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Demografiemanagement in Deutschland und Schweden

Bachelorarbeit 2014 85 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Analyse der demografischen Entwicklung in Deutschland und Schweden
2.1 Bevölkerungsentwicklung und Veränderungen im Altersaufbau
2.2 Geburtenentwicklung und Lebenserwartung in Deutschland und Schweden
2.3 Zwischenfazit

3 Komparative Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland und Schweden
3.1 Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials
3.2 Erwerbsbeteiligung von Frauen
3.3 Erwerbsbeteiligung älterer Erwerbspersonen
3.4 Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik im wohlfahrtsstaatlichen Vergleich
3.5 Institutionelle Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Beschäftigung
3.5.1 Familienpolitische Rahmenbedingungen
3.5.2 Sozialpolitische Rahmenbedingungen
3.5.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.5.4 Zwischenfazit

4 Demografiemanagement in Unternehmen
4.1 Notwendigkeit des Demografiemanagements in Deutschland und Schweden
4.2 Die Altersstrukturanalyse als Handlungsgrundlage
4.3 Handlungsfelder und ausgewählte Handlungsansätze des Demografiemanagements
4.3.1 Alterns- und altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung
4.3.2 Gesundheitsmanagement
4.3.3 Wissensmanagement
4.3.4 Weiterbildung und Qualifizierung
4.3.5 Arbeitszeitmodelle
4.3.6 Best-Practice-Beispiele für die Implementierung des Demografiemanagements

5 Fazit

Anlageverzeichnis

Literaturverzeichnis

Danksagung

Frau Prof. Dr. Teipen danke ich für die interessante Themenstellung dieser Arbeit und ihre stete Hilfsbereitschaft. Frau Prof. Dr. Ostaszewska möchte ich für die freundliche Übernahme des Zweitgutachtens danken.

Ein ganz besonderer Dank gebührt meinem Freund Sven, der während dieser Arbeit immer für mich da war und mich in allen Lagen unterstützt hat. Weiterhin möchte ich mich ganz besonders bei meiner besten Freundin Olga bedanken, die für jedes Problem ein offenes Ohr hatte und mich tatkräftig unterstützt hat. Ihr habt mir geholfen, auch in schwierigen Momenten nicht aufzugeben!

Berlin, den 24. Februar 2014

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

„Demografie beschreibt eine Forschungsdisziplin, welche die Struktur und die Dynamik von Bevölkerungen untersucht. Der Demografische Wandel beschreibt die Veränderungen von Bevölkerungsgröße und – Struktur durch veränderte Geburtenzahlen, Sterbezahlen und Wanderung. Heute ist der Demografische Wandel in den westlichen Industriestaaten durch geringe, unter dem Bestandshaltungsniveau liegende Geburtenzahlen und eine steigende Lebenserwartung charakterisiert. Infolgedessen altert und schrumpft die Bevölkerung“1.

Der demografische Wandel ist seit langem ein viel diskutiertes Thema in der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Europas. Verdeutlicht wird der Diskussions- und Handlungsbedarf durch eine steigende Anzahl politischer Initiativen. 2000 wurde die sog. Lissabon-Strategie vom Europäischen Rat verabschiedet. Diese formulierte konkrete Ziele für eine aktive Arbeitsmarktpolitik und die Modernisierung des Sozialschutzes bis zum Jahr 2010.2 Mit der Strategie „Europa 2020“ reagierte die Politik auf den demografischen Wandel. Deutschland ist davon besonders stark betroffen. Seit 1964 geht die Geburtenzahl zurück, schon 1972 wurden weniger Menschen geboren als starben.3 Der negative Trend hält bis heute an. Schätzungen zufolge wird die Einwohnerzahl Deutschlands von heute 80,3 Mio. 4 bis 2060 auf ca. 64,7 Mio. bis 70,1 Mio. zurückgehen, abhängig von der Zuwanderung.5 Der Bevölkerungsrückgang spiegelt sich auch in der Gruppe der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) wieder. Diese Bevölkerungsgruppe umfasst derzeit ca. 50 Mio. Menschen, das entspricht 62,5 % der Gesamtbevölkerung. Prognosen nach wird ihre Zahl bereits nach 2020 deutlich zurückgehen. Mit nur noch rund 33 Mio. Menschen im Jahr 2060 wird ihr prozentualer Anteil nur noch 50 % der Gesamtbevölkerung ausmachen. Infolgedessen stünden dem deutschen Arbeitsmarkt ca. 33 % weniger potenzielle Arbeitskräfte zur Verfügung als heute.6 Außerdem vollzieht sich ein Alterungsprozess innerhalb dieser Gruppe. 2025 könnte etwa jeder vierte Erwerbsfähige über 55 Jahre alt sein.

Die Unternehmen werden mit einem alternden und schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzial konfrontiert sein, was den bereits vorhandenen Fachkräftemangel weiter verschärfen dürfte.7 Die steigende Lebenserwartung führt bereits jetzt dazu, dass sich die Lebensarbeitszeit der Menschen erhöht und es zu einem späteren Renteneintritt kommt.8 Infolgedessen wird die zunehmend ältere Belegschaft künftig länger auf dem Arbeitsmarkt verbleiben.9 All das wird dazu beitragen, dass die Unternehmen in Zukunft vor der Herausforderung stehen werden, ihre Produktivität mit einem älteren und kleineren Erwerbspersonenpotenzial zu erbringen.10 Dies darf jedoch nicht zu einer Wachstumsbremse für die deutsche Wirtschaft werden, daher ist es entscheidend, vorhandenes Arbeitskräftepotenzial optimal zu nutzen. Die Zielsetzung sowohl für die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik als auch für das Personalmanagement der Unternehmen sollte daher sein, Beschäftigungspotenziale insbesondere von Frauen und älterer Arbeitnehmer zu mobilisieren sowie alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen zu fördern.11 Jedoch ist in Deutschland seit Jahren ein gegensätzlicher Trend zu beobachten: Viele Unternehmen versuchen ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, indem sie vermehrt ältere Fachkräfte durch jüngere ersetzen und die älteren frühzeitig aus dem Unternehmen ausgliedern.12 Nur knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen beschäftigt über 50 Jahre alte Mitarbeiter. Von den 60- bis 64-Jährigen sind rund 80 % nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt.13 Diese Frühverrentungsstrategie ist im Hinblick auf die Verknappung des Arbeitskräfteangebots und die Finanzierbarkeit des Rentensystems nicht länger tragbar.

Bei der Beschäftigung von Frauen und älteren Erwerbstätigen gilt Schweden als Vorreiter. Die Beschäftigungsquote Älterer liegt seit Jahren über 70 % (aktuell: 72,3 %). Könnte in Deutschland dieses Niveau erreicht werden, stünden dem Arbeitsmarkt bis zum Jahre 2030 1,8 Mio. mehr Arbeitskräfte zur Verfügung.14. Die Erwerbstätigkeit schwedischer Frauen zählt mit 71,9 %15 zu den höchsten in der EU.16 Weiterhin verzeichnet das Land eine überdurchschnittlich hohe Geburtenrate17 von 10,33 Kindern pro 1000 Einwohner und hat eine jüngere Durchschnittsbevölkerung als Deutschland.18 Hinzu kommt bis zum Jahr 2060 ein erwarteter Bevölkerungsanstieg von 22 %. 19 Die Beschäftigungsquote Älterer liegt in Deutschland dagegen bei 59,9 %.20 Zudem zählt die deutsche Geburtenrate mit 8 Kindern pro 1000 zu den niedrigsten in der EU. Weiterhin gehört Deutschlands Bevölkerung nach Japan zu den ältesten der Welt.21,22 Prognosen zufolge wird die deutsche Bevölkerung bis 2060 um ca. 20 % abnehmen.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Der Fokus der vorliegenden Arbeit wird auf die Erwerbsgruppen der Frauen und älteren Personen gelegt. Es soll herausgearbeitet werden, welche Faktoren dazu beitragen, dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitnehmern in Schweden so stark ausgeprägt ist und wie die großen Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden zu erklären sind. Es wird vermutet, dass es in Schweden Faktoren gibt, die diese hohe Beschäftigung begünstigen und sich zusätzlich auf das generative Niveau der Bevölkerung auswirken. Es wird untersucht, mit welchen rechtlichen, familien-und sozialpolitischen Rahmenbedingungen es Schweden gelingt, dieses hohe Beschäftigungsniveau von Frauen und Älteren zu erreichen. Weiterhin wird untersucht, inwiefern in deutschen und schwedischen Unternehmen Bedarf an Demografie-orientiertem Personalmanagement besteht. Den Ausgangspunkt der Überlegungen bilden unterschiedliche demografische Veränderungen der Bevölkerungs- und Altersstruktur sowie ihre möglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung. Es ist jedoch nicht Ziel dieser Arbeit, eine Lösung des Problems aufzuzeigen.

Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Zunächst erfolgt eine strukturierte demografische Länderanalyse der Entwicklung der deutschen und schwedischen Bevölkerung. Der Fokus liegt auf den einzelnen Faktoren, welche die demografische Entwicklung maßgeblich prägen: Die Bevölkerungswachstumsrate, das Medianalter, die Geburtenrate bzw. die zusammengefasste Geburtenziffer und die durchschnittliche Lebenserwartung. Anhand dieser Faktoren werden nationale Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich der demografischen Entwicklung ausgearbeitet. Mithilfe der Länderanalyse lassen sich Entwicklungen in Bezug auf das den Unternehmen in Zukunft zur Verfügung stehende Erwerbspersonenpotenzial abbilden und ggf. Überlegungen für notwendige personalpolitische Maßnahmen durch das Demografiemanagement im Unternehmen ableiten. Die gewonnenen Erkenntnisse stellen eine wichtige Diskussionsgrundlage dar.

Im nachfolgenden Teil wird die Arbeitsmarktsituation in den beiden Ländern analysiert. Als erstes werden die Auswirkungen des demografischen Wandels im Bezug auf die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials untersucht. Anschließend erfolgt eine Analyse der derzeitigen Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Arbeitnehmern. Weiterhin werden ausgewählte rechtliche, sozial- und familienpolitpolitische Rahmenbedingung untersucht, welche dazu beitragen, dass die Erwerbsbeteiligung in den beiden Vergleichsländern so unterschiedlich ausfällt. Um die Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen und ihre Schwerpunkte besser nachvollziehen zu können, wird zuvor eine Einteilung der beiden Wohlfahrtsstaatentypologien nach Esping-Andersen vorgenommen.

