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Crowdinvesting

Crowdfunding von innovativen Startups

Bachelorarbeit 2014 69 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Problemstellung
1.3 Forschungsfragen
1.4 Aufbau und Struktur

2. Literatur Überblick
2.1 Begriffliche Abgrenzung
2.1.1 Der Ursprung - Crowdsourcing
2.1.2 Formen des Crowdsourcing
2.1.3 Startups - Gründungsfinanzierung
2.1.4 Traditionelle Finanzierungsformen im Überblick
2.2 Crowdfinancing
2.2.1 Definition Crowdfunding
2.2.2 Entwicklung des Crowdfundings
2.2.3 Crowdfunding Arten
2.2.4 Ausprägungsformen des Crowdfunding
2.2.5 Ausprägungsformen des Crowdinvesting
2.2.6 Gegenwärtiger Stand von Crowdfunding
2.2.7 Prognose
2.3 Crowdinvesting
2.3.1 Akteure
2.3.2 Motivationsfaktoren
2.3.3 Rechtliche Lage in Deutschland

3. Methodologie
3.1 Research Design
3.2 Spezifizierung
3.3 Limitation

4. Seedmatchs
4.1 Präsentation der Plattform
4.2 Ertragsmodell von Seedmatch
4.3 Seed Facts
4.4 Crowdinvesting Prozess
4.4.1 Startup Perspektive
4.4.2 Investoren Perspektive
4.5 Rechtsform des Investments
4.5.1 Partiarisches Nachrangdarlehen
4.5.2 Exit Beteiligung
4.5.3 Einfaches Rechenbeispiel
4.6 Vergleich der Crowdinvesting Plattformen
4.7 SWOT Analyse Seedmatch

5. Startups bei Seedmatch
5.1 Kritische Erfolgsfaktoren
5.2 Analyse der Startups nach den Erfolgsfaktoren
5.2.1. E-volo - Luftfahrt Revolution Made in Germany
5.2.2 AO Terra - Green local efficient
5.2.3 MiBaby - die erste Anlaufstelle für Babyshopping
5.2.4 NeuroNation - Fitnessstudio für Ihren Kopf
5.2.5 Roomsurfer - find a perfect Flatmate
5.3 Zusammenfassung der Erfolgsfaktoren

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Formen des Crowdsourcing

Abbildung 2: Google Suchanfrage nach Crowdfunding

Abbildung 3: Crowdfinancing Arten

Abbildung 4: Crowdfunding Arten weltweit

Abbildung 5: Erfolgreich finanzierte Projekte durch CF in Deutschland

Abbildung 6: Erfolgsquote der durch CF finanzierten Projekte 2012

Abbildung 7: Eingesammeltes Kapital durch Crowdinvesting

Abbildung 8: Durch Crowdinvesting eingesammeltes Kapital nach Plattformen

Abbildung 9: Crowdinvesting Prozess Seedmatch

Abbildung 10: SWOT Analyse Seedmatch

Abbildung 11: Begeisterungsfaktoren

Abbildung 12: Entscheidungsfaktoren

Abbildung 13: Investitionskriterien

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unternehmenslebensphasen

Tabelle 2: Traditionelle Finanzierungsformen in der Early Stage phase

Tabelle 3: Investmentoffer von Allbranded

Tabelle 4: Kündigung des partiarischen Nachrangdarlehen

Tabelle 5: Laufende Zinszahlungen des partiarischen Nachrangdarlehen

Tabelle 6: Exit Ereignis

Tabelle 7: Vergleich Crowdinvesting Plattformen Deutschland

Tabelle 8: E-volo

Tabelle 9: AoTerra

Tabelle 10: MiBaby

Tabelle 11: NeuroNation

Tabelle 12: Roomsurfer

Tabelle 13: Zusammenfassung der Erfolgsfaktoren

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Crowdfunding ist ein Schlagwort das seit 2006 immer populärer wird und in der Startup bzw. Gründerszene stetig an Bedeutung gewinnt. Sobald sich eine Idee zu einer Vision formt, diese durch unternehmerisches Denken und Handeln zu einem konkreten Plan ausgearbeitet wird, sind es nur noch wenige Schritte zu einem potentiellen Startup. Egal ob Software Entwickler aus den USA, deutsche Winzer, Dänische Filmemacher oder Altruisten aus aller Welt, sie haben alle eines gemeinsam - sie nutzen Crowdfunding Plattformen um finanzielle Mittel zu generieren. Wie gut und in welchem Ausmaß das funktioniert, wird im Laufe der Arbeit dar gelegt. Abhängig vom Geschäftsmodell, des Produktes oder des Services, gilt es eine gewisse Summe an Geldmitteln zu generieren um erfolgreich die ersten Samen in den Nährboden des Marktes zu säen. (vgl. Schwienbacher & Larralde 2010, S. 3)

