1 Das Oligopol – Grundlagen der Wettbewerbstheorie
1.2 Kartelle und Kollusion
1.3 Rechtliche Rahmenbedingungen gegen Marktmissbrauch und Förderung von Whistleblowing innerhalb des Kartells

Teil 2: Der Fall Edward Snowden
2.1 Hintergrund
2.2 Die Konfrontation von Snowden und der NSA als strategisches Spiel
2.3 Zur Rechtslage für Whistleblower wie Edward Snowden

Zusammenfassung und Ausblick

Anhang

Zu 1.1: Quantitatives Marktformenmodell nach Walter Eucken

Zu 1.2: Das Gefangenendilemma

Zu 1.3.1: Rechtslage in den USA

Zu 1.3.2: Rechtslage in der EU

Literaturverzeichnis

Einleitung

Edward Snowdens Enthüllungen über die Spionageprogramme PRISM und Tempora haben nicht nur in den internationalen Beziehungen für kräftigen Wirbel gesorgt, sondern auch bei jedem Einzelnen die Furcht vor einem Leben im Überwachungsstaat, wie ihn George Orwell in „1984“ geschildert hat, geschürt. Aus gesellschaftspolitischer Sicht hat die Aufdeckung der amerikanischen und britischen Geheimdienstaktivitäten und deren Veröffentlichung über die Medien, der Debatte über den Trade-off zwischen Sicherheit und individuellen Freiheitsrechten neuen Anstoß gegeben. Die Dimension, die Snowdens Gang in die Öffentlichkeit angenommen hat, macht es reizvoll, den Fall genauer zu untersuchen. Die Idee ist hierbei, die Interaktion der beteiligten Akteure auf ein großes Spielfeld zu übertragen und die Affäre mittels eines spieltheoretischen Ansatzes zu analysieren. Gefragt wird, welche Strategie der Whistleblower Edward Snowden verfolgt und wie mögliche Reaktionen der Staaten und Geheimdienste aussehen.

Spieltheorie untersucht Situationen, in denen rationale Spieler miteinander interagieren und strategische Entscheidungen treffen. Diese ‚Spiele‘ bestehen aus mehreren Elementen: aus den Teilnehmern und ihren Strategien und einer Auszahlungs- oder Payoff-Funktion für jeden Spieler. Darüber hinaus muss die Reihenfolge der Spielzüge festgelegt werden und bekannt sein, ob die Interaktion auf (un)vollständiger bzw. (a)symmetrischer Information basiert.[1]

Bevor es jedoch um den Spieler Edward Snowden geht, der sich mit der National Security Agency der USA (NSA) als mächtigem Gegenspieler anlegt, wird das Phänomen Whistleblowing zunächst in einem enger gefassten Kontext betrachtet. Dabei geht es um die ökonomische Ebene des Wettbewerbs zwischen Unternehmen im Oligopol. Um Gewinnmargen und Marktmacht zu steigern, kommt es vor allem in Märkten mit begrenzter Anbieterzahl zu Absprachen und Kartellen. Hier kann Whistleblowing beteiligter Unternehmen und/oder einzelner Mitarbeiter entscheidend dazu beitragen, Marktmanipulationen aufzudecken und Wettbewerbsbedingungen wiederherzustellen.

In einer demokratischen Gesellschaft trägt Whistleblowing zur Anprangerung und Aufklärung von Missständen bei und ist auf diese Weise als Korrektivkraft essentieller Bestandteil in Gesellschaft und Unternehmenskultur. Auf Ebene des Staates kann Whistleblowing ein effektives System der „Checks and Balances“ gegenüber bürokratischen Strukturen sein.[2]

Whistleblowing: Definition

Der aus dem Amerikanischen stammende Ausdruck to blow the whistle on somebody kann mit etwas aufdecken, jemanden verpfeifen oder über jemanden auspacken [3] übersetzt werden. Häufig verwendet wird die Definition nach Near und Miceli: "the disclosure by organization members (former or current) of illegal, immoral, or illegitimate practices under the control of their employers, to persons or organizations that may be able to effect action".[4] Dadurch wird die Praxis des Aufdeckens von Zuständen, die illegal, amoralisch oder sogar ungesetzlich sind, in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt.

