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Sein und Schein in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

1 Die Welt der Frau Jenny Treibel
1.1 Das Diner mit Mr. Nelson from Liverpool
1.2 Soziale Mobilität

2 Die Welt des Professors Wilibald Schmidt

3 Zwischen den Welten

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis
5.1 Primärliteratur
5.2 Sekundärliteratur

6 Anlage 1

7 Anlage 2

8 Versicherung über die selbstständige Erstellung der Arbeit

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei Änderungen oder teilweiser Wiedergabe der Namen - Jenny statt Frau Jenny Treibel usw.

- werden die entsprechenden Namen ausgeschrieben und nicht durch entsprechende Kürzel ersetzt.

Vorwort

Dass der Roman Frau Jenny Treibel ein Gesellschaftsroman ist, der die Unterschiede zwischen Besitzbürgertum und Bildungsbürgertum aufzeigt und kritisiert, ist unbestreitbar. Dies ist ebenso die Grundlage der vorliegenden Arbeit; sie stellt die Grundproblematik - soziale Unterschiede - dar und ist der Anlass über die Grenze hinwegzusehen und auch das Bildungsbürgertum im Hinblick auf das Schein-Sein-Motiv, das mehrheitlich der Bourgeoisie zugeschrieben wird, zu untersuchen.

Diese Arbeit stellt eine reflektierende Betrachtung der Sein-Schein-Motivik in Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel dar, welche aufgrund des Umfangs nicht auf Vollständigkeit angelegt ist. Die zahlreichen Forschungsmeinungen gehen z. T. stark auseinander oder umkreisen diese Thematik, je nach spezifischem Schwerpunkt. Dies ist ein Versuch einige Kontroverse Forschungsmeinungen zum Themenschwerpunkt Schein und Sein zu diskutieren.

Die für diese Arbeit verwendete Ausgabe des Romans Frau Jenny Treibel entstammt der Ab- teilung Das Erzählerische Werk der Gro ß en Brandenburger Ausgabe. Diese Textgrundlage folgt dem Vorabdruck der Deutschen Rundschau von 1892 und wurde lediglich im Sinne der orthographischen Vereinheitlichung (z.B. bei „“) behutsam angepasst. Alle Angleichungen sind in dem selben Band aufgeführt. Diese zitierten Passagen wurden gemäß der abgedruckten Vorlage übernommen. Für Zitate aus der Sekundärliteratur, die mit Textstellennachweisen ar- beiten, wurden die Seitenangaben auf die hier verwendete Ausgabe von Frau Jenny Treibel angepasst.

Aufgrund der häufigen Verwendung der Namen der Protagonisten werden einige abgekürzt dargestellt. Die Liste zur Entschlüsselung findet sich im Abkürzungsverzeichnis auf Seite III.

1 Die Welt der Frau Jenny Treibel

„Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinah die erste Zeile.“1

Frau Jenny Treibel ist eine „mit Geschmack und Sorglichkeit gekleide[te]“ Dame im Alter der „hohen Fünfzig“, welche Aufgrund ihrer „Corpulenz“ „ein wenig asthmatisc[h]“ die Treppe zu Professor Wilibald Schmidt hinaufsteigt.2 Mit diesen Worten führt der Erzähler die Titel- heldin in die Szenerie ein. Der Roman bzw. die Handlung hat noch nicht richtig begonnen, doch bereits in dieser ersten Szene finden sich Grundkonflikte, welche sich in der gesamten Erzählung wieder finden sollen. Einerseits haben wir den Gegensatz zweier Welten vorliegen, die der gutgekleideten Dame und die, durch den heruntergekommenen Gang dargestellte, Welt des Bildungsbürgers W.S. Hier stehen sich Pracht und Entsagung von Materiellem3 in einer ersten Skizze gegenüber, doch ist die Verschiedenheit, die Grund für alle Konflikte ist, bereits in diesen ersten Zeilen sichtbar. Andererseits ist hier ebenso die Schein-Sein-Motivik ange- legt, was die Beschreibung der Protagonistin J.T. verrät: Geschmack und gute Kleidung vs. Korpulenz und Kurzatmigkeit.

Das erste Kapitel wird an späterer Stelle noch einmal beleuchtet werden, doch sind an dieser Stelle noch weitere Motive zu benennen, die für den späteren Verlauf maßgeblich sind. So ist beispielsweise von der Sammlung an Gedichten die Rede, Corinna Schmidt offenbart indirekt ihre Absichten, welche später zum Handlungskonflikt werden - der Begriff ist bewusst ge- wählt, da es mehrere Konflikte gibt, welche die Handlung beeinflussen - und die es zu lösen gilt.

