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Burnout. Allgemeine Vorsorgemaßnahmen

Akademische Arbeit 2007 27 Seiten

Medizin - Sozialmedizin, Arbeits- und Berufsmedizin

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Burnout
2.1 Definition
2.2 Betroffene Personen- und Berufsgruppen

3 Prävention
3.1 Belastungsfaktoren reduzieren
3.1.1 Organisationsintern
3.1.2 Politische Ebene
3.1.3 Individuell
3.2 Entlastungsfaktoren
3.2.1 Familie und Freunde
3.2.2 Arbeitsumfeld und berufliche Entwicklung
3.2.3 Entspannung
3.2.4 Sport und Ernährung
3.2.5 Entlastende Handlungen, Rituale, Kreativität und Spiritualität
3.2.6 Entscheidung Beruf und Partnerschaft
3.2.7 Fortbildungen und Kurse
3.2.8 Selbstbelohnung
3.2.9 Regulierung der Nähe

4 Fazit

Literaturverzeichnis (und weiterführende Literatur)

Quellennachweis: Internetadressen

1 Einleitung

Der Begriff „Burnout“ wird in den letzten Jahren fast inflationär verwendet. Es gibt inzwischen über 9.200 Bücher die sich hauptsächlich, oder zumindest in einem Kapitel, diesem Thema widmen.

Zwischen 1974 und 1983 wurden ca. 1000 Bücher, Zeitungsartikel und Publikationen veröffentlicht, von 1983 bis 1990 schon 1.500. Bis Ende 2006 werden über 9.200 Bücher auf dem Markt sein. Wenn man den Suchbegriff Burnout bei Google eingibt, erscheinen 15.600.000 Ergebnisse.

Bei dieser Flut an Informationen ist es schwer, an fachlich korrekte und relevante Auskünfte zu gelangen, da zeitgleich viele – nicht immer seriöse – Anbieter für Prävention und Therapie ihre Dienste anbieten.

Man könnte davon ausgehen, dass Unternehmen und Führungskräfte sich mit der Erkennung und Prävention beschäftigen und gezielte Maßnahmen umsetzen. Das Gegenteil ist der Fall. Trotz inzwischen durch Studien belegte Einsparung an Kosten, die eine Prävention gegen Burnout erzielen würde, befassen sich nur wenige Unternehmen mit diesem Thema. Auch die Mitarbeiter selbst werden selten aktiv, um sich gegen Burnout zu schützen.

Der Trend der letzten Jahre, alles schneller und kostengünstiger herzustellen, geht einher mit einer zunehmenden Belastung der Mitarbeiter, und der Angst um den Arbeitsplatz. Wer die Leistung nicht erbringen kann, wird ausgetauscht. Ebenso bedrohen billigere Arbeitskräfte aus anderen Ländern Europas den Arbeitsplatz.

Burnout wird häufig noch als Schwäche, Versagen oder individuelle Fehlleistung angesehen, obwohl in der Forschung zunehmend akzeptiert wird, dass die Arbeitsbedingungen bei der Entstehung von Burnout eine wichtige Rolle spielen.

Viele Mitarbeiter werden aus diesen Gründen – selbst wenn sie Anzeichen von Burnout bei sich bemerken – nicht zu ihrem Vorgesetzten gehen und um Unterstützung bitten.

Deshalb kommt Führungskräften in einem Unternehmen eine entscheidende Rolle zu. Sie sollten als erste Anzeichen bei ihren Mitarbeitern (und auch bei sich selbst) erkennen, und geeignete Maßnahmen ergreifen. Außerdem sind sie für die Arbeitsstruktur im Team zuständig, und können durch eine gut geplante, für alle Mitarbeiter nachvollziehbare Struktur schon Entlastung schaffen.

Burnout wird häufig mit einer Kerze verglichen, die an beiden Enden brennt. Doppelt so hell, aber auch doppelt so schnell verbraucht. In der Mitte fehlt dann Substanz um weiter brennen zu können.

Das bedeutet für eine erfolgreiche Prävention:

- Die Belastungen reduzieren (die Kerze brennt langsamer)
- Die Entlastung erhöhen (mehr Substanz in der Mitte)

Gerade die Entlastungsfaktoren werden bei den Burnout-Tests meist nicht berücksichtigt, aber auch in den Ratgebern nicht besonders hervorgehoben. Bei Google finden sich gerade 51 Ergebnisse für Entlastungsfaktoren.

