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Wenn Mädchen Mütter werden. Hindernisse und Unterstützung für Teenagermütter

Akademische Arbeit 2008 45 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum viele scheitern - Hindernisse für Teenagermütter
2.1 Die Situation in der Schule/ Ausbildung
2.2 Die Freunde und Peer- Groups
2.3 Das soziale Umfeld/ Die soziale Situation
2.4 Die Partnerbeziehung (I)
2.5 Die psychische Verfassung
2.6 Die finanzielle Situation

3. Wieso gelingt es dennoch vielen jungen Müttern glücklich und eigenständig mit ihrem Kind zu leben?
3.1 Die Netzwerkbeziehungen zu den eigenen Eltern
3.2 Die Partnerbeziehung (II)
3.3 Die emotionalen Gründe
3.4 Die gesellschaftlichen Gründe
3.5 Religiöse Gründe
3.6 Staatliche Hilfen

4. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)
4.1 Internetquellen
4.2 Literaturquellen

1. Einleitung

Eine gute Mutter zu sein heißt, Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst und für das eigene Kind. Man muss selbstverantwortlich entscheiden, wie man sein Leben gestalten möchte. Besonders schwierig gestaltet sich das, wenn die Mutter des Neugeborenen selbst noch ein Kind ist.

Muss man seine alten Freunde, die mit Babys nichts zu tun haben wollen, wirklich behalten? Läuft jeder Partner vor der Verantwortung mit dem Kind davon und ist von den eigenen Eltern wirklich keine Unterstützung zu erwarten?

Auf diese und weitere Fragen werde ich im Verlauf meiner Arbeit eingehen und aufzeigen, dass es zwar Fälle gibt, in denen das Leben als junge Frau mit eigenem Kind nicht funktioniert, aber ich werde auch zeigen, dass es sehr viele Teenagermütter geschafft haben ein Leben zu führen, das sowohl dem Kind als auch sich selbst gerecht wird. Und welche Aspekte für das Gelingen eines solchen Lebens sprechen, soll im Verlauf meiner Arbeit ebenfalls deutlich werden.

2. Warum viele scheitern - Hindernisse für Teenagermütter

Die Rolle der Mutter lässt sich sehr schwer mit dem Leben eines Teenagers verbinden. Partys sind nicht möglich, wenn man zu Hause ein Kind hat, das nachts alle paar Stunden schreit, weil es Hunger hat. Wenn man seine Freunde treffen möchte, muss man das Kind mitnehmen, was vielleicht am Anfang noch ganz schön ist, irgendwann aber wird es die anderen Freunde sicherlich eher nerven, wenn immer ein schreiendes kleines Wesen mit dabei ist. Wie soll eine junge Frau zur Schule gehen, wenn sie ein Kind hat? Sie kann es ja schlecht mitnehmen. Also muss die Schule oftmals warten, bis das Kind in einem Alter ist, in dem man es in den Kindergarten oder in einen Hort geben kann. Geht aber ein Teenager nicht zur Schule, kann er auch keine sozialen Kontakte knüpfen. Die Freunde sieht dieser Teenager nur noch selten und statt Dinge zu tun, die einem wirklich Spaß machen würden, bleibt man mit dem Kind zu Hause und kümmert sich um das kleine Wesen. Als Teenagermutter ist man also zwangsläufig von gleichaltrigen Teenagern ohne Kinder isoliert.

Nicht selten kommt es dann sogar dazu, dass sich junge Mütter ihrer Kinder „entledigen“ um womöglich wieder ein „normales“ Leben führen zu können.

Dazu hier einige Beispielsätze aus deutschen Tageszeitungen:

„Kindstötung: Prozess gegen 18-Jährige in Cottbus. Eine 18 Jahre alte Schülerin, die sich vor dem Cottbuser Landgericht wegen der Tötung ihres Babys verantworten muss, ist nach eigener Aussage vergewaltigt worden. Dies sei im März 2007 geschehen, sagte sie gestern nach Gerichtsangaben in der nicht öffentlichen Verhandlung. Als sie später ihre Schwangerschaft bemerkte, habe sie angenommen, diese stamme aus der Vergewaltigung, äußerte die junge Frau aus Schwarzheide in einer vorbereiteten Erklärung. Die Anklage lautet auf Totschlag. Der Prozess hatte Mitte Juni begonnen.“[1]