Abschließend wird im Hinblick auf die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Unternehmen und der Notwendigkeit der Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Personen das betriebliche Demografiemanagement als Lösungsansatz vorgestellt. Einleitend wird die Notwendigkeit der Einführung des Demografiemanagements in den deutschen und schwedischen Unternehmen diskutiert. Nach der Erläuterung der theoretischen Grundlagen erfolgt die Darstellung der möglichen Handlungsfelder und Handlungsoptionen in den Unternehmen. Den Schluss bilden ausgewählte Best-Practice-Beispiele für die Implementierung des Demografiemanagements in den Unternehmen. Im letzten Kapitel werden die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst und einem Fazit unterzogen.

In der Arbeit wird größtenteils auf die Differenzierung zwischen geschlechterspezifischen Unterschieden, Branchen und Unternehmensgrößen verzichtet. Auch wird von einer Betrachtung des Einflusses von Arbeitsmigration auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung aufgrund des Umfangs abgesehen. Es erfolgt eine allgemeine Betrachtung der Thematik. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der Arbeit für alle geschlechterspezifischen Bezeichnungen die maskuline Form verwendet. Alle Aussagen treffen jedoch auf Personen beiderlei Geschlechts zu.

2 Analyse der demografischen Entwicklung in Deutschland und Schweden

Der Schwerpunkt dieses Kapitels wird auf die strukturierte Analyse der demografischen Entwicklung in den beiden Vergleichsländern gelegt. Dabei stehen die Entwicklung der Bevölkerungszahl, Altersstruktur, durchschnittlichen Lebenserwartung und der Geburten im Vordergrund. In beiden Ländern werden diese Entwicklungen anhand zuvor festgelegter Faktoren untersucht. Dazu zählen die Bevölkerungswachstumsrate, das Medianalter, die Geburtenrate bzw. die zusammengefassten Geburtenziffer23 und die durchschnittlichen Lebenserwartung.24 Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen Schlussfolgerungen auf Probleme und Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Entwicklung der Erwerbsbevölkerung und auf die Unternehmen zu.

2.1 Bevölkerungsentwicklung und Veränderungen im Altersaufbau

Im Zentrum des demografischen Wandels in Deutschland steht das Schrumpfen und Altern der Bevölkerung. Darunter versteht man folgende Entwicklungen: Zum einen nimmt die Zahl der Menschen im Rentenalter zu, zum anderen vollzieht sich eine Anteilsverschiebung zwischen den Hauptaltersgruppen der Bevölkerung zugunsten Älterer. Die Entwicklung der Bevölkerungszahl wird im Wesentlichen von drei Faktoren geprägt: Der Geburtenrate bzw. der zusammengefassten Geburtenziffer, der Lebenserwartung und dem Wanderungssaldo. Letztere wird bei dieser Arbeit außer Betracht gelassen.

Hauptursachen für den Bevölkerungsrückgang und das Altern der Bevölkerung sind die seit über 30 Jahren konstant niedrigen Geburtenzahlen und die steigende Lebenserwartung. Man spricht in dem Zusammenhang von einem fertilitätsgeleiteten Altern, also vom geburtenabhängigen Alterungsprozess der Bevölkerung. Dieser negative Trend drückt sich auch in der durchschnittlichen Bevölkerungswachstumsrate von minus 0,19 % aus.25 Infolge dieser Entwicklung wird die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahrzehnten immer weiter sinken. und voraussichtlich von heute 80,3 Mio. Einwohner26 bis zum Jahr 2060 auf ca. 64,7 Mio. bis 70,1 Mio. zurückgehen – je nach Entwicklung der Zuwanderung.27 Bis zum Beginn der 1970er Jahre stieg die Gesamtbevölkerungszahl noch an. Dies war vor allem das Ergebnis hoher Geburtenüberschüsse, d.h. es wurden in einem Jahr mehr Kinder geboren wurden als Menschen starben. Mit 487 000 mehr Geburten als Sterbefällen wurde 1964 der Höchstwert verzeichnet. Nachdem der „Babyboom“ der Nachkriegszeit zu Ende ging, schlug der Trend ab 1972 in einen Sterbeüberschuss um.28 Bis zum Jahr 2003 glich die hohe Zahl der Zuwanderung nach Deutschland das Geburtendefizit etwas aus, seitdem führen die Sterbeüberschüsse und die weiterhin anhaltend niedrige Geburtenrate jedoch zu einem weiteren Bevölkerungsrückgang.29 Statistisch betrachtet sind für die Reproduktion und Bestandserhaltung der Bevölkerung pro Frau 1,4 Kinder notwendig. Da die zusammengefasste Geburtenziffer seit über dreißig Jahren unter diesem Niveau liegt und auch für die Zukunft als weitgehend konstant angenommen wird, fällt jede Generation um ein Drittel kleiner als ihre Elterngeneration aus.30 Selbst wenn sich diese auf 1,6 Kinder erhöhen würde, könnte dies den Bevölkerungsrückgang zwar abmildern, jedoch nicht aufhalten.31 Für das Jahr 2060 wird von einem Geburtendefizit zwischen 527 000 und 553 000 ausgegangen. Weiterhin werden für das Jahr 2030 rund 1 Mio. Sterbefälle erwartet.32 Die Sterbefälle werden trotz steigender Lebenserwartung zunehmen, da die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre ins hohe Alter kommen werden.33 Zusätzlich zum Bevölkerungsrückgang vollzieht sich seit Jahren eine altersstrukturelle Veränderung innerhalb der drei zentralen Altersgruppen (unter 25-Jährige, 25- bis 65- Jährige und über 65- Jährige).34 Abbildung 1 veranschaulicht die Entwicklung dieser Altersgruppen in den Jahren von 1950 bis 2060. Es ist erkennbar, dass sich die Altersstruktur seit Jahrzehnten zugunsten der älteren Jahrgänge verschiebt. Der Anteil der jüngeren und mittleren nimmt hingegen kontinuierlich ab. Die Gruppe der unter 25-Jährigen schrumpft seit Mitte der 1970er Jahre kontinuierlich. Gegenwärtig gehören ihr rund 20 Mio. Personen an – rund 8 Mio. weniger als Mitte der 1970er Jahre.

Diese Altersgruppe ist heute bereits maßgeblich vom Geburtenrückgang der vergangenen Jahrzehnte gekennzeichnet und wird Prognosen nach aufgrund der anhaltend niedrigen Geburtenrate weiterhin sinken. Im Jahr 2060 wird diese nur noch rund 10 Mio. ausmachen. Die mittleren Jahrgänge machen gegenwärtig mit rund 41 Mio. den Großteil der Bevölkerung aus. Sie werden maßgebend durch die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre geprägt.35 Wenn diese stark besetzte Altersgruppe in den kommenden Jahren ins höhere Alter kommt, wird ihr Anteil zugunsten der älteren Jahrgänge abnehmen. Prognosen zufolge wird der Altersanstieg der Bevölkerung zwischen 2030 und 2035 besonders stark ausfallen.36 Eine positive Entwicklung ist demnach nur bei den älteren Jahrgängen zu verzeichnen. Durch die steigende Lebenserwartung hat ihre Anzahl in den vergangenen Jahrzehnten fast kontinuierlich zugenommen und wird auch in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Durch die Verschiebung der Altersstruktur wird ihre Zunahme Mitte der 2030er Jahre besonders hoch sein. Danach wird die Zahl innerhalb dieser Gruppe bis zum Jahr 2060 relativ konstant bleiben.

Das Altern der deutschen Bevölkerung kann man anhand des Medianalters erkennen. 1995 lag das Medianalter der Bevölkerung bei 38,3 Jahren, stieg zehn Jahre später auf 42,1 Jahre und ist aktuell mit 45,7 Jahren das höchste in der EU.37,38 Bis 2050 wird es voraussichtlich auf 49,2 Jahre ansteigen.39 Aus dieser Entwicklung kann man ableiten, dass die Veränderungen im Altersaufbau der Bevölkerung in naher Zukunft gravierend sein werden. Charakteristisch wird die steigende Zahl der Älteren (55–64 Jahre) und „Hochaltrigen“ (65–älter) sein. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der anhaltend niedrigen Geburtenrate wird Hochaltrigkeit zu einem Massenphänomen.40

Während die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, wächst die Einwohnerzahl Schwedens jährlich um 0,18 %.41 In den vergangenen 50 Jahren wurde ein Anstieg der Bevölkerung um 25 % verzeichnet.42 Lag die Einwohnerzahl 1990 noch bei 8,5 Mio. Einwohnern, stieg sie bis 2013 um weitere. 1,1 Mio. an.43 Nach Prognosen des schwedischen Statistikamtes wird die Einwohnerzahl bis 2060 um weitere 22 % auf ca. 11.6 Mio. ansteigen.44 Abbildung 2 zeigt die Bevölkerungsentwicklung in den Jahren von 1750 bis 2011 und gibt durch Vorausberechnungen ab dem Jahr 2012 einen Ausblick bis zum Jahr 2050.