Man unterscheidet zwischen Eigen,- und Fremdkapital. Die klassischen Finanzierungsformen um an externes Kapital zu gelangen sind Kreditfinanzierung, Leasing, Business Angels, Beteiligungsgesellschaften, Factoring, Lieferanten/Kunden, Partner/Netzwerke, Familie und Freunde. Da junge Unternehmen meistens nicht auf große Sicherheiten zurückgreifen können und es in der Gründungs,- bzw. Early Stage Phase unzureichende Cash Flows gibt, ist es für Startups schwer einen Kredit mit günstigen Konditionen zu bekommen. Genauso schwierig ist es Investoren zu begeistern welche bereit sind in ein Unternehmen/Projekt zu investieren, das bis dato noch kaum Erfolge vorzuweisen hat. Die Erfolgschancen sind vor allem bei innovativen Startups schwer einzuschätzen, weil diese neue Wege gehen und eine längerfristige Entwicklung nur schwer zu prognostizieren ist (vgl. auch Cosh et al. 2009, S. 1494).

In den letzten Jahren hat sich das Crowdfunding als eine interessante Finanzierungsalternative entwickelt. Die Unternehmer wenden sich direkt an eine undefinierte Menge an Menschen durch das Internet. Das Prinzip des Crowdfundings oder Crowdinvestings ist sehr facettenreich und bringt mehr als nur einen finanziellen Nutzen für die Initiatoren. Die Plattform agiert als Vermittler zwischen der Crowd und den Unternehmen (vgl. Schwienbacher & Larralde 2010 S. 3 ff). Faktoren wie Globalisierung, Deregulierung der Märkte, stärkere Durchdringung der Finanzmärkte durch Informations,- und Kommunikationstechnologien sowie die Ertragskrise der Banken zwingen junge Entrepreneure dazu nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen (vgl. Fromann & Dahmann 2005, S. 73). Ob Crowdfunding eine Alternative oder gar ein Substitut für traditionelle Finanzierungsformen werden kann, wird im weiteren Verlauf der Arbeit diskutiert.

1.2 Problemstellung

Das Thema Crowdfunding ist sehr jung und die Branche dynamisch. Allein in den letzten zwei Jahren haben die Aktivitäten enorm zugenommen und zuverlässige, aktuelle Daten zu dem Thema zu finden erscheint schwierig. Die Zahl von aktiven Plattformen hat sich weltweit seit 2010 von 283 auf 536 fast verdoppelt (de.statista.com 2013, online). Eine Auswertung von „für- Gründer.de" und „de.statista.com" wird diese Entwicklung in Kapitel 2.2.6 darstellen. Sehr viele Startups wurden bereits durch CFP's finanziert, allein im dritten Quartal 2013 wurden ca. 1.341.000 Euro von deutschen Plattformen gesammelt (de.statista.com 2013, online). Viele dieser Projekte erreichen das absolute Fundinglimit und sammeln zusätzlich z.B. bis zu 1200 % mehr des Betrages ein, der zur Realisierung des Crowdfundings notwendig gewesen wäre (www.seedmatch.de 2013, Projekt E-volo). Da eine Unternehmensgründung im engeren Sinne nicht gleich als Startup verstanden werden darf, ist es auch interessant zu erfahren welche Geschäftsmodelle für eine Crowd basierte Finanzierung geeignet sind. Vor allem in der Seed,- und Early Stage Phase des Unternehmens ist es schwierig Kapital zu generieren um zu wachsen. Neben Kreditfinanzierung, Geldleihen und monetäre Unterstützung von Freunden und Familien, Business Angels und Beteiligungsgesellschaften ist seit der Entwicklung des Web 2.0 das Crowdfünding möglich (vgl. Schwienbacher & Larralde, 2010, S. 3). Crwodfunding Plattformen schaffen Wert, in dem sie die Interaktion zwischen den Initiatoren und der Öffentlichkeit ermöglichen. Es gibt verschiedene Arten des Crowdfundings, die u.a. nach Teilnahmerechten, Gebühren der CFP's und nach der Entlohnung kategorisiert werden. (vgl. Giudici, et al. 2012, S. 2 ff). Man unterscheidet bei einer Crowdbasierten Finanzierung zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting. Die beiden Modelle differenzieren sich nach Projektart, wobei beim Crowdinvesting die Geldgeber daran interessiert sind mit ihrer Investition Rendite zu erzielen. Beide Begriffe werden in den Medien und in der Öffentlichkeit oft als Synonyme verwendet (vgl. Piller & Hilgers 2013, S. 94). Im weiteren Verlauf der Arbeit werden diese Formen getrennt und der Fokus wird auf die Ausprägungsform des Crowdinvestings gelegt.