„Haftstrafe für Mutter der toten Babys von Thörey. Die Mutter der drei toten Babys von Thörey muss ins Gefängnis. Die Leichen ihrer drei Kinder waren im Januar vergangenen Jahres in einer Garage gefunden worden. Die heute 22-Jährige Mutter brachte die Kinder als Teenager zur Welt. Anschließend versorgte sie die Neugeborenen nicht, sondern ließ sie sterben.“[2]

Diese Beispiele zeigen, dass es gar nicht so selten vorkommt, dass junge Mütter scheinbar überfordert mit sich, dem Kind und dem derzeit geführten Leben sind und scheinbar keinen anderen Ausweg mehr sehen als das eigene Kind zu töten. Und das, obwohl ich mir sicher bin, dass den allermeisten jungen Frauen durchaus bewusst ist, dass das Töten eines Menschen strafbar ist und wenn man „erwischt“ wird dafür ins Gefängnis gehen wird. Das wiederum bedeutet, dass die Situation mit dem Kind schlimmer zu ertragen ist als das Absitzen der Strafe im Gefängnis.

Aber wieso ist das so? Warum ertragen junge Frauen die Situation mit ihrem Kind nicht und warum wollen oder können sie der Mutterrolle nicht gerecht werden? Warum werden aus Müttern Mörder?

Erschreckend ist die Tatsache, dass Kindstötungen besonders häufig bei jungen Müttern und Teenagermüttern vorkommen. „Kinder, die am ersten Lebenstag getötet werden, werden meist von den Müttern sich selbst überlassen. Das sind vor allem sehr junge Mütter, sozial schlecht abgesichert, mit geringer Bildung und oft ohne Geburtsvorsorge […] Die heutigen Kindstötungen sind weniger in der Schmach über eine nichteheliche Schwangerschaft begründet, als in einer Massierung von Problemen im Lebensalltag.“[3]

Die Gründe liegen also, zumindest nach Ansicht der Kieler Nachrichten, in einer Häufung von Problemen im Lebensalltag. Und hier kommen wieder die Aspekte zur Geltung, die bereits angeführt worden sind: Teenager leben in einer Welt, in der kaum ein Platz für ein eigenes Kind ist. Ein junges Mädchen kämpft ohnehin mit vielen Problemen in Form von eigener Selbstfindung oder körperlichen Veränderungen. Da ist einfach kein Platz für weitere Probleme, die ein Kind mit sich bringt. Und ein Kind stellt, wie bereits erwähnt, eine Menge Anforderungen an die junge Mutter.

Manche dieser jungen Mütter werden diesen Anforderungen einfach nicht gerecht. Sie wissen nicht, wie ein Leben mit Kind gehen soll. Sie wollen sich auch nicht bloßgestellt fühlen vor den anderen Jugendlichen. Oftmals haben die jungen Mädchen die Schwangerschaft verheimlicht und selbst erst viel zu spät erfahren, überhaupt schwanger zu sein, so dass an eine Abtreibung nicht mehr zu denken gewesen ist. Kommt dann noch ein geringer Bildungsstand der jungen Frau hinzu, lässt sich darauf schließen, dass sie vielleicht nicht informiert ist, was man tun kann, um dem Baby ein Weiterleben zu ermöglichen. Vielleicht hat sie von den Babyklappen noch nichts gehört, denn diese wären eine humane und legale Alternative zum Kindstod. Das Baby kann dort anonym abgegeben werden und würde dann in einer Adoptionsfamilie aufwachsen und sicherlich ein glückliches Leben führen. Und die junge Mutter müsste nicht mit der Schuld leben einen Menschen umgebracht zu haben. Denn mit dieser Schuld können viele Frauen selbst auch nicht weiterleben. „Die Hälfte der Mütter bringt sich selbst nach der Tötung ihrer Kinder um.“[4]

Warum es überhaupt so schwierig ist die Mutterrolle und das Leben eines Teenagers zusammen zu bringen, darauf möchte ich nun mit den nächsten Punkten meiner Arbeit eingehen.