Es ist ein konstanter Anstieg der Bevölkerungszahl in den vergangenen Jahrzehnten erkennbar. Die positive Bevölkerungsentwicklung ist auf eine anhaltend hohen Geburtenrate und Zuwanderung aus dem Ausland zurückzuführen. Der schnellste Bevölkerungsanstieg wurde während des „Babybooms“ Mitte der 1940er Jahre verzeichnet. Damals lag die zusammengefasste Geburtenziffer bei 2,6 Kindern je Frau.45 Einen weiteren Anstieg erfuhr das Land infolge hoher Geburtenüberschüsse und Zuwanderung Mitte der 1960er und Anfang der 1970er Jahre. Während der 1980er und 1990er Jahre schwankte die Geburtenrate, blieb jedoch auf einem durchschnittlichen Wert von ca. 1,8 Kindern je Frau. Auch der signifikante Anstieg der Bevölkerung Anfang der 1990er Jahre ist auf die hohe Geburtenrate und Zuwanderung aus dem Ausland zurückzuführen. In den Jahren von 1997 bis 2001 wurden zum ersten Mal mehr Sterbefälle als Geburten verzeichnet. Diese negative Geburtenentwicklung ist auf eine schwere Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre zurückzuführen. Die zusammengefasste Geburtenziffer erholte sich jedoch in den nachfolgenden Jahren und lag 2011 bereits bei 1,9 Kindern je Frau. Vergleicht man die aktuelle Geburtenrate von 10,33 Kindern pro 1000 Einwohner mit der Sterberate von 10,22 Verstorbenen pro 1000 Einwohner, stellt man fest, dass die Bevölkerungsbilanz insgesamt positiv ist. Bis 2060 gehen die Bevölkerungsforscher von konstant bleibenden Geburtenüberschüssen und infolgedessen von einem weiteren Bevölkerungsanstieg aus. Es wird prognostiziert, dass der Geburtenüberschuss bis in die 2020er Jahre höher ausfallen wird, da die geburtenstarken Jahrgänge der 1990er Jahre zu dieser Zeit selbst Familien gründen können. In dem darauf folgenden Jahrzehnt wird der Geburtenüberschuss infolge zunehmender Sterbefälle der stark besetzten „Babyboomer-Generation“ abnehmen. Diese Generation wird voraussichtlich um 2030 ihr Lebensende erreichen. Zusätzlich werden die Jahrgänge der 2000er Jahre, welche durch die Wirtschaftskriese der 1990er Jahre schwächer besetzt sind, in das Alter der Familiengründung kommen, sodass es zu einem schwächeren Bevölkerungszuwachs kommen wird.

Wenngleich Schweden nicht im selben Ausmaß wie Deutschland vom Bevölkerungsrückgang betroffen ist, so ist auch hier eine Strukturveränderung der Bevölkerung eingetreten, denn auch in Schweden wächst der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung. Dies ist auf den Anstieg der Lebenserwartung zurückzuführen.46 Ähnlich wie in Deutschland lag das Medianalter der Bevölkerung 1995 bei 38,5 Jahren und verzeichnete einen Anstieg auf 40,3 Jahre.47 Allerdings liegt es aktuelle mit 42,4 Jahren deutlich unter dem deutschen Vergleichswert. 48 Prognosen zufolge wird es sich bis 2050 auf 43,0 Jahre erhöhen.49 Das Altersstrukturdiagramm in Abbildung 3 zeigt den Altersaufbau der schwedischen Bevölkerung im Jahr 2013. Die Bevölkerung setzt sich zu 38,8 % aus mittleren Altersgruppen (25–54 Jahre) und zu 32,9 % aus den Älteren (55–64 Jahre) und „Hochaltrigen“ (65-älter) zusammen.

Das schwedische Statistikamt geht bis zum Jahr 2060 von einem weiteren Anstieg des prozentualen Anteils der 65- Jährigen und Älteren auf ca. 25 % aus. So wird die Bevölkerung auch in Zukunft von den Älteren dominiert, da zudem auch die heute stark besetzten mittleren Jahrgänge in den nächsten Jahrzehnten in das Rentenalter eintreten werden. Prognosen zufolge wird der prozentuale Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung auch in Zukunft konstant bleiben. Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20–64 Jahre) wird geringfügig von 58 % (2011) auf 52 % im Jahr 2060 zurückgehen.50

2.2 Geburtenentwicklung und Lebenserwartung in Deutschland und Schweden

In diesem Abschnitt erfolgt eine Betrachtung der Geburtenentwicklung und der Lebenserwartung in den Vergleichsländern. Dies ist relevant, da anhand der Anzahl der Geburten und der Lebenserwartung der Menschen Schätzungen über die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter getroffen werden können. Desweiteren stellt diese Entwicklung im Hinblick auf die demografischen Veränderungen eine wichtige Entscheidungsgrundlage für den Handlungsbedarf vom Staat und den Unternehmen dar. Der von Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr 1957 verkündete Ausspruch „Kinder kriegen die Leute immer“ ist zumindest für Deutschland nicht mehr zeitgemäß.51 Die Geburtenrate gehört seit Jahrzehnten zu den niedrigsten der Welt. Zu Beginn der 1960er Jahre lag die zusammengefasste Geburtenziffer bei 2,5 Kindern, nach dem Ende des „Babybooms“ 1975 betrug diese nur noch 1,5. Infolge der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche im Land (z.B. Deutsche Wiedervereinigung) brach diese noch stärker ein und lag im Jahr 1994 bei einem Tiefpunkt von 0,8 Kindern je Frau. Seitdem nahm sie wieder zu, stagniert jedoch seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die zusammengefasste Geburtenziffer im Jahr 2012 bei 1,38.52 Laut Prognosen wird diese niedrige Rate bis 2060 konstant bleiben.53 Tritt keine Veränderung ein, wird jede folgende Müttergeneration um ein Drittel kleiner ausfallen,54 sodass die Zahl der Geburten weiter abnehmen wird, da auch jede Müttergeneration kleiner wird. So wird sich die absolute Anzahl der Geburten auch bei gleichbleibender Kinderanzahl je Frau weiter verringern.55

Ein weiterer Faktor ist der Wertewandel unserer Gesellschaft. Wurden Kinder früher als Alterssicherung der Frau betrachtet, sind sie heute eher ihre Selbstverwirklichung. Die Entscheidung zur Familiengründung erfolgt weniger aus ökonomischer Sicht, da sie finanziell unabhängiger geworden sind. Weiterhin haben die Einführung der Empfängnisverhütung, fortschreitende Individualisierung, steigende Erwerbsbeteiligung und die wachsenden Anforderungen an Flexibilität und Mobilität unserer Gesellschaft dazu beigetragen, dass sich immer mehr Frauen gegen die Familiengründung oder lediglich für nur ein Kind entscheiden.56 Für viele stellt die Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Kinderbetreuung ein Karrierehindernis dar, sodass sie sich gegen ein Kind entscheiden. So zeigen zahlreiche Studien, dass Frauen mit qualifizierten Bildungsabschlüssen und ausgeprägten beruflichen Ambitionen seltener ihren Kinderwunsch erfüllen als diejenigen mit geringen Qualifikationen.57 Die Geburtenrate steht auch oft im Zusammenhang mit familienpolitischen Maßnahmen, da die finanzielle und soziale Absicherung eine maßgebliche Rolle bei der Familiengründung spielen. Familienpoltische Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen hierauf werden in Abschnitt 4.1 diskutiert. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor in Bezug auf die Bevölkerungsentwicklung ist der Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung.58 Sowohl für Frauen als auch Männer stieg die Lebenserwartung bei Geburt über die vergangenen 130 Jahre kontinuierlich an, was vor allem auf den medizinisch-technischen Fortschritt und stetig verbesserte Lebensbedingungen zurückzuführen ist. Ende des 19. Jahrhunderts war der Anstieg vor allem durch die Abnahme der Säuglingssterblichkeit geprägt, seit den 1960er Jahren nahm die Lebenserwartung hauptsächlich durch die abnehmende Sterblichkeit älterer Menschen zu. Lag die Lebenserwartung bei Geburt gemäß der Periodensterbetafel im Zeitraum 1960/62 bei 66,9 Jahren für Männer und 72,4 Jahren für Frauen, betrug sie im Zeitraum 2008/2010 für Jungen 77,5 und für Mädchen 82,6 Jahre. Laut der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des StBa wird die Lebenserwartung bis 2060 auf 85 Jahre für Männer und 89,2 Jahre für Frauen ansteigen.59

Ähnlich wie in Deutschland nimmt auch in Schweden die durchschnittliche Lebenserwartung seit Jahrzehnten zu. Anfang der 1990er Jahren lag diese bei Männern bei 74,8 Jahren, stieg bis 2013 auf 79,9 Jahre an. Bei Frauen nahm die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum von 80,4 auf 83,5 Jahre zu.60 Laut Prognosen wird die Lebenserwartung bei Frauen bis 2060 auf 89 Jahre und bei Männern auf 87 Jahre ansteigen.61 Während der Trend zur Erhöhung des durchschnittlichen Lebensalters mit Deutschland vergleichbar ist, unterscheidet sich die Entwicklung der Geburten deutlich. Mit 1,9 Kindern je Frau hat Schweden die zweithöchste zusammengefasste Geburtenziffer Europas.62 Diese ist zwar schon immer relativ hoch gewesen, schwankte jedoch in den vergangenen Jahrzehnten stark und verlief unregelmäßig, was in Abbildung 4 dargestellt ist. Wie bereits in 2.2.1 erwähnt, waren die 1940er Jahre in Schweden von einem „Babyboom“ der Nachkriegszeit geprägt. Die zusammengefasste Geburtenziffer lag zu der Zeit bei 2,6 Kindern je Frau.63 Die Abnahme der Geburten Mitte der 1960er Jahre bis Mitte der 1980er Jahre ist auf die die Einführung moderner Verhütungsmittel und schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie zurückzuführen.64 Folglich sank die zusammengefasste Geburtenziffer Ende der 1970er Jahre auf 1,6.65 Dieser Trend machte das Bevölkerungswachstum zu einem politischen Thema. Der Staat führte mehrere Maßnahmen durch um die Situation zu verbessern. 1980 wurde die sog. „Geschwindigkeitsprämie“66 eingeführt. Diese familienpolitische Leistung ermutigte Familien, ihre Kinder in kürzeren Abständen zu bekommen67 Infolgedessen stieg 1990 die zusammengefasste Geburtenziffer auf einen Spitzenwert von 2,13 Kindern je Frau und zählte damit zu dem höchsten in Westeuropa.68 Umgekehrt ist der anschließende Einbruch der Geburtenzahlen auf 1,5 Kindern je Frau Anfang der 1990er auf die Wirtschaftskrise und den damit verbundenen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zurückzuführen.69 Das war bis dato die niedrigste zusammengefasste Geburtenziffer, gleichwohl sie über dem europäischen Durchschnitt lag.70 In den Folgejahren erholte sich die zusammengefasste Geburtenziffer und stieg bis 2010 kontinuierlich an. 2011 lag sie bei 1,9 Kindern je Frau,71 im Jahr 2013 lag sie bei 1,67 Kindern je Frau.72 Zukünftig wird von einem relativ konstant bleibenden Geburtenniveau von 1,9 Kindern je Frau ausgegangen, sodass die Geburtenüberschüsse weiterhin über den Sterbefällen liegen werden.73 Die aktuelle Geburtenrate von 10,33 Kindern pro 1000 Einwohner im Gegensatz und eine Sterberate von 10,22 Verstorbenen pro 1000 Einwohner lassen auf eine positive Tendenz schließen.74

