Lade Inhalt...

Das Ende des Regenbogens? Autoexklusion Homosexueller

Hausarbeit 2014 42 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Einleitung

2. Einstellungen zur Homosexualität und gesellschaftlicher Normalisierungsprozess
2.1 Stigmatisierung und Diskriminierung
2.1.1 Diskriminierungsaspekte der derzeitigen rechtlichen Situation
2.1.2 Pädophilie und Homosexualität als ansteckende Krankheit
2.1.3 Homosexualität und HIV
2.2 Ursachen für Homophobie

3. Exklusion von Homosexualität und deren Folgen
3.1 Exklusion von Homosexualität
3.2 Konsequenzen der Exklusion
3.3 Autoexklusion als spezielle Form der Exklusion

4. Die homosexuelle Subkultur und ihre Darstellung
4.1 Entstehung der Subkultur
4.2 Kritik an der Subkultur
4.2.1 Wahrnehmung der Subkultur durch die Gesellschaft
4.2.2 Der Christopher-Street-Day als Ausdruck der Sexualisierung

5. Autoexklusion durch die homosexuelle Subkultur

6. Inklusion und Inklusionsprozesse
6.1 Überwindung der Subkultur
6.2 Stärkung des Normalisierungsprozesses

7. Möglichkeiten für die Soziale Arbeit
7.1 Rückzug Sozialer Arbeit aus der Subkultur
7.3 Unterstützung des Emanzipationsprozesses Homosexueller
7.3 Kompetenzen in der Sozialen Arbeit

8. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Ich möchte darauf hinweisen, dass einige Aspekte und Hypothesen in dieser Arbeit als diskriminierend empfunden werden könnten und möchte deshalb an dieser Stelle anmerken, dass diese nicht als solche zu verstehen sind. Die Homosexuellenbewegung fordert Toleranz, Respekt und Akzeptanz ihrer Lebensform. Begreift man Lebensformen, egal welcher Sexualität, als Formen menschlichen Zusammenlebens mit kultureller Prägung und öffentlicher Relevanz, so muss eine Kritik möglich sein. (vgl. Hürter/Vašek 2014, S. 11) Kritik und Diskriminierung unterscheiden sich. Etwas kritisieren heißt etwas ernst nehmen. Auch eine Verurteilung szenenah verorteter Homosexueller, die sich mit ihr identifizieren, ist nicht das Ziel und ebenso wenig beabsichtigt.

Diese Arbeit bildet den Abschluss des Bachelorstudiums. Sie richtet sich nach den Vorgaben der Universität.

1. Einleitung

Die Regenbogenfahne symbolisiert mit ihren Farben die Vielfalt von (Homo)Sexualität. Sie dient als Erkennungszeichen und steht für Akzeptanz und Toleranz. Der Titel dieser Arbeit spielt auf die Frage an, ob dieses Symbol, zum einen als Merkmal der Subkultur und zum anderen als Merkmal der homosexuellen Emanzipation überhaupt noch notwendig ist.

Homosexualität ist in der letzten Zeit wieder ein Thema in der Gesellschaft geworden. Dabei wird diese sexuelle Variation unter vielen Aspekten diskutiert. Nach persönlichem Empfinden ist die Minderheit der Homosexuellen (Schätzungen belaufen sich auf ca. 5-10 Prozent der Gesamtbevölkerung (vgl. Rauchfleisch 1996, S. 27)) mitunter präsenter als andere Minderheiten.

