Lade Inhalt...

Medien als Instrumente der Herrschaft

Exzerpt 2014 16 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Lektürereflexionen
2.1. Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?
2.2. Jeremy Bentham: An Essay on Political Tactics
2.3. Karl Marx: Debatten über die Preßfreiheit
2.4. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit
2.5. Noam Chomsky: Media Control- Wie die Medien uns manipulieren
2.6. Jürgen Habermas: Drei normative Modelle der Demokratie
2.7. Nancy Fraser: Transnationalizing the Public Sphere
2.8. Peter Dahlgren: The Internet, Public Spheres, and Political Communication: Dispersion and Deliberation
2.9. Niels Ole Finnemann: Mediatization theory and digital media
2.10. Grant Blank: Who creates content?

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Medien als Instrumente der Herrschaft“ – Dem Titel des Seminars aber auch der Aussage an sich kann durchaus zugestimmt werden, wenn man die aktuelle Medienlandschaft in Deutschland betrachtet. Zum einen wird den Medien als vierte Gewalt vorgeworfen, dass sie nicht kritisch genug gegenüber den herrschenden Machtstrukturen sind. Zum anderen werden Medien immer mehr zum Sprachrohr ökonomischer Eliten, was unter anderem in der Medienkonzentration deutlich wird. Wenige große Verlage beherrschen den Medienmarkt in Deutschland und können somit als Kapitalunternehmen bezeichnet werden. Aber auch Nachrichteninhalte werden systematisch ausgewählt, je nachdem was Machteliten gerade beschäftigt und was sie lesen wollen.

Wird dadurch der ursprüngliche Gedanke der Medien, eine objektive Willensbildung der Bürger zu fördern, überhaupt noch verwirklicht?

Die folgenden Lektürereflexionen werden sich zum einen mit dieser Frage, aber auch mit Themen wie öffentlicher Kommunikation, Medien und deren Verhältnis zur Politik und Gesellschaft oder Medienkontrolle auseinandersetzen.

Des Weiteren sind die neuen digitalen Medien, ihre Chancen, aber auch Risiken für unsere Demokratie, Thema der nachfolgenden Texte. Angefangen mit Emanuel Kants Text „Was ist Aufklärung?“, der sich mit der Unmündigkeit der Menschen auseinandersetzt, gefolgt von Jeremy Benthams Essay „On political tactics“, der die Öffentlichkeit als unverzichtbar im Staat bezeichnet. Karl Marx tritt in seinem Text „Debatten über die Preßfreiheit“ für die Pressefreiheit und gegen jegliche Form der Zensur ein. „Das Kunstwerk im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin bezieht sich auf die neuen digitalen Medien und deren negative Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Noam Chomsky stellt in seinem Text „Media Control- Wie die Medien uns manipulieren“ sehr deutlich die manipulierende Kraft der Medien anhand des Vietnam- Kriegs dar. In Jürgen Habermas „Drei normative Modelle der Demokratie“ wird ein neues Modell der deliberativen Demokratie vorgestellt, in der vor allem die gemeinsame Kommunikation der Bürger wichtig ist. Auch Nancy Fraser nimmt in ihrem Beitrag „Transnationalizing the Public Sphere“ Bezug auf die neuen Medien, die zu einer Transnationalisierung von Öffentlichkeit führen. Im Text „The Internet, Public Spheres, and Political Communication: Dispersion and Deliberation“ von Peter Dahlgren wird es um die vielen neuen Einflussmöglichkeiten des Internets auf die Öffentlichkeit gehen und Niels Ole Finnemann wird in seinem Abstract „Mediatization theory and digital media“ auf die Mediatisierung von Gesellschaften und den Eintritt dieser in ein neues digitales Zeitalter eingehen. Schließlich spricht Grant Blank in seinem Text „Who creates content?“ über das Phänomen des „Mitmachnetzes“ und darüber, wer im Internet welche Inhalte verbreitet. Im Anschluss an die Lektüreflexionen wird ein Fazit die Arbeit abschließen.

2. Lektürereflexionen

2.1. Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?

Der Text „Was ist Aufklärung?“ von Immanuel Kant wurde 1784 verfasst und setzt sich mit dem Gegenstand der Aufklärung auseinander. Kant erklärt was Aufklärung bedeutet und liefert Lösungsmöglichkeiten, wie sich die Menschen aus ihrer Unmündigkeit befreien können.

