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Carl Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“. Der Beginn des neuen Volksstücks?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Zum Werk
2.1. Autor
2.2. Entstehung
2.3. Rezeption im Nationalsozialismus

3. „Der fröhliche Weinberg“ als Beginn des neuen Volksstücks?
3.1. Differenzen zwischen dem klassischem Volksstück und dem neuen Volksstück
3.2. Abkehr vom Expressionismus im neuen Volksstück

4. Charakterisierung der handelnden Personen.

5. Wesentliche literarische Elemente
5.1. Vitalismus
5.2. Naturalistische Bezüge

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ein Spaß bleibt‘s. Im ersten Akt, wenn das Lied vom „Rehlein“ gesungen wird; wenn die Rheinländer sich mehr streiten, was man eigentlich singen soll; wenn dann die große Holzerei ausbricht … und wenn dazu g´soffe wird, was im deutschen Herzen einen Widerhall findet: da brüllt das Haus, noch mehr als die Mimen.“[1]

So lautete das Urteil des bedeutenden, deutschen Theaterkritiker und Schriftstellers Alfred Kerr über die Uraufführung des Lustspiels „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer. Mit seiner Beurteilung des Stückes trifft Kerr den offensichtlichen, literarischen Kern des Stückes. In erster Linie handelt es sich bei dem „fröhlichen Weinberg“ um eine unterhaltende Komödie, die den Zuschauer zum Lachen und nicht zum Nachdenken bringen sollte und von vielen damaligen Kritikern als seichte Unterhaltung abgetan wurde.

Trotzdem und vielleicht gerade deswegen ist „Der fröhliche Weinberg“, wenn man einen tieferen Einblick wagt, keine gewöhnliche Unterhaltungskomödie sondern ein Werk, das auf Grund der Herkunft des Autors, seiner Entstehungsgeschichte und vor allem seiner Entstehungszeit, in einer Phase des Umbruchs und der Neuausrichtung der deutschen Theater- und Literaturgeschichte, diskussionswürdig war und immer noch ist.

Inwieweit „Der fröhliche Weinberg“ wirklich ein richtungsweisendes Puzzlestück in der deutschen Theater- und Literaturhistorie ist und warum das Stück, trotz allem, auf politischer, gesellschaftlicher und sozialer Ebene für Aufsehen sorgte, soll an Hand folgender wissenschaftlicher Abhandlung herausgearbeitet werden.

2. Zum Werk

2.1. Autorh

Carl Zuckmayer wurde am 27. Dezember 1896 in Nackenheim in Rheinhessen geboren. Sein Geburtsort ist insofern von Belang, da das Werk „Der fröhliche Weinberg“ in einem fiktiven rheinhessischen Winzerdorf, sprich in seiner Heimat, spielt.

Sein Vater war ein Fabrikant für Weinflaschenkapseln. Zuckmayer war also mit dem Milieu in dem „Der fröhliche Weinberg“ spielt, durchaus vertraut. In der Schule fiel er allenfalls durch schlechte Noten auf, mit Mühe und Not machte er sein Abitur und trat anschließend als Kriegsfreiwilliger in den 1. Weltkrieg ein. Nach dem Krieg studierte Zuckmayer bis 1920 Jura, Literaturgeschichte und Soziologie in Frankfurt am Main und in Heidelberg.

Im Dezember 1925 wurde „Der fröhliche Weinberg“ uraufgeführt – Zuckmayers großer, literarischer Durchbruch. Bis dato hatte er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten müssen. Seinen größten Erfolg hatte er 1931 mit der Veröffentlichung des „Hauptmann von Köpenick“.

1938 musste Zuckmayer - auf Grund Vorfahren mütterlicherseits ein Halbjude - aus Deutschland fliehen. Nicht nur wegen seiner Herkunft sondern auch wegen öffentlicher anti-nationalistischer Aussagen zog Zuckmayer den Zorn der Nationalsozialisten auf sich. Über die Schweiz emigrierte Zuckmayer in die USA, die er erst nach Ende des 2. Weltkrieges wieder Richtung Europa verließ. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Zuckmayer in der Schweiz, wo er am 18. Januar 1977 im Alter von 80 Jahren in Visp starb.