Anstoß für diese Arbeit war ein Besuch in einem Leipziger Multimediamarkt. In der DVD Abteilung sind die Filme nach Rubriken sortiert und ich wurde auf eine Rubrik namens queer Cinema (dt. queeres1 Kino) aufmerksam. Unausweichlich erschien die Frage, warum diese Filme (es handelt sich nicht um DVDs mit pornografischen Inhalten) ein eigenes Regal haben. Ein Grund kann sein, dass die Majorität der Heterosexuellen keinen Kontakt mit Homosexualität haben möchte und diese separiert sehen will. Ein anderer Grund liegt meines Erachtens daran, dass dadurch Homosexualität eine besondere, wenn nicht gar privilegierte Stellung erhält (in diesem Fall durch ein Regal explizit für Filme). Dadurch verdeutlicht sich ein Dilemma: Zum einen fordern Homosexuelle Gleichberechtigung, zum anderen aber auch eine Sonderstellung, bzw. wollen sie ihren derzeitigen Status nicht verlieren. Begründet werden kann dies durch die Existenz der Subkultur. Diese Betrachtungsweise gab den Anstoß für diese Arbeit, die Gründe für eine bewusste Exklusion von Homosexuellen sucht und Möglichkeiten zur Herstellung von Gleichberechtigung aufzeigen will.

Zunächst sollen zwei elementare Begriffe dieser Arbeit eingegrenzt werden. Wenn im folgenden von Homosexuellen/Homosexualität in Verbindung mit Subkultur die Rede ist, sind damit in der Regel männliche Homosexuelle gemeint. Dies liegt darin begründet, dass diese die homosexuelle Subkultur dominieren. (vgl. Tietz 2011, S. 47f) Um die Komplexität dieser Arbeit zu reduzieren, beschränke ich mich auf Homosexualität, in der Kenntnis, dass dieses Thema auch Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und andere sexuelle Variationen betrifft. Der Begriff queer verwehrt sich, da dieser zu unkonkret und jenseits der Queer Theorie in zu geringem Maße etabliert ist. Fraglich ist, inwieweit der Begriff „illegale“ sexuelle Variationen auf sich bezieht (Pädophilie, Sodomie etc.).

Der zweite Begriff ist der der Subkultur. Das Präfix sub soll keine Abwertung aufgrund der ihm innewohnenden hierarchischen Position bedeuteten. In dieser Arbeit wird Subkultur als gleichwertige Kultur gesehen. Zu dieser Kultur zähle ich Einrichtungen und Institutionen, die aufgrund der Sexualität ihrer Zielgruppe existieren, z. B. auch Organisationen Sozialer Arbeit. Diese vorgenommene Zuordnung wird in der Literatur als diskriminierend aufgefasst. (vgl. Rauchfleisch 1996, S. 27) Von diesem diskriminierenden Aspekt möchte ich mich distanzieren. Jedoch besteht für das Verständnis die Notwendigkeit Subkultur so zu verstehen.

Zunächst ist es wichtig, die Situation von Homosexuellen in der Gesellschaft zu beleuchten. Dazu soll mittels verschiedener Studien eine Grundhaltung gegenüber Homosexuellen ermittelt werden. Die Existenz von Diskriminierung und Stigmatisierung soll dabei nicht infrage gestellt werden. Anhand ausgewählter Beispiele sollen Vorurteile und Diskriminierungsaspekte genauer betrachtet werden, um die Sicht der Gesellschaft auf Homosexualität abzurunden. Die rechtliche Situation dient dabei, den Stand einer Gleichstellung zu zeigen. Des Weiteren werde ich auf die häufig Homosexuellen unterstellte Pädophilie eingehen. In Bezug auf HIV und AIDS soll aufgezeigt werden, warum Homosexuelle eine Risikogruppe für eine kumulativen Randständigkeit sind. Der Begriff Homophobie wird kurz erklärt.

