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Möglichkeiten des Neurofeedbacks in der Therapie von AD(H)S

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Medizin - Therapie

Leseprobe

Inhalt

1. Ziele und Funktionsweise des Neurofeedback

2. Einsatzbereiche des Neurofeedback

3. Ein kurzer historischer Abriss

4. Neurophysiologische Parameter der Gehirnaktivität
4.1. Die Frequenzbänder der Grundaktivität im Spontan-EEG…
4.2. Ereigniskorrelierte Potentiale.

5. Neurofeedback in der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität
5.1. Die Leitsymptome einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung
5.2. Besonderheiten der Hirnstromaktivität bei Aufmerksamkeitsstörungen
5.3. Empirische Studien und Behandlungseffekte

6. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Ziele und Funktionsweise des Neurofeedback

Neurofeedback, auch EEG-Biofeedback genannt, bezeichnet die visuelle oder akustische Rückmeldung ("feedback") bestimmter Signale des Körpers ("Bio"), genauer der Hirnstromaktivität, die der Mensch unter normalen Bedingungen nicht wahrnehmen kann. Durch die Bewusstmachung der im Körper ablaufenden Prozesse soll es möglich werden, auf die eigenen cerebralen Erregungszustände Einfluss zu nehmen und diese dauerhaft zu verändern. Verschiedenen Krankheitssymptomen, die mit einer Störung der Regulation cortikaler und subcortikaler Strukturen einhergehen, soll auf diese Weise begegnet werden (vgl. u.a. Karch et al., 2007, S.3). Neuronale Fehlregulationen äußern sich in der Überstimulation (overarousal), Unterstimulation (underarousal), mangelnder Hemmung (Disinhibition) oder Instabilität der Erregungsbänder verschiedener Gehirnareale (vgl. u. a. Strehl et al., 2004, S.181).

Um beispielsweise zu besserer Konzentrationsfähigkeit und effektiverem Lern- und Leistungsverhalten zu gelangen, werden die Hirnströme mittels mehrerer Elektroden direkt von der Kopfhaut abgeleitet, verstärkt und auf einen Computer übertragen. Die unterschiedlichen Erregungszustände erscheinen dann auf dem Bildschirm in Form eines Bildes bzw. einer spielerischen Animation, deren Inhalte beweglich sind. Ziel beim Neurofeedback-Training ist es nun, mit Hilfe der eigenen Gedanken diese Bilder in eine bestimmte Richtung zu verändern, etwa eine welke Blume zum Blühen zu bringen oder einen Ball nach oben oder unten in ein Tor zu schießen. Dies geschieht über die wechselweise bewusste Aktivierung oder Deaktivierung ausgewählter Gehirnbereiche. Zunächst über Versuch und Irrtum lernt der Betroffene im Laufe eines Neurofeedback-Trainings, mittels persönlicher Strategien die gewünschten Effekte auszulösen. So könnte man sich beispielsweise vorstellen, entspannt am Strand zu liegen, um über das dadurch erzeugte neuronale Erregungsmuster den auf dem Monitor dargestellten Ball in das untere Tor zu schießen. Soll der Ball hingegen in das obere Tor befördert werden, versetzt man sich gedanklich in das Szenario eines aufregenden Wettkampfes oder einer Achterbahnfahrt. Durch die jeweils unmittelbare Erfolgsrückmeldung kann es schließlich gelingen, zuvor unbewusst ablaufende körperliche Vorgänge willentlich zu steuern. Die erlernte Selbstkontrolle entwickelt sich durch tägliches Üben zu einer konditionierten Reaktion, die im Endziel eines solchen Trainings auch ohne Anbindung an ein Feedbackgerät bewusst abrufbar sein soll (vgl. Strehl et al., 2004, S.181).

