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Max Webers Protestantismusthese

Hausarbeit 2012 12 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehung des Kapitalismus

2. „Geist des Kapitalismus“

3. Luthers „Beruf als Berufung“

4. Calvinismus
4.1. Lehre von der Gnadenwahl
4.2. Vergleich der praktischen Religiosität

5. Verweltlichung und ökonomische Auswirkungen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Entstehung des Kapitalismus

„Universalgeschichtliche Probleme wird der Sohn der modernen europäischen Kulturwelt unvermeidlicher- und berechtigterweise unter der Fragestellung behandeln: welche Verkettung von Umständen hat dazu geführt, daß gerade auf dem Boden des Okzidents, und nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche doch – wie wenigstens wir uns gern vorstellen – in einer Entwicklungsrichtung von universeller Bedeutung und Gültigkeit lagen?“ (Weber 1988 : 1)

Max Weber stellt sich hier nun die Frage, warum unsere moderne Kultur, wie wir sie heute kennen, gerade in Westeuropa entstanden sei und sich nicht zum Beispiel in China oder Indien entwickelt habe. Antwort auf diese Frage gibt er mit seiner Theorie des Rationalismus, mit der er sich fast sein Leben lang beschäftigt. Besonders wichtig ist ihm somit auch die Frage nach der Entstehung des Kapitalismus und einer Wirtschaftsgesinnung. In seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ entwickelt er die These, dass eine Wahlverwandtschaft zwischen protestantischer Ethik und Geist des Kapitalismus besteht. Im Folgenden meiner Hausarbeit widme ich mich nun der Frage, mit welchen Argumenten Max Weber diese Wahlverwandtschaft belegt. Hierbei werde ich zuerst auf den Begriff „Geist des Kapitalismus“ eingehen, als nächstes Martin Luthers These vom „Beruf als Berufung“ erläutern, anschließend den Calvinismus mit seinen Lehren beleuchten, dann auf die ökonomischen Auswirkungen eingehen und zuletzt ein Fazit ziehen.

2. „Geist des Kapitalismus“

Methodisch ist für Max Weber der „Geist des Kapitalismus“ zunächst ein „historisches Individuum“ (Weber 2004 : 73) und sachlich das „Ideal des kreditwürdigen Ehrenmannes“. (Weber 2004 : 76) Die Vorstellung einer „Verpflichtung des einzelnen gegenüber dem als Selbstzweck vorausgesetzten Interesse an der Vergrößerung seines Kapitals nimmt hier den Charakter einer ethisch gefärbten Maxime der Lebensführung an.“ (Weber 2004 : 77) Diese Lehren finden ihren Ursprung nicht nur in einer Lebenstechnik oder Geschäftsklugheit, sondern in einer Ethik. Der Grundsatz dieser Ethik kann als das „summum bonum“ (Weber 2004 : 78) verstanden werden: Der Erwerb und die Akkumulation von immer mehr Geld, unter strikter Vermeidung jeglichen Luxus. Der Mensch arbeitet hier nicht mehr um zu leben, sondern lebt um zu arbeiten. (vgl. Müller 2007 : 88)

Die Verkörperung dieser Ethik ist für Max Weber Benjamin Franklin (1706-1790). Er benutzt ihn deshalb als Illustration für den „Geist des Kapitalismus“ und kommt durch ihn auf sein Hauptthema zu sprechen: Tüchtigkeit und Beruf. „Der Gelderwerb ist – sofern er in legaler Weise erfolgt – innerhalb der modernen Wirtschaftsordnung das Resultat und der Ausdruck der Tüchtigkeit im Beruf und diese Tüchtigkeit ist (...) das wirkliche A und O der Moral Franklins (...).“ (Weber 2004 : 78)

Auch der selbstverständliche Gedanke der Berufspflicht, den der Mensch gegenüber seiner Arbeit hegen soll, egal um welche Arbeit es sich handelt, spiegelt die Sozialethik, welche die kapitalistische Kultur ausmacht, wider. (vgl. Weber 2004 : 78)

