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Die Saharouis. Ihr Kampf um die Westsahara und die Menschlichkeit

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geographie

3. Geschichte ab dem 19. Jh.
3.2 Westsahara – eine Kolonie
3.3 Gründung und Arbeit der Frente Polisario
3.4 Der Westsaharakrieg

4. Menschliche Sicherheit
4.1 Leben in der Westsahara und den Flüchtlingslagern

5. Organisierte Hilfe aus dem Ausland

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Seit dreißig Jahren sind sie nun auf der Suche nach Gerechtigkeit, die in unserer heutigen Welt noch seltener zu sein scheint als Wasser in der Wüste."[1] So beschreibt der Schriftsteller Eduardo Galeano die Saharouis, die auf der Suche nach Frieden und Sicherheit die Leere fanden.

Sicherheit bedeutet für viele Menschen sein eigenes Land Heimat nennen zu dürfen, eine friedliche Nachbarschaft zu anderen Ländern zu pflegen oder auch das Privileg zu haben, nach eigenen Vorstellungen leben zu dürfen. All dies sind jedoch für das Volk der Saharouis, seit über dreißig Jahren, weit entfernte Wünsche. Die Westsahara, die saharouische Heimat, ist ein Gebiet voller Konflikte. Die Bevölkerung hatte nicht nur mit der spanischen Kolonialmacht zu kämpfen, sie musste sich auch gegen die Annexionsabsichten der Nachbarländer wehren.

Die vorliegende Hausarbeit soll dem Leser einen kurzen Einblick in die Geschichte und politische Entwicklung dieser Region geben. Zudem werden der anhaltende Konflikt mit Marokko und die wichtige Arbeit der Frente Polisario erläutert. Ein besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Lebenssituation der Flüchtlinge in Algerien und der Zurückgebliebenen im Gebiet der Westsahara gelegt. Anschließend soll anhand von ausgewählten Projekten die Arbeit der dort wirkenden Hilfsorganisationen beurteilt werden und ein Blick in die Zukunft gewagt werden.

Begleitend zu diesen Punkten wird das Konzept der Menschlichen Sicherheit aus dem UNDP Bericht von 1994 erläutert um die Umsetzung dessen Ziele mit der Realität zu vergleichen. So weit wie möglich sollen die Fragen im Vordergrund stehen, inwiefern die Vorstellungen des UNDP Berichts mit dem Leben der Saharouis übereinstimmen oder noch zu erreichen sind und warum der Westsaharakonflikt scheinbar unlösbar ist.

Die Informationen für das Erstellen dieser Arbeit wurden vorrangig aus schriftlichen aber auch aus mündlichen Quellen gezogen. Im Rahmen der Hausarbeit können leider nicht alle Aspekte des Themas ausführlich behandelt werden.

2. Geographie

Die Westsahara ist ein umstrittenes Gebiet und somit birgt auch die Geschichte der Saharouis viele Konflikte, welche noch immer nicht beseitigt werden konnten.

Das Land liegt im Nordwesten des afrikanischen Kontinents und umfasst eine Fläche von 266.00km².[2] Es besitzt nur eine natürliche Grenze: die 1062km lange Atlantikküste im Westen.[3] Die anderen, fast doppelt so langen Landgrenzen mit Marokko, Algerien und Mauretanien wurden aus rein machtpolitischen Gründen, ohne Rücksicht auf geographische oder ethnische Gegebenheiten von den Kolonialmächten[4] gezogen.

Die vier Flüchtlingslager, in die die Saharouis nach dem Angriff Marokkos flüchteten, liegen auf dem Staatsgebiet von Westalgerien in der Einöde Hamada und wurden nach den vier größten Städten der Westsahara benannt.[5]

3. Geschichte ab dem 19. Jh.

Um den Konflikt mit Marokko und somit das Schicksal der Saharouis zu verstehen ist es wichtig einige geschichtliche Fakten zu kennen.