Folgende Kriterien sind charakteristisch für die Handlung des Whistleblowers:

- Brisanz der Enthüllungen: (revealing wrongdoing): Der Whistleblower berichtet über Missstände und illegales oder unmoralisches Verhalten in seinem Arbeitsumfeld oder Wirkungskreis.
- ‚Alarmschlagen’ des Whistleblowers: (going outside): In der Regel erfolgt die Aufdeckung zunächst im persönlichen oder beruflichen Umfeld („internes Whistleblowing“). Bleibt das interne Alarmschlagen ergebnislos oder wird es unterdrückt, wendet sich der Whistleblower an Außenstehende oder an die Öffentlichkeit („externes Whistleblowing“).
- Uneigennützigkeit der Motive: (serving the public interest): Der Whistleblower strebt keinen wirtschaftlichen Vorteil für sich oder nahestehende Personen an.
- Inkaufnahme von Risiken und Nachteilen durch den Whistleblower (risking retaliation): Whistleblowing kann gravierende Auswirkungen auf die eigene berufliche Karriere haben und betrifft die persönliche Existenz (auch die von Angehörigen).[5]

Darüber hinaus wird zwischen persönlichem und unpersönlichem Whistleblowing unterschieden, je nachdem ob der Hinweisgeber direkt von der Angelegenheit betroffen ist.[6] Der Begriff kann auch mit einem Schiedsrichter auf dem Spielfeld (Fußballfeld) assoziiert werden, dessen Aufgabe darin besteht, auf Regelverletzungen und unsportliches Verhalten hinzuweisen.[7] Zusätzlich veranschaulicht wird der Begriff durch das aus einem Fall stammende Bild eines unbewaffneten englischen Polizisten, der mit dem „Blasen der Trillerpfeife“ Aufmerksamkeit erzeugen und jemanden stoppen wollte.[8] Im Unterschied zu diesen beiden, agiert der Whistleblower aber ohne dafür bevollmächtigt worden zu sein oder eine bestimmte Legitimation erhalten zu haben.

Whistleblowing als Kontrollmechanismus ist ein Prozess, der auf den unterschiedlichsten Ebenen – innerhalb eines Unternehmens, intra- und interorganisational wirken kann. Whistleblowing vermag sowohl öffentliche als auch private Korruption ans Licht zu bringen und erfährt weitgehend Anerkennung von internationalen Organisationen[9], Regierungen und ist in rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt.[10]

Gemäß neoliberalem Verständnis dient Whistleblowing der Kennzeichnung nicht funktionierender Marktmechanismen, wobei das System des Marktes vom neoliberalen Denken nicht in Frage gestellt wird. Whistleblower streben demnach einen Erhalt des Status quo an.[11] Im Bereich Wettbewerbspolitik und Wettbewerbsrecht spielt Whistleblowing eine nicht zu unterschätzende Rolle. Besondere Relevanz hat das Aufdecken wettbewerbsschädigenden Verhaltens in Form von Kollusion und Kartellen.[12]

Durch Kollusion (von lat. collusio: geheimes Einverständnis) kommt es zu Wettbewerbsverzerrungen ­­­– Whistleblowing torpediert diese Absprachen und fungiert als Element der Marktregulierung im Interesse der Konsumenten, die die höheren Preise im Kartell schlussendlich bezahlen müssen.

