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Fachsprachliche Besonderheiten in Schulbüchern. Untersuchung zweier Biologiebücher der Sekundarstufe II

Hausarbeit 2011 28 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachsprachen
2.1 Eigenschaften auf der Ebene des Fachwortschatzes
2.2 Grammatikalische Eigenschaften
2.3 Eigenschaften auf der Ebene des Textes

3. Textanalyse
3.1 Analyse I: Linder Biologie
3.1.1 Eigenschaften auf der Ebene des Fachwortschatzes
3.1.2 Grammatikalische Eigenschaften
3.1.3 Eigenschaften auf der Ebene des Textes
3.2 Analyse II: Biologie Cornelsen
3.2.1 Eigenschaften auf der Ebene des Fachwortschatzes
3.2.2 Grammatikalische Eigenschaften
3.2.3 Eigenschaften auf der Ebene des Textes

4. Zusammenfassendes Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang
6.1 Linder Biologie 392/393
6.2 Biologie Cornelsen S. 222/223

1. Einleitung

Was verbirgt sich hinter Begriffen wie „Plattentektonik“, „Emmissionshandel“ oder „Eurobonds“? Tag für Tag begegnen einem von allen Seiten Fachbegriffe dieser Art. Dass man da schnell mal den Überblick verliert, ist verständlich. Wieso sollte es den Schülern[1] da anders gehen? Für sie sind so viele Wörter mehr Fachwortschatz, ein Berg den es tagtäglich für sie zu erklimmen gilt. Umso dramatischer ist dies, wenn das Schulbuch, das eigentlich der Wissensvermittlung dienen soll, mit einer Fülle von neuen Fachbegriffen und komplexen Satzkonstruktionen, die diese erklären sollen, das Chaos noch größer macht. Die Bedeutung des Umgangs mit Fachsprache in einem Schulbuch wird oftmals unterschätzt. Dabei hängt gerade von der Art und Weise der Wissensvermittlung auch der Verstehensprozess ab. Dieser führt zu guten Noten, somit zu einem guten Abschluss und letztendlich zu einer erfolgreichen Berufskarriere. Wenn Sprache, insbesondere Fachsprache, zum Hindernis wird, kann dieser ganze Weg in eine andere Richtung gelenkt werden. Die Verantwortung, die hinter so einer Entscheidung für das richtige Schulbuch steckt, ist den meisten wohl nicht bewusst. Vielleicht könnten durch den verantwortungsbewussten Umgang von Fachsprachen einige Kommunikationsprobleme aus der Welt geschafft werden. Gerade in der Oberstufe werden die Texte immer komplexer, da der Anspruch stets höher wird. Die Schüler sollen auf die berufliche Zukunft, wo an Fachsprachen kein Weg vorbei führt, vorbereitet werden. Jedoch zeigt die Untersuchung von Schulbuchtexten, dass dies häufig auf dem falschen Wege getan wird, denn die Meinung, dass Sprach- und Fachunterricht zwei verschiedene Dinge seien ist noch häufig vertreten. Dabei ist dies nicht zu trennen:

„Das Sprachlernen im Fach Biologie befasst sich […] konkret mit dem Lernen wissenschaftlicher Begriffe und der Verwendung fach-kommunikativer und fachsprachlicher Strukturen mit der Zielsetzung des Kompetenzerwerbs zur Bewältigung von fachlichen Denk- und Handlungssituationen.“ (Kuplas 2010, S. 186)

Diese Arbeit soll den Umgang mit Fachsprachen in Schulbüchern analysieren. Die linguistischen Merkmale zweier exemplarisch ausgewählter Texte sollen auf Stärken und Schwächen hin untersucht werden. Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit zu erreichen, wurden zwei Texte ausgewählt, die dasselbe Thema behandeln. Bei beiden Texten handelt es sich um einen Einführungstext zur Übersicht der Immunbiologie. Gerade in solchen Einführungstexten, ist eine hohe Rate an neuen Fachwörtern zu erwarten.

