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Reggiopädagogik: Raumgestaltung und ihr Einfluss auf die kindliche Entwicklung

Akademische Arbeit 2005 9 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Architektur und Raumgestaltung in der Reggiopädagogik
2.1 Grundlagen der Raumgestaltung
2.2 Konkrete Beispiele
2.2.1 Die Krippe Acrobaleno
2.2.2 Die Krippe Diana
2.3 Vielfalt und Fülle von Anschauungsmaterial

3. Zum Einfluss der Raumgestaltung auf die Entwicklung und Förderung der Kinder

4. Literaturverzeichnis (und weiterführende Literatur)

1. Einleitung

Die Reggiopädagogik ist kein ausgefeiltes Theoriemodell, aus dem sich bestimmte professionelle Handlungsweisen für die elementarpädagogische Praxis ableiten lassen. Sie lässt sich eher als eine Erziehungsphilosophie verstehen, die eine Reihe von Grundannahmen und flexibel handhabbaren Praxiselementen miteinander verbindet. Zu nennen sind vor allem

- das Bild vom Kind,
- die Bedeutung von Identität und Gemeinschaft,
- die Vorstellung von Bildung und Lernen,
- die Bedeutung von Projekten,
- die Rolle Erwachsener,
- die Bildungsfunktion von Räumen (der Raum als "3. Erzieher").

Mit diesen zentralen Elementen stellt sich die Reggiopädagogik als ein Konzept dar, das durch Optimismus, Offenheit und Ganzheitlichkeit eine hohe Attraktivität aufweist, das aber auch von den Beteiligten die Überwindung traditioneller Vorstellung von der helfenden Erzieherin abverlangt, die die Probleme der Kinder löst und es den Kindern „schön machen“ möchte.

2. Die Architektur und Raumgestaltung in der Reggiopädagogik

Die Kindertagesstätte ist im Reggiokonzept kein isolierter Ort, an dem die Kinder erzogen, sondern fest in die Umgebung integriert werden. Das bedeutet einerseits, dass wichtige öffentliche Personen in die Arbeit mit einbezogen werden, und andererseits, dass die Kinder, auch mit Hilfe der Erzieherinnen, Beziehungen zu dem Ort knüpfen, in dem sie leben, und mit diesem vertraut werden. Die Kindertagesstätte wird dadurch zu einer lebendigen Begegnungsstätte.

Sowohl die Kindergärten, als auch die Krippen sind so gebaut, dass sie durch viele Fenster den Kindern eine Vielzahl von Ein- und Ausblicken gewähren. Sie haben eine große Eingangshalle, die den Mittelpunkt des Hauses und den Ausgangspunkt für alle weiteren Räume darstellt. Die Innenhöfe sind ebenfalls von Fenstern umgeben. Der Speiseraum ist abwechslungsreich eingerichtet und hat Restaurantatmosphäre. Jede Einrichtung hat ein Atelier. Dort gibt es vielfältige Materialien, die zu Gestaltung anregen, Kreativität und Phantasie freisetzen. Die Küche, in der das Essen für die Kinder zubereitet wird, ist wichtig und liegt deshalb zentral. Durch Fenster, die in Augenhöhe der Kinder beginnen, können die Kinder die Köchin bei der Arbeit erleben. Porzellangeschirr und Tischdecken gehören zum Alltag.

In den Toiletten- und Waschräumen sind Spiegel und Spiegelkacheln angebracht, damit sich die Kinder immer wieder und in jeder Bewegung sehen können. Für die Kleinsten gibt es so genannte „Schnabelbecken“.

Die Gruppenräume sind großzügig in Funktionsbereiche unterteilt: Es gibt heimelige, kuschelige Ecken, in die man sich zurückziehen kann, zum Reden, Geschichten erfinden, Träumen usw. Es gibt unter anderem Möglichkeiten zum Bauen, Spielen, Verkleiden. Die Räume haben durch Treppen und Podeste verschiedene Ebenen, die unterschiedliche Raumerfahrung ermöglichen. Auch hier sind überall Spiegel angebracht, die den Kindern viele verschiedene Perspektiven zeigen.

