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Wenn Mädchen Mütter werden. Fallbeispiele für ein selbstbestimmtes Leben mit Kind

Akademische Arbeit 2008 30 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik der Befragung

3. Auswertung der Interviews mit jungen Frauen, die unter 18 Jahren Mutter geworden sind
3.1 Theresa H
3.2 Philippa H
3.3 Judith H
3.4 Annika G

4. Fazit der eigenen Evaluation

5. Eigene Erfahrungen zu diesem Themengebiet

7. Anhang - Die beantworteten Fragebögen
7.1 Der Fragebogen
7.2 Die Antworten

8. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)
8.1 Internetquellen
8.2 Literaturquellen

1. Einleitung

Teenagerschwangerschaften sind in der heutigen Zeit ein heiß diskutiertes Thema in Deutschland. Die Zahl der Geburten durch Teenager in Deutschland ist im Zeitraum von 1993 bis 2002 gering, aber durchaus stetig angestiegen. Waren im Jahr 1993 etwa 6 von 1.000 Müttern unter 18 Jahren, so waren es im Jahr 2002 bereits 8 von 1.000 Müttern.[1] Da liegt die Frage nahe, ob denn die Teenager, die so früh schon die Rolle der Mutter übernehmen müssen, dieser Aufgabe auch gerecht werden können. Passt ein Kind überhaupt in den Alltag eines Teenagers?

Ein Baby muss rund um die Uhr versorgt werden. Ausgehen mit den Freunden ist da ebenso wenig möglich wie jeden Tag bis nachmittags die Schulbank zu drücken. Zumindest nicht, wenn man mit dem Kind auf sich alleine gestellt ist. Viele junge Väter merken schnell, wie anstrengend und teilweise nervig das Leben mit Säugling sein kann und trennen sich lieber von Mutter und Kind und somit von der Verantwortung, die sie übernehmen müssten. Und dann steht die junge Mutter alleine da. Hilfe von den Eltern kann auch nicht in jedem Fall gewährleistet werden, denn oftmals wollen auch die Eltern ihr eigenständiges Leben nicht aufgeben. Um die Kinder hat man sich immerhin lange genug gekümmert.

Gründe genug, warum es nur allzu verständlich ist, dass es oftmals nicht klappt, ein eigenständiges und glückliches Leben mit Kind zu führen.

Warum klappt es aber dennoch bei so vielen Frauen, die sehr jung Mutter geworden sind? Was läuft bei ihnen anders als bei den Fällen, die an dieser Situation eher zu zerbrechen drohen?

An konkreten Beispielen und aus eigener Erfahrung möchte ich in dieser Arbeit aufzeigen, was dazu beigetragen hat, dass junge Mütter sagen können, dass sie ein glückliches Leben führen.

2. Methodik der Befragung

Zu diesem Zweck habe ich vier junge Frauen befragt, die alle unter 18 Jahren schwanger geworden sind. Die Befragung fand nicht in einem persönlichen Gespräch statt, was ich eigentlich als besser empfunden hätte, weil man dann gegebenenfalls noch einmal nachfragen kann, wenn etwas unklar geblieben ist, sondern per Fragebogen, der dann beantwortet wieder an mich zurück geschickt worden ist. Der Grund hierfür ist eigentlich ganz einfach: Ich selbst kenne zwar viele Frauen, die jung Mutter geworden sind, allerdings sind diese doch schon über 18 Jahre alt gewesen bei der Geburt und fallen damit aus dem Rahmen meiner Arbeit. Um doch junge Mütter zu finden, die vor dem 18. Lebensjahr schwanger geworden sind, habe ich im Internet in einem Forum mit dem Namen „Studium plus Kind“ auf der Internetseite „www.studiVZ.de“ einen Aufruf gestartet und um Mithilfe gebeten. Viele junge Frauen haben sich daraufhin bei mir gemeldet und ich habe mir vier Fälle exemplarisch rausgesucht, auf die ich näher eingehen möchte. Sie alle haben einen Fragebogen ausgefüllt, der aus zwei Teilen besteht.

