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Postgraduelle Praktika als Form prekärer Beschäftigung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 12 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Gliederung

1. Prekäre Beschäftigung

2. Postgraduelle Praktika

3. Postgraduelle Praktika als prekäre Beschäftigungsverhältnisse

4. Diskussion des Ergebnisses

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Angestoßen durch den Artikel von Matthias Stolz mit dem Titel „Generation Praktikum“ wurde das Thema mehrfach diskutiert; wie schlecht und unbefriedigend die Situation der Praktikanten sei. Zwar sorgte der Artikel in der Zeitung „Die Zeit“ für viel aufsehen, stützte sich allerdings nur auf Erfahrungen und des Autor und nicht auf repräsentative Empirie.1 2 Erneut aufgegriffen wird das Thema Praktikum im Rahmen dieser Arbeit, da nunmehr valide empirische Studien zu diesem Thema durchgeführt werden und eine wissenschaftliche Betrachtung des Themas ermöglichen. Studien des Deutschen Gewerkschaftsbundes sowie der Hochschulinformationssysteme GmbH beschäftigen sich mit dem Thema Praktikum und einer Messung der Entwicklung dieser Beschäftigungsform.

Fokus dieser Arbeit ist die Betrachtung von postgraduellen Praktika, welche in unmittelbarem Anschluss an einen berufsqualifizierenden Studienabschluss erfolgen.

So zeigte die Studie der DGB Jugend, dass 38 % der Studienabsolventen vor dem richtigen Berufseinstieg ein oder mehrere Praktika absolvieren, welche zwar den Klebeeffekt herbeiführen sollen, aber oftmals von kurzfristigen Arbeitseinsätzen und sozialer sowie finanzieller Unsicherheit geprägt sind.

Bezugnehmend auf die im Artikel von Matthias Stolz aufgeführten Vorurteile soll eruiert werden, ob es sich bei dieser Form von Praktika um prekäre Beschäftigungsverhältnisse handelt.

Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst der Begriff der prekären Beschäftigung anhand des Rückgriffs auf Fachliteratur definiert und erörtert werden. Die anschließende Definition der Merkmale von postgraduellen Praktika spezifiziert genauer, welche Merkmale für den Betrachtungsbereich des postgraduellen Praktika wichtig sind und nimmt hierbei Bezug auf die aus den verschiedenen durch die Studien gewonnen Erkenntnisse. Basis für die Beantwortung der Forschungsfrage, ob postgraduelle Praktika zu prekären Beschäftigungsverhältnissen gezählt werden können bietet der Abgleich der theoretischen Grundlage sowie der Studienergebnisse aus den voran gegangenen Teilen. Entsprechend der Ergebnisse soll erläutert werden, welche Bedingungen zur Prekarität von postgraduellen Praktika führen und wie diese künftighin vermieden werden können.

1. Prekäre Beschäftigung

Prekär bedeutet „durch Bitten erlangt; widerruflich; unsicher, heikel“.3 Prekäre Beschäftigung ist durch diese Merkmale gekennzeichnet. Betrachtet man die einzelnen Merkmale und wendet diese auf Beschäftigungsverhältnisse an wird deutlich, dass es sich um Positionen handeln kann, welche erst aufgrund der Nachfrage entstanden sind, nicht auf Dauer angelegt und daher keine Sicherheit für den Arbeitnehmer bieten können. Auch die Internationale Arbeitsorganisation - International Labour Organisation greift die oben genannten Punkte in Ihrer Definition auf und ergänzt diese durch die mangelnde Möglichkeit die eigene Arbeitssituation zu gestalten.

Arbeitsverhältnisse dergestalt erschweren es zudem, eine dauerhafte Planung zu verfolgen, im Berufs- oder Privatleben. Gerry Rodgers bündelte diese Eigenschaften und definierte für prekäre Beschäftigungsverhältnisse folgende Merkmale:

- Mangelnde Arbeitsplatzsicherheit
- Geringe Möglichkeit der Einflussnahme auf die Arbeitssituation und die Integration im Betrieb
- Ungenügende rechtliche Vorschriften in Bezug auf das Arbeitsverhältnis
- Einkommenshöhen welche eine Existenz Sicherung nicht gewährleisten können.4

Diese Besonderheiten sind allerdings nicht ausschließlich auf prekäre Beschäftigungsverhältnisse anwendbar. Um die Beschäftigungsverhältnisse als prekär bezeichnen zu können, muss zudem der Lebensumstand betrachtet werden, in welcher sich die Erwerbstätigen befinden. Erst wenn die Maßgabe erfüllt ist, dass sie sich mangels Alternativen und aus einer Zwangssituation heraus in das Beschäftigungsverhältnis begeben haben, kann von prekärer Beschäftigung gesprochen werden.

Die Unsicherheiten und die der Beschäftigten zugehörigen Situationen als Basis lassen sich entsprechend aufgliedern in die Bereiche der Entkoppelung, Integration und Prekarität.5 Prekarität, als Hauptthema der Arbeit, findet als einziger Bereich weitere Erläuterung. So wird dieser von Klaus Dörre entsprechend der Wahrnehmung der Beschäftigten nochmals unterschieden zwischen einer zeitweiligen, dauerhaften und entschärften Form von prekärer Beschäftigung.6 Hintergrund ist, dass einige Betroffene die Situation als nur kurzfristig empfinden, ein Übergang welcher bis zur vollwertigen Beschäftigung akzeptiert wird. Personen,

[...]


1 Vgl. Stolz, M. (2005): Generation Praktikum , in: Die Zeit: Ausgabe 14/2005. Online: http://www.zeit.de/2005/14/Titel_2fPraktikant_14, download vom 16.02.2014

3 Vgl. Bibliographisches Institut GmbH, 2013. Online, http://www.duden.de/rechtschreibung/prekaer, download 16.02.2014

4 Vgl. Rodgers, G (1989): Precarious work in Western Europe: The state of the debate, Genf/Brüssel: S. 3 f

5 Vgl. Dörre, K. (2006): Integration - Desintegration, in ApuZ: Ausg. 40-41/2006, S. 8

6 Vgl. Dörre, K. (2006): Integration - Desintegration, in ApuZ: Ausg. 40-41/2006, S. 8

Details

Seiten
12
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656681588
ISBN (Buch)
9783656695004
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275485
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
postgraduelle praktika form beschäftigung

Autor

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Titel: Postgraduelle Praktika als Form prekärer Beschäftigung