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Euro in der Krise. Perspektiven der Europäischen Währungsunion

Seminararbeit 2014 24 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen der Staatsschuldenkrise und Probleme in der Europäischen Währungsunion

3. Die Theorie des optimalen Währungsraums – oder die Kosten einer gemeinsamen Währung
3.1 Theorie des optimalen Währungsraums
3.2 Nutzen und Kosten einer gemeinsamen Währung

4. Perspektiven der Europäischen Währungsunion
4.1 Politik im Sinne der bisherigen Krisenpolitik
4.2 Ausweg Wirtschaftsregierung
4.3 Herstellung von Lohnflexibilität und Arbeitsmobilität
4.4 Alternative einer internen Abwertungspolitik
4.5 Austrittsszenarien
4.5.1 Austritt Griechenland
4.5.2 Austritt Deutschland

5. Fazit

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Kriterien zur Bewertung eines optimalen Währungsraums

1. Einleitung

Im Jahr 2008 begann die Finanzmarkt- und Bankenkrise, in deren Folge viele Staaten Banken retten mussten. Durch den hohen Schuldenstand in den europäischen Staaten stiegen die Renditen für Staatsanleihen von Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Irland massiv an.

Auf dem Höhepunkt der Ereignisse standen nicht nur Mitgliedschaften einzelner Staaten in der Europäischen Währungsunion in Frage. Der ganze Euro, sogar Europa bzw. die Europäische Union standen auf dem Spiel. Bundeskanzlerin Merkel sprach davon, dass ein Scheitern des Euro ein Scheitern Europas mit sich bringen würde.

Auch wenn die Aussage nicht zutreffend ist, zeigt die Rhetorik in welcher Situation sich der Euro befindet.[1]

Ausgehend von der Theorie des optimalen Währungsraums werden am Anfang der Arbeit die dafür notwendigen Kriterien genannt und mit der Europäischen Währungsunion abgeglichen. Danach werden die Probleme der Europäischen Währungsunion beschrieben. In der Folge ist es dann möglich, die Perspektiven der Währungsunion darzustellen. Dabei gibt es zwei Grundrichtungen. Zum einen Entwicklungsmöglichkeiten mit einem oder mehrerer Austritte von Mitgliedsstaaten aus der Währungsunion. Zum anderen Perspektiven, bei denen alle Staaten weiterhin dem Euroraum angehören, der durch entsprechende Maßnahmen verbessert wird.

2. Ursachen der Staatsschuldenkrise und Probleme in der Europäischen Währungsunion

Bisheriger Verlauf

Einige europäische Länder hatten die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 schnell überwunden und konnten auf den Wachstumspfad zurückkehren. Durch Verschuldung des Staates konnten Bankenrettungen und Konjunkturprogramme aufgelegt werden.[2] In der „Peripherie“ des Euroraums, also besonders in Südeuropa, kam eine Vertrauenskrise im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit Staaten hinzu. Als Reaktion auf gestiegene Renditen griechischer Staatsanleihen gab es Hilfskredite von der „Troika“, die sich aus Vertretern aus den Euroländern, der Kommission der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds zusammensetzt. In der Folge wurde die Europäische Finanzstabilisierungfazilität (EFSF) etabliert und mit Kapital ausgestattet, um Kredite vergeben zu können. Irland und Portugal nahmen diese Hilfskredite in Anspruch. Die Gewährung der Hilfskredite erfolgte unter Auflagen. In der Folge senkten die Staaten ihre Ausgaben massiv und erhöhten einzelne Steuern.[3]

Die Renditen von Staatsanleihen reduzierten sich jedoch nicht nachhaltig. Der ESFS wurde reformiert und dessen Volumen von 250 Mrd. Euro auf 780 Mrd. Euro erhöht. Im Frühjahr 2011 wurde ein Schuldenschnitt in Griechenland durchgeführt.[4] Da die Renditen der Peripherieländer wieder stiegen, kaufte die EZB 2011 auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen auf, um die Renditen von Staatsanleihen zu stabilisieren. Zusätzlich waren Banken nicht mehr bereit sich gegenseitig Geld zu leihen.[5]

Ein Fiskal- und Wirtschaftspakt wurde beschlossen, der strengere Regeln für die öffentliche Finanzen und deren Kontrollen vorsah.[6] Die Krise konnte dadurch vorerst überwunden werden. Ratingagenturen setzten allerdings das Rating für mehrere europäische Staaten herunter oder besetzten es mit einem negativen Ausblick.[7]