1.3 Forschungsfragen

Anhand amerikanischer bzw. internationaler Plattform lassen sich bereits viele Rückschlüsse über die Funktionen dieses Finanzierungskonzeptes erklären. Diese Arbeit beschäftigt sich aber hauptsächlich mit deutschsprachigen Plattformen und Startups. Folgende Forschungsfragen gelten als Leitfaden:

Was sind die kritischen Erfolgsfaktoren für Startups um die Funding Ziele auf einer CFP zu erreichen?

-Welche Eigenschaften beeinflussen die positive/negative Evaluierung durch die Crowd?
-Wie arbeiten Crowdinvesting Plattformen? Welche Eigenschaften zeichnen Seedmatch aus?

Ziel der Arbeit ist es einen Überblick zum Thema „Crowdfunding" zu geben und zu analysieren, inwieweit Crowdinvesting als Anlageform geeignet ist. Mit den gewonnen Erkenntnissen aus der Literatur sowie aus der Casestudy sollen die kritischen Erfolgsfaktoren identifiziert werden, welche die Crowd überzeugen in Startups zu investieren.

1.4 Aufbau und Struktur

Um die Forschungsfragen ausführlich auszuarbeiten wird die Arbeit in drei Teile gegliedert. Ziel des ersten Abschnittes ist es dem Leser einen theoretischen Überblick zu verschaffen. In dieser Phase findet eine Analyse der relevanten Literatur statt. Wichtige Begriffe werden definiert und abgegrenzt. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Crowdfunding bzw. Crowdinvesting Plattform Seedmatch.de mittels einer Case Study analysiert. Neben der Plattform werden fünf Startups untersucht um Rückschlüsse über die Erfolgsfaktoren ziehen zu können. Ziel es die Faktoren zu identifizieren welche den Erfolg beim Crowdfunding bestimmen. Ebenfalls sollen die Renditechancen für die Crowdinvestoren beleuchtet werden. Mit der Beantwortung der Forschungsfragen sowie den Unterfragen, sollen die Mechanismen identifiziert werden die hinter einer Plattform stecken. Es soll ersichtlich werden wie sich Seedmatch von anderen Plattformen differenziert. Im letzten Kapital sollen anhand der gefundenen Ergebnisse Vor,- und Nachteile, sowie Chancen und Risiken für die Startups und die Investoren diskutiert werden.

2. Literatur Überblick

Um das Thema Crowdfunding zu verstehen und einen strukturierten Überblick zu erhalten, wird Bezug auf die relevante Literatur genommen. Es sollen diverse theoretische Ansätze festgehalten und zusammengefasst werden. Das Ziel dieses Kapitels ist eine theoretische Einführung in die Thematik.

2.1 Begriffliche Abgrenzung

Im Nächsten Abschnitt werden die wichtigsten Begriffe definiert, die Begriffsherkunft und die Entstehung sowie die Entwicklung des „Crowdfundings" erklärt. Da es sich um ein amerikanisches Konzept handelt, werden die englischen Begriffe (Crowd, Funding, Fundraising, Sourcing etc.) beibehalten. Außerdem werden verschiedene auf der Crowd basierende Modelle untersucht und voneinander getrennt.

Dank des Internets und sozialer Netzwerke konnte sich das Crowdfunding weitläufig verbreitet. Viele Bezeichnungen werden fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Mittlerweile kristallisieren sich markante Eigenschaften innerhalb der Modelle heraus die eine klare Differenzierung erlauben.