Am Beispiel Schwedens wird klar, dass familienpolitische Rahmenbedingungen wie Elternzeit, Elterngeld und die Geschwindigkeitsprämie Einfluss auf das Geburtenverhalten haben.75 Der Aspekt der Kinderlosigkeit aufgrund höherer Bildungsabschlüsse spielt auch in Schweden eine immer wichtigere Rolle. Ein immer größerer Teil des Geburtenrückgangs fußt auf dem bewussten Verzicht auf Kinder aufgrund höherer Bildung oder aus der Tendenz zur späteren Verwirklichung des Kinderwunsches. Abschließend kann festgehalten werden, dass das schwedische Geburtenniveau im europäischen Vergleich zwar hoch ist, von staatlichen Einflüssen abhäng. Fraglich bleibt daher, wie sich die zukünftige Geburtenrate entwickeln wird bzw. ob sie sich ohne staatliche Einflussnahme ähnlich erfolgreich entwickelt hätte. Desweiteren kann man festhalten, dass selbst Schwedens hohe Geburtenrate nicht an die Schwelle der Generationserneuerung von 2,1 Kindern je Frau heranreicht, sodass langfristig gesehen die Bevölkerungszahl schrumpft. Dieser Prozess wird in Schweden jedoch deutlich langsamer als in Deutschland voranschreiten.76

2.3 Zwischenfazit

Die komparative Länderanalyse von Deutschland und Schweden hat gezeigt, dass der demografische Wandel in Deutschland bereits weiter fortgeschritten ist als in Schweden. In Deutschland übersteigt die Sterberate seit Jahrzehnten die Geburtenrate, sodass der Bevölkerungszuwachs stark rückläufig ist. Die anhaltend niedrige Geburtenrate wird diesen auch in Zukunft nicht mehr kompensieren können, sodass es zukünftig immer weniger Kinder und Jugendliche geben wird. Durch die zusätzlich steigende Lebenserwartung findet eine Verschiebung innerhalb der Altersstruktur der Bevölkerung statt. Der Anteil von Kinder und Jugendlichen wird sich verringern, die der Älteren (55- bis 64- Jahre) und Hochaltrigen (65–älter) hingegen stark zunehmen. Die Bevölkerungszahl wird in Zukunft mit einer geringen durchschnittlichen Wachstumsrate von 0,42 %wachsen.

Während in Schweden der Geburtenrückgang erst in den letzten 10 Jahren eine deutliche Auswirkung auf die Bevölkerungsstruktur gezeigt hat, wirkt sich die Abnahme der Geburten in Deutschland schon seit Mitte der 1970er Jahre nachhaltig auf den Alterungsprozess der Bevölkerung aus. Die schwedische Geburtenrate übersteigt seit Jahren die Sterberate, was den Bevölkerungszuwachs auch in Zukunft begünstigen wird. Trotzdem liegt die zusammengefasste Geburtenziffer unter dem für die Generationserneuerung erforderlichem Niveau von 2,1 Kindern je Frau, sodass auch die schwedische Bevölkerung langfristig abnehmen und altern wird, nur langsamer. Die starkbesetzten mittleren Jahrgänge werden auch hier in naher Zukunft das Durchschnittsalter weiter anheben. Durch den Anstieg der Lebenserwartung wird der Anteil der Hochaltrigen ansteigen. So werden auch in Schweden ältere Menschen in allen gesellschaftlichen Teilbereichen in Zukunft mehr in den Mittelpunkt rücken.

3 Komparative Analyse der Arbeitsmarktsituation in Deutschland und Schweden

Die demografischen Veränderungen werden zwangsläufig Auswirkungen auf die für den Arbeitsmarkt verfügbaren Arbeitskräfte haben. Die Anzahl und Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung eines Landes prägt die Produktivität, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.77 Wie stark sich die demografischen Veränderungen auf den Arbeitsmarkt auswirken, ist jedoch zum Großteil von arbeitsmarktpolitischen Interventionen des Staates und den personalpolitischen Strategien der Unternehmen abhängig.

Im folgenden Kapitel wird die aktuelle und zukünftige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland und Schweden näher betrachtet. Entscheidend für diese Arbeit ist die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, da diese in Zukunft das potenzielle Arbeitskräfteangebot stellen wird. Weiterhin folgen die Betrachtung vorherrschender Arbeitszeitmodelle und die Erwerbsbeteiligung von Frauen und Menschen im Alter zwischen 55 und 65 Jahre, da diese die ausschlaggebenden Erwerbsgruppen vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt darstellen. Um die Entwicklungen auf den Arbeitsmärkten der Vergleichsländer besser zu verstehen, findet danach ein Vergleich der Arbeitsmarktpolitik unter Einflussnahme des wohlfahrtsstaatlichen Systems der beiden Staaten statt. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen abschließend in eine Betrachtung der sozial- und familienpolitischen sowie der rechtlichen Maßnahmen des Staates ein, welche die Beschäftigung im Land nachhaltig beeinflussen können.

3.1 Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials

Um die folgende Argumentation nachvollziehbar zu machen, sind folgende Begriffserklärungen notwendig: Aus statistischer Sicht umfasst das Erwerbspersonenpotenzial alle Menschen einer Bevölkerung, die arbeiten können, wollen und dürfen. Als Maß für das Arbeitskräfteangebot beinhaltet es sowohl Erwerbstätige und Beschäftigte, als auch Beschäftigungslose.78 Zu den Erwerbstätigen zählen gemäß dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen alle Personen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben bzw. in einem Arbeits- oder Dienstverhältnis stehen. Die Zuordnung zu den Erwerbstätigen erfolgt dabei unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden Arbeitszeit.79

Der demografische Wandel wird den Umfang und die Struktur des zukünftigen Arbeitskräfteangebots stark beeinflussen, denn die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) wird von den gleichen demografischen Trends beeinflusst wie die der Gesamtbevölkerung.80 Abbildung 5 zeigt die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 2010 und 2030. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter liegt heute bei rund. 50 Mio. Ihre Zahl wird bis 2030 schätzungsweise um 6 Mio. Menschen abnehmen.

Diese Entwicklung wird bis zum Jahr 2015 parallel zur Entwicklung der Gesamtbevölkerung verlaufen. Danach wird die Zahl innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe deutlich schneller sinken, als die der Gesamtbevölkerung, da ab 2020 die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer-Generation“ zunehmend in den Ruhestand eintreten werden. Die dadurch entstandene Lücke wird durch die in den Arbeitsmarkt eintretenden geburtenschwachen Jahrgänge nicht mehr ausgeglichen werden können, sodass die Zahl der erwerbsfähigen Bevölkerung weiter abnehmen wird. Prognosen zufolge wird ihre Zahl im Jahr 2060 zwischen 33 bis 36 Mio. umfassen, je nach Zuwanderung.81

Parallel zu diesen gravierenden Veränderungen vollzieht sich ein Alterungsprozess innerhalb der erwerbsfähigen Bevölkerung. Betrachtet man den derzeitigen Altersaufbau näher, stellt man fest, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter derzeitig zum Großteil von der Gruppe der mittleren und älteren Jahrgänge dominiert wird: Ca. 20 % der Erwerbsfähigen gehören zur jüngeren Gruppe der 20 bis unter 30 Jährigen (9,9 Mio.), 47 % gehören zur mittleren Altersgruppe der 30 bis unter 50 Jährigen (23,5 Mio.) und 33 % gehören der älteren Gruppe der 50 bis unter 65 Jährigen (16,3 Mio.) an.82 Das ist darauf zurückzuführen, dass der junge Anteil der Bevölkerung bereits nachhaltig von dem konstant niedrigen Geburtenniveau der vergangenen Jahrzehnte geprägt ist. Die mittlere Altersgruppe der Erwerbsbevölkerung ist hingegen durch die geburtenstarken Jahrgängen der 1950er und 1960er Jahre geprägt. Während die junge Gruppe der erwerbsfähigen Bevölkerung auf ca. 6 bis 7 Millionen zurückgehen wird, bleibt ihr prozentualer Anteil an allen Personen im Erwerbsalter annähernd konstant. Anders entwickeln sich die Anteile der beiden anderen Altersgruppen. Entscheidende Veränderungen werden hierbei bereits in den kommenden zehn Jahren erwartet. Das Erwerbspersonenpotenzial wird dann jeweils zu etwa 40 Prozent aus den 30- bis 50-Jährigen und den 50- bis 65-Jährigen bestehen. Sobald die stark besetzten Geburtenjahrgänge der 1960er Jahre in den 2020er Jahren das Rentenalter erreichen, wird sich der Altersaufbau der Bevölkerung im Erwerbsalter geringfügig zugunsten der mittleren Altersgruppe verschieben. Insgesamt wird die Zahl der Personen im Erwerbsalter jedoch stark zurückgehen. Die Prognose der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung ist für die darauf folgenden Jahrzehnte eindeutig: In jedem Fall wird das Erwerbspersonenpotenzial zukünftig zu einem erheblichen Teil aus Menschen bestehen, die älter als 50 Jahre sind.83 Deutschen Unternehmen werden künftig somit weniger und im Durchschnitt deutlich ältere Erwerbspersonen zur Verfügung stehen als heute.84