Der Lehrplan für die Sekundarstufe II an Gymnasien in Rheinland-Pfalz ordnet den Themenkomplex Immunbiologie in das „Leitthema 5: Vererbung und Selbstorganisation lebender Systeme“.[2] (vgl. Lehrplan der Sekundarstufe II des Landes Rheinland-Pfalz). Die Behandlung der immunbiologischen Themen ist für die Klassenstufe 12 vorgesehen. Die Texte wurden ausgewählt, da hier ein besonderer Bezug zur Lebenswelt der Schüler herrscht. Durch das viele Reisen, aber auch im Alltag, werden die Schüler heutzutage häufig mit Infektionskrankheiten konfrontiert. Impfungen begleiten die Jugendlichen seit der frühen Kindheit. Somit ist ein großes Interesse an der Thematik zu erwarten. Dies schafft beste Voraussetzungen für die Wissensvermittlung durch Fachsprache. Es ist Aufgabe der Schulbücher, komplexe Thematiken verständlich darzustellen und die wichtigsten Fachbegriffe zu erläutern. Außerdem soll der Umgang mit diesen Begriffen im Wissenschaftsbereich durch die gezielte und logische Verwendung dargestellt werden. Durch die Arbeit mit Fachtexten kann so auch der Umgang mit Fachsprache erprobt und die Schüler für diesen Bereich der Sprache sensibilisiert werden. Die Arbeit soll untersuchen, in wiefern die beiden Schulbuchtexte diese Erwartungen erfüllen bzw. auf welche Hindernisse die Schüler bei dem Durchdringen der benutzten Fachsprache stoßen könnten. Dabei soll ein zusätzliches Augenmerk auf die eventuelle auftretende Problematik für Schüler mit Migrationshintergrund gelegt werden. Claudia Benholz und Christoph Schroeder leisteten in diesem Bereich beeindruckende Vorarbeit, daher werde ich mich in diesem Zusammenhang besonders auf ihre Untersuchungen beziehen.

Bevor im Kapitel 3 mit der eigentlichen Analyse unter den Gesichtspunkten Eigenschaften auf der Ebene des Fachwortschatzes, der grammatikalischen Eigenschaften und den Eigenschaften auf der Ebene des Textes begonnen werden kann, muss die Fachsprache an sich als Thema der Linguistik mit Hilfe von Sekundärliteratur erläutert werden. Dabei werde ich im 1. Kapitel, nach einer allgemeinen Einführung zum Thema Fachsprache, insbesondere auf die drei genannten Themenbereiche, die auch in der Analyse genauer betrachtet werden sollen, eingehen. Ich beziehe mich dabei insbesondere auf die Arbeit von Thorsten Roelcke aus dem Jahr 2010, der mit seinem Buch einen grundlegenden Überblick über die Fachsprache aus linguistischer Sicht bietet. Einige Ergänzungen kommen aus den Arbeiten von Hans-Rüdiger Fluck und Christoph Ragaz. Letzterer stellt in seinem sehr aktuellen Buch „Was macht Texte verständlich?“ die wichtigsten Strukturen der Sprache sehr übersichtlich und einfach dar. In der eigentlichen Untersuchung in Kapitel 3, wird versucht durch ein zusammenfassendes Fazit, den Vergleich auszuwerten und ein Resümee zu ziehen.

2. Fachsprachen

Fachsprache spielt eine große Rolle in unserem Leben. In zahlreichen Bereichen werden wir mit ihr konfrontiert. Nicht nur in der Schule treffen wir auf Fachtexte. Auch im Alltag müssen wir uns mit Bedienungsanleitungen oder Beipackzetteln herumschlagen, die allzu häufig sehr komplex geschrieben sind und dem Leser einige Schwierigkeiten bereiten, was häufig jedoch auch an der schlechten Übersetzung aus der Originalsprache liegt. Vor allem in den Wissenschaften spielt Fachsprache eine große Rolle, daher ist es besonders wichtig beim Erlernen dieser, wie zum Beispiel im naturwissenschaftlichen Unterricht, einen guten Zugang zu diesen zu finden. Fachsprache wirkt als Erkenntnisinstrument und „dient der Fixierung von Beobachtungen, der Aufstellung von Hypothesen und der Theoriebildung“ (Fluck 1991, 34). Mit ihr können Erkenntnisse festgehalten und übermittelt werden. Sie erhebt den Anspruch auf Exaktheit, Präzision, Ökonomie und leichte Handhabung. (vgl. Roelcke 1991, 35) Fachsprachen können zum Hindernis werden, wenn sie diese Merkmale verliert. Dies führt immer häufiger zu Kommunikationsproblemen zwischen Fachleuten und Laien. (vgl. Ebd.) Insbesondere für Menschen mit Migrationshintergrund ist es oft sehr schwierig Fachsprachen zu verstehen, denn:

„Weder stehen die Wörter in assoziativen Ketten zu ähnlichen und gegenteiligen Wörtern und Bedeutungen, noch besteht ein emotionales Verhältnis zu ihnen. So müssen sie neu „semantisiert“ werden.“ (Benholz/Schroeder 2003, S. 12)

2.1 Eigenschaften auf der Ebene des Fachwortschatzes

Der hohe Spezialiserungsgrad innerhalb der einzelnen Fachbereiche, erzeugte einen großen Pool an Fachwörtern. Der ständige Bedarf an neuen Wörtern setzt eine ständige Neubildung derer voraus. (vgl. Fluck 1991, 49) Die meisten Besonderheiten von Fachsprachen sind auf der lexikalischen Ebene zu finden, so ist es nicht verwunderlich, dass auch die meisten Forschungsarbeiten, vor allen Dingen bis zu den Siebzigern, den Fachsprachenwortschatz in den Mittelpunkt stellen. Dies führte teilweise sogar soweit, dass die Begriffe Fachsprache und Fachwortschatz gleichgesetzt wurden. (vgl. Roelcke 2010, 50) Gerade die Fachwörter sind von besonderer Wichtigkeit, da sie laut Fluck „die Aussage [tragen] und (…) eigentlich die Fachsprachen [konstituieren]“ (Fluck 1991, 47) Umso schwieriger wird die Rezeption von Fachtexten für Schüler, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, denn Benholz und Schroeder fanden heraus, dass es gerade innerhalb der Verwendung eines spezifischen Wortschatzes teilweise zu großen Problemen bei den Jugendlichen kommt. (vgl. Benholz/Schroeder 2003, S.13) Oft fallen die vorhandenen Defizite nicht oder erst zu spät auf, da „eine gute umgangssprachliche Kommunikationskompetenz oft zu Fehleinschätzungen der gesamtsprachlichen Kompetenz im Deutschen“ führt (Benholz/Schroeder 2003, S.15).

In der Forschungsliteratur wird das Fachwort sehr unterschiedlich beschrieben. So sind nach dem systemlinguistischen Inventarmodell Fachwörter als Elemente einer bestimmten fachsprachlichen Varietät anzusehen. In diesem Zusammenhang empfiehlt Roelcke auch besser von einem Fachsprachwort zu sprechen. Nach dem pragmalinguistischen Kontextmodell werden Fachwörter als Texteinheiten aufgefasst, die jeweils individuell im Zusammenhang zu betrachten sind. In diesem Rahmen ist wiederum besser die Rede vom Fachtextwort. Thorsten Roelcke bringt die beiden Modelle zusammen und spricht von einer „systematisch-pragmatische[n] Definition von Fachwort und Fachwortschatz“ (Roelcke 2010, 51):

„Ein Fachwort ist hiernach die kleinste bedeutungstragende und zugleich frei verwendbare sprachliche Einheit eines fachsprachlichen Sprachsystems, die innerhalb der Kommunikation eines bestimmten menschlichen Tätigkeitsbereichs im Rahmen geäußerter Texte gebraucht wird.“ (Roelcke 2010, 50 f.)

Der Fachwortschatz wird aus der Menge dieser bedeutungstragenden Einheiten gebildet. Der Fachsprachwortschatz kann in vier Gruppen gegliedert werden.