2.1 Grundlagen der Raumgestaltung

Ein wesentliches Element der pädagogischen Arbeit stellt die Ausstattung und Gestaltung der verschiedenen Spielräume dar. Sie sollen vielfältige, anregende und an den Kindern orientierte Möglichkeiten zum handelnden Lernen bieten und dabei in ihrer Funktion für die Kinder eindeutig erkennbar sein. Sie schaffen mit ihrer Gestaltung und Ausstattung Gelegenheitsstrukturen für die Selbstorganisation der Lernprozesse der Kinder. Zugleich werden Bereiche, in denen die Mitarbeiter/innen mit ihrem Schwerpunkt tätig sind, so ausgerichtet, dass sie den Erfordernissen ihrer Arbeit dort gerecht werden. Im Laufe der Zeit hat sich eine idealtypische Gestaltung nach menschlichen Grundbedürfnissen entwickelt. Es geht dabei um Bedürfnisse nach Bewegung, Ruhe, Kommunikation, und dem Bedürfnis nach Selbstausdruck in jeglicher Form. Die Eltern sollen über die Entwicklung der Kinder informiert werden und somit auch eine Einbeziehung der Eltern, der Kinder und Mitarbeiter in laufende Arbeitsprozesse erreicht werden. Einblicke in Arbeitsweisen, Denkbewegungen, Vorstellungen und Gefühle von Kindern werden gegeben und eine Transparenz der Projektarbeit für alle Beteiligten, insbesondere auch für die Kinder selbst hergestellt. Die Kinder können sich dadurch mit dem eigenen Produkt identifizieren. Somit werden Ich-Stärke und Selbstbewusstsein gefördert.

Schriftliche Dokumentationen dienen als Grundlage für interne und externe Diskussions- und Austauschprozesse über die Qualität der Arbeit und vermitteln Kindern und Mitarbeitern ein Gefühl von Geborgenheit und Stolz, indem sie den Arbeitsprozess der Selbstgestaltung des eigenen Lebensraumes dokumentieren.

Doch Reggio begleitet nicht nur die kindliche Tätigkeit durch Offenheit, Interesse und Mit-Denken. Auch die strukturellen Rahmenbedingungen – Organisation und Räumlichkeiten – tragen den Bedürfnissen aller Beteiligten Rechnung, kindliche Bildung als gemeinsamen Forschungsprozess zu betrachten.

Die Räumlichkeiten bewirken keine bestimmten Effekte. Sie unterstützen, begrenzen oder verhindern Beziehungen. Man muss sich also klar werden, welche Beziehungen in Räumen verwirklicht werden sollen und welche Art von Räumen man dazu benötigt.

Nach Malaguzzi sind: „...unsere Einrichtungen (…) vor allem Werkstätten, in denen die Kinder die Welt untersuchen und erforschen“(Dreier, 1993)

Wenn das die hauptsächliche Beziehung ist, die unterstützt werden soll, wie beeinflusst dann z.B. die Grundrissgestaltung dieses? Betrachtet man den Grundriss der Kindertagesstätte Diana in Reggio, so erkennt man einen zentralen, großen Raum, ähnlich einer Piazza – dem Marktplatz einer italienischen Stadt. Er bildet den Mittelpunkt der gesamten Raumanlage. Untersuchen, Erforschen, Erkennen sind also gedacht als eingebettet in einen intensiven sozialen Bezug. Es gibt keine Flure. Flure können voneinander isolieren. Deswegen wurden sie in Reggio-Kindergärten nach Möglichkeit abgeschafft.

Findet man in unseren Kindergärten häufig strikt nach Funktionen getrennte Räume, geht man in Reggio von der Piazza aus in die verschiedenen Teilbezirke, die allen zugänglich sind, wie Essbereich, Atelier, Bibliothek, Miniatelier.

Malaguzzi stellt sich den Kindergarten als eine Art Markt vor. Jeder Stand bietet etwas anderes an, je nach dem Vorhaben arbeiten die Kinder in Kleingruppen, alleine oder auch alle zusammen. So ist es nur folgerichtig, dass die von der Piazza ausgehenden Bereiche nicht völlig getrennt erscheinen. Viele Fenster nach innen gestatten Durchblicke, Einblicke, Ausblicke aus diesen Bereichen. Beziehungen zu den Kindern in den anderen Bereichen sind also jederzeit möglich. Sie werden nicht durch Türen oder Mauern abgeschnitten. Kleine Bereiche der Konzentrationen allerdings können innerhalb dieser Bereiche durchaus gestaltet werden.

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Details

Seiten
9
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656673439
ISBN (Buch)
9783656716570
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275213
Schlagworte
reggiopädagogik raumgestaltung einfluss entwicklung

Autor

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