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Wie beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensverteilung?

Bachelorarbeit 2012 34 Seiten

VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die ökonomische Globalisierung
II.1. Begriff und Globalisierungsindex
II.2. Indikatoren
II.2.1. Der internationale Handel
II.2.2. Die Direktinvestitionen

III. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Theorie
III.1. Der internationale Handel: Das Stolper-Samuelson-Theorem
III.2. Die Direktinvestitionen: Die Rolle der Multinationalen Unternehmen

IV. Ökonomische Globalisierung und Einkommensverteilung: Studien
IV.1. Untersuchungen und Ergebnisse
IV.2. Stärken und Schwächen der Studien

V. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung der weltweiten Globalisierung

Abb. 2: Entwicklung des weltweiten Warenhandels

Abb. 3: Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen pro Jahr

Abb. 4: Beiträge der Komponenten an der wachsenden Ungleichheit in IL

Abb. 5: Beiträge der Komponenten an der wachsenden Ungleichheit in EL

Abb. 6: Einfluss des Handels mit EL auf die Ungleichheit in den USA

Abb. 7: Das erweiterte Heckscher-Ohlin Modell

Abb. 8: Veränderungen im erweiterten Heckscher-Ohlin Modell

Abb. 9: Aktuelle Lohnentwicklungen der USA (1990-2010)

Anhang

A1: Regressionsgleichung aus Jaumotte et al. (2008)

A2: Das einfache Heckscher-Ohlin Modell

A3: Ausländische Beteiligung in China 1998-2007

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I. Einleitung

Bis auf wenige Ausnahmen ist die Einkommensungleichheit in den letzten 20 Jahren in den Ländern Europas, Asiens und den USA stark angestiegen (Jaumotte et al., 2008, S. 6). Da genau diese Periode häufig mit der Zunahme des internationalen Handels und dem Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen verbunden wird, steht die Globalisierung als Übeltäter im Fokus vieler Debatten.

Die ökonomische Globalisierung dient dazu, eine Vielzahl von Phänomenen zu be- schreiben, die die zunehmende Abhängigkeit der Länder voneinander reflektieren. Diese Phänomene umfassen Güter- und Dienstleistungsströme, FDI Flüsse, zuneh- mende Aktivitäten von Multinationalen Unternehmen, Migrationsbewegungen1 sowie die Aufteilung von Produktionsprozessen zwischen Ländern. Alle diese Komponen- ten haben in den letzten 2 bis 3 Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen und sind un- abdingbar für die schnelle Verbreitung von technischen Fortschritten, Informationen, neuen Gütern und Wissen über Ländergrenzen hinweg (Goldberg und Pavcnik, 2007, S. 5).

Während also offensichtlich viele von den Gewinnen der Globalisierung profitieren, gibt es dennoch in vielen Ländern Sorgen über die gerechte Verteilung der Gewinne. Es scheint als seien die Spitzenverdiener üppig belohnt worden, wohingegen gerin- ger qualifizierte Arbeiter mit weniger guten Arbeitsplätzen nur begrenzte Gewinne gesehen haben (IMF, 2007, S. 32). Entsprechend liegt in den OECD Staaten heute das Einkommen der Reichsten 10% im Verhältnis zu den Ärmsten 10% im Durch- schnitt bei 9:1, oder wie in den USA sogar bei 14:1 (OECD, 2011), deren Gini Koeffi- zient2 zwischen 1980 und 2008 von 35 auf etwa 40 Punkte stieg (Milanovic, 2011, S. 8). In Entwicklungsländern (im Folgenden mit EL abgekürzt) sieht es jedoch häufig noch schlechter aus. So stieg in China, dem Exportweltmeister 2011 und größtem asiatischem Empfänger von FDI, der Gini Koeffizient von weniger als 30 im Jahr 1980 auf 45 Punkte im Jahr 2008 (ebd., S. 8).

Die Zielfrage dieser Arbeit lautet: Wie beeinflusst die ökonomische Globalisierung die Einkommensverteilung? Da bei der Verbindung dieser beiden Komponenten der Forschungsschwerpunkt auf jenen Aspekten liegt, die entweder empirisch am besten zu erfassen sind oder für die bereits theoretische Modelle bestehen, wird der Fokus dieser Arbeit auf dem internationalen Handel, den Direktinvestitionen sowie der Analyse ihrer jeweiligen Wirkung auf die Einkommensverteilung liegen.

