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Die Geschichte des organisierten Behindertensports in Deutschland

Welchen Wandel vollzog der Behindertensport von seinen Anfängen bis zur Gründung des DBS?

Hausarbeit 2014 18 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Anfänge des Behindertensports
2.1 Versehrtensport in Deutschland
2.2 Versehrtensport im Nationalsozialismus (Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 27-34)
2.3 Versehrtensport im Zweiten Weltkrieg (Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 35-41)

3 Die Geschichte der Paralympics
3.1 Sir Ludwig Guttmann
3.2 Die Stoke-Mandeville-Games
3.3 Die Paralympics

4 Die Geschichte des DBS
4.1 Gründung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Versehrtensport (ADV) (Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 139-143)
4.2 Von der ADV zum DBS

5 Welchen Wandel vollzog der Behindertensport von seinen Anfängen bis zur Gründung des DBS?

6 Literturverzeichnis

1 Einleitung

Die Entscheidung für das Thema der vorliegenden Arbeit hat ihren Ursprung in einer Auseinandersetzung mit diesem Thema, das in dem Seminar Inklusion durch Sport? – Untersuchungen unter historischer Perspektive behandelt wurde. In diesem Seminar wurde untersucht, inwieweit der deutsche Sport dem Anspruch, Minderheiten in der deutschen Gesellschaft zu integrieren, im Laufe seiner Geschichte nachgekommen ist.

Anhand verschiedener Beispiele – zum Beispiel die polnische Bevölkerung im Ruhrgebiet zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die jüdische Bevölkerung vor beziehungsweise während der NS-Zeit oder südeuropäische Einwanderer in den 1960/70er Jahren – sollte die Frage geklärt werden, welche Rolle der Sport in der In- beziehungsweise Exklusion dieser Minderheiten der deutschen Gesellschaft spielt und inwieweit sich der Sport hierbei ins gesamtgesellschaftliche Klima einfügte oder Sonderrollen übernehmen konnte.

Ich werde in meiner Arbeit auf die Entwicklung des organisierten Behindertensports eingehen und dabei die Frage erörtern, wie, beziehungsweise ob sich der Behindertensport seit seinen ersten Anfängen gewandelt hat.

Zu Beginn werde ich den Versehrten- bzw. Behindertensport historisch in seinen Anfängen durchleuchten und dabei unter anderem auf den Nationalsozialismus und die Zeit des zweiten Weltkriegs eingehen. Bevor ich die Geschichte der Paralympics näher betrachte, wird die Person Ludwig Guttmann thematisiert, da dieser als Urvater der Paralympischen Spiele gesehen werden kann. Schließlich liegt der Fokus auf der Geschichte des organisierten Behindertensports in Deutschland, seit der Gründung des ADV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Versehrtensport) im Jahr 1951 bis hin zur Umbenennung in Deutscher Behindertensportverband (DBS). Zum Schluss diskutiere ich noch die Eingangsfrage.

Zum Abschluss meiner Einleitung möchte ich auf die Schwierigkeiten bei der Literaturrecherche hinweisen. Ich habe zwar quantitativ viel Material gefunden, von dem sich allerdings nur sehr wenig als qualitativ hochwertig herausstellte. Insbesondere Festschriften von Verbänden seien nach Aussage meines betreuenden Dozenten oft schlecht recherchiert und daher nicht besonders gut als Quelle geeignet. Daher basiert meine Arbeit weitestgehend auf dem Werk von Bernd Wedemeyer-Kolwe Vom „Versehrtenturnen“ zum Deutschen Behindertensportverband (DBS).

2 Die Anfänge des Behindertensports

Der Begründer des Vereins für Behinderte war der im Jahr 1827 in Berlin geborene Eduard Fürstenberg. Dieser verlor im Alter von vier Jahren sein Gehör, ging in der Folge auf das „Königliche Taubstummeninstitut“ zu Berlin und bekam aufgrund seines Talents, als 17jähriger eine Ausbildung im Königlichen Rentensamt. Nach Abschluss dieser Ausbildung arbeitete er bis zu seinem Tode im Königlichen Finanzministerium. Von seinen Töchtern war eine mit einem gehörlosen Lehrer verheiratet und die Jüngste wurde Leiterin eines neugegründeten Gehörlosenkindergartens.

Aufgrund dieser zahlreichen Berührungspunkte mit Gehörlosen setzte sich Fürstenberg sehr für deren Wohl ein. So bildete er den Anfang für die Organisation von Behindertenverbänden im Jahre 1848 durch die Gründung des „Taubstummen-Verein in Berlin e.V.“ (Muhs, 2008). In diesem Verein standen noch keine sportlichen Betätigungen im Vordergrund. Vielmehr wurden unter seinem Dach Zusammenkünfte und Beratungen für Gehörlose organisiert.

Ein Jahr nach der Gründung dieses Vereins gründete Eduard Fürstenberg den „Centralverein für das Wohl der Taubstummen in Berlin e.V.“ (Muhs, 2008), den er fortan leiten sollte. Dieser Verein war so etwas wie ein Förderverein für Gehörlose. So bekam jeder mittellose Gehörlose zu Weihnachten 100 Mark Weihnachtsgeld, um die Not etwas zu lindern. Während seiner 37-jährigen Amtszeit betrieb Fürstenberg Aufklärung auf diesem Gebiet und organisierte Treffen, um Gehörlosen den Weg aus der Isolation zu ebnen.