Ursachen der Krise

Die Ursache der Krise liegt in makroökonomischen Ungleichgewichten zwischen den Ländern der Europäischen Währungsunion.[8] Seit Beginn der Währungsunion weisen südeuropäische Länder und Irland Leistungsbilanzdefizite aus. Diese Entwicklung ist im Anhang III erkennbar. Darüber hinaus wird deutlich, dass es sich um eine strukturelle Thematik handelt. Griechenland beispielsweise konnte seit 1975 in keinem Jahr einen Leistungsbilanzüberschuss ausweisen. In Südeuropa ist dies auf einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen. In Irland gab es hohe Einkommensabflüsse an ausländische Kapitalgeber, welche zu einer negativen Leistungsbilanz führte.[9]

Anhang II zeigt die Entwicklung der Preise und Lohnstückkosten von 1999 bis 2007 für Deutschland und die südeuropäischen Krisenstaaten dar. Da es nicht ein Maß für die Messung von Wettbewerbsfähigkeit gibt, ergeben diese Indikatoren dennoch ein aussagekräftiges Bild. In den südeuropäischen Krisenstaaten sind im Vergleich zu Deutschland sowohl die Preise als auch die Lohnkosten erheblich gestiegen.[10] Da diese Länder nicht mehr die Möglichkeit haben, durch die Abwertung der eigenen Währung die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, verfestigen sich solche Unterschiede innerhalb einer Währungsunion und können bei asymmetrischen Schocks, also bei wie die derzeitige Eurokrise zu Problemen führen.[11]

Durch den Vermögensgewinn privater Haushalte und zugleich niedrigen Zinsen in den südeuropäischen Staaten, kam es zu einem Investitionsboom. Und dies obwohl im Vergleich zu Deutschland und anderen Überschussländern gravierende Leistungsdefizite vorhanden waren. Anhang III zeigt die Entwicklung der privaten und öffentlichen Finanzen von 1999 bis 2009. Die hohen privaten und öffentlichen Investitionen in Spanien sind der Grund dafür, weshalb Spanien so massiv unter dem Einbruch im Immobiliensektor gelitten hat.[12] Ausgehend von den Ursachen stellt sich die Frage, wie die hohen Unterschiede in der Leistungsbilanz bzw. der Wettbewerbsfähigkeit minimiert werden können oder ob eine Auflösung der Union bzw. Austritte einzelner Länder aus dem Euroraum Alternativen darstellen.

3. Die Theorie des optimalen Währungsraums – oder die Kosten einer gemeinsamen Währung

3.1 Theorie des optimalen Währungsraums

Es gibt verschiedene Ansätze für die Entwicklung von Kriterien zur Beurteilung von Währungsräumen. Diese werden hier kurz vorgestellt und zugleich mit dem Europäischen Währungsraum abgeglichen, um mögliche Perspektiven daraus abzuleiten.

Grundsätzlich sollten Mitglieder einer Währungsunion eine ähnliche Wirtschaftsstruktur aufweisen. Es besteht hier keine Möglichkeit mehr durch Anpassung und Abwertung der eigenen Währung gegenüber anderen Währungen die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.[13] Daher eignen sich besonders die Länder für eine Währungsunion, deren Konjunkturverlauf und Wirtschaftsstrukturen sowie die Wettbewerbsfähigkeit ähnlich sind.[14] Sind dennoch Anpassungen aufgrund größerer wirtschaftlichen Unterschiede erforderlich, besteht bei einer gemeinsamen Währung nur die Möglichkeit der internen Abwertung. Eine solche Politik versuchen derzeit die Krisenstaaten bzw. die Überschussländer. So sollen durch Einsparungen der öffentlichen Hand langfristig wirkende Strukturreformen sowie durch Absenkung des Preis- und Lohnkostenniveaus die Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt werden.[15]

Robert Mundell trennt optimale und nicht optimale Währungsräume durch folgendes Kriterium: Die Mobilität des Faktors Arbeit.[16] In Regionen mit einem Leistungsbilanzdefizit wandern Arbeitskräfte in Überschussregionen aus. Dadurch wird der jeweiligen Wettbewerbsfähigkeit Rechnung getragen und dadurch intern, also innerhalb der Währungsunion, die Leistungsbilanzen wieder angeglichen.[17]

Auf Europa gemünzt bedeutet dies, dass der Faktor Arbeit nur beschränkt mobil ist. Dies hängt damit zusammen, dass das Währungsgebiet aus mehreren Ländern zusammensetzt. Zusätzlich bestehen viele unterschiedliche Sprachen und kulturelle Entwicklungen als das die Mobilität gegeben vollkommen gegeben wäre. In den USA deckt der Währungsraum die Ländergrenzen ab. Zusätzlich sind durch die einheitliche Sprache schon viele Barrieren beseitigt. Eine ähnliche Situation ist im deutschsprachigen Raum in Deutschland, Österreich und Schweiz anzunehmen oder auch in den Benelux-Staaten. In der Währungsunion als ganzes kann nach dem aktuellen Entwicklungsstand von Europäischer Union und der Europäischen Währungsunion der Arbeitsfaktor nicht frei entfalten. Eine interne Abwertung ist daher auf diesem Weg in der Europäischen Währungsunion nicht in dem Maße wie in anderen Regionen der Welt möglich.[18]