Zuckmayer war zweimal verheiratet: Zuerst von 1920-1921 mit seiner Jugendliebe Annemarie Ganz, anschließend mit der Wiener Schauspielerin Alice Frank, die er 1925 ehelichte und mit der er ein gemeinsames Kind hatte (Maria Winnetou, *1926).

2.2. Entstehung

Den „fröhlichen Weinberg“ begann Carl Zuckmayer im Sommer 1925 zu schreiben. Seiner späteren Frau Alice Frank las Zuckmayer das Werk erstmals vor. Alice Franks erstes Resümee war Folgendes: „Drei Akte lachte und lachte ich und bog mich vor lachen, […]. Aber beim vierten und fünften Akt spürte ich, das mein Lachen immer spärlicher wurde.[2] Woraufhin Zuckmayer die letzten zwei Akte strich und rief „Der fröhliche Weinberg ist tot, es lebe der „Fröhliche Weinberg“.[3]

Nachdem das Werk zunächst von sämtlichen Berliner Bühnen abgelehnt worden war, gelangte „Der fröhliche Weinberg“ in die Hände des Leiters des Bühnenvertriebes im Propylän-Ullstein-Verlag, Julius Elias. Dieser, so Zuckmayer, interessierte sich für meine Arbeit.[4] Noch bevor Zuckmayer den Vertrag unterschreiben konnte, wurde das Werk „Der fröhliche Weinberg“ vom Theaterkritiker der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, Paul Fechter, mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet. Der Kleist-Preis war in der Zeit der Weimarer Republik der bedeutendste Literaturpreis. Vor Zuckmayer hatten ihn unter anderem Schriftsteller wie Bertolt Brecht bekommen. In seiner Begründungsschrift lobte Fechter das Werk, als „saftige, lebendige und fröhliche Wirklichkeit“.[5]

Am 22. Dezember 1925 wurde „Der fröhliche Weinberg“ schließlich im „Theater am Schiffbauerdamm“ in Berlin uraufgeführt wurde anschließend zum meistgespielten Theaterstück der Weimarer Republik und befreite Carl Zuckmayer von seinen finanziellen Sorgen. Der Direktor des „Theaters am Schiffbauerdamm“, Heinz Saltenburg, rechnete „mit einer Laufzeit von einem Jahr, am Ende wurden es zweieinhalb“.[6]

Bis heute wurde „Der fröhliche Weinberg“ dreimal verfilmt, das erste Mal 1927, als schwarz-weiß Stummfilm, unter Mithilfe Carl Zuckmayers.

2.3. Rezeption im Nationalsozialismus

Ab 1925 bekamen nationale, rechtsgerichtete Kräfte in Deutschland wieder stärkeren Zulauf und diese echauffierten sich auch alsbald an Carl Zuckmayer und seinem Werk „Der fröhliche Weinberg“.

Zum einen hegten die Nationalsozialisten Groll an der Person Carl Zuckmayers, der wie erwähnt, ein Halbjude war und somit allein durch seine gesellschaftliche Herkunft isoliert wurde. Des Weiteren hatte Zuckmayer mehrfach öffentlich gegen den Nationalsozialismus Stellung bezogen. Mit den Worten wie „es war ein Hexensabbat des Pöbels und ein Begräbnis aller menschlicher Würde“[7] zog er ebenfalls die Ablehnung rechter Kräfte auf sich.

[...]


[1] http://www.helmut-zenz.de/hzzuckm.html

[2] Herdan-Zuckmayer, S.234

[3] Nickel, S.90

[4] Reinardt, S.236

[5] Nickel, S.94

[6] Lange, S.31

[7] Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir, S.72

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656671794
ISBN (Buch)
9783656671787
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274517
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Carl Zuckmayer Volksstück Weimarer Republik

Autor

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Titel: Carl Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“. Der Beginn des neuen Volksstücks?