2.1.1 Der Ursprung - Crowdsourcing

Der Begriff Crowdsourcing wurde erstmals von Jeff Howe in einem Artikel im "American Wired Magazine" verwendet. Es setzt sich aus der Wörter Crowd und Outsourcing zusammen. „Remember outsourcing? Sending jobs to India and China is so 2003. The new pool of cheap labor: everyday people using their spare cycles to create content, solve problems, even do corporate R & D" (Howe 2006, S. 1). Er bezeichnete Crowdsourcing als neue und kostengünstige Form der Arbeit bzw. Arbeitsbeschaffung. Damit ist gemeint, dass die Crowd bzw. die Akteure einer Community Lösungen für spezifische Probleme entwickeln und dafür keine direkte bzw. im klassischen Sinne verstandene Entlohnung erhalten. Wenn man neues Personal in eine Organisation integriert, ist dieses längerfristig ans Unternehmen gebunden und verursacht Personalkosten. Bei einer Open Innovation Ausschreibung reicht die Crowd ihre Vorschläge ein und nach Evaluierung werden die besten Vorschläge belohnt. Das können u.a. einmalige Zahlungen oder andere Gegenleistungen in Form von Sachpreisen, Gutschriften etc. sein. Ed Melcarek stellte sich einer Herausforderung von Colgate Palmolive auf der Plattform „InnoCentive". Colgate Palmolive Ingenieure fanden keine Lösung zu einem Verpackungsproblem. Das Unternehmen suchte nach einem Weg die Zahnpasta in die Tube zu bekommen ohne dabei das Gel zu peptisieren. Ed Melcarek ein amerikanischer Elektroingenieur hatte innerhalb weniger Minuten eine effiziente Lösung parat. Seine Leistung wurde mit 25.000 Dollar honoriert (vgl. Howe, 2006, S. 4). Dank der Entwicklung des Web 2.0 und moderner Kommunikationsmöglichkeiten, haben sich für Unternehmen interessante Alternativen ergeben um auf neuen Ebenen Wert zu schöpfen. Beim Crowdsourcing geht es darum gewisse Teilaufgaben an eine undefinierte Menge an Menschen auszulagern. Im Gegensatz dazu bezeichnet Outsourcing einen Vorgang bei dem diese Aufgaben bzw. Wertschöpfungsaktivitäten an Drittunternehmen oder Institutionen ausgelagert werden, die mittels ihrer Kompetenzen effiziente Lösungen zu Problemstellungen liefern. (vgl. Leimeister, 2012, S. 388)

Frank Kleemann hat den Begriff anschließend in einfachen Worten wie folgt definiert: „Crowdsourcing, takesplace when aprofit orientedfirm outsources specific tasks essential for the making or sale of its product to the general public (the crowd) in the form of an open call over the internet, with the intention of animating individuals to make a contribution to the firm's production process for free or for significantly less than that contribution is worth to the firm". (Frank Kleeman 2008, S. 6)

Unternehmen engagieren die Crowd über das Internet und nutzen die verschiedenen Fähigkeiten vieler. Oft finden sich in der Masse talentierte und/oder bestens ausgebildete Menschen die einen wertschöpfenden Beitrag leisten können. Menschen die in einer gewissen Distanz zum Unternehmen stehen sehen die Dinge oft aus einer anderen, dezentralisierten Perspektive und kommen auf neue Lösungsansätze. Durch diesen Prozess kann Innovation geschaffen, kommerzialisiert sowie neues Wissen generiert werden. Im Crowdsourcing Modell verschwimmen die klassischen Grenzen zwischen Konsumenten und Produzenten welche im Zeitalter der Industrialisierung definiert wurden. Klemann bezeichnet den „Crowdsourcer" als Working Consumer, welcher interaktiv an der Wertschöpfung teilnimmt. Der Kunde kauft nicht nur passiv Produkte sondern wird als mitgestaltender Partner verstanden. Er dient als viraler Treibstoff im Web 2.0, gibt Feedback und beteiligt sich aktiv. (vgl. auch Frank Kleeman 2008, S. 9ff.)

Das Thema Crowdsourcing ist sehr breit und soll hier nur dazu dienen, den Ursprung des Crowdfundings bzw. Investings zu verstehen. Crowdsourcing ist in den letzten Jahren ein wichtiges Management Tool in der modernen Unternehmensführung geworden. Auf Plattformen wie z.B. „innocentive.com" können moderne Unternehmen, Regierungen und Behörden oder NGOs Teilaufgaben im Bereich der Forschung und Entwicklung an die Masse outsourcen bzw. Problemstellungen Crowdsourcen lassen. Verschiedene Disziplinen wie z.B. Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Physik, Ingenieurwesen, Design usw. werden auf der Seite nach Fachgebieten kategorisiert. Die Plattform „InnoCentive" hat eine Community mit über 300.000 registrierten Mitgliedern aus über 200 Nationen. Zu den wohl berühmtesten Usern bzw. Kunden gehört die NASA. Innovative und smarte Köpfe werden entlohnt, bauen ihre Netzwerke aus und genießen die Mitgliedschaft in einer gleichgesinnten Gemeinschaft. Unternehmen generieren Wissen durch die Community und können eventuell schneller und besser innovativ sein (InnoCentive Inc., 2013).