2.1 Die Situation in der Schule/ Ausbildung

„Sie sind schwanger.“ Dieser Satz ist eigentlich der Beginn einer aufregenden Zeit für die werdende Mutter, doch nicht immer löst er einfach nur Freude aus. Wird ein Teenager ungeplant schwanger, kann dieser Satz große Angst auslösen. Es kommen Fragen auf wie: Wie sage ich es meinen Eltern? Was werden meine Eltern dazu sagen und wie werden sie reagieren? Wie reagieren die Menschen in meinem Umfeld, meine Freunde und die Verwandtschaft? Wie wird meine Zukunft aussehen und kann ich überhaupt weiter zur Schule gehen oder die Ausbildung beenden?

Viele Teenager stehen erst einmal vor einem Berg voll Fragen und Problemen und viele entscheiden für sich, dass sie ein Leben mit Kind nicht oder noch nicht führen wollen und lassen ihr Kind abtreiben. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist stetig steigend. Im Jahr 1999 haben 5.733 junge Frauen unter 18 Jahren abgetrieben, im Jahr 2003, also nur 4 Jahre später, lag der Wert schon bei 7.645 jungen Frauen unter 18 Jahren.[5] Aber nicht jedes junge Mädchen kann, will oder darf abtreiben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Bleibt der jungen Frau also nichts anderes übrig, als das Kind auszutragen und sie befindet sich gerade in der Schulischen oder Beruflichen Ausbildung heißt das immer auch, dass es zwangsläufig zu vielen Problemen kommen wird, die eine junge Frau ohne Kind nicht hat. Erst einmal muss man es schaffen sein Kind in fremde Hände zu geben, denn mitnehmen kann man es weder zur Schule noch zur Ausbildung.

Zudem muss man zu Hause der Motivation haben zu lernen, obwohl man sich eigentlich immer auch um das Kind kümmern muss. Die Nächte werden immer kürzer ausfallen, als bei den Mitschülerinnen oder Kolleginnen ohne Kind, denn kaum ein Baby wird durchschlafen, nur weil die Mutter am nächsten Tag früh aufstehen muss um zur Arbeit zu gehen.

Auch wird die junge Mutter öfter mal ausfallen, wenn das Kind krank geworden ist und sie keine Betreuung findet, die sich auch um ein krankes Kind kümmern will. Diese Fehltage müssen, besonders in der Schule, selbstständig nachgearbeitet werden, was wieder ein Problem darstellt, denn die Zeit dazu fehlt oft, wenn man ein krankes Kind hat und es ist natürlich auch schwieriger, denn niemand kann der jungen Frau erklären, wie z.B. bestimmte Aufgaben zu lösen sind. Wohnt die junge Mutter dann vielleicht nicht mehr bei ihren Eltern, sondern in einer eigenen Wohnung mit dem Kind, kommen noch die alltäglichen Probleme wie kochen, putzen und den Haushalt führen zu dem ohnehin schon stressigen Leben der Teenagermutter. Zudem ist es sehr oft so, dass auf den Vater des Kindes kein Verlass ist und sich dieser nur in wenigen Fällen mit um Mutter und Kind kümmert.

Viele Arbeitgeber haben wenig Verständnis für die besondere Situation von jungen Müttern. Sie fordern die gleichen Leistungen wie von anderen jungen Frauen, die keine Kinder nebenbei zu versorgen haben. Dies ist ein Grund dafür, warum viele junge Frauen die Schule abbrechen sobald sie ein Kind haben, oder auch mit der Ausbildung aufhören.[6]

Dabei muss das eigentlich nicht sein. Kümmert sich eine junge Frau rechtzeitig um eine geeignete Betreuung für das Kind, kann sie eine Ausbildung nach 14 Wochen - 6 Wochen vor der Geburt und 8 Wochen nach der Geburt darf sie nicht arbeiten – wie gewohnt weiterführen. Nur bei der Schule sieht die Lage etwas anders aus. Da verpasst sie zu viel Stoff in den 14 Wochen und sollte das Schuljahr nach den Sommerferien wiederholen. Wobei sie in der Schule nicht verpflichtet ist wirklich 14 Wochen zu Hause zu bleiben. Wenn sie das selbst möchte, kann die junge Frau bis zur Geburt zur Schule gehen und danach so schnell wie sie es eben wieder schafft. Dann würde die Teenagermutter kaum Stoff verpassen und müsste nicht zwangsläufig das Schuljahr wiederholen.