In Schweden sieht die heutige Bevölkerungsentwicklung folgendermaßen aus: Die Einwohnerzahlwird sich von 9,6 Mio. im Jahr 2011 auf. 10,5 Mio. im Jahr 2025 erhöhen. Verglichen mit dem Bevölkerungszuwachs der vergangenen 15 Jahre nimmt sie damit jedoch nur noch halb so schnell zu.85,86 Dieser Trend wird nachhaltig die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beeinflussen. Laut Prognosen wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20–64 Jahre) zwar von 5,4 Mio. im Jahr 2010 auf 5,9 Mio. im Jahr 2060 ansteigen,87 gemessen an dem prozentualen Anteil der Gesamtbevölkerung wird sich ihr Anteil in diesem Zeitraum jedoch von 58 % auf 52 % verringern.88 Heute gehören von den 9,4 Mio. Einwohnern Schwedens rund. 4,6 Mio. zur Gruppe der Erwerbspersonen. Ihr Anteil wird nach 2020 deutlich ansteigen und 2030 rund 5 Mio. betragen. Bis 2060 wird sich diese Zahl auf. 5,2 Mio. erhöhen. Diese Entwicklung spiegelt sich im Anstieg der Erwerbsquote von 84,5 % im Jahr 2010 auf 87,4 % im Jahr 2060 wieder.89 Das mäßige Wachstum der Erwerbsbevölkerung und der zusätzliche Anstieg der Lebenserwartung werden Folgen für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung nach sich ziehen. Vorausberechnungen des schwedischen Statistikamtes zeigen, dass die Erwerbsbevölkerung im Zeitraum von 2011 bis 2025 weniger schnell wachsen wird als vergleichsweise im gleichen Zeitraum eine erhebliche Anzahl an älteren Erwerbstätigen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden wird. Insbesondere in diesem Zeitraum werden rund 1600 000 Personen in den Ruhestand gehen, dies entspricht etwa 35 % aller Erwerbstätigen. Verglichen mit den Renteneintritten im Zeitraum von 1996 bis 2010 sind es ca. 300 000 mehr Erwerbstätige, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Begründet werden kann die hohe Zahl der Renteneintritte durch die heute stark besetzte „Babyboomer-Generation“ auf dem Arbeitsmarkt, welche in diesem Zeitraum ins Rentenalter kommen wird. Die schwach besetzten Geburtenjahrgänge der 1990er Jahre werden den Austritt der älteren Erwerbstätigen nicht im vollen Umfang ersetzen können. Im Zeitraum von 2017 bis 2025 wird sich zum ersten Mal die Anzahl der jungen Menschen, welche auf den Arbeitsmarkt treten, an die Zahl der Erwerbstätigen, die ausscheiden, angleichen. Für die Aufrechterhaltung der Produktivität, der Arbeitsleistung und der Sicherung des Wohlstandes einer Volkswirtschaft sollte die Zahl von jungen Menschen, die auf den Arbeitsmarkt treten, die Anzahl der Ruheständler jedoch übersteigen.90 Die altersstrukturelle Veränderung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in naher Zukunft ebenfalls eine immer größer werdende Herausforderung für den schwedischen Arbeitsmarkt darstellen. Abbildung 6 verdeutlicht die Entwicklung der Haupterwerbsgruppen innerhalb der Bevölkerung und gibt einen Ausblick über zukünftige Tendenzen. Der Anteil der 25- bis 39-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird bis Mitte der 2020er Jahre kontinuierlich ansteigen. Dies ist auf die geburtenstarken Jahrgänge der 1990er Jahre zurückzuführen, welche den Großteil dieser Altersgruppe ausmachen werden. Nach einem leichten Rückgang in den 2030er Jahren, begründet durch die schwächer besetzten Jahrgänge der 2000er, wird sich der Anteil dieser Altersgruppe wieder erhöhen und bis 2060 über dem Niveau von 2020 verbleiben. Weiterhin ist zu sehen, dass die Altersgruppe der 40- bis 64-Jährigen ansteigen wird, bis sie mit ca. 3,3 Mio. Personen um 2030 ihren Höhepunkt erreicht. Bis 2060 sind die Schwankungen innerhalb dieser Altersgruppe dann nur noch geringfügig. Der Anteil der jüngeren Altersgruppe liegt dagegen mit ca. 1,8 Mio. Personen Mitte der 2030er Jahre und einem Anstieg von etwa um 400 000 Personen bis 2060 deutlich darunter. Das schwedische Statistikamt hält es für wahrscheinlich, dass die Altersgruppe der 65-Jährigen und Älteren in Zukunft ebenfalls vermehrt zu der Gruppe der Haupterwerbstätigen zählen wird.91

3.2 Erwerbsbeteiligung von Frauen

Vor dem Hintergrund des Rückgangs der erwerbsfähigen Bevölkerung und des erwarteten Fachkräftemangels ist die gezielte Förderung der Erwerbsbeteiligung von Frauen ein wichtiger Faktor. Die Herstellung von Chancengleichheit, Sicherung von Arbeitsplätzen und die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Politik. Als Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels wurden in der Lissabon-Strategie der EU bereits im Jahr 2000 EU-weite Zielvorgaben u.a. für die Beschäftigung von Frauen und älteren Arbeitnehmern (55- bis 65- Jährigen) formuliert, welche in den nachfolgenden Jahren an die aktuellen Entwicklungen der Weltwirtschaft angepasst wurden. So sollte die Quote der erwerbstätigen Frauen von 51 % im Jahr 2001 über den Wert von 60 % bis zum Jahr 2010 angehoben werden. Deutschland ist es bereits im Jahr 2004 gelungen, dieses Ziel zu erfüllen. Abbildung 7 veranschaulicht die Entwicklung der Quote erwerbstätiger Frauen im Vergleich zum EU-Durchschnitt in den Jahren von 1999 bis 2009. Daraus geht hervor, dass sich die Entwicklung der Quote erwerbstätiger Frauen in Deutschland bis zum Jahr 2004 parallel zum Durchschnitt aller EU-Länder vollzog. Danach erhöhte sie sich überproportional. 1999 betrug diese noch 57 % und stieg 2009 auf 66,2 %.92

Im Jahr 2010 lag sie mit 69,5 % 10,4 Prozentpunkte unter dem Wert der Männer (79,9 %), jedoch hat sich die Differenz in den vergangenen Jahren stetig verringert. Im Jahr 2000 belief sich die Differenz noch auf 15,9 % Die Höhe und Entwicklung der Arbeitsmarktpartizipation von Frauen verdeutlichen, dass es hier noch ungenutztes Potenzial gibt.93 Bei der Einordnung der Erwerbstätigenquote von Frauen muss jedoch berücksichtigt werden, dass hier lediglich erwerbstätige Personen eingehen. Die geleistete Arbeitszeit findet keine Berücksichtigung. Die Struktur der Frauenerwerbstätigkeit zeichnet sich jedoch durch einen im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil an Teilzeitarbeit aus.94 Das Beschäftigungsplus der vergangenen zehn Jahre wird auf die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung von Frauen zurückgeführt. Die Anzahl der Vollzeitarbeitsverhältnisse ist hingegen rückläufig.95 Im Jahr 2012 gingen 78 % aller Neueinstellungen mit verringerter Arbeitszeit an Frauen.96 Ein Jahr später waren 41 % aller 25- bis 59-jährigen Frauen vollzeitbeschäftigt, der EU-Durchschnitt lag hingegen bei 48 %. Nach Angaben des Mikrozensus 2012 führt knapp die Hälfte der in Teilzeit beschäftigten Frauen persönliche oder familiäre Verpflichtungen als Begründung an. Auch bei den Gründen für Inaktivität am Arbeitsmarkt spielen bei Frauen persönliche und familiäre Verpflichtungen eine wichtige Rolle97 So erschwert nach wie vor der Umstand, dass es überwiegend Frauen sind, die familiäre Aufgaben wie Kindererziehung und Pflege übernehmen, die Ausschöpfung des weiblichen Arbeitskräftepotenzials. Frauen schränken ihre Erwerbstätigkeit häufig ein, arbeiten in einer Teilzeitbeschäftigung und nicht selten in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis. Vielfach verhindern fehlende oder nicht den Bedürfnissen entsprechende Angebote für Kinderbetreuung und haushaltsnahe Dienstleistungen eine Arbeitsaufnahme, einen zügigen Wiedereinstieg nach einer Familienphase oder die Ausübung einer Vollzeittätigkeit.98 Die Ergebnisse des Mikrozensus 2012 machen deutlich, dass die Familiengründung das Erwerbsverhalten von Frauen besonders stark beeinflusst. So lag im Jahr 2012 die Quote erwerbstätiger Mütter mit minderjährigen Kindern bei 60 %, die der Väter hingegen bei 84 %. Dies zeigt, dass Familiengründung keinen großen Einfluss auf das Erwerbsverhalten der Männer nimmt. Sieht man von den geschlechtsspezifischen Unterschieden ab und betrachtet die Erwerbstätigenquote der Frauen mit und ohne Kind(er), stellt man fest, dass Mütter deutlich weniger arbeiten als Kinderlose. Abbildung 8 zeigt die Differenz zwischen der Erwerbstätigenquote von Müttern und kinderlosen Frauen im Laufe des Erwerbslebens. Es ist deutlich erkennbar, dass insbesondere jüngere Frauen in der aktiven Familienphase ihres Lebens ihre Erwerbstätigkeit einschränken.

Im Jahr 2012 waren 33 % der 26-jährigen Mütter erwerbstätig, während dieser Anteilswert bei gleichaltrigen Frauen ohne Kind bei 74 % lag. Der Unterschied in der Erwerbsbeteiligung zwischen Frauen mit und ohne Kind(er) schwächt sich mit zunehmendem Alter ab und endet in einem Alter von Mitte 40. Danach verlaufen die Quoten erwerbstätiger Müttern und Kinderlosen ähnlich. Die höchste Erwerbstätigenquote von etwa 70 % zeichnet sich bei Müttern erst im Alter von 40 bis 50 Jahren ab, während Kinderlose bereits im Alter zwischen 30 und 40 Jahren mit rund 80 % am häufigsten erwerbstätig sind.99 Für den Umfang der Erwerbsbeteiligung von Frauen, spielt das Alter des jüngsten Kindes eine entscheidende Rolle. Je jünger das Kind ist, umso niedriger ist die Frauenerwerbstätigenquote. Mit zunehmendem Alter des Kindes nimmt diese wieder zu. Betrachtet man jedoch die Arbeitszeitmodelle erwerbstätiger Mütter, stellt sich heraus, dass sowohl Mütter mit Kindern unter drei Jahren, als auch Mütter mit Kindern unter neun Jahren zu über 70 % einer Teilzeittätigkeit nachgehen. Erst bei Müttern mit Kindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, sinkt der Wert knapp unter 70 %.100 Das lässt darauf schließen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für diese Mütter nicht möglich ist. Ein regionaler Vergleich der Frauenerwerbstätigenquote zwischen den östlichen und westlichen Bundesländern zeigt zudem auf, dass die Erwerbsbeteiligung der Mütter mit Kindern im Krippenalter (0 bis 3 Jahre) im Osten mit 38,7 % deutlich höher liegt als im Westen (30 %). Die Ursachen hierfür dürften in der besseren Ausstattung mit Krippen bzw. Ganztagsbetreuungsplätzen liegen. So lag 2012 die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren in den westdeutschen Bundesländern bei durchschnittlich 22,3 %, im Osten war sie mit 49 % mehr als doppelt so hoch. Auch bei den Öffnungszeiten der Einrichtungen gibt es große Unterschiede. Im Durchschnitt öffnen die Kindertageseinrichtungen im Osten früher und schließen später als die im Westen. Die Quote Vollzeit-arbeitender Frauen lag im Osten mit 53 % deutlich höher als im Westen mit 22,1 % Die Teilzeitquote fiel im Osten mit 47 % entsprechend geringer aus als im Westen mit 77,9 %.101 Dieser Vergleich verdeutlicht, dass eine hohe Kinderbetreuungsquote zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie führt und damit die Erwerbstätigkeit von Frauen positiv beeinflusst. Eine Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nach den tatsächlich realisierten und gewünschten Arbeitszeitmodellen von Frauen hat ergeben, dass fast die Hälfte der regulär teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei Drittel der Mini-Jobberinnen die vereinbarte Arbeitszeit gerne deutlich ausweiten würden. Hier besteht demnach noch beachtliches Arbeitszeitpotenzial, das bei entsprechend vorhandenen Rahmenbedingungen in Zukunft erschlossen werden könnte.102