2.1.2 Formen des Crowdsourcing

Aus dem Modell des Crowdsourcing haben sich verschiedene Konzepte entwickelt. Man unterscheidet zwischen Crowdfunding, Crowdvoting und Crowdcreation unterscheiden. (vgl. Leimeister, 2012, S. 389)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Formen des Crowdsourcing

Quelle: Eigene Darstellung, modifiziert nach Leimeister (2012, S. 389)

2.1.2.1 „Wisdom of the Crowd"

In Bezugnahme auf Surowiecki (2004) können Organisationen „Wisdom oft he Crowd" (zu dt. die Weisheit von vielen) nutzen um Wert zu schöpfen. In seinem Buch „Wisdom of the Crowds" beschreibt er, dass eine Gruppe unter bestimmten Bedingungen bessere Ergebnisse erzielen kann als Einzelpersonen. Dazu sind drei Faktoren für den Erfolg ausschlaggebend: (1) die Größe der Crowd, (2) die Diversität der Meinungen sowie Ideen und (3) ein Mechanismus bzw. eine Plattform mit welcher die Ideen und Meinungen gesammelt und verarbeitet werden können. (vgl. Ofer Arazy 2006, S. 2)

2.1.2.2 Crowdfunding

Eine undefnierte Menge von Menschen wird über das Internet aufgerufen Projekte mittels Mikro Investitionen zu finanzieren. Plattformen agieren als Vermittler und eröffnen Startups die Möglichkeit Kapital auf diese Weise zu sammeln. (vgl. Giudici, et al. 2012, S. 2). Beim Crowdfunding kann wiederum mehrere Unterkategorien gebildet werden, auf die in den nächsten Kapiteln eingegangen wird.

2.1.2.3 Crowdvoting

Beim Crowdvoting wird davon ausgegangen, dass die Meinung vieler signifikanter ist als die von Einzelpersonen. Kunden sollen Feedback zu diversen Produkteigenschaften geben. Ein gutes Beispiel dafür ist der App Store von Android oder Apple. User bewerten die Apps, vergeben Punkte und können per Kommentar ihre Meinung hinterlassen. Von Kunden hinterlassene Meinungen suggerieren Seriosität, bauen Vertrauen auf und dienen als Kaufanreiz für unentschlossene Verbraucher. (vgl. Leimeister 2012, S. 389)

2.1.2.4 Crowdcreation

Die Crowd wird ermuntert kreativ und einfallsreich zu sein. Mit der Dynamik der Crowd sollen neue Inhalte geschaffen werden. User generated Content bedeutet, dass die Nutzer der Medien die Inhalte selbst gestalten können. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Plattform Youtube. (Hanno & Vollmar 2012, S. 4)

Amazon bietet die Plattform mturk.com an. Auf der Seite können Unternehmen Aufgaben inserieren und die Crowd kann diese aufgreifen und bearbeiten („get money" oder „get results"). (vgl. Leimeister, 2012, S. 390)

2.1.3 Startups - Gründungsfinanzierung

Bei einer Unternehmensgründung sind die Finanzierungsmöglichkeiten beschränkt. Ein Startup muss anfangs für sich und das dahinterstehende Geschäftsmodell die besten Möglichkeiten evaluieren und die Realisierbarkeit prüfen. Der folgende Abschnitt definiert das Schlagwort Startup und beschreibt Finanzierungsmöglichkeiten bei der Gründung.

2.1.3.1 Definition Startup

Ein Startup ist eine menschliche Institution, die ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung in einem Umfeld extremer Ungewissheit entwickelt." (Ries 2012, S. 32)