Das Problem, was jedoch oft auftaucht, ist die Tatsache, dass die jungen Frauen mit ihrem Kind eine derart andere Welt erleben, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen können, zurück in die Schule oder ihren Ausbildungsplatz zu kehren.[7] Oder die Ausbildung lässt sich eben doch nicht mit einem Kind vereinbaren.

Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn man als Krankenschwester im Schichtdienst arbeitet. Welcher Kindergarten oder welche Tagesmutter passt schon nachts auf ein Kind auf? Und wenn die Teenagermutter nicht das Glück hat, dass die eigenen Eltern oder Schwiegereltern sie unterstützen, muss sie wahrscheinlich die Ausbildung abbrechen. Dass Problem bei einem Abbruch der Ausbildung ist, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ohne abgeschlossene Ausbildung sehr schlecht sind. Und es kommt auch nicht so gut an, wenn auf dem Lebenslaufe ein Abbruch der Ausbildung steht.[8] Aber dass gerade junge Frauen mit Kind nicht mehr zurück in den Beruf gehen, kommt immer häufiger vor. „Nach Ansicht der befragten Expertinnen sähen immer mehr Mädchen das Muttersein als Alternative zum Beruf. Besonders Mädchen mit wenigen beruflichen Perspektiven hätten heute früh den Wunsch, Mutter zu werden. Fast könne man schon vom `Berufswunsch Mutter` sprechen.“[9] Das erstaunliche ist, dass Kardinal Meisner der katholischen Kirche genau diesen Beruf einführen möchte. Er sagt: „Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein.“[10] Wobei ich der Ansicht bin, dass Kardinal Meisner nicht an die Teenagermütter dachte, sondern vielmehr an die Frauen, die einige Jahre zu Hause bleiben um bei ihren Kindern zu sein. Würde das Muttersein wirklich als Beruf anerkannt, würde es bald kaum noch Arbeitslose Frauen geben, denn viele arbeitslose Frauen haben auch jetzt schon Kinder und ich denke viele würden ein Kind bekommen, wenn sie dann nicht mehr als arbeitslos gelten und sogar später eine Mütter- Rente bekommen, wie es Kardinal Meisner vorschlägt.[11]

Ich bin aber der Ansicht, dass es auf Dauer auch einem Teenager, der zu Beginn ganz begeistert von der Idee ist mit dem Kind den Tag zu verbringen, nicht zufrieden stellen wird, nie arbeiten zu können und immer zu Hause sitzen zu müssen.

Das Leben mit Kind führt gerade bei Jugendlichen oft in eine Isolation und das kann auf Dauer sehr frustrierend sein. Warum ist es aber gerade während der Ausbildung oder der Schulzeit ein so großes Problem schwanger zu werden? Ist es nur die Tatsache, dass viele wirklich Angst haben, dass eine Jugendliche Mutter den Weg nicht mehr zurück in die Arbeitswelt findet, wenn sie erst einmal Mutter ist?

Ich denke vielmehr, dass es sich hier, wie schon einmal erwähnt, auch um gesellschaftliches Problem handelt. „Die Konstellation, in die Kinder ‚hineinpassen’, setzt nach den Vorstellungen der großen Mehrheit nicht nur eine stabile Partnerschaft und einen ausgeprägten Kinderwunsch beider Partner voraus, sondern eine beruflich gesicherte Position eines Partners, gute finanzielle Verhältnisse der Familie, auch wenn man sich nur auf ein Einkommen stützt, sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung beider Partner.“[12] Dieses Zitat belegt, dass die Gesellschaft bestimmte Vorstellungen davon hat, wann man ein Kind bekommen sollte und wann nicht. Natürlich heißt das nicht, dass es nicht etliche Frauen und Familien gibt, die sich bewusst gegen diese Vorstellung auflehnen. Immerhin ist ein Kind eine persönliche Entscheidung, mit der man auch persönlich zu Recht kommen muss. „Wenn Jugendliche ohne diese Voraussetzung [z.B. eine abgeschlossene Berufsausbildung] Kinder in die Welt setzen, vielleicht sogar auch noch vorsätzlich, geraten sie mit den „allgemeinen“, eher mittelschichtsorientierten Normvorstellungen von dem, wann und wie Kinder angemessen in die Biografie passen, aufs Heftigste in Widerspruch. Gesellschaftlich anerkannte Konzepte gelungener Lebensbewältigung (inkl. Elternschaft) sehen das Kinderkriegen im Jugendalter nicht vor.“[13]