Im nächsten Teil der Arbeit wird der Begriff der Exklusion definiert und auf Homosexuelle in der Gesellschaft angewendet. Der Exklusionsbegriff nach Siebel wird dafür modifiziert. Die Autoexklusion wird als eine spezielle Form von Exklusion vorgestellt. Davon ausgehend, dass die Subkultur Homosexueller ein Resultat von Exklusion ist, wird diese im Folgenden dargestellt. Um ein ganzheitliches Bild von der Subkultur darzustellen, nehme ich eine Einteilung der Subkultur in Dimensionen vor, die verschiedene Lebensbereiche abdecken. Besonderer Wert wird bei der Darstellung der homosexuellen Subkultur darauf gelegt, wie die Gesellschaft diese wahrnimmt. Als Beispiel führe ich hier die Christopher-Street-Days an, da an diesen die Subkultur in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Der Rückschluss auf eine Autoexklusion wird dann verdeutlicht. Im nächsten Teil sollen Möglichkeiten für eine Inklusion gefunden werden. Dabei zielt die Inklusion auf die Exklusion durch die Gesellschaft ab. Durch die Überwindung der Subkultur kann u. a. der Prozess der Inklusion gefördert. Zuletzt wird Bezug auf Soziale Arbeit genommen und wie diese Inklusionsprozesse unterstützen kann.

2. Einstellungen zur Homosexualität und gesellschaftlicher Normalisierungsprozess

Die Einstellungen zur Homosexualität in der Gesellschaft sind sehr verschieden, wie die derzeitigen kontroversen öffentlichen Diskussionen zum Thema zeigen. Von Toleranz und Akzeptanz bis zu Hass und Angst (Homophobie) sind die Einstellungen von verschiedenen Ursachen (z. B. der Religiosität) geprägt.

Bei einer Befragung zum Thema Nachbarschaft gaben 84 Prozent der Befragten an, dass es ihnen egal wäre, wenn die Nachbarn homosexuell wären, 15 Prozent äußerten sich negativ. Im Vergleich dazu gaben 89 Prozent an, dass eine Familie mit dunkler Hautfarbe in der Nachbarschaft nicht störe, während 10 Prozent Anstoß daran fänden. (vgl. Coenenberg 2012, S. 46) Daraus ableitend zeigt sich, dass Homosexuelle in dieser Hinsicht einen ähnlichen Status wie Ausländer mit fremder Kultur haben.

Es gibt verschiedene Studien, die sich mit der Frage nach der Einstellung zur Homosexualität befassen. Im Folgenden möchte ich eine der letzten Studien zum Thema einbringen, die pauschal die Einstellung der Menschen gegenüber Homosexuellen in Deutschland untersuchte.

Die Studie aus dem Jahre 2003 zeigte, dass ca. die Hälfte der Gesellschaft Homosexualität gegenüber negativ eingestellt ist. Dabei war die Einstellung von Männern durchschnittlich negativer als die von Frauen gegenüber männlicher Homo- und Bisexualität. Bemerkenswert ist weiterhin, dass die unter dreißigjährigen die positivsten und die über sechzigjährigen die negativsten Einstellungen hatten. Die positiven Einstellungen lassen sich laut der Studie an folgenden Faktoren festmachen: Die politische Orientierung mit linker Parteipräferenz war an positive Einstellungen geknüpft, ebenso wie eine insgesamt liberalere Einstellung zur Sexualität. Personen, die persönlichen Kontakt zu Homosexuellen haben, zeigten positivere Einstellungen. Inwieweit die Religionszugehörigkeit ein Faktor für negative/positive Einstellungen ist, wurde nicht untersucht. Der Kohorteneffekt gibt über die zukünftige Einstellung gegenüber Homosexualität Aufschluss. Es kann davon ausgegangen werden, dass die durchschnittliche Einstellung in 30 Jahren zunehmend positiver sein wird. (vgl. Steffens 2010, S. 16ff)

Neben negativen und positiven Einstellungen sind egalitäre Grundhaltungen zu verzeichnen und können somit zu den positiven Einstellungen gerechnet werden. Sie sind Ausdruck verinnerlichter Toleranz und reduzieren eine Minderheit nicht auf ein ihr auszeichnendes Merkmal. Eine amerikanische Studie untersuchte 2014 verschiedene Länder auf die moralische Akzeptanz von u.a. Homosexuellen. 8 Prozent der befragten Deutschen finden Homosexualität unakzeptabel, 51 Prozent gaben an, dass es moralisch akzeptiert sei und 38 Prozent ist die sexuelle Orientierung egal. Im internationalen Vergleich ist Deutschland nach Spanien somit an zweiter Stelle das Land, in dem Homosexualität die meiste Akzeptanz erfährt. (vgl. Pew Research 2014, Online)