In einem Startup gibt es viele Abläufe die miteinander koordiniert werden müssen, Aufgaben und Ziele die es innerhalb eines definierten Zeitraumen zu erreichen gilt. Im Prinzip wirken dieselben Mechanismen wie in bereits etablierten Unternehmen. Jede Unternehmung braucht ein stabiles Grundgerüst, eine Organisation in der diese Abläufe reibungslos funktionieren. In der Gründungs,- oder Seedphase ist der Mensch die wertvollste Ressource. Entrepreneure prägen das Unternehmen und die Kultur von Anfang an durch ihre Persönlichkeit und ihren Geist. Produkte und/oder Geschäftsmodelle moderner Startups sind innovativ und schöpfen auf neuen Wegen Wert für den Kunden. Der Charakter solcher Startups wirkt oft jung, frech und rebellisch. Traditionelle Unternehmen und Geschäftsmodelle, wie z.B. klassische Produktionsbetriebe (Metall, Textil usw.), regionale Händler und Dienstleister (Gastwirtschaftsbetriebe, Lebensmittelhändler usw.) oder Handwerks Betriebe (Elektriker, Installateure usw.) sind von dieser Definition ausgeschlossen. Echte Startups sind oft disruptiv und schaffen neue Märkte bzw. agieren in Nischen die für große Unternehmen wirtschaftlich irrelevant sind (vgl. Ries 2012, S. 32ff.). Gegenwärtig kann auf diversen Plattformen wie z.B. „Gründerszene.de" oder „austrian-startups.at" dieses Phänomen beobachtet werden. Laut dem Bundesverband für Deutsche Startups, gibt es in Deutschland ca. 5000 Startups (vgl. Weigert 2013, onine) und jedes einzelne davon muss seinen Kapitalbedarf decken.

2.1.3.2 Definition - Gründungsfinanzierung

„Für eine Gründung ist spezifisch, dass diese durch einen Neuaufbau mit Errichtung einer Firma geschieht. Zweck der Aufnahme der unternehmerischen Tätigkeit durch den Gründer ist die Errichtung einer selbstständigen Existenz mit Gewinnerzielungsabsicht. Dazu ist es in der Regel erforderlich, dass der Unternehmensgründer wirtschaftliche Risiken trägt, als Financier insbesondere Eigenkapital zur Verfügung stellt und die wesentlichen unternehmerischen Entscheidungen trifft." (Portisch 2008, S. 72)

Bei jeder Gründung stehen Entrepreneure vor verschiedenen Herausforderungen die es zu überwinden gibt. In der frühen Phase sind Startups mit Engpässen konfrontiert. Es mangelt an diversen Ressourcen und Fähigkeiten, wie z.B. Kapital oder spezifisches Know How. Um diese Lücken zu füllen und fehlende Fähigkeiten zu erlangen braucht es, vor allem in der Early Stage Phase Kapital. (vgl. Achleitner & Engel 2001, S. 14)

Die nachfolgende Abbildung zeigt den Unternehmenslebenszyklus und den Kapitalbedarf sowie die Mittelverwendung. Die Zeitdauer der einzelnen Zyklen variert, abhänging von Unternehmen und Branche. In der Literatur gibt es verschiedene Modelle mit bis zu 10 Lebensphasen, diese Darstellung soll vorerst reichen um die Gewinn Entwicklung und den Unternehmens Lebenszyklus grob zu illustrieren.

Ein Unternehmen kommt gewöhnlich erst in der Later Stage Phase in die Gewinnzone. Davor liegt der Fokus des unternehmerischen Handels auf Tätigkeiten wie z.B. Forschung und Entwicklung, Marketingaktivitäten oder Planung der ersten Produktionsreihe. Die erste Phase ist die Early Stage Phase, sie beschreibt drei Stadien und zwar die Seed,- Startup,- und die First Stage Phase. In der Seedphase soll eine Idee, eine Vision verwirklicht werden und dazu brauchen Entrepreneure Kapital um Kompetenzen auszubauen. In dieser Phase werden Businesspläne geschmiedet, Prototypen erstellt oder Kapitalgeber gesucht. In der Startup Phase ist das Unternehmen bereits gegründet. Es wird Kapital für Markteinführungsmaßnahmen benötigt. In der Startup Phase ist das Unternehmen mit mindestens einem Produkt auf dem Markt und hat bereits erste Umsätze generiert. (Portisch, 2008, S. 72ff.)

Tabelle 1: Unternehmenslebensphasen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung modifiziert nach Portisch (2008, S. 73)

2.1.4 Traditionelle Finanzierungsformen im Überblick

In diesem Kapitel wird Crowdfunding von traditionellen Finanzierungformen getrennt. Der Fokus liegt auf der Unternehmensgründungphase und soll die einzelnen Formen darstellen. Um die Finanzierung bei einer Gründung zu ermöglichen können Unternehmer auf Interne sowie Externe Stakeholder zurückgreifen. Man unterscheidet zwischen Eigen,- und Fremdkapital (vgl. Cosh, et al., 2009, S. 1498).