Der offizielle Grundstein für ein organisiertes Sportwesen für Gehörlose wurde jedoch erst im Oktober 1888 mit der Gründung der „Taubstummen Turnvereinigung Berlin“ gelegt. Dadurch wurde eine Welle losgetreten die dafür sorgte, dass ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts deutschlandweit weitere zahlreiche Vereine gegründet wurden. Einer davon war im Jahr 1910 ein Sportverband für Gehörlose. Aber auch Blindensportler schlossen sich bestehenden Blindensportvereinen an oder bildeten neue Sportvereine. Diese Entwicklung mündete 1924 in der Gründung des „Comité International des Sports des Sourds“[1], das den ersten Schritt zur Internationalisierung des Gehörlosensports bedeutete. Im gleichen Jahr wurden die ersten Weltspiele für Gehörlose in Paris durchgeführt, an denen 1928 erstmals Deutsche teilgenommen haben (vgl. Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 19).

Parallel zu dieser Entwicklung gab es allerdings auch die Entwicklung des Versehrtensports in Deutschland.

2.1 Versehrtensport in Deutschland

Der Versehrtensport hat seine Anfänge in den Jahren 1845 beziehungsweise 1847 durch den Pädagogen Klein, der neben Unterrichtsanweisungen für Blinde einer Blindenanstalt auch eine „Gymnastik für Blinde“ geschrieben hat. Seine Klein’sche, 14-seitige Schrift, ist ein Versuch, durch Turnübungen mit Blinden eine Verbesserung der Lebenslage herzustellen (vgl. Lorenzem, 1961, S. 3).

Später dann, nämlich durch den ersten und zweiten Weltkrieg, also zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ging die Entwicklung des Versehrtensports in Deutschland weiter. Die beiden Kriege sorgten dafür, dass sich die Zahl der im Kampf verwundeten Soldaten drastisch erhöhte. Ärzte standen vor der schwierigen Aufgabe die hohe Anzahl von Versehrten zu versorgen und zu behandeln. Die Ärzte der Lazarette waren darauf bedacht, den Verletzten nicht nur medizinisch Hilfe zu leisten, sondern auch, durch eine unterstützende Behandlung mit Leibesübungen, die physische Genesung voranzutreiben und die psychischen Leiden der verletzten Soldaten, aufgrund der zu verarbeitenden Kriegserlebnisse, zu mildern. Dadurch sollten die Versehrten mit der neuen Lebenssituation mit Behinderung besser klar kommen.

Nach dem Verlassen der Lazarette organisierten sich einige Behinderte selbst in Sportvereinen, um sich auch weiterhin sportlich betätigen zu können. Damit war vor allem für die jüngeren Kriegsinvaliden ein sportliches Angebot vorhanden, die bis dahin aktiv Sport getrieben haben, dies aber aufgrund ihrer Versehrtheit in nichtbehinderten Vereinen nicht mehr tun konnten.

Der Staat allerdings setzte den Fokus nicht auf die Widereingliederung der Versehrten in die Gesellschaft, sondern hatte vornehmlich wirtschaftliche Interessen. Da das Recht auf Versorgung der Pflicht zur Arbeit unterstellt wurde, bekam jeder Versehrte lediglich eine dürftige Grundrente, die weder eine Grundsicherung darstellte noch zum Überleben ausreichte. Damit sollte den Versehrten ein Anreiz zur Arbeitsaufnahme gegeben werden, um der „Rentenjägerei“ entgegenzuwirken. Als Rentenjägerei bezeichnete man eine den Versehrten böswillig unterstellte erschlichene Inanspruchnahme ihrer berechtigten Kriegsrente“ (Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 21). Der Staat buhlte um „die Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit der Versehrten und damit um die Entlastung der Staatskasse“(Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 21). Das Argument war ganz plakativ: wer Sport treiben kann, kann auch arbeiten.

Da die Politik keine allzu große Notwendigkeit sah, den Versehrtensport aus staatlichen Geldern finanziell zu unterstützen, führte der Versehrtensport ein Schattendasein und wurde nicht sonderlich beachtet. Es blieb vornehmlich bei vereinzelten Initiativen für derlei Sportangebote. Dies lag aber vermutlich auch an der eben schon angesprochenen Versorgungsrente, um die jeder Behinderte, der auch Sport trieb, aus besagten Gründen fürchten musste.

Es gab jedoch auch zivile erwachsene Körperbehinderte, die sich in einer autonomen Selbsthilfeorganisation zusammen fanden. Diese waren im Reichsbund der Körperbehinderten repräsentiert (Fuchs 2001, S. 200-208).

2.2 Versehrtensport im Nationalsozialismus (Wedemeyer-Kolwe, 2011, S. 27-34)

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 veränderte sich der Behindertensport dahingehend, dass er durch NS-Organisationen viel besser systematisiert und organisiert wurde. Dabei wurden bisher bestehende Behindertenverbände in NS-Organisationen umgewandelt. Dies war jedoch nicht verwunderlich, da zu dieser Zeit überall in Deutschland das sportliche Treiben intensiviert wurde und es somit auch im Versehrtensport früher oder später zu einer ideologisch orientierten Systematisierung kommen musste.

[...]


[1] http://www.dgs100.de/page_sport_main.php

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668098015
ISBN (Buch)
9783668098022
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275413
Note
Schlagworte
geschichte behindertensports deutschland welchen wandel behindertensport anfängen gründung

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Titel: Die Geschichte des organisierten Behindertensports in Deutschland