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Platon: Die Redundanz-These in "Kratylos"

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Charaktere
2.1 Hermogenes
2.2 Kratylos

3. Die Redundanz-These

4. Hermogenes‘ Konventionalismus
4.1 Hermogenes These
4.2 Widerlegung des Hermogenes

5. Darstellung des Naturalismus
5.1 Die Etymologien
5.2 Kratylos These
5.3 Widerlegung der These des Kratylos

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Platons Kratylos ist einer der schwierigsten Dialoge. Er ist vielschichtig und voller Anspielungen und Kritik von Zeitgenossen. Außerdem ist er gespickt mit Ironie, was es schwer macht zu erkennen, welche Ansichten Platons Sokrates nun ernst meint und welche nicht. Trotzdem ist er einer der aktuellsten Dialoge, da er wichtige Themen wie Wahrheit, Relativismus, Privatsprache usw. behandelt. Platon bietet dem Leser keine Lösung des Problems, sondern lässt ihn selbst weiter denken.

Diese Arbeit versucht einen roten Faden durch den Dialog zu finden. Die Behauptung ist, dass Platon eine bestimmte These kritisiert, die sowohl Kratylos, Hermogenes, als auch andere zeitgenössische Philosophen akzeptieren, die allerdings eine philosophische Betrachtung von Sprache und Welt unmöglich machen. Es wird nicht behauptet, dass dies die einzige oder wichtigste These im Kratylos ist. Aber sie bietet einen Weg, die Struktur des Dialogs besser zu verstehen und einige dunkle Stellen zu erhellen.

Platons Dialoge lassen sich nicht verstehen, wenn man nicht betrachtet, welche Personen in ihnen vorkommen. Deswegen wird es eine Vorstellung der Personen geben, die, auf Grund des Umfangs der Arbeit, kurz ausfällt. In der Sekundärliteratur gibt es viel darüber zu lesen. Anschließend wird die besagte These vorgestellt. Der Dialog wird nicht detailliert auseinandergenommen, das haben andere bereits getan. Stattdessen wird versucht zu zeigen, wo die These zu finden ist, welche Folgen sie mit sich zieht und wie Platon sie widerlegt. Diese Arbeit hofft so, eine neue Art den Dialog zu lesen anzuregen.

2. Charaktere

2.1 Hermogenes

Sokrates beginnt seine Unterhaltung mit Hermogenes. Seine Familie ist eine der wohlhabendsten und einflussreichsten Familien in Athen. Er ist ein unehelicher Sohn des Hipponikos und nimmt damit nicht am Reichtum der Familie teil, wie sein Bruder Callias. (Vgl. 391c & S. 18)1 Er wird deshalb von Platon als arm beschrieben. (Vgl. 384c) Hermogenes gehörte zum intimen Personenkreis um Sokrates und war laut Phaidron 59b zu Sokrates Tod anwesend. Hermogens wird oft als Schüler Parmenides beschrieben. Ob dies jedoch zutrifft, ist umstritten. (Vgl. S. 19) Er wird im Gespräch einen Konventionalismus vertreten, der sehr gut zu einer parmenidischen Auffassung passen würde.

2.2 Kratylos

Kratylos war einer der berühmteren Persönlichkeiten des antiken Athens. Im Dialog selbst wird er als Sohn des Smikrion bezeichnet. (Vgl. 429e) Andere Passagen weisen darauf hin, dass Kratylos zum Zeitpunkt des Dialoges recht jung ist. (Vgl. 429d, 440d) Er gilt später als radikaler Herakliteer. Aristoteles berichtet, dass er großen Einfluss auf Platon hatte. Während Heraklit lehrte, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen könne, ging Kratylos so weit zu sagen, man könne nicht einmal in selben Fluss steigen. Es wird ebenfalls berichtet, dass der ältere Kratylos anstatt zu sprechen, nur noch zeigte. (S. 15ff.) Kratylos vertritt einen Naturalismus, was die Benennung der Dinge angeht. Die Namen kommen den Dingen von Natur aus zu.2

3. Die Redundanz-These

Sowohl Hermogenes, als auch Kratylos stimmen in einem Punkt überein. Sie identifizieren den Namen eines Gegenstandes, mit dem korrekten Namen eines Gegenstandes. Ein Name ist nur ein Name von einem Gegenstand, wenn es der korrekte Name ist, ansonsten ist es überhaupt kein Name. Ich möchte diese These die Redundanz-These nennen, da es das gleiche bedeuten würde zu sagen, x ist der richtige Name von y und x ist der Name von y. (Ich werde später noch darauf hinweisen, wenn wir diese These im Text wiederfinden.) Während Hermogenes einen Konventionalismus verteidigt und Kratylos einen Naturalismus, stimmen sie doch in dieser grundlegenden Auffassung von Namen überein. Natürlich reden wir hier nicht nur von Namen im engen Sinne, sondern von sprachlichen Ausdrücken überhaupt.