Tabelle 2: Traditionelle Finanzierungsformen in der Early Stage phase

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

verstanden, die in rechtlicher,- sowie wirtschaftlicher Form Eigen,- und Fremdkapital sind. Besonders bei innovativen Startups sind das Gründungsrisiko sowie die Entwicklungskosten hoch. Mezzaninkapital stärkt die Eigenmittelbasis eines Startups. Mezzaninkapital kann in Form von Stillen Gesellschaften, Nachrangdarlehen, Wandelanleihen oder Genussrechten in das Unternehmen eingehen. (Portisch 2008, S. 81ff.)

2.2 Crowdfinancing

Neben Crowdinvesting werden auch andere Formen definiert um klare Grenzen zwischen den Ausprägungsformen zu ziehen. Um das Konzept zu strukturieren wird Crowdfinancing als Oberbegriff verwendet. In dieser Arbeit werden Crowdfunding Formen nach der Entlohnung bzw. Gegenleistung sowie nach Motivationsfaktoren der Investoren differenziert. Es soll ein Überblick über die Branche, den gesetzlichen Rahmen und die Akteure geschaffen werden. Neben allgemeinen Definitionen wird der gegenwertige Stand untersucht sowie eine Prognose zur zukünftigen Entwicklung dargelegt.

2.2.1 Definition Crowdfunding

Der Ursprung des Crowdfundings liegt im Crowdsourcing. Im Gegensatz dazu wird die Crowd nicht aufgerufen ihre Ideen, ihre Talente oder Meinung in ein Projekt einzubringen sondern es wird um finanzielle Unterstützung gebeten. (Bellaflame, et al. 2011, S. 8) Schwienbacher & Lambert (2010, S. 4) haben eine treffende Definition zu Crowdfunding publiziert:

„An open call, essentially through the Internet, for the provision of financial resources either in form of donation or in exchange for some form of reward and/or voting rights in order to support initiatives for specific purposes".

Crowdfunding ist die Finanzierung eines Projektes oder eines Unternehmens durch viele Kleinanleger. Eine undefinierte Menge von Menschen bzw. eine Crowd die sich über das Internet begeistern lässt und an der Entstehung teilnimmt. Damit das Projekt realisiert werden kann, stellt die Crowd finanzielle Mittel zur Verfügung. Der Zielbetrag wird in viele kleine Beiträge zerteilt und zur Investition frei gegeben. Viele Unternehmen scheitern daran, dass sie keine Investoren begeistern oder Fremdkapital Geber nicht überzeugen können, weil es an aussagekräftigen Kennzahlen oder an Referenz Erfolgen mangelt. Crowdfunding stellt eine Alternative zu traditionellen Finanzierungsinstrumten für Unternehmen in der Early Stage Phase dar (vgl. Bellaflame, et al. 2011, S. 4). Plattformen agieren als Vermittler zwischen der Crowd und den Initiatoren. Sie präsentieren das Projekt oder das Unternehmen und liefern notwendige Informationen für den potentiellen Investor. Beim Crowdfunding suchen die Initiatoren für einen spezifischen Zweck nach finanzieller Unterstützung. Investoren werden für ihren Beitrag, je nach Funding Art, entlohnt (vgl. Schwienbacher & Larralde, 2010 S. 4ff., vgl. auch Piller & Hilgers 2013, S. 93).