Häufig könnte mit dem Wissen über die Ursachen von Burnout, sowie einer gezielten Prävention, erhebliche Kosten für das Unternehmen (Arbeitsausfall) und die Volkswirtschaft (Krankenkosten, Rente, usw.) eingespart werden.

Ebenso stellt eine Prävention eine Verbesserung des Arbeitsumfeldes für die Mitarbeiter dar. Ein Ziel, das selbst in Zeiten von Einsparungsmaßnahmen im Interesse der Unternehmungsleitung liegen sollte.

Wo immer dies möglich war, wurden geschlechtsneutrale Formulierungen gewählt, in den anderen Fällen zur Verbesserung des Leseflusses nur die jeweils kürzere Formulierung. Selbstverständlich sind immer Personen beiderlei Geschlechts gleichermaßen gemeint.

2 Burnout

2.1 Definition

Der Begriff "Burnout" wurde erstmals 1974 vom New Yorker Arzt und Psychotherapeuten Dr. Herbert Freudenberger als Krankheitsbezeichnung verwandt und bedeutet "Ausgebrannt Sein“.

Die im Brockhaus von 1978 beschriebene Definition von Burnout lautet: „Kernenergietechnik: Durchbrennen von Reaktorenbrennstäben oder Komponenten infolge zu geringer Kühlung (Kühlmittelausfall) oder zu hoher Wärmeerzeugung (unkontrollierte Kernspaltung)."[1]

Die psychologische Definition fehlte damals noch. Inzwischen haben sich viele Wissenschaftler und Autoren mit dem Thema beschäftigt, und es gibt eine Vielzahl an Definitionen. Bis heute gilt die Feststellung von Maslach, „dass es keine Definition des Burnout gibt, die als Standard akzeptiert ist“.[2]

In den meisten Büchern oder Studien findet sich einer der drei im folgenden beschriebenen Ansätze, um Burnout zu definieren:

- Nach der Persönlichkeit (Individuumszentriert)
- Gesellschaftlich – Sozialwissenschaftlich
- Arbeits- und Organisationsbezogen

Persönlichkeitsbezogener Ansatz

Die bekanntesten Vertreter dieses Ansatzes sind Edelwich und Brodsky. Sie definieren Burnout „als zunehmenden Verlust an Idealismus und Energie, den die in den helfenden Berufen Beschäftigten als Folge der Arbeitsbedingungen erfahren. Auf Grund von Falldarstellungen und Interviews mit Betroffenen beschreiben sie Burnout als einen vierstufigen Prozess der Desillusionierung:

1.Stufe: Idealistische Begeisterung
2.Stufe: Stagnation, Gefühl des Festgefahrenseins
3.Stufe: Frustration
4.Stufe: Apathie

Burnout ist nach Edelwich und Brodsky also im Wesentlichen Verlust an Energie und Engagement durch fortschreitende Desillusionierung. In der Überidentifikation mit den Klienten sehen sie das entscheidende Kettenglied, das die einzelnen Phasen verbindet.“[3]

Gesellschaftlich-sozialwissenschaftlicher Ansatz

Cherniss betrachtet Burnout als „Verlust von moralischem Vorsatz oder Verpflichtung. Damit wendet er sich dagegen, Burnout als Stressreaktion zu betrachten. Verlust an Engagement, Entfremdung oder Schwächung moralischer Vorsätze sind ein Verlust sozialer Verpflichtung. Somit ist nach Cherniss Burnout ein Symptom dieser Verluste.“[4]

Auf diesen Ansatz wird nicht näher eingegangen, da die aktuelle Literatur den wissenschaftlichen Studien folgt, und diesen Ansatz als alleinige Ursache klar ausschließt.

Arbeits- und organisationsbezogener Ansatz

Allgemein beschreiben Pines und Kafry die Erfahrung von Burnout als „das Erleben von Distress, Unzufriedenheit mit Arbeit und Leben, Versagensgefühlen und dem Gefühl, es nicht mehr ertragen zu können.