„Damit jene der Eigenart des Kapitalismus angepaßte Art der Lebensführung und Berufsauffassung ‚ausgelesen’ werden, d.h.: über andere den Sieg davontragen konnte, mußte sie offenbar zunächst entstanden sein, und zwar nicht in einzelnen isolierten Individuen, sondern als eine Anschauungsweise, die von Menschen gruppen getragen wurde. Diese Entstehung ist also das eigentlich zu Erklärende.“ (Weber 2004 : 79) Hier macht Weber deutlich, dass der Kapitalismus nicht nur aus ökonomischen Veränderungen entstanden ist, sondern vor allem aus dem Charakter von Menschen und ihrer Vorstellung einer perfekten Lebensführung. Max Weber untersuchte nun die Herkunft dieser besonderen Ethik, auf die ich im weiteren Teil der Arbeit jetzt zu sprechen komme.

3. Luthers „Beruf als Berufung“

Die protestantische Ethik entwickelt sich nach Weber aus zwei entscheidenden Ideen: Zum einen aus Luthers Reformation, zum anderen aus dem Calvinismus, auf den in Punkt vier genauer eingegangen wird.

Die Brücke zwischen Wirtschaft und Religion, zwischen Kapitalismus und Protestantismus ist der Beruf und die Berufspflicht. (vgl. Müller 2007 : 92) Weber interessiert, aus welcher Quelle jener „Berufsgedanke“ (Weber 2004 : 96) und das „Sichhingeben an die Berufs arbeit“ (Weber 2004 : 96) entstanden ist.

Dieser Gedanke wird in Martin Luthers Werk deutlich und formt somit Webers ersten Ansatzpunkt seiner Argumentation.

Nach Weber existiert in dem Wort „Beruf“ vorwiegend bei den protestantischen Völkern eine religiöse Vorstellung, nämlich die einer von Gott vorgegebenen Aufgabe. Der Ursprung des Wortes stammt aus Bibelübersetzungen und wurde als Produkt der Reformation neu erfunden. Es war nun wichtig, die Pflichten innerhalb der weltlichen Berufe hoch zu schätzen und somit gewann die Alltagsarbeit eine religiöse Bedeutung. Die einzige Möglichkeit, gottgerecht zu leben, war nun die Erfüllung der Aufgaben im normalen Leben und nicht mehr das mönchische Dasein. (vgl. Weber 2004 : 96,97) Im Laufe Luthers reformatorischer Tätigkeit verstärkte sich der Berufsgedanke immer mehr und wurde zu einem Befehl Gottes an den einzelnen. Die Ausübung des Berufes spiegelte den Willen Gottes wider und führte zum „Schickungsgedanken“ (Weber 2004 : 101), der den Beruf des einzelnen vorbestimmte und vorgab, sein Leben lang diesen auszuüben. (vgl. Weber 2004 : 100,101) Luthers Berufsbegriff blieb immer traditionalistisch, das heißt zum einen, seinen Beruf von Gott hinzunehmen und zum anderen, ihm sein ganzes irdisches Dasein lang nachzugehen. (vgl. Müller 2007 : 93) Die Leistung der Reformation war also eine hohe Anerkennung der beruflichen Arbeit im Gegensatz zu den Katholiken, die das fromme Leben im Kloster schätzten. (vgl. Weber 2004 : 102) Max Weber bringt in diesem Zusammenhang zum ersten Mal den Begriff „Wahlverwandtschaft“ zwischen bestimmten Glaubensinhalten und einer Berufsethik. Er will verdeutlichen, dass so eine Verbindung auf die kapitalistische Kultur einwirkt. (vgl. Weber 2004 : 106)

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Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656680529
ISBN (Buch)
9783656680512
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275236
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Politikwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Max Weber Politische Theorie Protestantismus Kapitalismus

Autor

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Titel: Max Webers Protestantismusthese