Robert McKinnon sieht als weiteres Kriterium die Offenheit der Wirtschaft. Je größer die Offenheit gegeben ist, so relevanter sind stabile Wechselkurse mit den wichtigsten Handelspartnern. Denn dann ist der Bedarf an Währungsabwertung nicht gegeben, da er nicht im Interesse eines jeden Landes ist abzuwerten, da der Handelspartner dann ebenfalls abwertet. Aus der ursprünglichen Währungsabwertung können kaum Wohlfahrtsgewinne realisiert werden.[19] Anhang IV stellt einen Indikator für die Offenheit der Wirtschaft für den Euroraum sowie den USA und Japan dar. Dieser Indikator ist die Summe der Importe und Exporte von Gütern und Dienstleistungen dar. Anhang IV zeigt, dass der Grad der Offenheit der Wirtschaft im Euroraum deutlich größer ist als in den USA oder Japan. Der Großteil der Euroländer korrespondiert sehr gut mit dem Kriterium der Offenheit.[20]

Eine ähnliche oder insgesamt hohe Diversifikation von Produkten und Exporten erachtet Kenen als ein weiteres Kriterium zur Bewertung optimaler Währungsräumen. Asymmetrische Schocks wie bspw. der Fall des Eisernen Vorhangs oder die Wachstumskrise in den 90ern in Asien wirken sich dann auf die Länder einer Währungsunion nicht unterschiedlich stark aus. Kenen erachtet dieses Kriterium sogar als wesentlicher als die Mobilität des Faktors Arbeit. Tritt ein Land einer Währungsunion bei, so diversifizieren durch den erhöhten Anstieg des Handels mit den dazugehörigen Ländern automatisch ihre handelbaren Güter. Zusätzlich sollte die wirtschaftliche Struktur eines Landes nicht eine Monokultur darstellen.[21] Ist ein Land bspw. primär in der Automobilindustrie stark vertreten und die anderen Länder der Währungsunion nicht so stark, so haben asymmetrische Schocks erhebliche Auswirkungen auf solch ein Land. Insgesamt ist die Europäische Währungsunion diversifizierter in den einzelne Regionen und Länder als die Vereinigten Staaten. Somit wirken sich asymmetrische Schocks vergleichsweise nicht so stark aus.[22]

Magnifico vertritt die Meinung, dass sich die Inflation unter Berücksichtigung der Inflationspräferenz und Wirtschaftsstruktur der einzelnen Länder bei einem optimalen Währungsraum ähnlich entwickeln sollte. Ansonsten würde es zu Überschüssen und Defiziten in einzelnen Ländern kommen, nur aufgrund der unterschiedlichen präferierten Inflationsrate.[23] Aufgrund der erheblich unterschiedlichen Inflationspräferenzen in der Eurzone ist hier das Kriterium nicht erfüllt. Des Weiteren ist auch das Geldmengenwachstum in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.[24]

[...]


[1] Vgl. Sinn (2012), S. 285.

[2] Vgl. Busch et.al. (2011), S. 48ff.

[3] Vgl. Sinn (2012), S. 226ff.

[4] Vgl. Ederer (2012), S.152ff.

[5] Vgl. Krugman et.al. (2012), S. 772f.

[6] Vgl. Vaubel (2012), S. 94f.

[7] Vgl. Ederer (2012), S. 155.

[8] Vgl. Pilz (2013), S. 102f.

[9] Vgl. Busch et.al (2011), S. 6f.

[10] Vgl. Busch et.al (2011), S. 22f.

[11] Vgl. Sinn (2012), S. 90ff.

[12] Vgl. Busch et.al. (2011), S. 45f.

[13] Vgl. Sapir (2011), S. 612f.

[14] Vgl. Schmid/Schmidt (2012), S. 2ff.

[15] Vgl. Heise (2013), S. 35f.

[16] Vgl. Sperber/Sprink (2012), S. 130.

[17] Vgl. Mundell (1961), S. 663f.

[18] Vgl. Heise (2013), S. 40ff.

[19] Vgl. Gischer et.al. (2012), S. 396.

[20] Vgl. Heise (2013), S. 37ff.

[21] Vgl. Sanchis i Marco (2014), S. 6f.

[22] Vgl. Krugman et.al. (2012), S. 241f. und S. 768f.

[23] Vgl. Sanchis i Marco (2014), S. 7.

[24] Vgl. Busch et.al. (2011), S. 34ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656681571
ISBN (Buch)
9783656681595
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275682
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg-Friedrichshafen, früher Berufsakademie Ravensburg - Außenstelle Friedrichshafen – Fakultät für Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Euro Eurokrise Griechenland Rettungspakete EZB IWF Schuldenkrise Währungsraum optimaler Währungsraum Wirtschaftsregierung Robert Mundell

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