Obwohl in diesem Roman die gesamte Welt der Frau Jenny Treibel exponiert wird, in der es an Größe nicht fehlt, beschränken sich die tatsächlichen Handlungsorte auf wenige Straßen der Metropole Berlin. Hinzu kommt der Tagesausflug nach Halensee, und dennoch sind die Handlungsorte in ihrer Anzahl sehr begrenzt. Um detailliert die Welt der Frau Jenny Treibel samt diversem Inventar aufzuzeigen wird nun das Diner mit Mr. Nelson from Liverpool ge- nauer betrachtet.

1.1 Das Diner mit Mr. Nelson from Liverpool

Auf den etwas mehr als 220 Seiten dieser Erzählung werden vier Feste gefeiert. „Die großbürgerlichen Geselligkeiten und Feierlichkeiten [verfolgen] einen Zweck, die Rangzuge- hörigkeit der Gäste nach außen hin sichtbar zu demonstrieren, zu bestätigen oder auch zu konstitu- ieren.“4

Das erste Fest, welches im Folgenden näher beschrieben wird, ist das Diner mit Mr. Nelson in der Villa der Familie Treibel (Kap. 2-4); darauf folgt der zeitgleich stattfindende Abend der „sieben Waisen“ (S. 65)5 in der Wohnung des W.S. (Kap. 6-7). In Halensee trifft man sich zu einem Ausflug (Kap. 10), der - dies wird nicht explizit - vermutlich von der Familie Treibel in finanzieller Hinsicht übernommen wird. Am Ende der Erzählung steht noch die Hochzeit von C.S. und M.W. (Kap. 16) an, die von allen drei Gesellschaften/Festen6 den geringsten Erzählumfang aufweist.

Das Diner, das J.T. und ihr Mann Herr Treibel, dessen Vorname nicht genannt wird, ausrichten findet zu Ehren des Engländers Mr. Nelson from Liverpool statt. Dieses Fest nutzt der Autor um den bisherigen Roman zu einem Gesellschaftsroman zu transformieren. Er lässt J.T. Men- schen aus den verschiedensten sozialen Schichten einladen und in Interaktion treten. Unter diesen Umständen können in relativ kurzer Zeit die Sicht J.T.s auf andere sowie sämtliche Ge- genpositionen dargestellt werden. Schon bevor das Fest beginnt zeigt sich in einem Selbstge- spräch das Klassendenken der J.T., welches Menschen unter ihrem eigenen Status abwertet.

„››Daß Treibel es auch versäumen mußte, für einen Nebeneingang Sorge zu tragen! Wenn er da - mals nur einen vier Fuß breites Terrain von dem Nachbargrundstück zukaufte, so hätten wir einen Eingang für derart Leute gehabt. Jetzt marschirt jeder Küchenjunge durch den Vorgarten, gerade auf unser Haus zu, wie wenn er miteingeladen wäre.‹‹“ (S. 17)

T. schätzt sein zuverlässiges, gut geschultes und somit auch teueres Personal im Gegensatz zu seiner Frau. Für J.T. ist Folgendes eine Selbstverständlichkeit.

„Die gute Schulung des Dieners beschränkte sich aber nicht nur auf diese Vorarrangements, viel - mehr stand er im selben Augenblick, wo beide Herren ihre Plätze genommen hatten, auch schon mit dem Tablett vor ihnen und präsentierte den Kaffee.

››Das ist recht, Friedrich, auch der Aufbau hier, Alles zu meiner Zufriedenheit [...]‹‹“ (S. 46)

Im Folgenden beschränken wir uns auf die Charaktere, die ausführlich genannt und in Szene gesetzt werden. Hierzu betrachten wir zunächst die Kapitel zwei und drei, die Ankunft der Gäste und das anschließende Abendessen.7

Die ersten Gäste, die die Villa der Familie Treibel erreichen, sind Otto Treibel, der älteste Sohn und seine Frau Helene Treibel, die die Ankunft von Mr. Nelson ankündigen. Dieser Mr. Nelson ist eine Person, die weniger durch sich selbst in Erscheinung tritt, als vielmehr eine starke Aufladung durch die anderen Personen erhält. So wird er von H.T. als Vorbild engli- scher Herkunft heraufbeschworen. „Und so sauber wie die Manschetten, so sauber ist Alles an ihm, ich meine an Mr. Nelson, auch sein Kopf und sein Haar.“ (S. 21) Doch kann Nelson die- sen Schein, den H.T. auf Ihn projiziert nicht wahren, was sein Erscheinungsbild überaus deut- lich macht:

„Der so rühmlich Gekennzeichnete war der Nächste, der am Gartengitter erschien und schon im Herankommen die Commerzienräthin einigermaßen in Erstaunen setzte. Diese hatte, nach der Schilderung ihrer Schwiegertochter, einen Ausbund von Eleganz erwartet; statt dessen kam ein Menschenkind daher, an dem, mit Außnahme der von der jungen Frau Treibel gerühmten Manschettenspecialität, eigentlich Alles die Kritik herausforderte.“ (S. 21f.)