Schweden gilt als Vorreiter bei der Arbeitsmarktintegration von Frauen. Dies drückt sich in einer überdurchschnittlich hohen Frauenerwerbstätigenquote aus. Bereits 1992 lag diese bei 79,6 %. Seitdem nahm sie jedoch geringfügig ab und stagniert seit 2002 auf einem Niveau von rund 76 %103 Mit 76,8 % war die Beschäftigungsquote der Frauen 2012 fast so hoch wie die der Männer (81,9 %).104 Somit lag sie weit über dem Lissabon-Ziel für weibliche Beschäftigung (60 %). Gemessen an den 73,7 % im Jahr 2011 ist die Beschäftigungsquote von Müttern mit Kindern unter sechs Jahren die vierthöchste in der EU. Begünstigt wird die hohe Erwerbstätigenquote der Frauen vor allem durch Maßnahmen der schwedischen Sozial- und Familienpolitik, welche seit Jahrzehnten die Gleichberechtigung der Geschlechter fördert und die Vereinbarung von Beruf und Familie fördert.105 Dafür gibt der Staat 3,2 % des BIP für familienpolitische Leistungen aus (vgl. EU-Durchschnitt 2,3 % des BIP). Durch die hohen staatlichen Subventionen ist das Kinderbetreuungssystem in Schweden sehr gut ausgebaut und ermöglicht eine formelle Kinderbetreuung für 51 % der unter dreijährigen Kinder und 94 % der Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Allen Eltern ist eine öffentliche Kinderbetreuung auf Ganztagsbasis garantiert.106 Dies gilt auch für Kinder arbeitsloser Mütter, was diesen Frauen den nötigen Freiraum bietet, um sich zu bewerben oder weiterzubilden.107 Desweiteren fördert das Elterngeld, welches sich an dem Einkommen der Mutter vor der Geburt des Kindes bemisst, dass sich Erwerbstätigkeit und mehrfache Mutterschaft in Schweden nicht ausschließen. Es ist sogar umso wahrscheinlicher, dass eine gutverdienende Frau mehrere Kinder bekommt. Frauen werden zusätzlich ermuntert, sich beruflich zu entwickeln und eine höhere Position auf dem Arbeitsmarkt anzustreben, bevor sie Mütter werden.108 Zudem tragen flexible Urlaubs- und Arbeitszeiten für Eltern mit Kindern dazu bei, dass die Frauenerwerbstätigkeit in Schweden zu den höchsten in der EU gehört.109 So haben Eltern mit Kindern unter acht Jahren das Recht, ihre Arbeitszeit um bis zu 25 % zu kürzen.110 Dennoch ist der Anteil der in Teilzeit arbeitenden Frauen mit 18,4 % doppelt so hoch wie der Männer mit 9,8 %.111

3.3 Erwerbsbeteiligung älterer Erwerbspersonen

In den Lissabon-Zielen der EU wurde für die Altersgruppe der 55- bis 64- Jährigen eine Erwerbstätigenquote von 50 % vorgegeben, welche bis 2010 realisiert werden sollte. In Abbildung 9 ist die Entwicklung der deutschen Erwerbstätigenquote der 55- bis 64- Jährigen im Vergleich zu ausgewählten OECD-Ländern im Zeitraum von 2002 bis 2012 dargestellt. Es wird deutlich, dass die deutsche Erwerbstätigenquote im OECD-Ländervergleich seit 2003 kontinuierlich zunahm. Lag diese 2002 noch bei rund 38 %, stieg sie bereits 2007 auf über 50 % und überschritt damit das im Lissabon-Vertrag festgelegte Ziel. In dem betrachteten Zeitraum von zehn Jahren stieg die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen um ca. 25 %. 2012 wurde mit einem Wert von 62,2 % bereits das nationale EU-2020-Ziel, welches bis 2020 eine Erwerbstätigenquote von 60 % anstrebt, erreicht.112 Im OECD-Vergleich nahm Deutschland 2012 mit der Beschäftigungsquote von 62,2 % einen der vorderen Plätze ein, der Durchschnitt lag bei 55,9 %. Wie aus dem OECD-Beschäftigungsausblick 2013 hervorgeht, führten geringere Arbeitslosengeldansprüche, die Abschaffung der Förderung von Altersteilzeit und höhere Rentenabschläge bei frühzeitigem Renteneintritt zu einem massiven Rückgang von Frühverrentungen und infolgedessen zu einer erhöhten Erwerbsbeteiligung Älterer.113 Grundsätzlich korreliert das durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter mit der Beschäftigungsquote älterer Erwerbstätiger.114 Die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, insbesondere bei Frauen von 60 auf 65 Jahre, hat die Erwerbsbeteiligung positiv beeinflusst.115 2002 betrug die Erwerbsquote der 55-bis 64- jährigen Frauen 34,1 %. Innerhalb von zehn Jahren stieg diese um 18,6 Prozentpunkte auf 52,6 % an. Die der Männer nahm im gleichen Zeitraum, ausgehend von einem bereits höheren Wert (56,7 %) um 15 % zu.116 Der Unterschied zwischen den älteren und jüngeren Erwerbstätigen hat sich aufgrund der enorm gestiegenen Erwerbsbeteiligung Älterer in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Waren Ältere117 im Jahr 2002 halb so oft beschäftigt wie andere Personen im Erwerbsalter, beläuft sich der Unterschied aktuell nur noch auf ca. 26 %. Positiven Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung hatte auch der kontinuierliche Anstieg des Bildungsniveaus der 55- bis 64-Jährigen, was eine längere Teilnahme am Erwerbsleben begünstigte. Zugleich trug eine veränderte Zusammensetzung der Altersgruppe zum Anstieg der Erwerbsbeteiligung bei: So ist die Zahl der 60- bis 64-Jährigen seit einigen Jahren rückläufig, während die Zahl der 55- bis 59-Jährigen infolge geburtenstarker Jahrgänge der 1950er Jahre zunimmt. Dadurch hat sich die Erwerbsbeteiligung in der Gesamtgruppe der 55- bis 64-Jährigen erhöht. Einerseits hat sich die Erwerbstätigenquote Älterer in den vergangenen Jahren erhöht, andererseits gibt es unter ihnen, verglichen mit anderen Altersgruppen, immer noch sehr viele Langzeitarbeitslose. Für 62 % der älteren Erwerbslosen dauert die Arbeitssuche länger als 12 Monate, hingegen trifft das nur für 46 % der Erwerbslosen insgesamt zu. Dies deutet darauf hin, dass es älteren erwerbslosen Menschen schwerer fällt, eine neue Beschäftigung zu finden.118 Als Gründe hierfür können die Unterschiede in der Qualifikation der Erwerbspersonen sowie die verbreitete Vorstellung der Unternehmen genannte werden, nach der Ältere als weniger leistungsfähig eingeschätzt werden. In Deutschland förderte die Politik über Jahrzehnte Frühverrentungen und Vorruhestand, was zu einem negativen Bild der Leistungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer beitrug. Bis heute schränkt dies ihre Erwerbschancen ein.119 Laut einer Umfrage des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Berufsforschung glauben ca. drei Viertel aller Erwerbslosen über 50 Jahre, dass sie wegen ihres Alters auf jeden Fall Schwierigkeiten hätten, eine neue Stelle zu finden. Diese Annahme wird durch eine internationale Umfrage unter Arbeitgebern bestätigt: Im Jahr 2009 äußerten 38 % der deutschen Unternehmen die Befürchtung, dass eine ältere Beschäftigtenstruktur mit einer sinkenden Produktivität einherginge. Gleichzeitig vermuteten 94% der deutschen Arbeitgeber, dass die Kosten bei einer älteren Beschäftigtenstruktur gleich bleiben oder ansteigen würden. Mit anderen Worten: Älteren Beschäftigte würden weniger erwirtschaften als sie in Form ihres Lohnes erhalten. Diese Befürchtung könnte Unternehmen dazu veranlassen, sich von älteren Angestellten zu trennen bzw. keine Älteren einzustellen. Gründe hierfür könnten darin liegen, dass die Löhne in Deutschland häufig mit zunehmender Betriebszugehörigkeit automatisch ansteigen, unabhängig von der Leistung. Hierfür ist auch die Bezeichnung Senioritätslöhne geläufig. Viele Firmen praktizieren diese Strategie, um Mitarbeiter langfristig binden zu können. OECD -Studien zeigen, dass in der Vergangenheit in Deutschland vergleichsweise häufig Senioritätslöhne gezahlt worden sind. Empirische Studien bestätigen jedoch, dass dies zu signifikant weniger Einstellungen von 50- bis 64-Jährigen führt. Nach Meinung der Wissenschaftler könnte dies ein Grund dafür sein, dass Deutschland bei der Wiedereingliederung Arbeitsloser weiterhin Nachholbedarf hat und gerade unter Älteren der Anteil der Langzeitarbeitslosen besonders hoch ist. Die Bundesregierung versucht mithilfe sog. Eingliederungszuschüsse Langzeitarbeitslose und Personen über 50 Jahren wieder ins Berufsleben zu integrieren. Dafür zahlt sie den Arbeitgebern über die max. Förderungsdauer von 12 Monaten (für Langzeitarbeitslose) bzw. 36 Monaten (für über 50-jährigen) Eingliederungszuschüsse, die generell bis zu 50% des Gehalts des neuen Angestellten decken können. Diese Maßnahme ist jedoch umstritten, da nach Meinung von Experten die Unternehmen nach Beendigung der Förderungsdauer die Arbeitnehmer wieder entlassen würden.120