Die Einstellung von Jugendlichen zur Homosexualität ist größtenteils positiv. Laut einer Befragung von Schülern im Sommer 2006 stimmten 73,9 Prozent der Jungs und 91,1 Prozent der Mädchen der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen zu. (vgl. Simon 2007, Online) Es zeichnet sich somit deutlich ein gesellschaftlicher Normalisierungsprozess ab.

Die Prognose lässt sich damit untermauern, dass bereits in den letzten Jahren die negativen Einstellungen zurückgingen. In einer Studie von Bochow, durchgeführt Anfang der 1990er, zeigten 61 Prozent der Westdeutschen und 65 Prozent der Ostdeutschen negative Einstellungen, z. B. in dem sie u. a. das Bedürfnis nach sozialer Distanz hatten. (vgl. Bochow 1993, S. 118) Es ist fraglich, inwieweit diese Studien ein realistisches Bild über die Einstellung zu Homosexualität wiedergeben, da homophobe Aussagen noch immer einen Platz in der Öffentlichkeit einnehmen. Trotz dieser positiven Prognose und den überwiegend positiven/egalitären Einstellungen sind Homosexuelle derzeit noch Diskriminierungen ausgesetzt.

2.1 Stigmatisierung und Diskriminierung

Eine Manifestierung der negativen Einstellung gegenüber Homosexualität findet sich in der Stigmatisierung. Es besteht eine Vielzahl an Stigmata, welche Bestandteil der Diskriminierung Homosexueller sind.

Das Vorurteil ist ein soziales Urteil, welches gegen die Normen der Rationalität, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit verstößt. Ein Vorurteil drückt den Aspekt der sozialen Unerwünschtheit aus und bezieht sich meist auf eine Gruppe. Die individuelle Beurteilung einer Person wird aufgrund der Zuordnung zu einer Gruppe systematisch verzerrt. Die Gruppenmitglieder werden als ähnlicher beurteilt, als sie wirklich sind. Durch Vorurteile wird stereotypes Denken gefördert. (vgl. Bergmann 2005, S. 4 ff)

Das stereotype Bild des homosexuellen Mannes ist schwach, effeminiert und trägt maßgeblich zur Herabwürdigung bei. (vgl. Hertling 2011, S. 98) Ausdruck findet dieses Vorurteil in Beleidigungen wie Tunte und Schwuchtel, da diese den Aspekt des weibischen unterstellen. Das Outing des Profifußballers Thomas Hitzlsperger im Januar 2014 (vgl. Emcke/Müller-Wirth. 2014, S. 16 ff) dürfte zeigen, dass dieses stereotype Bild keinen Bestand haben dürfte. Gerade im Fußball galt Homosexualität als verpönt. Der vermeidliche Männersport und effeminierte Verhaltensweisen passen nicht zueinander, weshalb sich dieser bisweilen von Homosexualität distanzierte. (vgl. Eggeling 2010, S. 21ff)

Ein großes Diskriminierungsfeld ist die Kirche. Schwulenfeindlichkeit ist in der Religion tief verwurzelt. Man vermutet hier den Ursprung der Antihomosexualität. (vgl. Lautmann 1977, S. 249) Die unterschiedlichen Formen der Diskriminierung durch die Kirche und ähnliche religiöse Institutionen, in den verschiedenen Religionen, und die Auswirkungen dieser, sollen an dieser Stelle erwähnt sein. Eine Vertiefung dieser Thematik ist hier nicht möglich.

Die Diskriminierungserfahrungen Homosexueller reichen von Beleidigungen bis zur Gewaltanwendung, bei weiblicher Homosexualität sogar zu sexuellen Grenzverletzungen.