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus einer selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant 2004: 5). Für Immanuel Kant ist ein Mensch unmündig, wenn er nicht fähig dazu ist, seinen Verstand ohne Hilfe von anderen einzusetzen. „Selbst schuld“ über diesen Zustand sind die Menschen deshalb, weil sie es fürchten, ihren Verstand zu nutzen. Er bezeichnet Bequemlichkeit und Angst als Gründe der Individuen, das ganze Leben lang unmündig zu bleiben. Solange man Geld hat, um für alles, was man braucht zu bezahlen, muss niemand sich selber mühen, etwas zu erreichen. Das Denken wird anderen wenigen, die die Vormundschaft übernehmen, überlassen. Für den Menschen ist es gemäß Kant sehr schwer, sich mit eigener Kraft aus dieser Unmündigkeit zu befreien. Die Selbstständigkeit verschwindet immer mehr, weil sie nie eingesetzt und erprobt wird (ebd.: 5ff.).

Immanuel Kant verfasste den Text im Zeitalter des Barock, der von Absolutismus und Unterdrückung geprägt war. Hinsichtlich des politischen Hintergrundes vertritt der Philosoph schon zu dieser Zeit sehr moderne und revolutionäre Ideen. Er steht für das Recht aller Bürger ein, Gedanken frei äußern zu dürfen. Das ist überaus außergewöhnlich für diese Zeit, weshalb Immanuel Kant auch als ein Vordenker der Pressefreiheit gesehen werden kann. Allerdings ist er aber auch der Meinung, Gesetze verstärken die Unmündigkeit der Menschen und erschweren es ihnen, selbstständig zu leben. Das kann als eine utopische Vorstellung des Autors bezeichnet werden. Nur wenige haben nach Kant das Wissen, sich aus der Unmündigkeit zu befreien. Dieses Wissen ist für Immanuel Kant die Aufklärung, für die es als Voraussetzung die Freiheit braucht. Der Mensch benötigt die Freiheit, um von seinem Verstand „öffentlichen Gebrauch“ (ebd.: 6) zu machen. Mit „öffentlich“ meint Kant, dass ein Gebildeter vor einer Zuhörerschaft seine aufgeklärten Gedanken preisgibt. Nur durch diesen öffentlichen Gebrauch der Vernunft ist eine Aufklärung der Bevölkerung möglich. Demnach leben die Menschen im 18. Jahrhundert noch nicht in einer aufgeklärten Gesellschaft, sondern in einem „Zeitalter der Aufklärung“ (ebd.: 9). Zur Selbstständigkeit der Menschen bedarf es noch einige Zeit, jedoch gibt es bereits Möglichkeiten eigenständig zu denken und zu handeln (ebd.: 8ff.).

Überträgt man Kants Ansatz auf unsere Zeit, lassen sich immer noch viele Übereinstimmungen zu einigen Menschen finden. Meiner Meinung nach können zahlreiche Bürger unserer Gesellschaft als unmündig bezeichnet werden. Das wird zum Beispiel an der geringen Wahlbeteiligung oder am fehlenden gesellschaftlichen Engagement deutlich. Manche Menschen lassen sich immer noch gerne bevormunden und überlassen anderen den Vortritt, damit sie selbst keine Entscheidungen treffen müssen. Kants Text kann deshalb heute immer noch als aktuell angesehen werden.

Im Absolutismus war strenge Zensur der Machthaber die Regel, um die Herrschaft nicht zu gefährden. Medien können deshalb in diesem Kontext durchaus als Instrumente der Herrschaft gelten.

2.2. Jeremy Bentham: An Essay on political tactics

Jeremy Bentham fordert in seinem Essay „On Political Tactics“ Transparenz und Öffentlichkeit staatlichen Handelns in allen Herrschaftsformen. Die Öffentlichkeit ist für ihn wichtig und unverzichtbar, da sie Staatsherrscher in ihren Entscheidungen kontrollieren kann und gleichzeitig politisches Handeln für das Volk transparent macht. Im Gegensatz zu Immanuel Kant soll gemäß Bentham jeder Bürger und jede Bürgerin von der Öffentlichkeit profitieren können. Jeremy Bentham, der zur Zeit der Französischen Revolution lebte, leistet mit diesem Essay einen für diese Zeit modernen und revolutionären Beitrag, der unter anderem Pressefreiheit für moderne Staaten verlangt (Bentham 1843: 1ff.).

Bentham beschreibt außerdem verschiedene Gründe, warum die Öffentlichkeit einen wichtigen Bestandteil von parlamentarischen Debatten darstellt. Zum einen wird hervorgehoben, dass die Politiker mit Hilfe der Öffentlichkeit die Bürger über politische Prozesse informieren können und somit das Volk über Politik Bescheid weiß. Das hat zur Folge, dass sich die Menschen an der Politik beteiligen können. Zum anderen werden durch die Öffentlichkeit aber auch bestimmte Wünsche der Regierten deutlich gemacht. Hiermit spricht Jeremy Bentham eine der wichtigsten Funktionen der Medien an, nämlich die Förderung der Willensbildung im Staat (ebd.: 3ff.).

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656681052
ISBN (Buch)
9783656681083
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275252
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Medien Herrschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Medien als Instrumente der Herrschaft