Es ist auch unheimlich schwierig trotz Kind weiterhin zur Schule zu gehen, zu lernen und nebenbei keinerlei Freizeit mehr zu haben. In einigen Internetforen gibt es Berichte von Teenagern, die früh schwanger geworden sind und sie schreiben dort wie es ihnen so ergangen ist. Ein Mädchen schreibt über die Schule: “Nach einem Gespräch mit meinen Lehrern stand für mich fest auch die 10te noch zu machen und dann den mittleren Bildungsabschluss zu besitzen. Das es nicht leicht werden würde war mir klar. WIE schwer es werden würde allerdings nicht!“[14] Ein weiteres Mädchen berichtet, dass sie es auf ihrer bisherigen Schule mit Kind einfach nicht mehr geschafft hat. „Ich bin aufgrund meiner Schwangerschaft von der Realschule auf die Hauptschule gewechselt.“[15] Ein Mädchen schreibt in einem anderen Forum im Internet über ihre Freundin: „Sie ging heuer in meine Klasse, konnte aber, weil sie schwanger war und Ende Februar ihr Baby bekommen hat, dass Jahr nicht abschließen nun könnte sie die Schule als externer Schüler machen, aber es funktioniert einfach nicht, sie hat nicht mal Zeit für sich selbst.“[16]

Diese drei angefügten Beispiele zweigen sehr gut, dass die Situation für eine junge Mutter, die noch zur Schule geht, alles andere als leicht ist. Es scheint ganz so zu sein, als müsse man sich entscheiden. Auf der einen Seite kann man vielleicht eine gute Mutter sein, weil man immer für sein Kind da ist und sich um dessen Wohl kümmert, auf der anderen Seite aber kann man nicht gleichzeitig auch eine gute Schülerin sein. Schule funktioniert nur, wenn gute Betreuung vorhanden ist. Entweder müssen dies die eigenen Eltern übernehmen, die dann selbst im Beruf oftmals zurückstecken müssen, oder aber die Kinder müssen einen Platz in einer Kindertagsstätte bekommen, wo sie in der Schulzeit professionell betreut werden.

Innerhalt der Ausbildung ist es natürlich das gleiche Problem, wobei dort eben noch hinzukommt, dass manche Berufe so ungünstige Arbeitszeiten haben, dass man diese mit der Erziehung eines Kindes nicht in Einklang bringen kann. Hier würde dann in der Tat nur ein Abbruch helfen und die Auszubildende sollte sich schnellst möglich einen neues Ausbildungsplatz suchen und möglichst nicht mitten im Ausbildungsjahr aufhören.

Doch die Chancen eine Ausbildung neu beginnen zu können sind nicht so gut. Mit Kind möchte ein Arbeitgeber einen ungern einstellen, da es zu vielen Fehlstunden kommen kann und eine abgebrochene Ausbildung sieht nicht gut aus im Lebenslauf.[17]

Festzuhalten bleibt also, dass es sehr schwer ist Ausbildung oder Schule mit einem Kind zu verbinden und aus diesem Grund viele junge Frauen Abbrechen, was sich später nachteilig im Lebenslauf ausüben kann. Denn befragt man Jugendliche was Ihnen am wichtigsten für die eigene Zukunft ist, so zeigt sich: „Knapp zwei Drittel der 13- bis 22-Jährigen nennen als oberstes Zukunftsziel einen „guten Beruf“ bzw. eine „berufliche Karriere“.