3.2 Westsahara – eine Kolonie

Bevor die Kolonialzeit in der Westsahara begann waren die Saharouis Nomaden und mit den Europäern verhältnismäßig wenig in Berührung gekommen.[6]

Die spanische Kolonialzeit in der Sahara wurde 1884 in Deutschland besiegelt, als die europäischen Kolonialmächte die Berliner Kongo Konferenz[7] einberiefen und Afrika unter sich aufteilten.[8] Auf dieser Konferenz sicherte sich Spanien den Küstenstreifen der westlichen Sahara und errichtete einen Stützpunkt namens Villa Cisnero, die spätere Stadt Dachla[9].[10] Spanien benötigte aber noch ein halbes Jahrhundert, bis es mit Hilfe Frankreichs 1934, erstmals auch das Inland der Westsahara unter seine Kontrolle bekam. Jedoch blieben die Wüste und die kriegerischen Nomaden für die Spanier schwierig zu überwachen.[11] Das Militär errichtete weitere Stützpunkte und kontrollierte nun auch fast alle der wichtigen Brunnen der Wüste. So wurde erstmals die Lebensweise der Saharouis, die traditionell nie an feste Grenzen gebunden waren, stark eingeschränkt. Die Spanier galten als störende Eindringlinge und die Einheimischen fühlten sich belästigt und unterdrückt, was anhand dieses Zitates eines Saharouis aus den sechziger Jahren festzustellen ist: „Wir sind alle Znaga, Abhängige, […]“[12] Die spanischen und auch die französischen Kolonialbehörden sahen sich oftmals mit einheimischen Widerstandsbewegungen konfrontiert.

Die nun spanische Provinz wurde immer lukrativer für die ausländischen Besetzer. Viele wertvolle Bodenschätze wurden entdeckt, wie Kupfer, Gold, Uran, Öl und besonders die sehr großen Phosphatvorkommen, welche viele Investoren anlockten.[13] Sowohl Marokko als auch Mauretanien meldeten Ansprüche auf die spanische Überseeprovinz an. Die Gewinne aus den Exporten flossen in die Taschen der Spanier, die die Sahara mit Überheblichkeit und Ignoranz regierten. So wuchs eine neue saharouische Generation auf, die ein neues eigenes politisches Bewusstsein entwickelte, das von modernen Befreiungstheorien geprägt war.[14] Demonstrationen wurden gestartet, die den Abzug der Spanier forderten, und es kam bei den Ausschreitungen sogar zu Toten.[15] Es wurde klar, dass Verhandlungen keinen Sinn mehr machten und somit entwickelte sich die Idee einer nationalen Befreiung. Viel zu spät entschloss sich Spanien, am Ende ihrer Kolonialzeit, den Saharouis Mitspracherecht und eine Teilautonomie zu gewähren.

[...]


[1] Galeano, Eduardo, Flüchtlingslager, in: Österreichisch Saharauische Gesellschaft, http://www.oesg.ws/?pid=5, 13.08.2011.

[2] Abba, Mohamed, Zeok e. V., Westsahara: Geographie, http://www.west-sahara.de/West-Sahara/geographie.html, 13.08.2011.

[3] Hillenkamp, Sven, Ein Staat auf dem Trockenen, DIE ZEIT Online, 27/2001, http://www.zeit.de/2001/27/Ein_Staat_auf_dem_Trockenen, 13.08.2011.

[4] Frankreich und Spanien

[5] Vgl. Hillenkamp, Sven, 13.08.2011.

[6] Kappe, D., Wüstenmarathon gegen das Vergessen, Magazin zu Entwicklungspolitik Nr.:80, 10/2009, http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinEntwicklungspolitik/080/t5-wuestenmarathon-saharauis.html, 14.08.2011.

[7] Teilnehmer: 12 europäische Nationen, Russland und die USA, in Berlin auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck

[8] Rössel, Karl, Wind, Sand und (Mercedes-) Sterne, Westsahara: Der vergessene Kampf für die Freiheit, Horlemann Verlag, Bad Honnef, 1991, S.82.

[9] die arabische Schreibweise wird in dieser Arbeit vereinfacht dargestellt, der deutschen Sprache und Orthografie angepasst

[10] Vgl.: Rössel, Karl, S.82.

[11] Hodges, Tony, Stichworte Saharauischer Geschichte, in: Sahara-Info 4/89, 1982.

[12] Vgl. Rössel, Karl, S.116.

[13] Mercer, Jahn, Spanish Sahara, London, 1976, S.184.187.

[14] Vgl. Rössel, Karl, S.135.

[15] Goldau, A., 17. Juni 1970 – Ein blutiger Tag in der franquistischen Sáhara Español, in: Österreichisch Saharauische Gesellschaft, http://www.oesg.ws/?pid=50&id=82, 14.08.2011.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656681120
ISBN (Buch)
9783656681113
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275350
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
saharouis kampf westsahara menschlichkeit

Autor

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Titel: Die Saharouis. Ihr Kampf um die Westsahara und die Menschlichkeit