Nicht selten werden solche Arrangements durch „Verrat aus den eigenen Reihen“ bekannt. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Kaffee-Kartell, bei dem das Bundeskartellamt schon drei Mal wegen illegaler Preisabsprachen und Koordination von Preiserhöhungen Bußgelder verhängte. Die Aufdeckung erfolgte jedes Mal durch Whistleblowing eines der beteiligten Unternehmen Kraft, Melitta, Tchibo oder Dallmayr. So entging der Melitta-Konzern 2011 einer Millionenstrafe durch Selbstanzeige beim Bundeskartellamt, in früheren Fällen waren Kraft Foods und Alois Dallmayr die Kronzeugen gewesen.[13]

Für Unternehmen, die einem Kartell angehören, sind Preisabsprachen durchaus lukrativ; in der Regel lassen sich höhere Preise am Markt durchsetzen und damit werden höhere Margen und Gewinne erzielt. Vor diesem Hintergrund scheint das Whistleblowing der Kaffeeröster eine geradezu irrationale Handlung zu sein. Dass dies jedoch logische Konsequenz aus der strategischen Interaktion im oligopolistischen Wettbewerb ist, wird durch die Analyse mittels Spieltheorie deutlich.

Teil 1: Oligopoltheorie und Whistleblowing

Um den Beispielfall des Whistleblowings im Kaffee-Kartell zu verstehen, werden zunächst die theoretischen Grundlagen und Rahmenbedingungen des oligopolistischen Wettbewerbs thematisiert. Durch die folgende Analyse von Kartellen mittels Spieltheorie wird deutlich, dass das Phänomen Whistleblowing Ausdruck der Instabilität von Kartellen ist. Der erste Teil schließt mit einem Blick auf die rechtliche Situation des Whistleblowers im Kartell ab.

1.1 Das Oligopol – Grundlagen der Wettbewerbstheorie

Im quantitativen Marktformenmodell nach dem deutschen Nationalökonom Walter Eucken wird aus Angebotssicht zwischen den drei idealtypischen Marktformen Polypol, Oligopol und Monopol unterschieden.[14] Im Polypol auf einem vollkommenen Markt, also bei vollständiger Konkurrenz, reagieren die Unternehmen als Mengenanpasser auf am Markt bestimmte Preise. In dieser Modellform entsprechen Preise den Grenzkosten der Produktion und es werden Nullgewinne erwirtschaftet (enthalten ist natürlicher Unternehmergewinn). Voraussetzungen hierfür sind beliebige Teilbarkeit, Homogenität, unbeschränkte Transformierbarkeit und völlige Beweglichkeit der Produktionsfaktoren und Konsumgüter. Das Modell der vollständigen Konkurrenz ist neben der Homo-Oeconomicus-Prämisse die Basis der neoklassischen Wirtschaftstheorie.[15] Verfügt ein Unternehmen hingegen über Monopolmacht, kann es die Preise gewinnoptimal festlegen. Der maximal mögliche Gewinn wird erzielt, wenn der Grenzerlös den Grenzkosten entspricht.

In beiden Fällen, sowohl auf dem Wettbewerbsmarkt des Polypols, als auch auf dem Monopolmarkt, stellt sich ein langfristiges Gleichgewicht der Strategien ein, in dem die Unternehmen nach gewinnoptimalem Kalkül handeln und Markträumung erfolgt. Für Unternehmer ist der Monopolzustand durch einen Zuwachs an Produzentenrente vorteilhaft, für die Verbraucher jedoch mit deutlichem Wohlfahrtsverlust durch eine schrumpfende Konsumentenrente verbunden.

Der Unterschied des Oligopols gegenüber diesen beiden Marktformen ist, dass hier die Anbieter ihr Verhalten wechselseitig berücksichtigen. Die Unternehmen üben Einfluss auf den Marktpreis aus, doch ihr Gewinn hängt auch von den Entscheidungen der Konkurrenz über Angebotspreise und -mengen ab. Obwohl Preisbildung und Festlegung des Produktionsniveaus im oligopolistischen Wettbewerb auf strategischer Interaktion der Marktteilnehmer basieren, gibt es auch in diesem Wettbewerbsmarkt ein Gleichgewicht, in dem keines der Unternehmen einen Anlass sieht, Preise oder Produktionsmengen zu variieren. Dieses Gleichgewicht beschreibt „eine Menge von Strategien oder Maßnahmen, bei denen jedes Unternehmen optimal handelt unter Berücksichtigung des Handelns der Konkurrenten“[16] und stellt somit ein Nash-Gleichgewicht dar. Der Wettbewerb im Oligopol kann als ökonomisches Spiel betrachtet werden, in dem die Unternehmen als rationale payoff- bzw gewinnmaximierende Spieler unter gemeinsamer Kenntnis der Regeln agieren. Bei einer gleichgewichtigen Strategiekombination hat keiner der Akteure einen Anreiz, von seiner Taktik abzuweichen und spielt seine beste Antwort auf das Verhalten der Gegenspieler. Das Nash-Gleichgewicht ist somit ein sich stabiles Spielergebnis.