Gewalttäter sind meist heterosexuelle Männer unter 25 Jahre. (vgl. Bochow 2004, S. 1)

Einer Studie aus dem Jahr 2013 zufolge wurden 30 Prozent der befragten homosexuellen Jugendlichen durch Beleidigungen diskriminiert, 10 Prozent dauerhaft gemobbt. (vgl. Krell 2013, S. 37) Bei einer Umfrage 2001 gaben 26 Prozent der Homosexuellen an, Opfer von tätlichen Angriffen geworden zu sein. Im Beruf erlebten 27 Prozent der Befragten Ausgrenzungen. (vgl. Steffens 2010, S. 18)

2.1.1 Diskriminierungsaspekte der derzeitigen rechtlichen Situation

Negative Einstellungen der Gesellschaft gegenüber Homosexualität haben sich laut Steffens im Recht manifestiert. Es handle sich um strukturellen Heterosexismus. Heterosexismus meint, „dass grundsätzlich von [...] Heterosexualität […] und der Überlegenheit heterosexueller Lebensentwürfe ausgegangen wird.“ (Steffens 2010, S. 14)

Nach der Entkriminalisierung hat sich in den vergangen 15 Jahren die rechtliche Situation für Homosexuelle verbessert. Mit der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes am 01.08.2001 ist es Homosexuellen möglich geworden, eine rechtliche Verbindung einzugehen. Mit Ausnahme der gemeinschaftlichen Adoption ist die Lebenspartnerschaft in ihren Rechten und Pflichten der Ehe praktisch gleich. Die eingetragene Lebenspartnerschaft genießt den besonderen Schutz der Familie im Sinne von Artikel 6 Absatz 1 Grundgesetz, wenn Kinder in dieser Lebensgemeinschaft vorhanden sind. (vgl. Lesben- und Schwulenverband Deutschland 2014, Online)

Ein gemeinsames Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gibt es bislang nicht, jedoch ist die Sukzessivadoption seit 2013 möglich.

Die Öffnung der Ehe wurde im letzten Jahr kontrovers diskutiert und im Zuge der kompletten Gleichstellung Homosexueller durch Gesetzesvorschläge u.a. von Bündnis 90/die Grünen und Die Linken in den deutschen Bundestag eingebracht. Bislang ist die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren weltweit in 17 Staaten möglich. (vgl. ebenda)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) von 2006 soll eine Benachteiligung u. a. aufgrund der sexuellen Identität vermeiden. Das AGG geht dabei insbesondere auf mögliche arbeits- und sozialrechtliche Benachteiligungen ein. Auch wenn dieses Gesetz zum Vorteil der Homosexuellen ist, wirkt es durchaus auch diskriminierend, da es Homosexualität mit Behinderung gleichsetzt. Denn auch Menschen mit Behinderung werden durch das AGG gleichgestellt.

Es gibt Bestrebungen2 den Artikel 3 des Grundgesetzes zu ergänzen, indem die sexuelle Identität mit einbezogen wird. Die Initiative geht dabei zu einem großen Teil von der Community aus. Eine öffentliche Diskussion fand im Vergleich zur Thematik der völligen Gleichstellung bisher nicht statt.

Die derzeitige Rechtsprechung in Bezug auf Homosexualität ist in den letzten 10 Jahren durch stetigen Fortschritt geprägt. Die Lebenspartnerschaft ist als äquivalent zur Ehe stigmatisierend, fraglich ist nur, in welchem Grad. Die rechtliche Anerkennung der Familie ist bei 28 Prozent der eingetragenen Lebenspartnerschaften ein Motiv für eben diese Verbindung. Die Festigung der Beziehung hingegen ist für 41 Prozent entscheidend. (vgl. Coenenberg 2012, S. 46) Darin zeigt sich, dass das Interesse nach gesellschaftlicher Anerkennung eine eher nachgestellte Position einnimmt. Ursächlich dafür könnte zum einen ein mangelndes Interesse einzelner in die rechtliche Gleichstellung sein, zum anderen kann die Stigmatisierung durch die fehlende Gleichstellung nicht als solche empfunden werden. Trotz dessen trägt die derzeitige Gesetzeslage aufgrund des ihr innewohnenden Heterosexismus zur Aufrechterhaltung von Vorurteilen bei.