2. Einsatzbereiche des Neurofeedback

Neurofeedback stellt insbesondere in den USA eine etablierte Behandlungsmethode dar. Die NASA setzt diese Trainingsmethode schon seit geraumer Zeit in der Ausbildung ihrer Piloten ein, um deren Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen. Sie findet darüber hinaus Anwendung in der Behandlung unterschiedlicher Störungsbilder wie:

- Epilepsie
- emotionale Störungen (Ängste, Depressionen)
- Suchterkrankungen
- Schlafstörungen
- Schmerzen (z.B. Migräne, chronischer Rückenschmerz)
- Schlaganfall
- Tinnitus
- Stress
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck)
- Inkontinenz (vgl. Kraft, 2005, S.14-15)

Außerklinische Anwendung erfährt das Neurofeedback überall dort, wo Menschen an der Grenze ihrer mentalen Fähigkeiten ihre Leistungen verbessern oder zu Höchstleistungen gelangen möchten, wie etwa

- im Spitzensport (z.B. Golf)
- im künstlerischen Bereich (z.B. Opernsänger)
- zur Erhaltung der geistigen Flexibilität im Alter (vgl. Siefer, 2007, S.84)

Der Katalog der Einsatzmöglichkeiten erscheint recht vielfältig und nahezu grenzenlos. Doch handelt es sich wohl derzeit, insbesondere hierzulande, noch um ein eher experimentelles Verfahren, dessen Anwendung und Konzeption noch in den Kinderschuhen steckt. Kontrollierte Studien auf der Grundlage umfangreicher Stichproben stehen noch aus, um die spezifische Wirkung dieser neurophysiologischen Intervention endgültig nachzuweisen. In jüngster Vergangenheit wurden jedoch erste wichtige Schritte in diese Richtung unternommen.

3. Ein kurzer historischer Abriss

Die Anfänge des EEG-Biofeedback reichen bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Edward Lee Thorndikes Vorarbeiten zum operanten Konditionieren, Iwan Petrowitsch Pawlow, der das Konzept der klassischen Konditionierung entwickelte und Hans Berger, der erstmals elektrische Potentiale des Gehirns von der Kopfhaut ableitete, schufen mit ihren Arbeiten entscheidende Voraussetzungen für die einige Jahrzehnte später einsetzenden Forschungen (vgl. u.a. Wikipedia). Der Schlafforscher Barry Stermann gilt als entscheidender Wegbereiter des Neurofeedback (vgl. Kraft, 2005, S.15). Er entdeckte bei seinen hirnphysiologischen Untersuchungen an Katzen im Bereich des sensomotorischen Cortex ein Hirnstrommuster zwischen 12 und 15 Hertz. Dieses Erregungsmuster nannte er Sensomotorischen Rhythmus (SMR). Mittels operanten Konditionierens konnte er seine Versuchstiere dazu bringen, vermehrt SMRs zu produzieren. Bei der Austestung eines epilepsieauslösenden Stoffes im Rahmen einer anderen Untersuchung entdeckte Stermann zufällig, dass die Katzen, die zuvor die Erzeugung der SMRs gelernt hatten, in ihrer Reaktion keine epileptischen Anfälle entwickelten. Anfang der siebziger Jahre fand er dann tatsächlich auch Hinweise, dass das Anfallrisiko ebenfalls bei Menschen mit Epilepsie mit Hilfe eines SMR-Trainings reduziert werden kann.

Kamiya (1962, zit. nach: Larbig W. 1983) versuchte über die Selbstregulation des Alpha-Rhythmus des EEG motivationale Verhaltenskomponenten zu beeinflussen. Erste Anwendungen in Verbindung mit der Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten (ADHS) wurden von Joel Lubar beschrieben. Er führte den Begriff Neurofeedback ein und betonte damit die klinisch-neurologische Symptomatik als Therapiegegenstand (vgl. Karch et al., 2007, S.1). Im Zuge der ersten Welle von Begeisterung, die das Neurofeedback in den sechziger und siebziger Jahren auslöste, wurde es jedoch verfrüht als Allheilmittel für sämtliche Leiden angepriesen, ohne dass entsprechende valide Effektstudien vorlagen. So landete es schnell in der Esoterikecke. In der jüngsten Vergangenheit zieht das EEG-Biofeedback erneut das Interesse vieler Forscher und Universitäten und auch der Medien auf sich. Studien auf empirisch breiterer Basis haben begonnen, spezifische Effekte des Feedback-Trainings auf unterschiedliche Krankheitsverläufe zu untersuchen. Sie scheinen dabei nicht wenig erfolgreich. Einen Überblick über einige Studien zur Behandlung von ADHS mittels Feedback-Training gibt der Abschnitt 5.

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656688532
ISBN (Buch)
9783656688488
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275992
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Zentrale Einrichtung für Weiterbildung (ZEW)
Note
ohne Benotung
Schlagworte
Biofeedback Neurofeedback ADHS Lernstörungen Teilleistungsstörungen Neuropsychologie Therapie Ritalin Methylphenidat Gehirntraining

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