Genau diese These versucht Sokrates zu widerlegen, indem er zeigt, dass mit dieser These als Grundannahme, die Philosophie unmöglich ist. Beide Theorien laufen darauf hinaus, dass man nicht wahr/falsch Reden kann und enden somit im Sophismus. Sokrates versucht so das Feld einer sprachphilosophischen Betrachtung überhaupt zu öffnen, indem er weitverbreitete Annahmen über die Sprache kritisiert.

Ich behaupte nicht, dass dies die einzige These des Kratylos ist. Es ist ein vielschichtiger und schwieriger Dialog, in dem viele Anspielungen auf zeitgenössische Anschauungen gemacht werden. Allerdings denke ich, dass sich dieser Strang durch den Dialog zieht und seine Struktur erkennbar macht. Während der Konventionalismus des Hermogenes schnell und offensichtlich zu Annahmen führt, die eine Philosophie unmöglich machen würden, ist es bei Kratylos Heraklitismus, der weit verbreitet war, nicht so offensichtlich und es muss herausgearbeitet werden, dass er durchgeführt, zu denselben Folgen für die Philosophie führt, wie die Gegenposition.

4. Hermogenes‘ Konventionalismus

4.1 Hermogenes These

Der Dialog beginnt indem Hermogenes und Kratylos Sokrates zu ihrem Gespräch hinzuziehen und Hermogenes erklärt, worum es geht. Er erläutert, dass Kratylos meine, „jegliches Ding habe seine von Natur ihm zukommende richtige Benennung…“ (383a) Kratylos habe sich wohl eine kleine Spöttelei auf Hermogenes Kosten erlaubt und er fragt Sokrates, ob er ihm erklären kann, was Kratylos wohl damit meine. Sokrates bietet daraufhin an, gemeinsam zu untersuchen, was es mit der Benennung der Dinge auf sich hat.

Jetzt erklärt Hermogenes seine Gegenthese.

„Denn mich dünkt, welchen Namen jemand einem Dinge beilegt, der ist auch der rechte, und wenn man wieder einen andern an die Stelle setzt und jenem nicht mehr gebraucht, so ist der letzte nicht minder richtig als der zuerst beigelegte, wie wir unsern Knechten andere Namen geben. Denn kein Name irgendeines Dinges gehört ihm von Natur, sondern durch Anordnung und Gewohntheit derer, welche die Wörter zur Gewohnheit machen und gebrauchen.“ (384d)

Hermogenes schlägt hier einen starken Konventionalismus vor, der sich allerdings auf zwei verschiedene Ebenen anwenden lässt. Wessen Gewohnheit ist es, Kraft dessen ein Name einem Ding zugeordnet wird? Der Gemeinschaft? Oder gar des Individuums? Letzteres würde eine extreme Art des Relativismus und eine Art Privatsprache zur Folge haben. In 385a scheint Hermoges die zweite Lesart zu bestätigen.

Man beachte, dass es keine besseren oder schlechteren Namen geben kann, wenn jeder Name, den jemand für etwas verwendet richtig ist. Entweder ein Name wird zur Benennung eines Dinges verwendet, oder es ist gar kein Name. Somit begegnet uns das erste Mal die Redundanz-These.

Sokrates wird im Folgenden die Theorie Hermogenes widerlegen. Im Vergleich zum Rest des Dialogs ist die Widerlegung relativ kurz. Die Etymologien und die Widerlegung Kratylos nehmen einen wesentlich größeren Teil ein. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Widersprüchlichkeit des Konventionalismus relativ schnell einzusehen ist, während die heraklitische Theorie Kratylos‘ auf den ersten Blick plausibler zu sein scheint, allerdings doch zu denselben Folgen führt. Deswegen auch der Titel des Dialogs.

[...]


1 Angaben mit Stephanus-Paginierung beziehen sich auf Schleiermacher(1957), Angaben mit Seitenzahl beziehen sich auf Ademollo(2011)

2 Die These ist inspiriert von Ademollo(2011). Jedoch glaube ich nicht wie er, dass Sokrates die These unterstützt. Vielmehr ist sein Ziel sie zu widerlegen.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656668244
ISBN (Buch)
9783656693529
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274710
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
3
Schlagworte
platon redundanz-these kratylos

Autor

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