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Megastädte in der Dritten Welt

Seminararbeit 2001 21 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Megapolisierung in Industrie- und Entwicklungsländern
1.1 Ursachen und Entwicklungsverläufe im 20. Jahrhundert
1.2 Aktuelle demographische Trends

2 Charakteristika von Megastädten in Entwicklungs- und Schwellenländern
2.1 Funktionale Primatstellung
2.2 soziale und wirtschaftliche Polarisierung
2.3 Entwicklung von Elendsquartieren
2.4 Ungeplantes Wachstum

3 Megastädte im Entwicklungsprozess
3.1 Megastadt-Entwicklung im Kontext allgemeiner Entwicklungsprobleme
3.2 Theoretische Kontroverse: generatives versus parasitäres Wachstum

4 Konkrete Strategien
4.1 Primacy-Abbau durch dezentrale Konzentration? – Erfahrungen und Chancen
4.2 Rechtssicherheit und Selbstorganisation in marginalen Siedlungsgebieten als Ausgangspunkt für soziale Integration

5 Zusammenfassung

Literatur

Einleitung

„Wir sind in das Jahrhundert der Städte eingetreten“ – dessen waren sich die Teilnehmer der Weltkonferenz der Städte Urban21 im Juli 2000 in Berlin sicher (siehe einleitendes Zitat). In wenigen Jahren wird die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Hauptsorge von Geographen, Stadtplanern und Entwicklungspolitikern gilt dabei den Megastädten der Dritten Welt, den Mega-Metropolen in Entwicklungs- und Schwellenländern, deren Einwohnerzahl oftmals nur noch geschätzt werden kann. Sind sie Motoren des Fortschritts oder eher Brutstätten der Armut, des Verbrechens, der Umweltzerstörung, der Unterentwicklung allgemein?

Ich möchte in dieser Arbeit die wesentlichen Charakteristika von Megastädten in der Dritten Welt herausarbeiten sowie kurz einige in der Literatur diskutierte Ansätze zur Überwindung ihrer Entwicklungsdefizite darstellen. Die Detailgenauigkeit kann dabei nicht besonders hoch sein, weil ich Megastädte in der „Dritten Welt“ allgemein darstelle und nicht auf regionale und kulturelle Spezifika eingehen kann. Die Bezeichnung „Dritte Welt“ für Entwicklungs- und Schwellenländer ist zwar in die Kritik geraten (vgl. Gugler 1996, S. 1), ich verwende sie hier dennoch (wenn auch in Anführungszeichen, um ihrem kontroversen Charakter gerecht zu werden), weil ich mich auf Entwicklungsländer-typische Merkmale konzentriere und weil auf der hier gewählten sehr allgemeinen Betrachtungsebene ohnehin keine weitere Differenzierung möglich ist. In Anlehnung an verschiedene Autoren verwende ich die Bezeichnungen EL-Megastädte, Megastädte in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in der „Dritten Welt“ synonym. Die Unterteilung in (industrialisierter) Norden und Süden ist als synonym zur Unterteilung Industrie- und Entwicklungs- bzw. Schwellenländer zu verstehen.

1 Megapolisierung in Industrie- und Entwicklungsländern

1.1 Ursachen und Entwicklungsverläufe im 20. Jahrhundert

Der Begriff Megastadt ist nicht für alle Zeit und jeden historischen Kontext in einer statistischen Definition zu fassen. Das Wort „Mega“ drückt die herausragende, ungewöhnlich hohe Bevölkerungszahl einer Stadt im Vergleich zu anderen Städten und der territorialen Gesamtbevölkerung aus. Gemessen daran hat es Megastädte schon sehr früh gegeben, beispielsweise das alte Rom (Bronger 1996, S. 74). Eine demographische Grenze, ab welcher Bevölkerungszahl von einer Megastadt zu sprechen ist, wird heute unterschiedlich gezogen. Manche Autoren ziehen sie bei 5 Mio. Einwohnern (vgl. Bronger 1996 u. 1997), die Vereinten Nationen ziehen sie bei 10 Mio. (Bronger 1994, S.13). Bronger nennt als zusätzliche Kriterien eine Einwohnerdichte von mindestens 2000 EW/qkm und eine monozentrische Struktur (1996, S. 74).