Genau wie Nelson kann auch Lieutenant Vogelsang die Erwartungen, die an ihn gestellt wer- den nicht erfüllen. Abgesehen davon, dass L.V. dem „Don Quixote“ (S. 33) gleicht, da beide in der zeitlichen Entwicklung stehengeblieben sind, sind es vor allem die politischen Erwar- tungen bei denen L.V. enttäuscht. Nelson und L.V. werden jeweils eingesetzt um einen Kampf zu gewinnen, den sie allerdings nicht in der Lage sind zu bestreiten.8 Urheber dieser von be- ginn an zum Scheitern verurteilten Unternehmungen sind T. und C.S., die beiden einzigen handlungstreibenden Personen. Diese vier Charaktere korrespondieren in vielfältiger Hinsicht:

T. und C.S. benutzen bspw. L.V. und Nelson für ihre Zwecke; T. möchte von L.V. im Wahl- kreis Teupitz-Zossen vertreten werden und C.S. versucht über Mr. Nelson den jungen Leopold Treibel für sich zu gewinnen. Christian Grawe9 bemerkt, dass die Namen verschiedener be- reits darauf andeuten, dass deren erwartete Funktion nicht erfüllt werden kann. L.V. ist kein Singvogel10 und Mr. Nelson hat nichts mit dem, durch andere assoziierten, Admiral Nelson zu tun.

„Es gibt also bei beiden eine Diskrepanz zwischen der Realität und dem assoziativen Hintergrund, auf dem sie erscheinen, und diese Diskrepanz drückt sich auch in ihren Namen aus, die beide falsch sind.“11

Hinzu kommt, dass beiden die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung fehlt. L.V. ist in seiner Er- scheinung immer im Dienst, obwohl er seit mindestens „dreißig Jahr[e] außer Dienst“ (S. 22) zu sein scheint. Das Gegenteil zu dieser Person bildet Mr. Nelson, dem nicht nur das Heroi- sche fehlt, welches Corinna auf ihn projiziert12, dieser ist zudem immer privat, was sein, einer Feier wie dieser, unangemessener Kleidungsstil nahelegt. Grawe stützt seine These dadurch, dass er anmerkt, C.S. und L.T. handeln „im Zeichen Nelsons“13 und da Nelson nicht der ist, den er für andere zu sein scheint, ist hier das Scheitern von vorne herein angelegt. Weiter fin - den sich noch andere (sprechende) Namen, deren Verkehrtheit eine Differenz verdeutlicht, die zwischen der Bezeichnung und dem Tatsächlichen vorhanden ist. Mit anderen Worten: Die Differenz zwischen Schein und Sein wird durch die Namen der Charaktere verdeutlicht. So heißt die korpulente Adelsfrau Majorin von Ziegenhals und die schlanke Fräulein von Bomst.

L.V. und T. explizieren diesen Missstand offen im Gespräch: „››Merkwürdig,‹‹ sagte Vogel- sang. ››Ich würde, die Wahrheit zu gestehen ...‹‹ ››Eine Vertauschung der Namen für ange- zeigt gehalten haben [...]‹‹“. (S. 25) Betrachtet man die beiden Adelsfrauen genauer, so wird man feststellen, dass diese nur noch eine repräsentative Funktion haben und Treibels politi- sche Illusionen ebenfalls nicht bereichern können. Zentral am Tische sind T. und seine Frau Jenny platziert. Direkt neben sich setzt Treibel die beiden Adligen und erhofft sich deren Gunst, da „[d]ie Ziegenhals […] eine rechte Cousine von dem Zossener Landesältesten [… ist]“ und „ein Bruder der Bomst […] mit einer Pastorstocher aus der Storkower Gegend ehe- lich vermählt [ist]“ (S. 25). Es ist die Majorin von Ziegenhals, die diese Hoffnung mit dem viel zitierten Ausspruch „warum verirren Sie sich in die Politik?“ (S. 34) zerstört. Doch stehen die Adligen selbst nicht gerade in glanzvollem Licht; die Hoftage beider seien gezählt oder mindestens einige Zeit zurückliegend. Obwohl sie keinerlei Machtposition innehaben und ,nur noch‘ adlig sind, haben die Treibels einen Verwendungszweck für diese Damen, der den Trei- bels einen gewissen Mehrwert verspricht:

„Adlige tauchen in Frau Jenny Treibel nur noch als gesellschaftlicher Zierrat und Vehikel politischer Ziele auf und wirken komisch.“14

Die adligen Damen werden materialisiert und können die Runde lediglich als Repräsentanz einer hohen sozialen Schicht dekorieren; sie zählen letztlich nur zum „lebendigen Inventar“15 der Familie Treibel ebenso wie C.S.16

Treibel ist der letzte verkehrte Name, der zu erwähnen ist. Versteht man Treibel im Sinne von ,treiben‘, so offenbart sich die Unstimmigkeit: Treibel ist zwar bestrebt seine Titelsucht zu befriedigen, jedoch kommt er der Vorstellung seiner Frau, auf sozialer Ebene mehr aus sich zu machen, nicht nach. Da T. nur politisch interagiert, was bekanntlich scheitert, und keinen Antrieb hat, eine Veränderung hinsichtlich seiner sozialen Klasse herbeizuführen, trifft hier der Name Treibel als ,der Treibende‘ nicht direkt zu. Deutlicher wird diese These17, wenn die gesamte Familie Treibel betrachtet wird. Drei Generationen markieren einen stetigen Abstieg dieser treibenden Fähigkeit. Den beiden Söhnen Otto und Leopold Treibel werden jeweils von Frauen dominiert oder sogar bevormundet. Helene Treibel entscheidet alles über die Erzie- hung ihres Kindes Lizzy und gibt auch sonst den Ton an. Corinna überfällt Leopold quasi, dem es nicht möglich ist sich, aufgrund seines schwachen Charakters, zu wehren. Die dritte Generation Treibel, die gar nichts mehr selbstständig machen kann ist Lizzy Treibel, die Toch - ter von Otto und Helene. Lizzy wird als reine, unschuldige Puppe dargestellt, die wie ein Spielzeug angezogen und positioniert wird. Von Lizzy selbst gehen keine Interaktionen aus, die irgendeine Form der Rebellion darstellen. Zwar ist Lizzy noch ein Kind, aber da die Ent - wicklung Lizzys - in den folgenden Jahrzehnten - außerhalb der Erzählung liegt, muss dar- über nicht notwendigerweise eine Aussage getroffen werden. Dass die Gabe der aktiven trei- benden Kraft bei J.T. und H.T. anders ausfällt untergräbt diese These nicht, da die Frauen an- geheiratet sind und somit die Antriebslosigkeit nicht vererbt bekommen haben.

Am unteren Tischende sind die jüngeren Gäste platziert. Interessanterweise wird Otto Treibel in der Beschreibung der Sitzordnung nicht erwähnt, dafür aber ein Referendar namens Eng- haus, der für die Handlung nicht relevant ist. Im weiteren Handlungsverlauf wird Otto gene- rell kaum noch erwähnt, er ist für die folgende Handlung auch nur bedingt von Bedeutung, je- doch verwundert es, dass er nicht seiner Frau gegenübergesetzt wird, sondern Corinna. Denn Otto ist, genau wie sein Vater, ein erfolgreicher Unternehmer, mit einer eigenen Villa und hat eine vornehme Frau geheiratet, die im Vergleich zu seiner Mutter Jenny, nicht erst in seine so- ziale Klasse erhoben werden musste. Nun sitzen am unteren Tischende also H.T. und C.S. in Opposition und gleichzeitig an zentraler Stelle. Doch tritt Helene im Vergleich mit Corinna wenig in Erscheinung. Corinna macht das Spiel: sie zeigt L.T. durch ihre Unterhaltung mit Mr. Nelson, was sie zu bieten hat, worauf Leopold selbstverständlich anspringt, da er nicht in der Lage ist C.S.s Plan zu durchschauen.

„An der Anzahl und der sozialen Positionierung ihrer Gäste lässt sich ablesen, dass [Hr.] Treibels Sozialkapital, welches im Laufe seiner Ehe auch immer mehr zu dem Jennys wurde, eine Wider - spiegelung seines eigenen hohen Bekanntheitsgrades und somit von hohem Volumen ist.“18

Nachdem nun das lebende Inventar betrachtet wurde, ist es an der Zeit einen Blick auf das nicht lebendige und somit rein materielle Inventar zu werfen.