2.1.2 P ä dophilie und Homosexualit ä t als ansteckende Krankheit

Ein verbreitetes Vorurteil, welches die Ablehnung Homosexueller wohl am meisten fördert, ist die Annahme, dass Homosexuelle pädophil seien. (vgl. Hertling 2011, S. 97) Nicht zuletzt der russische Präsident stellte im Zuge der olympischen Winterspiele 2014 diesen Vergleich in einem öffentlichen Interview3 an. Auch die katholische Kirche propagierte im Jahre 2010, im Rahmen des Missbrauchskandals, den Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie. (vgl. Süddeutsche Zeitung 2010, Online) Pädophile sind Erwachsene (zumeist Männer), welche Sexualkontakte bzw. ein Verlangen danach zu vorpubertären Kindern haben. (vgl. Haeberle 2005, S. 125) Bei diesen Kindern handelt es sich um weitaus mehr Mädchen als Jungen. (vgl. Pfäfflin 2002, S. 687) Der Großteil der Pädophilen hat demnach eine heterosexuelle Präferenz. Pädophile in Hetero- oder Homosexuelle zu unterscheiden ist generell verwirrend, da das sexuelle Verlangen nicht auf die Gleichgeschlechtlichkeit, sondern auf der Infantilität beruht. (vgl. Stöckel 1998, S. 80)

Ein Ursprung dieses Vorurteils könnte in der Päderastie des antiken Griechenlands liegen. Der sexuelle Kontakt außerhalb der Ehe zu geschlechtsreifen Jungen war gesellschaftlich akzeptiert. Er diente der außerehelichen Befriedigung. Der sexuelle Kontakt zwischen erwachsenen Männern war verpönt. (vgl. Thommen 2007, S. 75) Im Zuge der Christianisierung im vierten Jahrhundert vor Christus wurde die Päderastie unter Todesstrafe gestellt. (vgl. Brandt 1923, S. 334)

Einhergehend mit dem Stigma der Pädophilie ist wahrscheinlich die Annahme, dass Kinder zu Homosexualität verführt werden durch (missbräuchliche) sexuelle Kontakte oder Konfrontationen mit homosexuellen Lebensweisen. Auch dieses Vorurteil mag seine Verwurzelung zum Teil bei den Päderasten in der Antike haben, zum anderen in einem weiteren Vorurteil: Homosexualität sei eine Krankheit. Mit dem Begriff Krankheit ist auch der Begriff Ansteckung verbunden. Die Ursachen von Homosexualität sind bisher nicht ergründet. Verschiedene Wissenschaften haben bisher verschiedene Hypothesen entwickelt, die allerdings nur als Erklärungsansätze fungieren. (vgl. Aubeck 2014, S. 228) Sicher ist wohl, dass es sich bei Homosexualität nicht um eine Krankheit handelt, da es derzeit weder im Diagnoseschlüssel des ICD noch DSM zu finden ist. Menschen aus bildungsfernen Milieus mit mangelnder Aufklärung mögen fälschlicherweise Homosexualität als ansteckend bezeichnen, damit aber eine HIV-Infizierung meinen, da diese oftmals in Verbindung mit Homosexualität steht.

[...]


1 queer kann als Synonym für Homosexualität, aber auch andere sexuelle Variationen verstanden werden.

2 www.artikeldrei.de

3 Interview Online auf https://www.youtube.com/watch?v=OWyyL7zTTkc

Details

Seiten
42
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656682431
ISBN (Buch)
9783656682417
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275529
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
1,0
Schlagworte
ende regenbogens autoexklusion homosexueller

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das Ende des Regenbogens? Autoexklusion Homosexueller