Zum einen geht es um einen quantitativen Teil, in welchem Grunddaten abgefragt werden wie Alter oder Anzahl der Kinder. Im zweiten Teil beantworteten die jungen Mütter dann qualitative Fragen zum Beispiel dazu, wie es zu der Schwangerschaft gekommen ist.

Die Fragen habe ich anhand des Leitfadens von Gehring und Weins aufgebaut. Diese beiden Autoren schreiben in ihrem Werk „Grundkurs Statistik für Politologen“, dass die Fragen kurz, einfach, konkret und eindeutig sein sollen.[2]

Außerdem soll man im qualitativen Teil darauf achten, dass man nicht zu viele Personen befragt, da die Auswertungen nicht so einfach sind wie beim quantitativen Fragen, die oftmals nur mit ja oder nein beantwortet werden können.[3]

Die qualitative Methode kennzeichnet sich laut Diekmann durch die Subjektbezogenheit, der Offenheit bezüglich der Fragen, Antworten und Methoden sowie dadurch, dass alltägliche Situationen untersucht werden.[4] Außerdem gibt es innerhalb der qualitativen Methode mehrere Ausführungen. Ich habe mich für das problemzentrierte Interview entschieden. Dies bedeutet, dass ich einen Leitfaden erstelle anhand dessen das Interview oder eben der Fragebogen aufgebaut werden soll. Was dann letztlich für Antworten kommen sollen, kann man jedoch nicht vorausbestimmen. Eigentlich sollte der Erzählfluss bei dieser Methode nicht verändert werden, was bei mir jedoch nicht ganz möglich ist, da die Teilnehmer schon vorher die nächste Frage sehen und von daher wissen, dass sie die ein oder andere Aussage lieber an einer anderen Stelle und unter einer anderen Frage erwähnen sollen. Was ich jedoch beachtet habe und was Diekmann ebenfalls als wichtig erachtet, ist der quantitative Teil zu den Sozialfragen (Triagulation). Diese Art der Fragen kann man so besser erfragen, weil es hierbei auch keinen Antwortspielraum gibt.[5]

Diekmann spricht auch die Probleme an, die bei dieser Methode entstehen können und auf die auch ich gestoßen bin. Zum einen ist das schon mal die Auswahl der Stichprobe. Man muss eigenständig entscheiden, welche Probanden man befragt und welche man dann auch auswerten möchte.

In meinem Fall habe ich mich am Alter zur Zeit der Geburt orientiert, was eben nicht über 18 Jahren liegen sollte. Das zweite genannte Problem ist die Reliabilität, also die Zuverlässigkeit der Daten.

Hier ist es so, dass man niemals 100% sicher sein kann, dass die jungen Mütter auch wirklich nichts als die Wahrheit sagen. Ich habe jedoch allen gesagt, dass ihre Namen nicht erwähnt werden und die Daten ausschließlich meiner Arbeit dienen. Dieses Wissen sollte das Risiko für die Beteiligten sinken und ich denke schon, dass sie wirklich nach bestem Wissen und Gewissen geantwortet haben. Der dritte und letzte Punkt, der ein Problem darstellen könnte ist die Datenauswertung. Interpretationen sind meistens von Person zu Person verschieden. Ich versuche objektiv zu bleiben und hänge alle Fragebögen als Anhang an meine Arbeit an, so dass jeder Leser gegebenenfalls die Antwort noch einmal nachlesen kann, um sich eine eigene und vielleicht andere Meinung bilden zu können.[6]

Nachdem ich die Interviews dann ausgewertet habe, werde ich noch ganz kurz auf meine eigene Situation als junge Mutter eingehen, um noch einmal zu verdeutlichen, warum mir das Thema dieser Arbeit so am Herzen liegt.

3. Auswertung der Interviews mit jungen Frauen, die unter 18 Jahren Mutter geworden sind

Ich habe 4 junge Frauen zu ihrer Situation und ihrem Leben mit Kind befragt. Sie alle sind vor dem 18. Lebensjahr Mutter geworden und führen heute ein glückliches und wie sie sagen selbstbestimmtes Leben. Ich möchte innerhalb meiner Auswertung die quantitativen Fragen nur am Rande mit analysieren. Das heißt nicht, dass ich auf die Antworten nicht eingehen werde, sondern dass ich keinen extra Teil nur für die Auswertung der quantitativen Fragen anlegen werde, da mir der andere Teil wichtiger ist.