Der intrafachliche Fachsprachwortschatz umfasst die Wörter, die einer einzigen Fachsprache zugehörig sind. Fachwörter, die in mehreren Fachsprachsystemen auftauchen, werden zum interfachlichen Fachsprachwortschatz gezählt. Zum extrafachlichen Fachsprachwortschatz gehören Fachwörter, die zwar im Fachtexten vorkommen, jedoch eigentlich anderen fachsprachlichen Systemen zuzuordnen sind. All die anderen Wörter, die nicht fachlich geprägt sind, zählen zum nichtfachlichen Fachsprachwortschatz. (vgl. Roelcke 2010, 52) Letztere können von Fachwörtern deutlich unterschieden werden, da Fachwörter eine fachspezifische Bedeutung inne haben. Diese wird in Definitionen bestimmt. Ein wichtiges Merkmal von Fachsprachen sind metasprachliche Äußerungen über bestimmte sprachliche Einheiten. Darunter zählen die zahlreichen Definitionen, die in unterschiedlicher Weise auftauchen. So etwa die Nominal- und Realdefinition. Erstere „ist die sprachliche Festlegung einer (sprachlichen) Bedeutung. Unter einer Realdefinition [versteht man] die sprachliche Festlegung eines (übereinzelsprachlichen) Begriff“ (Roelcke 2010, 54). Die aristotelische Definition setzt sich aus Definiendum (sprachlicher Ausdruck, dessen fachliche Bedeutung festgelegt werden soll), Definitor (Verbindungsglied) und Definiens (sprachlicher Ausdruck, mit dem diese Feststellung vorgenommen wird) zusammen. (vgl. Roelcke 2010, 55) Sie wird in der klassischen Definitionslehre als Prototyp der fachlichen Definition gesehen. Desweiteren gibt es die explikative Definition, die aus denselben Bestandteilen, jedoch aus einer lockeren Verknüpfung von Merkmalsangaben besteht, die das Definiendum charakterisieren. Die exemplarische Definition besitzt ein Definiens, das „aus der Angabe besonders charakteristischer Beispiele“ (Roelcke 2010, 58) besteht. Mit dieser Eigenschaft unterscheidet es sich von der aristotelischen sowie der explikativen Definition. Letzteren sowie der exemplarischen Definition kommt eine besonders hohe Bedeutung zu, da diese beiden der „Assoziativität des menschlichen Denkens in starkem Maße Rechnung tragen“ (Roelcke 2010, 59). Diese Möglichkeiten der Assoziation sind besonders im Bereich der Fachsprachen besonders wichtig für den Lerner. Die genannten Definitionsarten zählen zu den wichtigsten ihrer Art, darüber hinaus gibt es jedoch noch einige weitere, wie etwa die genetische oder operationale Defintion, die induktive Definition, die Synonymdefinition, die kontextuelle Definition oder die wortassoziative Definition. (vgl. Roelcke 2010, 60 f.) Durch die so genannte Terminologisierung kommt ihnen eine Begriffsbedeutung zu. So kann dasselbe Wort mehrere Bedeutungen haben, je nachdem in welchem Fachbereich es verwendet wird. Der semantische Inhalt des Lexems wird also verändert. (vgl. Fluck 1991, 50) Ragaz weist darauf hin, dass die wechselseitige Beeinflussung zwischen einzelnen Sprachformen sehr produktiv sein kann, jedoch gerade in Schulbüchern verwirren kann. Dies trifft vor allem dann zu, wenn Wörter aus der Alltagssprache in der Fachsprache eine andere Bedeutung bekommen. (vgl. Ragaz 2011, S. 88) Besonders die aufkommende Flut neuer Fachwörter sieht er kritisch:

„Das Vertrauen in die Genauigkeit und Eindeutigkeit eines Fachwortes ist nach meinen Erfahrungen nicht immer berechtigt. Sogar Fachleute des gleichen Wissensgebietes definieren manchmal Fachwörter erstaunlich unterschiedlich. Allein schon deshalb ist es zu empfehlen, von Zeit zu Zeit die Bedeutung eines Fachwortes standardsprachlich zu umschreiben.“ (Ragaz 2011, S. 95)

[...]


[1] Ab sofort umfasst in der Arbeit der Begriff „Schüler“ beide Geschlechter. Beides gilt für das Wort „Lehrer“.

[2] Den gesamten Lehrplan findet man im Internet unter:http://lehrplaene.bildung-rp.de/lehrplaene-nach-faechern.html?tx_abdownloads_pi1%5Bcategory_uid%5D=85&tx_abdownloads_pi1%5Bcid%5D=5786&cHash=478c380ad2fc1975de0fbc3db4c50cfc

Details

Seiten
28
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656672487
ISBN (Buch)
9783656672531
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274554
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,3
Schlagworte
fachsprachliche besonderheiten schulbüchern untersuchung biologiebücher sekundarstufe

Autor

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Titel: Fachsprachliche Besonderheiten in Schulbüchern. Untersuchung zweier Biologiebücher der Sekundarstufe II