Seit den 80er Jahren erlebte der Welthandel eine starke Expansion, verbunden mit der zunehmenden Teilnahme der EL an diesem Geschehen, was schon früh zu Sor- gen über die Löhne der unqualifizierten Arbeiter in den Industrieländern (im Folgen- den mit IL abgekürzt) führte. Jedoch fanden Studien der 90er, wie Krugman (1995) in seinem häufig zitierten Aufsatz, nur einen geringen Einfluss des Handels auf Un- gleichheit. Wie aber sieht es heute aus, nachdem der Handel weiter expandierte und sich die Importe aus den EL verdoppelt haben (Krugman, 2008, S. 105)?

Daneben weisen auch FDI eine rasante Entwicklung seit 1980 auf und scheinen ei- nen Beitrag zur wachsende Einkommensungleichheit zu leisten, da verschiedene Studien zeigen, dass Multinationale Unternehmen (im Folgenden mit MNU abge- kürzt) ihren Angestellten höhere Löhne zahlen als umliegende Firmen und so direkt Einfluss auf die Einkommensverteilung nehmen (Lipsey, 2004, S. 345). Außerdem fließen FDI hauptsächlich in Sektoren, die vorrangig qualifizierte Arbeiter benötigen, was die Nachfrage und die Löhne zugunsten dieser Arbeiter verschiebt (Jaumotte et al., 2008, S. 14).

Um diesen Problematiken genauer auf den Grund zu gehen, wird die Arbeit wie folgt strukturiert: Kapitel 2 wird ein grundlegendes Verständnis für die Globalisierung, ihre Wirkungskanäle auf Ungleichheit und deren Entwicklung schaffen, damit im An- schluss die Wirkung untersucht und beurteilt werden kann. Dann zeigt Kapitel 3, wie die ökonomische Globalisierung theoretisch Einfluss auf die Einkommensverteilung nehmen kann. Hierfür steht im ersten Teil der internationale Handel mit dem theoreti- schen Stolper-Samuelson-Theorem, das neben seiner Vorstellung auch kritisch hin- terfragt wird. Danach wird im zweiten Teil für den Part der FDI dargelegt, wie diese theoretisch durch die Zunahme der Multinationalen Unternehmen Einfluss auf die Einkommensverteilung im Gastland3 nehmen können. In Kapitel 4 wird der Einfluss der ökonomischen Globalisierung anhand theoretischer und empirischer Aufsätze betrachtet. Hierbei werden im ersten Teil Studien und ihre Erkenntnisse präsentiert, um anschließend im zweiten Teil für 3 Studien exemplarisch Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Abschließend wird Kapitel 5 ein kurzes Fazit über die gewonnen Erkenntnisse ziehen.

II. Die ökonomische Globalisierung

II.1. Begriff und Globalisierungsindex

Vieles ist global geworden, vom Handel zum Tourismus, von politischen Handlungen zu internationalen Umweltproblemen bis zu unserem Lifestyle. Ob man Freunden in den USA eine E-Mail schickt, sich an günstigen Preisen für Kleidung erfreut oder über die Herkunft von BIO-Produkten diskutiert, häufig ist Globalisierung mit im Spiel (Dürrschmidt, 2002, S. 5). Doch welche Dimensionen umfasst die Globalisierung? Hierzu erklärt David Dollar (2001, S. 2):

"I define globalization as the growing integration of economies and societies around the world as a result of flows of goods and services, capital, people, and ideas.”

Dieser Prozess der weltweiten Verflechtung spiegelt sich vor allem in einer zuneh- menden Vernetzung des Handels und der Finanzmärkte, einer IT Dauerrevolution, einer verstärkten politischen Zusammenarbeit sowie in Fragen der globalen Armut wider (Dürrschmidt, 2002, S. 16). Folglich ergeben sich drei Kerndimensionen: die politische, die soziale und die ökonomische Globalisierung, wobei Wolf (2004, S. 14) die ökonomische Komponente als treibende Kraft für alles andere ansieht. Da diese auch im Fokus der vorliegenden Arbeit steht, soll nun die Definition enger gefasst werden. Nach Krueger (2000) stellt die ökonomische Globalisierung ein Phänomen dar, durch das wirtschaftlich Handelnde überall auf der Welt zunehmend beeinflusst werden durch Ereignisse, die auf irgendeinem Teil der Welt stattfinden. Außerdem gilt die weltweite Öffnung von Kapital-, Arbeits- und Gütermärkten als zentrales Merkmal der ökonomischen oder der liberalen Globalisierung, wie sie durch Wolf (2004, S.14) bezeichnet wird.