Im Folgenden werde ich nun auf die 4 befragten Frauen eingehen und jede vorstellen und aufzeigen, warum es ihr jeweils gut gelungen ist, Familie und Jugend so gut miteinander zu verbinden.

3.1 Theresa H.

Theresa ist heute 24 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Ihr erstes Kind, eine Tochter, ist heute 7 Jahre alt, ihr zweites Kind, ein Sohn, ist heute knapp ein Jahr. Theresa ist also bereits mit 17 Jahren Mutter geworden. Damals wohne Sie noch bei Ihren Eltern und ihr Freund, der Vater der beiden Kinder, ist dann zu ihnen gezogen. Sie ist noch heute mit dem gleichen Partner zusammen, der auch der Vater ihres zweiten Kindes ist. Die Beziehung dauert mittlerweile fast 10 Jahre, verheiratet sind die beiden allerdings nicht. Mittlerweile wohnt die Familie jedoch nicht mehr bei den Eltern von Theresa, sondern sie haben ein eigenes Haus gekauft, in dem sie mit der Mutter des Mannes wohnen.[7] Theresa ist heute nicht nur Mutter, sondern auch Studentin an der Uni Bielefeld. Sie hat ihr erstes Kind zur Zeit der Schulausbildung bekommen, diese aber trotzdem zu Ende gebracht. Unterstützung hat sich von ihrer Mutter, mit der sie in einem Haushalt lebte, sowie ihrer Schwiegermutter erhalten.

Beide haben sich um die Tochter gekümmert, wenn sie selbst einmal keine Zeit gehabt hat. Als Grund für die erste frühe Schwangerschaft gibt sie an, dass das Kondom defekt gewesen ist. Ob es der erste Geschlechtsverkehr überhaupt gewesen ist, kann man der Aussage nicht entnehmen. Anderweitige Verhütungsmittel gab es innerhalb dieser Beziehung wahrscheinlich nicht, denn die Wahrscheinlichkeit mit Pille und Kondom schwanger zu werden dürfte als sehr gering einstufet werden. Wie gut Theresa über Aufklärung bescheid wusste, kann man auch nicht genau sagen, aber sie wusste immerhin soviel, dass sie verhüten sollte was sie ja auch getan hat. Da sie zur Zeit der Geburt sehr viel Unterstützung aus dem Familienkreis bekommen hat, hat sie diese Zeit nicht als übermäßig schwierig empfunden. Jetzt wo, sie allerdings zwei Kinder hat, von denen eins noch sehr klein ist und kaum schläft, findet sie es sehr viel anstrengender als noch mit nur einem Kind. Dennoch ist das zweite Kind ein Wunschkind gewesen, denn Theresa wollte die beiden Kinder nicht mit einem zu großen Abstand bekommen.

Dass es mit zwei Kindern sehr viel stressiger sein würde zu studieren, war ihr in der Form so sicher nicht bewusst.

Ein kleines Kind braucht einfach auch viel mehr Aufmerksamkeit als ein Kind, was bereits zur Schule oder in den Kindergarten geht und somit ohnehin einige Stunden des Tages nicht da ist. Stunden in denen die Mutter sich anderen Beschäftigungen widmen kann, wie eben dem Lernen für das Studium. Theresa sagt über sich, dass sie trotz des Stresses, den sie gerade mit den beiden Kindern hat, ein glückliches Leben führt. Sie hätte bloß einfach gerne ein bisschen mehr Zeit für sich selbst. Ständig muss sie in Aktion sein, sich entweder um den Haushalt, die Kinder oder die Uni kümmern. Sie sagt aber, dass es sicherlich in Zukunft auch wieder besser wird, wenn sie nicht mehr ganz so viel für die Uni erledigen muss.

Für das Kind würde sie sich auf jeden Fall wieder entscheiden. Und auch weitere ungeplante Schwangerschaften würde sie nicht unterbrechen, sondern das Kind austragen, auch wenn sie eigentlich angegeben hat, keine weiteren Kinder mehr zu wollen. Sie sagt jedoch, dass das Leben mit Kind oder auch Kindern bis jetzt überwiegend positiv verlaufen ist. Noch mal ein Kind im Studium bekommen, würde sie jedoch nicht wollen. Zumindest kein geplantes Kind. Diese Belastung, sich nach der Arbeit des Tages, dann auch abends noch hinsetzen zu müssen, um alle Dinge für die Uni zu erledigen, ist einfach zu anstrengend für sie.

Sie merkt an, dass es sinnvoller ist, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eben ein abgeschlossenes Studium zu haben, um dann in Ruhe ein Jahr Elternzeit zu nehmen und wirklich Feierabend zu haben, wenn die Kinder Abends im Bett sind.

Zu Theresa kann man sagen, dass sie ihr Leben in erster Linie so gut gemeistert hat, weil sie direkt nach der Geburt, oder eigentlich sogar schon während der Schwangerschaft die Unterstützung der Familie gehabt hat. Sie hatte immer einen Ansprechpartner zur Seite und sie wohnte auch nicht alleine. Das Problem der Bevormundung nennt Theresa nicht, was dann wohl darauf schließen lässt, dass sie immer ein gutes Verhältnis zur eigenen Familie hat und diese nicht als Konkurrenz sieht.

Ihr Leben ist vielleicht nicht nur wegen dem zweiten Kind stressiger geworden, sonder sicherlich auch durch die Tatsache, dass sie nun in einem eigenen Haushalt lebt und demnach auch mehr im Haushalt zu tun hat als vorher und vielleicht auch nicht mehr ganz so intensiv auf die Unterstützung der eigenen Mutter bauen kann, die nun nicht mehr im gleichen Haushalt lebt. Welche finanziellen Unterstützungen Theresa bekommen hat, wird aus dem Interview nicht ersichtlich. Da das erste Kind jedoch schon 7 Jahre alt ist, wird sie auf jeden Fall über einen Zeitrum von zwei bis drei Jahren Erziehungsgeld bekommen haben und wurde sicherlich auch von den eigenen Eltern unterstützt, da sie mit diesen in einem gemeinsamen Haushalt gelebt hat.

3.2 Philippa H.

Philippa ist heute 24 Jahre alt und hat mit Anfang 18 Jahren Ihr Kind bekommen, was bedeutet, dass sie minderjährig schwanger geworden ist. Sie plant für die Zukunft noch weitere Kinder, ist aber aktuell nicht schwanger. Sie lebt in einer Partnerschaft, die nun bereits 8 Jahre andauert, was bedeutet, dass das Kind nicht direkt zu Beginn der Partnerschaft entstanden ist, sondern erst etwa 2 Jahre später. Philippa gibt an, dass das Kind ein Wunschkind gewesen ist und das obwohl sie ein Jahr vor dem Abitur stand. Das Kind kam dann einen Monat vor dem Abitur. Es ist nicht erwähnt, ob sie das Abitur noch in demselben Jahr trotz Geburt bestanden hat, aber sie gibt an, dass es im Nachhinein unvernünftig gewesen ist, das Kind zu einem solchen Zeitpunkt zu planen.

[...]


[1] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Teenagerschwangerschaften in Sachsen, S. 19

[2] Vergleiche: Gehring und Weins: Grundkurs Statistik für Politologen, S. 62 ff

[3] Vergleiche: Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung, S. 445

[4] Vergleiche: Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung, S. 43 ff

[5] Vergleiche: Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung, S. 450

[6] Vergleiche: Diekmann, Andreas: Empirische Sozialforschung, S. 451

[7] Einige Informationen stehen nicht im Fragebogen. Theresa ist allerdings eine Freundin von mir, die ich seit einigen Jahren gut kenne.

Details

Seiten
30
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656670322
ISBN (Buch)
9783656670803
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274975
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
2,0
Schlagworte
wenn mädchen mütter fallbeispiele leben kind

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