„[...] [I]n ihrem Geschmack wirkt Jenny als Folge ihrer Bemühungen, einen nahezu als ,typisch‘ zu bezeichnenden bourgeoisen Lebensstil zu führen und nach außen zu präsentieren, in Bereichen überzogen und unnatürlich.“19 „Ist ihr Geschmack in Bezug auf die Kleiderwahl möglicherweise noch als angemessen für eine Besitzbürgerin zu bezeichnen, so wird jedoch spätestens bei näherer Betrachtung des Interieurs bzw. der baulichen Gestaltung ihrer Wohnräume offensichtlich, dass Jenny selbst für eine Bourgeoise, und insbesondere für eine Kommerzienrätin, materiell vollkommen überzogene Ansprüche hegt und zur Maßlosigkeit neigt:“20

„Der Speißesaal selbst war von schöner Einfachheit: gelber Stuck, in den einige Reliefs eingelegt waren, reizende Arbeiten von Professor Franz. Seitens der Commerzienrätin war, als es sich um diese Ausschmückung handelte, Reinhod Begas in Vorschlag gebracht, aber von Treibel, als seinen Etat überschreitend, abgelehnt worden.“ (S. 26-27)

[...]


1 Theodor Fontane: Brief an Gustav Karpeles vom 18.08.1880. In: Fontanes Briefe. In zwei Bänden, hg. v. den nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar, Bd. 2, Weimar 1980, S. 26.

2 Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel oder ››Wo sich Herz zum Herzen find't‹‹. In: ders.: Große Brandenbur - ger Ausgabe, Das Erzählerische Werk, Bd. 14 Frau Jenny Treibel oder ››Wo sich Herz zum Herzen find't‹‹, Hg. von Tobias Witt, Berlin 2005, S. 5f. Im Folgenden zitiert als: „Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel“.

3 Vgl. Anja Kischel: Soziale Mobilität in Theodor Fontanes Gesellschaftsromanen, phil. Diss., Frankfurt a. M. 2009, S. 133. Im Folgenden zitiert als Anja Kischel: Soziale Mobilität.

4 Ulrike Haß: Theodor Fontane. Bürgerlicher Realismus am Beispiel seiner Berliner Gesellschaftsromane, Bonn 1979, S. 46. Im Folgenden zitiert als Ulrike Haß: Theodor Fontane.

5 Seitenangaben in Klammern sowie Kapitelangaben beziehen sich, sofern nicht anders gekennzeichnet, auf die oben genannte Ausgabe von Theodor Fontanes Frau Jenny Treibel.

6 Diese Begriffe werden hier äquivalent genutzt und vorzugsweise als Feste bezeichnet.

7 Eine Skizze zur Verdeutlichung der Sitzordnung ist in Anlage 1 angeführt.

8 Vgl. Christian Grawe: Frau Jenny Treibel: ››Lieutenant Vogelsang a. D.‹‹ und ››Mr. Nelson from Liverpool‹‹: Treibels politische und Corinnas private Verirrungen. In: ders. ››Der Zauber steckt im Detail‹‹. Studien zu Theodor Fontane und seinem Werk 1976-2002, Otago 2002, S. 325. Im Folgenden zitiert als Christian Grawe: Frau Jenny Treibel.

9 Christian Grawe: Frau Jenny Treibel, S. 322-342.

10 Mr Nelson: „››[…] Vogelsang, ah, ein häßlicher Vogel, kein Singvogel, no finch, no trussel.‹‹“ (S. 52).

11 Christian Grawe: Frau Jenny Treibel, S. 326.

12 Vgl. „Denn ich bin für das Heroische [...]“ (S. 37).

13 Christian Grawe: Frau Jenny Treibel, S. 331.

14 Christian Grawe/Helmuth Nürnberger (Hgg.): Fontane-Handbuch, Stuttgart 2000, S. 615. Im Folgenden zi- tiert als Grawe/Nürnberger: Fontane-Handbuch.

15 Vgl. „das lebende 'Inventar'“. In: Ulrike Haß: Theodor Fontane, S. 27.

16 Vgl. Anja Kischel: Soziale Mobilität, S. 140.

17 Vgl. Verlust an „Lebenssubstanz“ bei Hugo Aust: Anstößige Versöhnung? Zum Begriff der Versöhnung in Fontanes ,Frau Jenny Treibel‘. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, Bd. 92 Sonderheft (1973), S. 101-126. Im folgenden zitiert als Hugo Aust: Anstößige Versöhnung?.

18 Anja Kischel: Soziale Mobilität, S. 145.

19 Anja Kischel: Soziale Mobilität, S. 148.

20 Anja Kischel: Soziale Mobilität, S. 149.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656668015
ISBN (Buch)
9783656668008
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274730
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – Institut für Literaturwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
sein schein theodor fontanes frau jenny treibel

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Titel: Sein und Schein in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel"