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Die Rundfunksysteme in Deutschland und Südkorea. Eine vergleichende Analyse

Seminararbeit 2014 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thematische Einleitung und Ziel der Arbeit

2. Methodik und Vergleichsdimensionen
2.1 Roger Blums „Bausteine zu einer Theorie der Mediensysteme“
2.2 Explizit den Rundfunk betreffende Ergänzungen zur Analyse

3. Anwendung der Vergleichsdimensionen zur Charakterisierung des deutschen und südkoreanischen Rundfunksystems
3.1 Regierungssystem und politische Kultur
3.2 Medienfreiheit, Medienbesitz und Medienfinanzierung
3.3 Politischer Parallelismus und Staatskontrolle
3.4 Medienkultur und Medienorientierung

4. Diskussion und Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Internet

6. Tabellenverzeichnis

1. Thematische Einleitung und Ziel der Arbeit

Deutschland und Südkorea – zwei Staaten, die geographisch und kulturell fast nicht weiter voneinander entfernt sein könnten. Doch bei genauerer Betrachtung werden einige, vor allem geschichtliche Gemeinsamkeiten, sichtbar. Die augenscheinlichsten sind wohl die kriegsbedingten Teilungen der beiden Länder, die in Deutschland im Jahre 1989 friedlich überwunden wurde, jedoch eine Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea immer noch schwerfällt und , als einziger Hoffnungsschimmer am Horizont, arrangierte Familienzusammenführungen zu erkennen sind, die unregelmäßig alle paar Jahre stattfinden. Des Weiteren wurden beide Länder nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges besetzt und standen unter starkem ausländischen Einfluss. In damaligen Westdeutschland sind die alliierten Siegermächte Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten zu nennen und für Südkorea alleinig die USA. Auch wirtschaftlich und industriell können Südkorea und Deutschland auf einen rasanten Aufbau zurückblicken, der in Deutschland nach 1945 als „Wirtschaftswunder“ und in Korea im Zeitraum der sechziger bis achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts stattfand. Diese Gemeinsamkeiten, aber auch die großen kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Südkorea lassen das Interesse für einen Rundfunksystemvergleich aufkommen, da sowohl im Nachkriegsdeutschland als auch im postimperialistischen Südkorea die Mediensysteme durch die Besatzungsmächte neu etabliert und institutionalisiert wurden. Ziel dieser Arbeit ist es nun herauszufinden, ob und in wie weit sich die Rundfunksysteme in Deutschland und Südkorea überschneiden oder unterschiedlich gestalten. Dabei soll deutlich werden in wieweit politische, rechtliche, institutionelle, wirtschaftliche und auch kulturelle Faktoren das Rundfunksystem beeinflussen. Die Untersuchungsergebnisse der beiden Staaten werden dann miteinander verglichen, um einen differenzierteren Blick auf das eigene Rundfunksystem zu bekommen, das Verständnis der eigenen Kultur in einem breiteren Rahmen einordnen zu können und eventuell übertragbares Wissen und Erfahrungen in das eigene Denken aufzunehmen (vgl. Thomaß 2013: 35). Die dazu angewandte Vergleichsmethodik wird im nächsten Kapitel beschrieben und darauf aufbauend wird der Vergleich durchgeführt. Zuletzt werden eine Diskussion und ein Fazit die aufgekommenen Erkenntnisse kritisch beleuchten und abschließend zusammenfassen.

2. Methodik und Vergleichsdimensionen

Den Anfang bei dem Versuch internationale Mediensysteme zu typologisieren machten im Jahre 1956 Fred Siebert, Theodore Peterson und Wilbur Schramm mit „Four theories of the press“ (Siebert/Peterson/Schramm 1956). Die von ihnen erarbeiteten Kategorisierungsschemata waren jedoch sehr stark vom kalten Krieg geprägt und amerikanisch ideologisiert, indem sie das Liberalismus- und das Sozialverantwortungsmodell als Ideale aufzeigen wollten (vgl. Blum 2005: 5). Zu bemängeln ist an diesem Modell, dass es zu schematisch formuliert ist, in real existenten Mediensystemen oft nicht ohne Erweiterung anwendbar ist und jeweils situationsbedingte Kriterien formuliert werden müssten (Wiio 1983). Weitere Forscher haben sich im Laufe der Jahre darum bemüht den Ansatz von Siebert, Peterson und Schramm zu erweitern und heutzutage ist das 2004 vorgelegte Analysesystem von Daniel Hallin und Paolo Mancini mit einer ganzen Reihe von Kriterien das bisher ausführlichste im Hinblick auf westliche und industrialisierte Nationen. Diesem Modell hat Roger Blum eine zusätzliche Erweiterung unterzogen und den „pragmatischen Differenz-Ansatz“ entwickelt und in Ergänzung zum Hallin/Mancini-Modell eine Synthese der beiden Typologisierungsmethoden vorgenommen und die „Bausteine zu einer Theorie der Mediensysteme“ geliefert (vgl. Blum 2005: 9f). In dieser Ausarbeitung soll dieser Ansatz als zentraler Anhaltspunkt der Analyse dienen und wird im Folgenden vorgestellt. Wichtig zu erwähnen ist außerdem, dass die hier für das komplette Mediensystem ausgelegte beschriebene Methodik im Rahmen dieser Ausarbeitung alleinig auf die Rundfunksysteme angewendet wird. Gefundene Erkenntnisse können jedoch keinesfalls von der Gänze des Mediensystems ausgeschlossen werden und fließen stark in die Typologisierung ganzer Mediensysteme mit ein.

