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"Der alte und der junge König" von Hans Steinhoff. Der Spielfilm als Propagandamittel im 3. Reich?

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Geschichte des deutschen (Preußen-) Films

3. Film im Nationalsozialismus

4. Zum Begriff Propaganda

5. Kunst und Propaganda

6. Der alte und der junge König

7. Führerfigur, Norm- und Wertvorstellungen

8. Staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll, volksbildend,beabsichtigte Beeinflussung

9. Schlussbetrachtung, Ausblick

Anlage

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im 21. Jahrhundert ist das Medium Film alltäglicher und beliebter Teil der Kultur und das in nahezu allen von Menschen bewohnten Gebieten der Erde. Seit seinem Anfang im ausgehenden 19. Jahrhundert durchläuft der Film als Kunstform in seinen vielfältigen Erscheinungsformen eine nahezu kontinuierliche Erfolgsgeschichte, deren Ende nicht absehbar ist. Als Vermittler von starken Gefühlen, von kleinen und großen Geschichten sowie als Sinnstifter nimmt dieses Massenmedium neben den Jahrhunderte alten Printmedien und nun auch dem Internet eine unzweifelhaft bedeutende Rolle ein. Menschen wird ermöglicht, durch die Leinwand oder den Bildschirm vertiefende Einblicke in die Welt zu erhalten, wie sie ist, oder aber wie andere wollen, dass sie gesehen wird. So ist der Film, seit es ihn gibt, nicht nur zum Vergnügen, sondern auch als meinungsbildendes Medium von politischen Machthabern genutzt und missbraucht worden. Und selbst heute gibt es zahlreiche Regime, die sich dieses Potenzials des Films noch immer bedienen.

Auch im Dritten Reich setzte das Regime unter Adolf Hitler stark auf dieses beliebte und noch verhältnismäßig junge Medium, um mit seiner Hilfe den nationalsozialistischen Geist in die Köpfe der Bevölkerung zu transportieren. In dieser Zeit wurden alle der etwa 1150 in Deutschland produzierten Spielfime auf die politischen Ziele des Regimes abgestimmt1, wobei es sich bei nur circa einem Sechstel um direkte Propagandafilme handelte.2

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit einer am 29. Januar 1935 in Stuttgart uraufgeführten Produktion aus der Reihe der so genannten Preu ß enfilme.3 Sie geht der Frage nach, ob die Deka - Produktion „Der alte und der junge König“ von Hans Steinhoff, unter den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen des frühen Dritten Reiches, als Propagandafilm betrachtet werden kann. Nach einem kurzen Exkurs in die Geschichte des Preu ß enfilms vor und während der Zeit des Nationalsozialismus, werden Kriterien für den Propagandafilm dargestellt. An ausgewählten Sequenzen werden diese Kriterien angelegt, um abschließend zu einem Urteil in der Frage zu gelangen, ob „Der alte und der junge König“ als Propagandafilm betrachtet werden kann oder nicht. In einem Ausblick wird versucht die mögliche Gegenwartswirkung des untersuchten Films zu beurteilen und sich zu der von Jürgen Kloosterhuis' ausgesprochenen Warnung vor diesem Werk zu positionieren.4

2. Kurze Geschichte des deutschen (Preußen-) Films

Nach seinem Einzug in die kulturelle Öffentlichkeit, wurde der Spielfilm in Deutschland von den Menschen begeistert aufgenommen. Die bewegten Bilder zogen zahllose Kinobesucher in ihren Bann. Bereits die ersten um die Wende des 20. Jahrhunderts erschienenen Produktionen deuteten schnell an, was sich thematisch bis zum Ende des Dritten Reiches im Bereich des Preu ß enfilms zeigen würde: In der Regel wurde gerade in Vorkriegszeiten oder während der militärischen Auseinandersetzungen verstärkt patriotisch und gegenwartsbezogen produziert. Diese Orientierung hatte den Zweck, die Menschen im Sinne der geltenden Ideologie zu festigen, sie für den Einsatz an der Front in der Ferne, oder an der Heimatfront zu mobilisieren und deren Durchhaltewillen zu stärken.