Der Zusammenhang, dass weniger gut gebildete Personen seltener erwerbstätig sind, trifft im europäischen Vergleich für Deutschland im besonderen Maße für Ältere zu. So liegt die Erwerbstätigenquote bei den Älteren mit hoher Qualifikation bei 75 %, bei denjenigen mit mittlerer Qualifikation bei 60 % und mit niedriger Qualifikation bei unter 30 %. Hierbei versucht die Bundesregierung durch die Förderung von Umschulungs- und Fortbildungmaßnahmen bzw. im Rahmen von Bewerbertrainings aktive Hilfe zu leisten. Betrachtet man weiterhin die Erwerbsstrukturen der Älteren, liegt bspw. die Zahl befristeter Beschäftigungsverhältnisse seit 2002 konstant bei 4 %. Damit ist Deutschland im OECD-Durchschnitt, der bei 9 % liegt, gut aufgestellt. Desweiteren wird in dieser Erwerbsgruppe deutlich, dass die Teilzeitarbeit ein weibliches Erwerbsphänomen ist. Von den 55-bis 64-jährigen Frauen gingen 2012 43 % einer Teilzeitbeschäftigung nach, bei den Männern lag die Teilzeitquote dagegen bei 9 %. Teilzeitarbeit wird im Alter immer häufiger für einen fließenden Übergang aus dem Erwerbsleben genutzt. Zudem können viele Menschen aus gesundheitlichen Gründen keiner Vollzeitbeschäftigung mehr nachgehen. Die Pflege von Angehörigen ist dabei ein weiterer wichtiger Punkt. Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen zukünftig maßgeblich die Zahl potenzieller Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt beeinflussen wird.

Abbildung 10 stellt verschiedene Entwicklungen des künftigen Arbeitskräftepotenzials in Abhängigkeit von der Erwerbsbeteiligung Älterer vor. Es wird deutlich, dass eine erhöhte Erwerbsbeteiligung Älterer den Rückgang des künftigen Arbeitskräftepotenzials abfedern kann. Bliebe die Erwerbsquote Älterer auf dem heutigen Stand, dürfte die Zahl der Erwerbspersonen bis 2050 um 9,5 Mio. auf 32 Mio. zurückgehen. Würden ältere Frauen zu den gleichaltrigen Männern aufschließen, dürfte sich der Rückgang um 1,3 Mio. verringern. Wenn die Erwerbsquote der 55-bis 64-jährigen Frauen und Männer weiter anstiege, ließe sich eine weitere Mio. Erwerbspersonen für den Arbeitsmarkt gewinnen.121

Schweden gilt seit Jahren als Vorbild bei der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer. Die Regierung konzentriert ihre politischen Bemühungen bereits seit den 1970er Jahren auf drei wesentliche Bereiche, um die Erwerbsfähigkeit Älterer zu sichern: Die Optimierung der Versicherungssysteme (Rentensysteme, Kranken-und Arbeitslosenversicherung), die Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Arbeitszeitflexibilisierung, lebenslanges Lernen und Gesundheit) und die Reintegration älterer Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt. Weitere Bemühungen zielen auf die Sensibilisierung der Gesellschaft für Fragen des Älterwerdens ab. Ziel ist es, alle Altersklassen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse zu integrieren und dadurch allen Menschen ein alternsgerechtes, aktives Leben zu ermöglichen.122 Diese politischen Bemühungen zeichnen sich seit Jahren in einer überdurchschnittlichen Erwerbstätigenquote Älterer ab. Wie aus Abbildung 9 ersichtlich wird, wies Schweden bereits 2002 eine Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen von hohen 68 % auf. Seitdem nahm diese weiter zu und lag im Jahr 2012 bei 73,1 %.123 Der Durchschnitt der OECD-Staaten wies hingegen 52 % auf.124 Für die aktive Arbeitsmarktpolitik gab das Land im Jahr 2012 1,1 % des Bruttoinlandprodukts für aktive Arbeitsmarktpolitik aus, der OECD-Durchschnitt lag bei 0,6 %.125 Finanzielle Anreize im Renten- und Sozialsicherungssystem haben u.a. dazu beigetragen, dass Ältere länger im Erwerbsleben verbleiben.126 Die Schweden gehen im Durchschnitt erst mit 65,7 Jahren in den Ruhestand – dem höchsten Schnitt in der EU.127

Eine nach dem Geschlecht differenzierte Betrachtung zeigt, dass die Differenz zwischen der Erwerbstätigenquote der älteren Frauen (69 %) und Männer (76 %) mit 7 % halb so hoch ausfällt wie in Deutschland (14 %).128 Vergleicht man weiterhin die Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung zwischen älteren (55-bis 64- Jährige) und jüngeren (25- bis 54- Jährige) Erwerbstätigen, stellt man fest, dass diese mit rund 15 % im Vergleich zu Deutschland (26 %) ebenfalls gering ausfallen. Eine häufige Befürchtung ist, dass eine hohe Erwerbstätigenquote Älterer vermehrt mit atypischen Beschäftigungsverhältnissen einhergeht. Hierzu zählen z.B. Teilzeit- und befristete Arbeitsverträge. Zu den Risiken atypisch Beschäftigter zählt zum einen, dass diese in der Regel weniger verdienen als andere, seltener an betrieblicher Weiterbildung teilnehmen können und Gefahr laufen, nach Auslaufen des Vertrages erwerbslos zu bleiben, denn Letzteres geschieht gerade im höheren Alter häufig. In Schweden liegt der Anteil älterer Erwerbstätiger mit befristeten Arbeitsverträgen jedoch bei 6,5 % (Stand 2012) und damit 2,5 % unter dem OECD-Durchschnitt.129 Zugleich gehen nur 13 % aller 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen einer Teilzeitbeschäftigung nach, auch wenn der Anteil der Frauen mit 17 % auch hier etwas höher ausfällt.130 Betrachtet man weiterhin den Anteil der 55- bis 64-Jährigen an den Gesamt-Langzeitarbeitslosen, liegt dieser mit 34 % deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 45 % und deutlich unter der Langzeitarbeitslosenquote von 62 % in Deutschland.131 Daraus ist abzuleiten, dass die Älteren im Falle einer Erwerbslosigkeit schneller wieder in ein Arbeitsverhältnis finden. Tatsächlich sichert die sog. Job and Development Guarantee Arbeitslosen zu, nach 60 Wochen ohne Beschäftigung an einer Maßnahme teilnehmen zu können und dabei weiter staatliche Unterstützung zu beziehen. Die Maßnahmen werden in Absprache mit dem zuständigen „Fallmanager“ (Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur) auf die jeweiligen Personen zugeschnitten und beinhalten zunächst häufig Bewerbungstrainings und spätere On-the-Job-Trainings, welche im Idealfall in einem Beschäftigungsverhältnis enden. Die Verknüpfung von Theorie und Praxis hat sich gut bewährt. Dies führt eher zu einer neuen Anstellung als rein theoretischer Unterricht.132 Weiterhin wird der Wiedereinstieg von Langzeitarbeitslosen und Personen über 57 Jahre in das Berufsleben durch Lohnsubventionen gefördert. Dabei erhalten die Arbeitgeber für jeden neu eingestellten Arbeitnehmer für die Dauer von 24 Monaten eine Lohnsubvention in Höhe von 75 %.133 Unter dem New Start Job Programm haben die Arbeitgeber zudem die Möglichkeit, die Lohnsteuer zurückerstattet zu bekommen, wenn sie einen Langzeitarbeitslosen einstellen. Die Vergünstigung gilt so lange, wie die eingestellte Person zuvor arbeitslos war – bei über 55-Jährigen doppelt so lange.134

Die Beteiligung an betrieblichen Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen ist in Schweden im internationalen Vergleich recht hoch, unabhängig von Geschlecht oder Alter.135 Durch Investitionen ins sog. Konzept des „Lebenslangen Lernens“ bietet das schwedische Erwachsenenbildungssystem, das bereits seit den 1950er Jahren praktiziert wird, gute Möglichkeiten, Qualifikationen zu verbessern.136 Die Regierung unterstützt zahlreiche Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen, um eine Verbesserung des allgemeinen Bildungsstandes zu erreichen.137 Als bedeutendste Maßnahme ist die im Jahr 1997 gestartete Erwachsenenbildungsinitiative zu nennen, die darauf abzielt das Qualifikationsniveau anzuheben und die Arbeitslosigkeit zu senken. Im Rahmen dieser Initiative haben jährlich über 100000 Personen, vor allem Arbeitslose und Geringqualifizierte, die Chance, eine höhere Schulbildung als Basis für das fortlaufende, lebenslange Lernen zu erhalten. Um die Fortbildung speziell Älterer zu forcieren, gewährt die Regierung darüber hinaus, Personen zwischen 51 und 55 Jahren, Stipendien für die Aufnahme universitärer, berufsbezogener Kurse. Fördervoraussetzung hierfür ist jedoch, dass es sich dabei um Berufsfelder handelt, in denen Arbeitskräftemangel besteht.138

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1 Zitat: http://www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/demografischer-wandel-demografie.html

2 Vgl. http://www.europarl.europa.eu/summits/lis_1de.html

3 Vgl. Sievert et al. (2013): S. 9

4 Vgl.https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/Zensus_Geschlecht_Staatsangehoerigkeit.html;jsessionid=527EA26033BD2E187A340986EB70E394.cae1

5 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): S. 5

6 Vgl. Das Demographie Netzwerk (2012):S. 6

7 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 107

8 Vgl. ebd. S. 112-114

9 Vgl. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Datum): Anleitung zum Wenigersein, Berlin, S. 19

10 Vgl. Dercks et al. (2010): S. 2

11 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 106

12 Vgl. Grumbach; Ruf (2007): S.40

13 Vgl. http//:demographie-netzwerk.de/trendthemen/fachkraeftesicherung/kompetenzen-der-generation-50-sind-wettbewerbsfaktor.html

14 Vgl. Walter et al. (2013): S. 12

15 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 29

16 Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/ Laenderinfos/Schweden/Wirtschaft_node.html