Zentral in der Burnoutdefinition von Pines ist die körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung. Beispiele dafür sind körperliche Symptome wie Ermüdung, Energiemangel, Unfall- und Krankheitsanfälligkeit, emotionale Symptome wie Niedergeschlagenheit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, Reizbarkeit und Nervosität und geistige Symptome wie eine negative Einstellung zu sich selbst, zum Leben und zur Arbeit allgemein.

Bei der Entstehung von Burnout spielen laut Pines und Kafry Persönlichkeitsfaktoren und Umweltbedingungen eine Rolle.

Als Umweltfaktoren nennen sie im Wesentlichen Stress und Unzufriedenheit erzeugende Arbeitsbedingungen wie Überforderung, Rollendruck und Rollenambiguität, zu hohe Verantwortung, gleichförmige Routine, Mangel an Autonomie, fehlendes Feedback, fehlende soziale Unterstützung, schlechte Ausbildung und ungenügende Bezahlung. Persönlichkeitsfaktoren sehen sie in spezifischer Helfermotivation (Berufung), besonderer Sensibilität für soziale Not und emotionale Bedrängnis, klientenzentrierter Orientierung und dem Versuch, Selbstwertgefühle durch Selbstlosigkeit, Sympathie und Verständnis für andere zu erlangen. Copingstile und -fähigkeiten spielen eine besondere Rolle.“[5]

Die einflußreichste Definition, die den meisten Arbeiten zu Grunde liegt, stammt von Christina Maslach und Susan Jackson. Maslach und Jackson haben in den letzten 30 Jahren die umfassendsten Untersuchungen auf dem Gebiet Burnout gemacht. Christina Maslach ist Psychologie-Professorin an der Universität von Kalifornien, Berkeley.

„Burnout is a syndrome of emotional exhaustion, depersonalization and reduced personal accomplishment that can occur among individuals who do ’people work’ of some kind. ... The Emotional Exhaustion subscale assesses feelings of being emotionally overextended and exhausted by one’s work. The Depersonalization subscale measures an unfeeling and impersonal response towards recipients of one’s service, care, treatment or instruction. The Personal Accomplishment subscale assesses feelings of competence and successful Achievement in one’s work with people.“[6]

Maslach schreibt, „Burnout sei ein Syndrom, das bei Berufstätigen auftreten kann, die in irgendeiner Weise mit Menschen arbeiten. Das Syndrom ist eine Antwort auf die ständige emotionale Anspannung, die entsteht, wenn man intensiv mit Menschen arbeitet, vor allem wenn sie Probleme haben. Es kann als eine Art Job-Stress gesehen werden. Das Einzigartige bei Burnout ist, dass der Stress aus der sozialen Interaktion zwischen Helfer und Klient entsteht.

Emotionale Erschöpfung wird verstanden als das Gefühl, durch den Kontakt mit den Empfängern der Dienste (Klient / Patient) emotional überlastet, überanstrengt und ausgelaugt zu sein. Die emotionalen Ressourcen scheinen erschöpft zu sein.

Depersonalisation meint eine negative, abgestumpfte oder extrem distanzierte Beziehung zu anderen Menschen, die meist die Empfänger der Dienste oder Fürsorge der entsprechenden Berufsleute sind. Der Umgang mit den Klienten ist entpersönlicht, die Reaktionen ihnen gegenüber sind gefühllos, vergegenständlicht und objekthaft.

[...]


[1] Brockhaus; Lexikon des Verlages Brockhaus

[2] Maslach, C. (1982). Understanding burnout. Definitional issues in analyzing a complex phenomenon

[3] Vgl. Edelwich, J. & Brodsky, A. (1984). Ausgebrannt - Das Burn-out-Syndrom in den Sozialberufen.

[4] Vgl. Cherniss, C. (1982). Burnout: Two ways of defining it and their implications

[5] Vgl. Pines, A.M. & Kafry, D. (1978). Occupational tedium in the social services.

[6] Maslach, C. & Jackson, S.E. (1981). The Maslach Burnout Inventory. Research edition. Maslach, C. & Jackson, E. (1986). Maslach Burnout Inventory Manual (2nd ed.)

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656666646
ISBN (Buch)
9783656673590
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274622
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Rhein-Neckar e. V.
Note
1,3
Schlagworte
burnout allgemeine vorsorgemaßnahmen

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Titel: Burnout. Allgemeine Vorsorgemaßnahmen