In der Zeitspanne von der Kaiserzeit bis zum Nationalsozialismus kam es zu einer beinahe massenhaften Produktion von Filmen, die sich dem Thema Preu ß en annahmen. Besondere Aufmerksamkeit erfuhren dabei der Siebenjährige Krieg, die napoleonischen Zeit sowie der Erste Weltkrieg. Gerhard Schoeneberner weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei der cineastischen Behandlung dieser Zeitabschnitte ein auffallend großer Wert auf militärische und nationale Ereignisse gelegt worden ist, wohingegen die inneren Reformen vor den Befreiungskriegen und auch das repressive System Metternichs keine Würdigung gefunden haben.5 Ganz bewusst ist die Aussparung solcher Themenfelder im Preu ß enfilm vorgenommen worden, da ihr Zweck, wie bereits oben erwähnt, weniger die kritische Auseinandersetzung mit Fragen nach den Ursachen bestimmter politisch-historischer Ereignisse und deren Zusammenhängen war, sondern die „Erziehung“ des Zuschauers.6

So selektiv-begrenzt wie die verfilmten historischen Themen, wurden auch die historischen Persönlichkeiten ausgewählt. Hauptsächlich wurden Der Alte Fritz, Königin Luise und Bismarck als Symbolträger auf die deutschen Kinoleinwände geholt.7 Die Eignung als Repräsentant und Vermittler des Nationalen und Patriotischen stand dabei wohl im Vordergrund. Biografische Verfilmungen eigneten sich daher sehr, um an einzelnen, herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Geschichte gewünschte Merkmale herauszuarbeiten, um diese dann über die Kinoleinwände an die Besucher zu vermitteln. Der hier untersuchte Film „Der Alte und der junge König“ vereint gleich zwei Herrschergenerationen, nämlich Friedrich Wilhelm I. und Friedrich den Großen in einem Film, der vordergründig das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Sohn problematisiert. Bevor weiter auf den Untersuchungsgegenstand eingegangen wird, ist es erforderlich, ihn kurz in seinen historischen Entstehungskontext einzubetten und die Entstehungsumstände zu umreißen.

3. Film im Nationalsozialismus

Nachdem im Januar 1933 die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten, machte sich der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels umgehend daran, die Filmindustrie in zügiger Weise unter seine Kontrolle zu bringen, um sie für seine propagandistischen Zwecke umzugestalten. Dazu diente neben dem Reichskulturkammergesetz und der Kontingentverordnung auch das Lichtspielgesetz als rechtliche Grundlage.8 Auf Basis der Regelungen des Lichtspielgesetzes, das bereits seit 1920 bestand und ab 1934 mehrfach novelliert wurde, wurden alle Produktionen vor 1933 dahingehend geprüft, ob diese gegen substanzielle Interessen des nationalsozialistischen Staates verstießen. In derselben Weise wurde auch mit allen ab 1933 geschriebenen Drehbüchern und anschließend mit den auf ihnen basierenden Filmen verfahren.9 Hat ein Spielfilm von der amtlichen Prüfstelle die Zulassung erhalten, durfte er in den Kinos gezeigt werden. Jedoch schloss eine Zulassung stets die Möglichkeit des Widerrufs ein. Nach der polizeilichen Zulassung konnte, ab November 1934 musste ein Filmerzeugnis in einem weiteren Verfahren zusätzlich geprüft werden und konnte anschließend eine Aufwertung erfahren.10 Nach festgelegten Kriterien war es möglich die staatliche Auszeichnung „staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll“, „staatspolitisch wertvoll“ oder „künstlerisch wertvoll“, „kulturell wertvoll“, „volksbildend“ oder „Lehrfilm“ für einen Film zu vergeben. „Der Alte und der junge König“ erhielt das Prädikat „staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll und volksbildend“. Auf die für diese Auszeichnung notwendigen Voraussetzungen wird später noch eingegangen.

[...]


[1] Vgl. Leiser, 1989, S. 17.

[2] Vgl. ebenda.

[3] Vgl. Schoeneberner, 1981, S. 9-38: Bietet einen ausführlichen Einblick in die Preussenfilme bis 1945.

[4] Vgl. Kloosterhuis , 2005, S. 262-263.

[5] Vgl. Schoenberner, 1981, S. 11.

[6] Vgl. ebenda, S.14: Dass die deutsche Filmindustrie seit frühester Zeit in den Händen national- konservativer Akteure lag, wirkte sich entsprechend auf die thematische Ausrichtung der Filmprojekte aus.

[7] Vgl. ebenda, S. 11 - 14: Schoenberner bemerkt die Unverhältnismäßigkeit der Darstellung von historischen preußischen Persönlichkeiten. Die drei Persönlichkeiten treten dermaßen häufig auf, dass der Eindruck entsteht, nur diese hätten existiert oder wären von Bedeutung für die gesamte preußischen Geschichte.

[8] Vgl. Kaiser, 2007, S. 15.

[9] Vgl. §§ 1-7 Lichtspielgesetz 1934.

[10] Vgl. Auszug aus der fünften Verordnung zur Durchführung des Lichtspielgesetzes im Anhang

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656681540
ISBN (Buch)
9783656681533
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275439
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Insitut
Note
1,3
Schlagworte
könig hans steinhoff spielfilm propagandamittel reich

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