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Volksparteien und ihr Niedergang

Essay 2013 7 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Volksparteien durchleben den Wandel

Zerfall der Milieus

Profit für die ‚Kleinen’?

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Parteiensystem in Deutschland ist im Umbruch, vor allem die großen Parteien, die sogenannten „Volksparteien“, haben an dieser Veränderung zu leiden. In der sozialwissenschaftlichen Literatur wird kontrovers darüber diskutiert, was Volksparteien in naher Zukunft für eine Rolle spielen. Besonders die Wahlergebnisse, die (kontinuierlich) sinken und die enormen Verluste der Mitglieder sprechen für sich. Somit wird sich der Essay mit der Frage „Was beschleunigt den ‚Niedergang’ der Volksparteien?“ beschäftigen. Des Weiteren wird kurz darauf eingegangen, ob die ‚kleineren’ Parteien von den Verlusten der Volksparteien profitieren können.

Volksparteien durchleben den Wandel

Das Parteiensystem in Deutschland hat eine Wandlung durchlebt, das sich von einem zweieinhalb- zu einem Fünfparteiensystem entwickelt hat und wahrscheinlich auch in naher Zukunft zu einem neuen Parteitypus mit mehr als fünf Parteien entwickelt.[1] Die Volksparteien SPD und CDU/CSU haben zusammen seit 1998 bis zur letzten Bundestagwahl 2009 rund 31,3% an Zweitstimmen verloren. Besonders die SPD musste seit 1998 rund 17,9% einbüßen, so dass sie selbst 2009 nur noch 8,4% mehr an Stimmen als die FDP verzeichnen konnte.[2] Neben den Verlusten von Zweitstimmen seit 1998, ist bei den drei Parteien zu konstatieren, dass die Mitgliederzahlen drastisch gesunken sind. Nach der Wiedervereinigung 1990 gab es keine Erhöhung der Mitgliederzahlen, ganz im Gegenteil, die Mitgliederzahlen nahmen kontinuierlich ab und tuen dies nach wie vor. Die CDU hat einen Verlust von fast 40% zu vermelden, die SPD verlor in diesem Zeitraum sogar fast 50% ihrer Mitglieder. Die Parteien haben erschreckende Zahlen, was die unter 25-jährigen angeht, zu vermelden. Keine der genannten Parteien kommt an die 5% Marke, die SPD (3,6%) hat gegenüber der CDU (2,7%) und CSU (1,7%) noch einen leichten Vorsprung, dennoch sind die Prozente extrem gering, so dass zu verzeichnen ist, dass die jüngeren Menschen sich immer weniger mit einer Partei identifizieren können.[3] Das Durchschnittsalter innerhalb der Partei (bei allen drei Parteien gleich) liegt mit 58 Jahren nah an der Grenze des „Rentnerdaseins“.

Allgemein kann hier festgehalten werden, dass sich immer weniger Menschen mit einer Partei identifizieren. Die traditionellen Milieus, welche eine Rolle bei der Parteienbindung spielen/spielte, fällt immer mehr weg. Die sozialmoralischen Milieus spielen dabei eine sehr wichtige Rolle, denn wie allgemein bekannt sein dürfte, sind sehr viele Katholiken potenziale CDU/CSU-Wähler, wohingegen die Arbeiter sich mehr zur Sozialdemokratischen Partei hingezogen fühlen. Dies kann man auch an der Wahl 2009 erkennen, als rund zwei Millionen eigentliche SPD-Wähler in die Wahlenthaltung gegangen sind, wie Lösche zutreffend bemerkt: „Sie verstehen sich offensichtlich als sozialdemokratische Wähler im Wartestand.“ (ebd.)

Zerfall der Milieus

Durch den Wandel, den die Parteien durchleben, kommt die Frage auf, welche Faktoren eine Rolle spielen, die den Abstieg der Volksparteien beschleunigen. Dazu muss immer ein Auge auf die Milieus geworfen werden. Wie wichtig für Volksparteien die Milieus waren und auch nach wie vor sind, sieht man daran, dass das katholische-protestantische Fundament brüchig geworden ist. „[…] Kirchen und CDU/CSU [verlieren] aufgrund der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft an Gewicht.“ (Jun 2009: 28). Somit lassen sich weder potenzielle Wähler noch neue Mitglieder, „durch Beschwören des christlichen Menschenbildes gewinnen“, wie Lösche (2009: 9) entsprechend bemerkt. Die Jüngeren lehnen in gewisser Hinsicht nicht nur größere Organisationen ab, sondern entfernen sich sogar von den kulturellen, intentionellen und normativen Prägungen des Katholizismus bzw. Protestantismus (vgl. Jun 2009: 29).[4] Auch wenn Kirchenhäufigkeit weiterhin ein wichtiger Indikator für das Wahlverhalten ist, denn viele gläubige Christen wählen überproportional CDU und CSU, ist die Konfession nicht mehr allein entscheidend, ob Menschen sich für die Christdemokratie entscheiden oder nicht (vgl. Lösche 2009: 9). Beim sozialdemokratischen Milieu ist ebenfalls ein „Modernisierungsprozess“ zu verzeichnen. Der Grund für den Zerfall des sozialdemokratischen Milieus ist, wie Jun zutreffend konstatiert, folgender: „Der Zerfall des sozialdemokratischen Milieus geht einher mit gravierenden Veränderungen der Arbeitswelt hin zu wissensbasierter Produktion und zu Dienstleistungsberufen, zu Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und zu erhöhter Mobilität der Arbeitnehmer.“ (Jun 2009: 28) Somit haben die Veränderungen in der Arbeitswelt das sozialdemokratische Milieu getroffen, was zur Folge hatte, dass sich die Solidarität nach und nach auflöste. Wie die Kirchen, so verlieren auch die Gewerkschaften, die einst der SPD eng verbunden waren, Mitglieder. Sie leiden, wie auch Kirchen und die Volksparteien an Überalterung, denn es treten kaum jüngere ein und die älteren sterben nach und nach. Dennoch muss, wie auch bei den zuvor Kirchen aufgeführt, erwähnt werden, dass die Gewerkschaften eine wichtige Rolle beim Wahlverhalten spielen, von dem die Sozialdemokraten, aber auch die Linkspartei profitieren, allerdings ist die Parteienbindung nicht mehr die selbe, um Lösche zu zitieren: „Parteienbindung ist in Relikten noch vorhanden. Nur ist diese weicher, unverbindlicher, beliebiger als die einstige Milieubindung.“ (Lösche 2009: 9). Er geht sogar noch weiter und ist der Meinung, dass die Volksparteien nicht ganz alleine Schuld am Dilemma sind, sondern dass gesellschaftliche, wirtschaftliche und strukturelle Ursachen den „Niedergang“ der Volksparteien verstärken (vgl. ebd.).

[...]


[1] Dazu siehe auch Niedermayer 2008: 9-37.

[2] Dazu siehe u.a. Bundestag.de (Hrsg.) 2013.

[3] Dazu siehe auch Niedermayer 2013.

[4] Dazu siehe auch: Walter 2009: 45ff..

Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656687665
ISBN (Buch)
9783656687634
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275651
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
Volksparteien Niedergang SPD CDU Parteien Milieu Deutschland Regierungen Politikwissenschaft Sozialwissenschaften

Autor

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Titel: Volksparteien und ihr Niedergang