Im folgenden Kapitel der spieltheoretischen Betrachtung wird aus Gründen einer gut nachvollziehbaren Darstellung der Spezialfall des Duopols herausgegriffen, was bedeutet, dass einer großen Zahl Nachfragern nur zwei Anbieter gegenüberstehen. Die Ergebnisse lassen sich jedoch auch auf Spiele mit einer größeren Zahl von Akteuren übertragen. Prinzipiell können die Unternehmen auf zweierlei Arten miteinander in Wettbewerb treten, zum einen durch strategische Interaktion über Angebotsmengen und zum anderen über Preise. (2 Variablen: Preis und Menge). Spieltheoretisch betrachtet entstehen durch die Art und Weise, wie die Firmen miteinander interagieren, unterschiedliche Spieltypen. Wenn eines der Unternehmen (Preisführer bzw. Mengenführer) seine Produktionsentscheidung vor dem anderen (Preis-oder Mengenanpasser) festlegt, ergibt sich ein sequentielles Spiel. Wenn beide Oligopolisten ihre Entscheidung gleichzeitig treffen, befinden sie sich in einem simultanen Spiel. Erfolgt die Festsetzung von Preis und Produktion auf Basis einer Absprache, liegt ein kooperatives Spiel vor.[17]

1.1.1 Mengenwettbewerb im Oligopol ­­­­– das Cournot-Modell

Der französische Wirtschaftstheoretiker Antoine-Augustin Cournot definiert in dem nach ihm benannten Modell den Mengenwettbewerb im Oligopol als nicht-kooperatives, statisches bzw. simultanes Spiel. In diesem Modell produzieren die Unternehmen ein homogenes Gut (perfekte Substitute) zu identischen Kosten ci (i=1,2; ci > 0) und legen ihre Produktionsmengen gleichzeitig fest. Dabei sieht jedes Unternehmen die produzierten Mengen der Konkurrenz als gegeben an und bezieht bei der Festlegung des Produktionsniveaus die mögliche Reaktion des Anderen mit ein. Die beiden Anbieter im Duopol reagieren wechselseitig auf ihre Produktionsänderungen, bis ein Gleichgewicht erreicht wird. Die Reaktionskurve eines Unternehmens zeigt die eigene gewinnoptimale Produktionsmenge als Funktion der erwarteten Produktionsmenge des Konkurrenten. Sie verläuft fallend, d.h. das eigene Produktionsniveau sinkt, je größer das schon am Markt vorhandene Produktionsvolumen ist. In der folgenden Abbildung (Abbildung 1) wird das Cournot-Nash-Gleichgewicht als Schnittpunkt der Reaktionskurven der Duopolisten sichtbar. Hier schätzen beide Unternehmen die vom Konkurrenten produzierte Menge richtig ein und reagieren entsprechend mit der eigenen gewinmaximierenden Produktionsmenge. Im Alleingang wird keiner der Oligopolisten das Nash-Gleichgewicht durch Änderung seines Marktverhaltens zerstören.