Will man die Entwicklung der Globalisierung messen, darf man jedoch nicht nur die ökonomische Komponente betrachten, denn durch die Liberalisierung von Handels- und Kapitalströmen, die verstärkte politische Zusammenarbeit und die zunehmende Informationsdichte rücken nicht nur die Märkte näher zusammen, sondern auch die Menschen (Rübel, 2008, S. 1). Daher unternimmt die ETH Zürich jedes Jahr den Versuch, alle 3 Dimensionen der Globalisierung zu messen und erstellt seit 1970 für jedes Jahr den KOF Globalisierungsindex, der mittlerweile für 187 Länder den Grad der Globalisierung angibt (ETH Zürich, 2012). Der ökonomische Aspekt wird durch Faktoren wie Güterhandel, Direktinvestitionstätigkeit und Arbeitsmobilität gemessen, während Internetnutzung und Entwicklung des Tourismus als Indikatoren der sozia- len Komponente gelten (Rübel, 2008, S. 1). Mitgliedschaften in internationalen Orga- nisationen und politische Kooperation bilden die politische Dimension ab (ETH Zü- rich, 2012).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung der weltweiten Globalisierung

(Quelle: ETH Zürich, Stand 07/2012, Internet link: http://www.kof.ethz.ch/static_media/filer/2012/03/16/kof_globalisierungsindex_2012.pdf)

Wie in Abb.1 ersichtlich, zeigen alle drei Dimensionen einen Aufwärtstrend seit den 1980er Jahren. Der stärkste Grad an Globalisierung liegt in den IL, Osteuropa und Zentralasien vor, wobei der KOF Globalisierungsindex in Westeuropa seit einiger Zeit stagniert. Beispielsweise belegt Deutschland als eines von 187 Ländern seit 2008 unverändert Platz 22. Die USA rangiert aktuell auf Platz 35 und musste im Bereich der ökonomischen Globalisierung einige Plätze einbüßen. Zum einen weisen die Vereinigten Staaten einen großen Binnenhandelsanteil auf, zum anderen zeichnen sich hier die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise ab, die bekanntermaßen ihren Anfang in den USA nahm. China befindet sich derweil auf Platz 73 des KOF Globali- sierungsindex. Aufgrund wachsender wirtschaftlicher Bedeutung und Engagement in der internationalen Politik schafft es China in den gehobenen mittleren Bereich (ETH Zürich, 2012).

II.2. Indikatoren

II.2.1. Der internationale Handel

Kaum etwas veranschaulicht die Entwicklung der ökonomischen Globalisierung so gut wie der kontinuierliche Anstieg des internationalen Handels.

Abb. 2: Entwicklung des weltweiten Warenhandels

(Index: 1960 = 1, in konstanten Preisen, Entwicklung in %, weltweit von 1960 bis 2010)

(Quelle: World Trade Organisation: International Trade Statistics 2010 und 2011, Stand 07/2012, Internet link: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52543/entwicklung-des-warenhandels)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 zeigt, dass der Welthandel von 1960 bis 2010 real um den Faktor 14,3 zuge- nommen hat, während die Weltwirtschaftsleistung auf den Faktor 5,5 stieg. Diese Entwicklung hat vor allem seit den 1980er Jahren an Dynamik gewonnen, was sich auch an den hohen prozentualen Zunahmen der Warenexporte widerspiegelt, wobei das Absinken um 11,9% von 2008 auf 2009 durch die weltweite Wirtschaftskrise er- klärt werden kann (bpb, 2012). Interessant ist auch, dass sich die Importe aus Ent- wicklungsländern in die USA seit 1990 verdoppelt haben. Erstmals im Jahr 2004 im- portierte die USA mehr Waren aus EL als aus den Industriestaaten (Krugman, 2008, S. 105).