17 Die allgemeine Geburtenrate gibt die Anzahl Lebendgeborener pro Jahr auf 1000 Einwohner an. Sie wird durch die Geburtenhäufigkeit und die Altersstruktur der Bevölkerung bestimmt. Vgl. http://www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/geburtenrate-zusammengefasste -geburtenziffer.html

18 Vgl. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sw.html

19 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012):, S. 11

20 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 29-33

21 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2013): http//www.bib-demografie

22 Vgl. http://www.welt.de/politik/deutschland/article109739350/Deutschland-hat-zweitaelteste-Bevoelkerung-der-Welt.html

23 Als zusammengefasste Geburtenziffer wird die durchschnittliche Kinderzahl bezeichnet, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn für sie genau die altersspezifischen Geburtenraten zwischen ihrem 15. und 49. Lebensjahr gelten würden, die in dem betreffenden, aktuellen Kalenderjahr beobachtet werden. (Vgl. o.V. http://www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/geburtenrate-zusammengefasste-geburtenziffer.html

24 Maß zur Standardisierung der Sterblichkeitsverhältnisse eines oder mehrerer Kalenderjahre. Es gibt an, wie viele Jahre eine Person in einem bestimmten Alter durchschnittlich noch zu leben hätte. (Vgl. http://www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/lebenserwartung.html

25 Vgl. o.V. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2177.html

26 Vgl. o.V. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/Zensus_Geschlecht_Staatsangehoerigkeit.html;jsessionid=527EA26033BD2E187A340986EB70E394.cae

27 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): S. 5

28 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013), S. 9

29 Vgl. o.V. http://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/Studien/StABL_Entwicklung_Bevoelkerung_Haushalte.html

30 Vgl. Sievert et al. (2009): Ungleiche Nachbarn, Berlin, S. 12

31 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): S. 13

32 Vgl. o.V. http://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/Studien/StABL_Entwicklung_Bevoelkerung_Haushalte.html

33 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): S. 6

34 Vgl. o.V. http://www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/prognose-der-bevoelkerungsentwicklung.html

35 Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2011): Heft 1, S.12

36 Vgl. Walter et al., Robert Bosch Stiftung (2013) S.3

37 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 29

38 Vgl. o.V. http://www.bibdemografie.de/SharedDocs/Meldungen/DE/ Aktuelles_Box/2013_11_27_gdm_11_medianalter. html

39 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 29

40 Vgl. o.V. http://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/Studien/StABL_Entwicklung_Bevoelkerung_Haushalte.html

41 Vgl. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sw.html

42 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 11

43 Vgl. Haagensen, Nordic Council of Ministers (2013): S. 38

44 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 11

45 Vgl. o.V. http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/bevoelkerung

46 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 11-22

47 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 33

48 Vgl. o.V. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2177.html

49 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2013): S. 33

50 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 11

51 Vgl. Schaible et al., Robert Bosch Stiftung (2006): S.17

52 Vgl. Ebd. S. 6-15

53 Vgl. Statistisches Bundesamt (2009): S. 6

54 Vgl. Statistisches Bundesamt und Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (2013a):Datenreport 2013, S. 16

55 Vgl. Sievert et al. (2009): S. 12

56 Vgl. Lewis (2003) in Leitner et al. (Hrsg.) (2004): S. 62-84

57 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005): Gender-Datenreport S. 288

58 Maß zur Standardisierung der Sterblichkeitsverhältnisse eines oder mehrerer Kalenderjahre. (Vgl. o.V. http:/www.demografische-chance.de/die-themen/demografie-woerterbuch/lebenserwartung.html

59 Vgl. Walter et al. (2013): S. 22

60 Vgl. Nordic national statistical institutes, Nordic Council of Ministers (2013): S. 39

61 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 12

62 Vgl. o.V. http//www.demografische-chance.de/die-themen/themen-dossiers/demografie-international/schweden.html

63 Vgl. o.V. http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/bevoelkerung

64 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 39

65 Vgl. http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/bevoelkerung

66 Eltern erhalten 80 % des letzten Einkommens, wenn sie nach der Geburt Elternzeit nehmen. Beim folgenden Geschwisterkind innerhalb von 30 Monaten greift die Geschwindigkeitsprämie: Diese sieht vor, dass dem erziehenden Elternteil der gleiche Betrag an Elterngeld zusteht wie beim zuvor geborenen Kind. (Vgl .o.V., http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20080228_62479350.php)

67 Vgl. o.V. http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20080228_62479350.php

68 Vgl. o.V. http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/bevoelkerung

69 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 39

70 Vgl. o.V. http://www.schwedentor.de/land-leute/fakten/bevoelkerung

71 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 39

72 Vgl. o.V. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sw.html

73 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (Hrsg.) (2012): S. 44

74 Vgl. o.V. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sw.html

75 Vgl. o.V. http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060111_72443342.php

76 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 44

77 Vgl. o.V. http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/index_dateien/index_0603.php

78 Vgl. o.V. http:www.statistik.arbeitsagentur.de/nn_274122/Statistischer-Content/Grundlagen/Glossare/AST-Glossar/Erwerbspersonenpotential.html

79 Vgl. o.V. https://www.destatis.de/DE/Meta/AbisZ/

Erwerbstaetige.html;jsessionid=C74BC4D119C132DF7FB03B326DFC3B85.cae2

80 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 36

81 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 104

82 Vgl. Ebd. S.36

83 Vgl. Das Demographie Netzwerk (2012): S. 17f.

84 Vgl. ebd. S. 6

85 Vgl. UN DESA (2012): S. 17

86 Vgl. Israelsson, Torbjörn, OECD Local Economic and Employment Development (LEED) (o.J.): S. 5

87 Vgl. UN DESA (2011): S. 299

88 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 11

89 Vgl. UN DESA (2011): S. 299

90 Vgl. OECD (Hrsg.) (2012): Generation shift, S.4-10

91 Vgl. Lundkvist, Statistics Sweden (2012): S. 26f.

92 Vgl. Asef et al., Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2012): S.40-48

93 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 103

94 Vgl. Bundesagentur für Arbeit(2012): S. 22

95 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2012): S. 10 ff.

96 Vgl. Braatz, Deutsche Rentenversicherung (2013): S.294

97 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2012): S. 25

98 Vgl. Bundesministerium des Innern (2011): S. 103f.

99 Vgl. Keller et al., Statistisches Bundesamt (2014) in: Wirtschaft und Statistik12/2013, S.863

100 Statistisches Bundesamt (2014) in: Wirtschaft und Statistik12/2013, S.867

101 Vgl. Keller et al., Statistisches Bundesamt (2014) in: Wirtschaft und Statistik12/2013, S.865f.

102 Vgl. Wanger (2011): Kurzbericht Nr.9 /2011: S. 7

103 Vgl. o.V. http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/

table.do?tab=table&language=de&pcode=tsdec420&tableSelection=3&footnotes=yes&labeling=labels&plugin=1

104 Vgl. o.V. http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/

refreshTableAction.do;jsessionid=9ea7d07d30dc27387c5aed5c4878a77b964f8c51c09f.e34MbxeSaxaSc40LbNiMbxeNaNqNe0?tab=table&plugin=1&pcode=tsdec420&language=de

105 Vgl. o.V. http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060111_72443342.php

106 Vgl. o.V. http://europa.eu/epic/countries/sweden/index_de.htm

107 Vgl. o.V. http://www.berlin-institut.org/newsletter/Ausgabe_26_01_2011.html.html

108 Vgl. Andersson et al., online: http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060228_68422417.php

109 Vgl. o.V. http://europa.eu/epic/countries/sweden/index_de.htm

110 Vgl. o.V. http://www.schweden-navigator.de/08.html

111 Vgl. OECD (2012): Labour Force Statistics 2012, S. 50, online: http://www.oecd-ilibrary.org/employment/oecd-labour-force-statistics-2012_oecd_lfs-2012-en;jsessionid=4to7skqvkstfi.x-oecd-live-50

112 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2013): S. 10

113 Vgl. o.V. http://www.oecd.org/fr/els/emp/Country%20Notes-GERMANY%20(DE).pdf (26.01.2014)

114 Vgl. Mai et al. (2007): S.6

115 Vgl. Bundesagentur für Arbeit (2013): S. 13

116 Vgl. OECD (2012): Labour Force Statistics 2012, S. 112, Table 3; online: http://www.oecd-ilibrary.org/ employment/oecd-labour-force-statistics-2012_oecd_lfs-2012-en;jsessionid=4to7skqvkstfi.x-oecd-live-01

117 Der Begriff „Ältere“ wird im Folgenden synonym für ältere Erwerbspersonen verwendet.

118 Vgl. Statistisches Bundesamt (2011): S. 44ff.

119 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013), S. 7f.

120 Vgl. ebd.: S.29-35

121 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013), S. 10-16

122 Vgl. Barth et al., (2006) in: Bertelsmann Stiftung, S.204

123 Vgl. Statistics Sweden (2013): Labour market participation among older people, S.4

124 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013): S.12

125 Vgl. ebd. S.31

126 Vgl. Israelsson, Torbjörn, OECD /LEED (o.J.): S. 32

127 Vgl. http://www.demografische-chance.de/die-themen/themen-dossiers/demografie-international/schweden.html

128 Vgl. Mischke et al., Statistisches Bundesamt (2012): S.52

129 Vgl. Europäische Kommission/Eurostat (2013): S. 114

130 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013): S. 14 ff.

131 Vgl. ebd. S.17

132 Vgl. ebd. S.31

133 Vgl. Barth et al., (2006) in: Bertelsmann Stiftung, S.205

134 Vgl. Sievert et al., Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2013): S.30

135 Vgl. Mai et al., (2007): S.76

136 Vgl. http//www.eurotopics.net/de/homepresseschau/archiv/magazin/wirtschaft-verteilerseite-neu/skandinavisches_modell_2007_10/interview_palme_skandinavisches_modell/

137 Europäische Kommission (1997): Die Sozial-und Beschäftigungspolitik in Schweden – Generaldirektion Wissenschaftsreihe soziale Angelegenheiten - W 13A- Zusammenfassung

138 Vgl. Barth et al., (2006) in: Bertelsmann Stiftung, S.205 ff.

Details

Seiten
85
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656667001
ISBN (Buch)
9783656666974
Dateigröße
930 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274705
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,1
Schlagworte
demografiemanagement deutschland schweden

Autor

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Titel: Demografiemanagement in Deutschland und Schweden