Der Preis im Oligopol hängt im Unterschied zu einem Monopolanbieter nicht nur von der selbst angebotenen Menge ab, sondern auch von der Angebotsmenge der anderen Marktteilnehmer. Im Duopol ist der Preis demzufolge eine Funktion der Gesamtmenge als Summe der beiden individuellen Angebote.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Preis-Absatz-Funktion, die der inversen Gesamtnachfragefunktion entspricht, hat folgende Form:

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Über die Menge erfolgt schließlich die Gewinnoptimierung (exemplarisch für Firma 1):

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Durch Einsetzen der Preis-Absatz-Funktion erhält man:

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Die Ableitung als Bedingung erster Ordnung für die Gewinnmaximierung erzeugt die Reaktionsfunktion:

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Aus Symmetriegründen (gleiche Kosten- und Preisabsatzfunktion) gilt analog für Firma 2:

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Der Schnittpunkt der beiden Reaktionsfunktionen determiniert schließlich das Cournot-Nash-Gleichgewicht.

Abbildung 1: Das Cournot-Nash-Gleichgewicht[18]

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Eine Veränderung der Kostenfunktion bewirkt eine Verschiebung der Geraden.

Als Spielergebnis erhält man folgende gleichgewichtige Mengen, Preise und Gewinne:

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Die Erhöhung des Produktionsniveaus durch Unternehmen 1 ruft eine gegenläufige Reaktion des Wettbewerbers hervor (Reduktion des Outputs). Durch Prozessinnovationen der Firma 1, die Kosten reduziert, verschiebt sich die Reaktionsfunktion nach rechts, q1 steigt, während q2 und der Gleichgewichtspreis reduziert werden.[19]

1.1.2 Mengenwettbewerb in sequentiellen Spielen: Stackelberg-Wettbewerb

In dieser dynamischen Version des Mengenwettbewerbs als Leader-Follower Spiel setzt Unternehmen 1 seine Menge zuerst fest. Die Kalkulation erfolgt unter Einbezug der Reaktionskurve von Firma 2 (Annahme: vollständige Information, die Reaktion des Wettbewerbers ist bekannt). In dem Teilspiel der Folgeperiode entscheidet das zweite Unternehmen über seine Produktionsmenge und reagiert auf die Produktionsentscheidung von Firma 1. Die Lösung des Stackelberg-Spiels erfolgt also von „hinten nach vorne“, durch das spieltheoretische Vorgehen der Rückwärtsinduktion.

Die Reaktionsfunktion ist identisch mit derjenigen in Teil 1.1.1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unternehmen 1 rechnet bei der Gewinnoptimierung mit der Reaktion des Konkurrenten:

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Nach Ableitung der Gewinnfunktion und Einsetzen der optimalen Menge von Unternehmen 1 in die Reaktionsfunktion von Unternehmen 2 ergibt sich das Stackelberg-Gleichgewicht:

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Der Vergleich mit den gleichgewichtigen Mengen des Cournot-Modells zeigt, dass die optimale Menge (und somit der Marktanteil) für Unternehmen 1, den ‚Stackelberg-Führer‘ gestiegen und für Unternehmen 2, den ‚Stackelberg-Folger‘, gesunken ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darüber hinaus gilt auch:

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Auf eine aggressive Strategie der Mengenerhöhung erfolgt eine defensive Reaktion des Konkurrenten.

1.1.3 Preiswettbewerb im Oligopol – das Bertrand-Modell mit homogenen Gütern

Im Modell des Bertrand-Wettbewerbs (nach Joseph Bertrand) interagieren die Unternehmen über den Preis. Auch hier produzieren die Firmen ein homogenes Gut zu identischen und konstanten Stückkosten. Die Konsumenten kaufen die Produkte des günstigsten Anbieters, bei identischem Preis hat jeder Duopolist einen Marktanteil von 50%.

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Es handelt sich auch hier um ein simultanes, nicht-kooperatives Spiel: Die Oligopolisten legen gleichzeitig ihre Preise fest. Theoretisch kann der Gewinn der beiden Unternehmen den Monopolgewinn nicht übersteigen, muss aber gleichzeitig hoch genug sein, um die Kosten zu decken. Würde eine der Firmen jedoch den Monopolpreis wählen, wäre es für den Wettbewerber ein leichtes, sie preislich zu unterbieten und die gesamte Nachfrage und damit auch den Gesamtgewinn an sich zu ziehen. Dies gilt immer, solange sich der Preis oberhalb der Grenzkosten befindet. Um mit Sicherheit im Spiel zu bleiben, sind die Oligopolisten gezwungen, einen Preis in Höhe der Grenzkosten zu verlangen. Im Preiswettbewerb mit homogenen Gütern ist Preis = Grenzkosten die dominante Strategie für alle Unternehmen im Markt.

Das Ergebnis der spieltheoretischen Analyse ist das sogenannte Bertrand-Paradoxon: Der Preiswettbewerb im Duopol führt zu genau der gleichen Lösung wie der vollständige Wettbewerb – zu einem Nullgewinn. Das Paradoxe daran ist, dass sich selbst bei einer sehr geringen Wettbewerberzahl keine Extragewinne erwirtschaften lassen. Dieses Wettbewerbsgleichgewicht ist ein stabiles Nash-Gleichgewicht, da jedes Unternehmen seine optimale Strategie unter Berücksichtigung der Konkurrenz spielt und verhindert, dass es preislich unterboten wird. Wenn die Unternehmen asymmetrische Kostenstrukturen aufweisen, scheidet das teurer produzierende Unternehmen aus dem Spiel aus. Im Gegensatz zum Mengenwettbewerb, bei dem auch Firmen mit unterschiedlichen Kostenstrukturen im Markt überleben können und positive Gewinne erzielen, sind im Preiswettbewerb nur die Unternehmen mit den geringsten Kosten wettbewerbsfähig.[20]

1.1.4 Das Bertrand-Modell mit heterogenen Gütern

Auch hier suchen die Unternehmen wieder nach ‚besten Antworten‘ auf die Strategien des Spielgegners. Die Reaktionsfunktionen für die Preiswahl ergeben sich erneut aus der Ableitung der Gewinnfunktionen ( und ). Im Gegensatz zu den Reaktionskurven im Cournot-Modell verlaufen sie hier steigend. Die mathematische Lösung für das Nash-Gleichgewicht erhält man durch das ineinander Einsetzen der beiden Funktionen.

Im dynamischen Modell erfolgt die Berechnung des Gleichgewichts erneut über Rückwärtsinduktion. Bei Betrachtung von sequentieller Preissetzung im Bertrand-Wettbewerb mit heterogenen Gütern hat der First-Mover einen deutlichen Nachteil, da der Wettbewerber seine Preise moderater erhöhen oder stärker senken kann, je nach Entscheidung des vorausgehenden Unternehmens. Eine aggressive Handlung des zuerst handelnden Unternehmens zieht eine noch aggressivere Handlung des Folgers nach sich.

Abbildung 2: Das Betrand-Nash-Gleichgewicht[21]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Symmetrische Information besteht dann, wenn alle Parteien über dieselbe Information verfügen. Vollständige Information setzt zudem voraus, dass den Spielern die Payoff-Funktionen aller Spieler bekannt sind.

[2] Bernard, Gregory M., Naval Postgraduate School (2012): Whistleblowing in a Wikileaks World: A Model for Responsible Disclosure in Homeland Security. Damascus (MD, USA): Penny Hill Press Inc., Seite V

[3] http://en.pons.eu/

[4] Near, J.P./Miceli, M.P. (1985): “Organizational Dissidence: The Case of Whistle-blowing”. Journal of Business

Ethics, 4/1985, S.4

[5] Deisenroth, Dieter (2004): „Whistleblower-Schutz. Rechtsvergleichende Anmerkungen zur Situation in den USA und in Deutschland“, Betrifft JUSTIZ, Nr. 78, S.296

[6] Donato, Jessica (2009): Whistleblowing: Handlungsempfehlungen für eine nutzenstiftende Umsetzung in deutschen börsennotierten Unternehmen. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, Internationaler Verlag Der Wissenschaften, S.15

[7] Near, J.P./Miceli, M.P. (1992): Blowing the whistle: The organizational and legal implications for companies and employees. Issues in organization and management series. New York: Lexington Books, S. 8

[8] Düsel, Jens (2009): Gespaltene Loyalität: Whistleblowing und Kündigungsschutz in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Berlin: Nomos Verlag, S. 26

[9] So ist beispielweise Punkt 7 im G20 Anti-Corruption Action Plan der OECD dem Whistleblowerschutz gewidmet. URL: http://www.oecd.org/corruption/48972967.pdf, zuletzt aufgerufen am 15.09.2013

[10] Transparency International hat dazu im Jahre 2009 einen Bericht über Whistleblower-Schutz in 10 europäischen Ländern veröffentlicht. URL: http://issuu.com/transparencyinternational/docs/2009_alternativetosilence_en/48?e=0, zuletzt aufgerufen am 23.09.2013

[11] Allen, Henry (2013): “Whistleblowing and Crimes Against the Market: In Response to Bjørkelo and Madsen”. Psychology & Society, 2013, Vol. 5 (2), S. 42

[12] Eine Kollusion beschreibt das unerlaubte, zum Schadensersatz verpflichtende Zusammenwirken mehrerer zum Nachteil eines Dritten. Ein Kartell ist ein Zusammenschluss rechtlich und wirtschaftlich weitgehend selbstständig bleibender Unternehmen der gleichen Wirtschaftsstufe auf der Basis eines Kartellvertrages, um den Wettbewerb auf einem Markt ganz oder teilweise auszuschalten. Übernommen aus: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG (Hrsg.) (2005): DIE ZEIT. Das Lexikon in 20 Bänden. Hamburg

[13] Birger, Nicolai (2011): „Kaffeehändler sprechen Preise und Zeiträume ab“. Die Welt, Ausgabe vom 18.10.2011. URL: http://www.welt.de/wirtschaft/article13667652/Kaffeehaendler-sprechen-Preise-und-Zeitraeume-ab.html, zuletzt aufgerufen am 27.08.13 Der Fallbericht des Bundeskartellamts ist hier abrufbar: http://www.bundeskartellamt.de/wDeutsch/download/pdf/Kartell/Kartell09/Fallberichte/B11-018-08-Fallbeschreibung.pdf, zuletzt aufgerufen am 27.08.2013

[14] Das vollständige Modell befindet sich im Anhang.

[15] Donato, Jessica (2009): Whistleblowing: Handlungsempfehlungen für eine nutzenstiftende Umsetzung in deutschen börsennotierten Unternehmen. Frankfurt am Main: Peter Lang Gmbh, Internationaler Verlag Der Wissenschaften, S.87

[16] Pindyck, Rubinfeld (2005): Mikroökonomie. München: Pearson Studium, S.579

[17] Vgl. hierzu Pindyck, Rubinfeld (2005): Mikroökonomie. München: Pearson Studium, Kapitel 12 und 13 und Brickley/ Smith/ Zimmerman (2008): Managerial Economics and Organizational Architecture. New York: McGraw-Hill Higher Education, Kapitel 6 und 9

[18] Pindyck, Rubinfeld (2005): Mikroökonomie. München: Pearson Studium, S. 581

[19] Vgl. hierzu Pindyck, Rubinfeld (2005): Mikroökonomie. München: Pearson Studium, Kapitel 12 und 13 und Brickley/ Smith/ Zimmerman (2008): Managerial Economics and Organizational Architecture. New York: McGraw-Hill Higher Education, Kapitel 6 und 9

[20] Vgl. hierzu Pindyck, Rubinfeld (2005): Mikroökonomie. München: Pearson Studium, Kapitel 12 und 13

[21] Hardes, Heinz-Dieter (2008): „Gut zu wissen, was der andere tut“. economag.de, Nr. 3/2008 URL: http://www.economag.de/magazin/2008/3/78+Gut+zu+wissen%2C+was+der+andere+tut

Details

Seiten
47
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656691389
ISBN (Buch)
9783656691372
Dateigröße
838 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v276028
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
eine analyse whistleblowing wettbewerb beziehungen beispiel edward snowdens

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Titel: Eine spieltheoretische Analyse von Whistleblowing im oligopolistischen Wettbewerb und in den internationalen Beziehungen am Beispiel Edward Snowdens