Im Rahmen dieser Arbeit ist es sinnvoll, nur kurz auf den Prozess der Megapolisierung im 20. Jahrhundert einzugehen. Die erste Stadt, welche die Millionen-Grenze überschritt, war London um das Jahr 1800. Damit war London, die Hauptstadt des größten Weltreiches der Geschichte, die erste Megastadt der Neuzeit. Die in England früh begonnene Industrialisierung hatte zu massiver Zuwanderung in die Industriestädte geführt und London ein gewaltiges Wachstum beschert, so dass sich die Bevölkerung bis 1859 auf 3 Mio. erhöht hatte. In Europa folgten unter anderen Paris, Wien und Berlin, in Nordamerika New York und Chicago. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Wachstum der Industriemetropolen der westlichen Welt und Japan weitgehend abgeschlossen. Seitdem stagniert deren Bevölkerungszahl, oder sie nimmt sogar ab. Selbst unter Berücksichtigung von Suburbanisierungsprozessen und Einbeziehung des städtischen Agglomerationsraumes nimmt die Bevölkerung mancher IL-Mega­stadt­regionen ab, so etwa die von London seit den 70er Jahren (Bronger 1996, S. 76; Feldbauer 1997, S. 9 f.).

Etwa seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, seit der Unabhängigkeit und dem Beginn des wirtschaftlichen Strukturwandels in den ehemaligen Kolonien, den heutigen Entwicklungs- und Schwellenländern, vollzieht sich dort ein wesentlich rapideres Megastadtwachstum als zuvor in den Industrieländern. Auslöser war die ökonomisch motivierte Migration von ländlicher Bevölkerung in die Städte in Folge einer beginnenden Industrialisierung und zunehmender Rationalisierung in der Landwirtschaft. Dieses Wachstum durch Wanderung erreichte seine Hochphase zwischen 1950 und 1975. In diesem Zeitraum wuchsen die EL-Megastädte im Mittel um 5 Prozent jährlich, zum größten Teil auf Grund von Zuwanderung (Bronger 1996, S. 76). So gab es im Jahr 1985 bereits 28 Städte mit mehr als 4 Mio. Einwohnern allein in der „Dritten Welt“ (Feldbauer 1997, S. 9).

1.2 Aktuelle demographische Trends

Seit den 80er Jahren lässt auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern das Megastadtwachstum nach. Die Zuwanderung verliert an Bedeutung, das heutige Wachstum ist größtenteils natürliches Bevölkerungswachstum (Bronger 1997, S. 40).

Teilweise ist Suburbanisierung feststellbar, wenn auch maximal auf europäischem Niveau. Am weitesten fortgeschritten sind diese Tendenzen in Lateinamerika und Indien, am geringsten in Schwarzafrika (Bronger 1996, S. 48; Gugler 1996, S. 2). Frühere Prognosen, die von ungebremstem Wachstum der EL-Megastädte ausgingen, werden heute als nicht mehr gültig angesehen (Bronger 1997, S. 38). Dagegen wird heute von moderatem Wachstum und schließlich Stagnation auf hohem Niveau ausgegangen. Bis heute hat kein Entwicklungs- oder Schwellenland den gleichen Verstädterungsgrad erreicht wie ein Industrieland, wobei die lateinamerikanischen Länder dem am nächsten kommen (vgl. Gugler 1996, S. 2; Bronger 1997, S. 40; Bronger 1996, S. 76). Im Innenstadtbereich weisen EL-Megastädte eine erheblich höhere Einwohnerdichte auf als IL-Megastädte, wobei auch hier stellenweise eine langsame Trendumkehr zu beobachten ist (siehe Diagramm 1), teilweise dauert die Verdichtung jedoch an (Bronger 1994, S. 15).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bronger stellt die These auf, dass es bei der heutigen Wachstumsentwicklung der Megastädte keinen wesentlichen Unterschied mehr zwischen Industrie-, schwellen- und Entwicklungsländern gibt. Die Betrachtung sowohl des Anteils der Megastadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung eines Landes, als auch der demographischen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Primatstellung (das Einwohnerzahlenverhältnis zur nächst größeren Stadt) erbrächte keine eindeutige Zuordnung zu einer der drei Gruppen. Es wäre daher notwendig, die Einordnung und nähere Charakterisierung auf Grund anderer als demographischer Indikatoren vorzunehmen (Bronger 1997, S. 38).

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638295475
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27515
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Geographie
Note
1,0
Schlagworte
Megastädte Dritten Welt Seminar Ausgewählte Stadtgeographie

Autor

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