2.2.2 Entwicklung des Crowdfundings

Das Crowdfunding entwickelte sich aus dem Crowdsourcing und bildet neben Crowdcreation und Crowdvoting eine Unterform. Beim Crowdsourcing agieren diverse Online Plattformen als Vermittler. Initiatoren nehmen über Internet Kontakt mit einer undefinierten Menge von Einzelpersonen auf, um die Ressourcen, das Talent, Know How usw. vieler einzelner zu Nutzen. Crowdfunding ist als Idee nicht neu und hat historische Vorbilder. Während der Jahrhundertwende wurde die Bevölkerung beim Bau der Freiheitsstatue um finanzielle Unterstützung gebeten. Mittels Spenden konnte somit ein beachtlicher Betrag eingesammelt und der Sockel der Statue finanziert werden. Ebenso wurden 1908 über sechs Millionen Mark durch eine größere Menge an Menschen aufegebracht um die Produktion von Zeppelinen zu finanzieren. (vgl. Piller & Hilgers 2013, S. 92ff.) Mittlerweile gibt es hunderte Plattformen weltweit die in verschiedenen Diszplinen bzw. Branchen spezialisiert sind. Die ersten Plattformen die dieses Phänomen ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt haben waren „Sellaband" und „Kickstarter". Bei Sellaband konnten, wie der der Name bereits suggeriert, Musiker ihre Projekte vorstellen und nach finanzieller Unterstützung suchen. (vgl. Schwienbacher & Larralde, 2010 S. 4) Die amerikanische Kult Band „Public Enemy" nutzte im Jahr 2010 die Plattform www.sellaband.com um ein Budget von 75.000,- USD per Fan Funding für die Produktion ihres neuen Albums zu sammeln. Sie erreichten ihr Ziel innerhalb von sechs Monaten. (vgl. sellaband.com 2013, online). Das öffentliche Interesse an Crowdfunding entwickelt sich rasant, was allein an den Suchanfragen bei Google ersichtlich wird. Die Blaue Linie zeigt die weltweiten Suchanfragen nach dem Begriff Crowdfunding und sie in relativen Zahlen im Vergleich zum Höchstwert dar. Die Buchstaben in der Grafik sind Ereignisse die große Aufmerksamkeit in den Medien hervor riefen, wie z.B. Record Fundings. Der Höchstwert wurde im Oktober 2013 erreicht. Daraus kann man schließen, dass vor 2008 kaum öffentliches Interesse vorhanden war das grafisch dargestellt hätte werden können. (vgl. Google.com/trends, 19.12.2013) Der Erfolg von Crowdfunding ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. (1) Die Entwicklung des WEB 2.0, wodurch neue Kommunikationsmöglichkeiten entstanden. Das Phänomen wird durch soziale Netzwerke verbreitet und virale Effekte werden genutzt. (2) Der Mangel an Kapital bei Startups und strenge Bankenregulierungsgesetze die die Aufnahme von Fremdkapital erschweren. Die Wirtschaftskrise macht es ebenfalls für Entrepreneure kompliziert frisches Kapital für Projekte zu generieren. Investoren verlieren das Vertrauen in traditionelle Anlageformen und suchen nach Alternativen. (3) Das Erfolgreiche Konzept des Crowdsourcing beweist, dass durch das Internet und die Involvierung einer Crowd überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt werden können. (vgl. Giudici, et al. 2012, S. 5) Die folgende Grafik zeigt die Auswertung von Google.at/Trends, wie oft der Begriff Crowdfunding gegoogelt wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Google Suchanfrage nach Crowdfunding

Quelle: Google/trende.de, online (2013)

2.2.3 Crowdfunding Arten

Das Internet bietet eine Infrastruktur die es ermöglicht, große Mengen von Menschen auf ein Projekt aufmerksam zu machen. In der heutigen Crowdfunding Welt gibt es unzählige Projekte die auf diversen Plattformen je nach Zweck der Investition kategorisiert werden können. In der folgenden Abbildung wird das Konzept nach „monetären Anreizen" und" nicht monetären Anreizen" getrennt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Crowdfinancing Arten

Quelle: Eigene Darstellung modifiziert nach Piller & Hilgers (2013, S. 95)

Crowdfunding und Crowdinvesting unterscheiden sich anhand der finanzierten Projektform. Bei beiden Kategorien erfolgt die Akquise der finanziellen Mittel über das Internet. Neben dem finanziellen Nutzen, gewinnen Initiatoren Aufmerksamkeit für ihr Projekt oder im Falle des Crowdinvesting für das Startup. Geldgeber tragen das Projekt raus und verbreiten es über soziale Netzwerke, wodurch wieder neue Investoren begeistert werden können. Das Startup spricht mit seinem Geschäftsmodell und/oder Produkt eine spezielle Interessensgruppe an und kann Strategien entwickelt um attraktiv auf diese zu wirken. Dieser Effekt sollte nicht unterschätzt werden, denn durch ein optimales öffentliches Auftreten kann sich eine Dynamik entwickeln und hohe Summen können durch Mikrobeträge in kurzer Zeit gesammelt werden. Durch die Nutzung von Online Zahlungsdiensten können auch kleinste Beträge kostengünstig transferiert werden. (vgl. Piller & Hilgers 2013, S. 94ff.)

Im Jahr 2012 waren Crowd Sponsoring mit 43 %, sowie Crowd Donation mit 29 % als CF Formen weltweit am häufigsten vertreten. Crowdfunding mit nicht monetären Anreizen ist die häufigste Form, die von Initiatoren auf Plattformen präsentiert und von der Crowd unterstützt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Crowdfunding Arten weltweit

Quelle: für-gründer.de 2013, online

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Details

Seiten
69
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656663683
ISBN (Buch)
9783656663676
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274558
Institution / Hochschule
Management Center Innsbruck Internationale Fachhochschulgesellschaft mbH – Strategisches Management
Note
1
Schlagworte
crowdinvesting crowdfunding startups

Autor

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Titel: Crowdinvesting