2.1 Roger Blums „Bausteine zu einer Theorie der Mediensysteme“

Um einen sinnvollen Vergleich der Medien- bzw. Rundfunksysteme zweier Staaten durchführen zu können sind bestimmte Vergleichsdimensionen erforderlich. Dazu hat Roger Blum 2005 den „pragmatischen Differenz-Ansatz“ mit insgesamt neun Vergleichsdimensionen in jeweils drei unterschiedlichen Ausprägungen entworfen. Mediensysteme sollten in folgenden Dimensionen mit der jeweiligen Ausprägung in einer der Linien eingeordnet werden:

Tabelle 1: Grundschemata des „pragmatischen Differenz-Ansatzes“ (vgl. Blum 2005: 9)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch die jeweilige Einordnung verschiedenartiger Rundfunk- oder Mediensysteme lassen sich durch die Zusammenstellung der Ausprägungen der Linien A, B und C Kategorien erstellen. Blum unternimmt nun den Versuch einer Synthese mit den zuvor von Hallin und Mancini erarbeiteten Kategorien für die westlichen Staaten, jedoch erweitert er die Kategorisierung um drei zusätzliche Differenzierungen. Folgende Kategorien sind zu unterscheiden, wobei die Buchstaben in Klammern die Ausprägungen in den jeweiligen Linien liberal (A) bis reguliert (C) darstellen von links mit Dimension eins beginnend bis zu Dimension neun:

- Atlantisch-pazifisches Liberalismusmodell:
(A – A – A – A – A – A – A – A – A)
- Südeuropäisches Klientel-Modell:
(A – B – A – B – B – B – B – B – B)
- Nordeuropäisches Public-Servics-Modell:
(A – B – A – B – B – A – A – B –C)
- Osteuropäisches Schockmodell:
(A – B – B – B – B – B – C – B – B)
- Arabisch-asiatisches Patriotenmodell:
(B – C – B – B – B – C – C – C – C)
- Asiatisch-karibisches Kommandomodell:
(C – C – C – C – B – C – C – C – C)

Diese sechs definierten Modelle sollen nun verwendet werden, um die Rundfunksysteme Deutschlands und Südkoreas zu kategorisieren und dadurch Vergleiche anstellen zu können. Wie Roger Blum schon feststellt können auch diese Differenzierungen nicht alle real existierenden Medien- bzw. Rundfunksysteme der Welt abbilden, sondern „sind lediglich Bausteine zu einer Theorie der Mediensysteme“ (Blum 2005: 10). Deshalb werden nun ergänzende Kriterien und Vergleichsdimensionen, die besonders den Rundfunksystemvergleich betreffen, vorgestellt.

2.2 Explizit den Rundfunk betreffende Ergänzungen zur Analyse

Um präzisere Aussagen über Eigenschaften von Rundfunksystemen zu treffen und zum Vergleich geeignete Faktoren zu bestimmen werden an dieser Stelle einige rundfunkspezifische Charakteristika vorgestellt. Als Ausgangspunkt dieser Analysedimensionen werden die von Barbara Thomaß dargelegten Faktoren zur Rundfunkcharakterisierung verwendet (vgl. Thomaß 2013: 22f).

Zusammenfassend lassen sich nachfolgende allgemeine Unterscheidungsmerkmale nach Barbara Thomaß auflisten:

- öffentliches Rundfunkprinzip (BBC-Modell), kommerzielles Prinzip (amerikanisches Vorbild) oder Mischformen eines dualen Rundfunks
- Rolle des Staates bei der Regulierung
- Betonung der kulturellen und identitätsstärkenden Rolle des Rundfunks (Bsp.: Eigenproduktionsanteil)
- Stellenwert der „dritten Säule“ (Bürgerfunk, community radios etc.)

Weiterführend sind ökonomische und den Rundfunkmarkt betreffende Merkmale zu nennen:

- Eigentumsstrukturen der Rundfunkanstalten und Rundfunkangebote
- Querverflechtung zu anderen Medienbranchen oder ganz anderen Industriesektoren als Merkmal von Konzentrationstendenzen
- Anzahl der Sender
- zu welchem Anteil werden die Sender von der werbetreibenden Industrie finanziert
- gibt es Pay-TV-Angebote und zeigt die Bevölkerung Bereitschaft dafür zu zahlen

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656679639
ISBN (Buch)
9783656679653
Dateigröße
729 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v275150
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Rundfunksystem Deutschand Bundesrupublik BRD Korea Südkorea Republik Vergleich Analyse Mediensystemvergleich

Autor

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Titel: Die Rundfunksysteme in Deutschland und Südkorea. Eine vergleichende Analyse