Die größten Ängste betreffen den gleichen Bereich. 37% äußern Versagensängste bezüglich Ausbildung/Beruf oder Angst vor Arbeitslosigkeit.“[18] Eine Ausbildung ist also extrem wichtig. Besonders auch für die Jugendlichen Mütter, die ihre Kinder meistens ohne einen Partner durchbringen muss und damit auch ohne weitere finanzielle Unterstützung.

2.2 Die Freunde und Peer-Groups

Mit zunehmendem Alter steigt die Bedeutung der Gruppe der Gleichaltrigen Jugendlichen. Die Wichtigkeit, die Jugendliche der Peergroup entgegenbringen, entsteht aus dem gemeinsamen Erleben der Jugend. Teenager fühlen sich in dieser Phase durch das gemeinsame Durchleben des Jugendalltags angenommen und verstanden. Schröder und Leonhardt fassen diese Besonderheit der Peergroup so zusammen: „Mit den Gleichaltrigen teilen sie [die Jugendlichen] nicht nur die gleichen Wünsche nach Liebe, Sexualität und Selbstständigkeit, sie teilen mit ihnen auch die Ängste vor der neuen Situation. Sie teilen die Gefühle von Scham und tiefer Verunsicherung. Sie identifizieren sich miteinander. Sie fühlen sich von denen, die ähnliche Energien und zugleich Nöte in sich spüren, besser verstanden als von allen anderen.“[19]

Die Zugehörigkeit zur Peergroup wird ausgedrückt durch einen gemeinsamen Habitus, einen bestimmten Lebensstil oder eine bestimmte Lebensform, die sich in verschiedenen Ausdrucksformen zeigt.[20] Die Erwartung an die Gruppe in und mit ihr „Spaß zu haben“ und „etwas erleben wollen“ verbindet alle Jugendlichen. Diese zwei Aspekte kann man als übergreifendes Gruppeninteresse aller Jugendlichen verstehen. Die Peergroup begleitet, fördert und fordert den Jugendlichen in allen Erfahrensbereichen und Entwicklungsaufgaben. „So knüpfen die Jugendlichen bei dem Eintritt in die Gruppe an dem an, was ihnen durch ihre Familie bereits vertraut ist, um von diesem neuen, fremden Ort aus zu erproben, wie das Leben draußen, außerhalb der Familie, anders und neu gestaltet werden kann.“[21]

[...]


[1] Welt Online: Kindstötung: Prozess gegen 18 – Jährige in Cottbus

[2] Welt Online: Haftstrafe für Mutter der toten Babys von Thörey

[3] Kieler Nachrichten: Kindtötung: Häufig wird eine Spirale der Überforderung in Gang gesetzt

[4] Focus Online: Warum aus Müttern Mörder werden

[5] Jugendgesundheitskonferen … plötzlich schwanger, Reader S. 49

[6] Ausbildung, schwanger – und jetzt? S. 14

[7] Ausbildung, schwanger – und jetzt? S. 14

[8] Ausbildung, schwanger – und jetzt? S. 14

[9] Teenagerschwangerschaften: Sexualpädagogische Antworten auf ein gesellschaftliches Problem. S. 2

[10] Focus Online: Meisner träumt vom Beruf Mutter

[11] Focus Online: Meisner träumt vom Beruf Mutter

[12] Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Staatsministeriums Baden-Württemberg: Einflussfaktoren auf die Geburtenrate. Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der 18- bis 44-jährigen Bevölkerung. Allensbach 2004, S. 23.

[13] Teenagerschwangerschaften: Sexualpädagogische Antworten auf ein gesellschaftliches Problem, S. 3

[14] Kemya: 15 – schwanger – und nun?

[15] Arenz, Antonia: Mit 14 schwanger – eine junge Mutter erzählt

[16] Dreamy: Schwanger – was danach arbeiten?

[17] Bewerbungsforum: Ausbildung ohne Abschluss und Kind

[18] vgl. Institut für Jugendforschung (IJF) (2005): Das Lebensgefühl der Jugendlichen

[19] Schröder/Leonhart 1998, S.23

[20] vgl. Schröder/Leonhart 1998, S.21

[21] Schröder/Leonhart 1998, S.201

Details

Seiten
45
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656670315
ISBN (Buch)
9783656670865
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274983
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
wenn mädchen mütter hindernisse unterstützung teenagermütter

Autor

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