Wesentlich für diesen Prozess waren die zahlreichen internationalen Abkommen, durch die es zu einer Liberalisierung des Handels kam. Als zwei wichtige Beschlüsse gelten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) zwischen Kanada, den USA und Mexiko, mit dessen Inkrafttreten 1994 viele Zölle zwischen diesen Ländern wegfielen sowie Bestimmungen der Uruguay-Runde, durch die 1994 die WTO ins Leben gerufen wurde (Krugman et al., 2012, S.31). Eine weitere wichtige Rolle bei dieser Entwicklung spielt auch die zunehmende aktive Teilnahme der EL am Welthandel. Während ihr Anteil hieran 1975 noch 12% betrug, hat er sich mittler- weile mehr als verdoppelt (Rübel, 2008, S.4). China stellt in diesem Zusammenhang ein herausragendes Beispiel dar, denn obwohl deren Anteil an den Weltexporten 1973 noch 1% betrug, ist China 2011 schon das dritte Jahr in Folge Exportweltmeister (bpb, 2012), was sicherlich auch durch den Beitritt zur WTO im Jahr 2001 begünstigt wurde.

II.2.2. Die Direktinvestitionen

Ein weiteres zentrales Merkmal der ökonomischen Globalisierung ist die zunehmen- de internationale Tätigkeit von Unternehmen (Rübel, 2008, S. 131). Diese MNU pro- duzieren nicht mehr nur im Inland, sondern errichten weitere Tochtergesellschaften im Ausland, für deren Gründung FDI erforderlich ist, wobei es sich hierbei um Unter- nehmensfusionen, Beteiligungen sowie Kapitaltransfers zur Errichtung ausländischer Niederlassungen handelt. FDI ist durch ein langfristiges Interesse des Investors, eine Beteiligung von mindestens 10% sowie der Absicht Einfluss auf das Management des ausländischen Unternehmens auszuüben, gekennzeichnet (bpb, 2012).

Abb. 3: Entwicklung der ausländischen Direktinvestitionen pro Jahr (FDI Inflows in absoluten Zahlen, 1980- 2007)

(Quelle: United Nations Conference on Trade and Development: Handbook of Statistics, Stand 07/2012, Internet link: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52575/auslaendische-direktinvestitionen-pro-jahr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 zeigt die Entwicklung der FDI Zuflüsse in Gastländer, die, ähnlich wie der in- ternationale Handel, einen drastischen Anstieg seit den 1980er Jahren verzeichne- ten. Die laufend getätigten Direktinvestitionen erhöhten sich von 55,1 Mrd. US-Dollar in 1980 auf 1.833,3 Mrd. US-Dollar in 2007. Davon fielen 2007 68% auf ökonomisch entwickelte Staaten, etwa 4,70% auf die Staaten Südosteuropas und GUS sowie 27,3% auf ökonomisch sich entwickelnde Staaten, wobei davon allein knapp 17% nach China flossen (bpb, 2012). Externe Schocks, wie die Anschläge vom 11. Sep- tember 2001 oder das Platzen der dot.com Blase im Jahr 2000, können zwar durch starke, anhaltende Verunsicherung der Märkte ein Einbrechen der FDI herbeiführen (wie in Abb. 3 ersichtlich), jedoch können auch sie den Trend, auf längere Frist betrachtet, nicht stoppen.

III. Ökonomische Globalisierung u. Einkommensverteilung: Theorie

III.1. Der internationale Handel: Das Stolper-Samuelson-Theorem

Das 1941 erstmals präsentierte Theorem von Wolfgang F. Stolper und Paul A. Sa- muelson bewegt sich im Rahmen des Heckscher-Ohlin-Modells, laut dem das Motiv zur Teilnahme am Außenhandel in den unterschiedlichen Ressourcenausstattungen der Länder begründet liegt. So werden sich IL, die relativ betrachtet reichlich mit Ka- pital ausgestattet sind, auf die Produktion und den Export von Gütern konzentrieren, die von diesem Produktionsfaktor (im Folgenden mit PF abgekürzt) intensiv Ge- brauch machen, wohingegen EL, die relativ betrachtet viele Arbeitskräfte besitzen, eher arbeitsintensive Güter produzieren werden (Rübel, 2008, S.83). Wenn nun die- se beiden Länder den Handel aufnehmen, führt dies zu einem Ausgleich der relati- ven Güterpreise, auf den, nach Aussage des Stolper-Samuelson-Theorems (im Fol- genden mit S-S-T abgekürzt), ein Faktorpreisausgleich unvermeidlich folgen muss (Borchert, 2001, S. 76). Für das S-S-T gelten folgende Annahmen:

Es werden 2 Länder, 2 Güter und 2 PF (qualifizierte und unqualifizierte Arbeiter) angenommen, wobei Land 1 relativ betrachtet reichlich mit qualifizierten Arbeitskräften ausgestattet ist und die weniger qualifizierten Arbeiter als reichlich vorhandener PF in Land 2 gelten.

Gut 1 erfordert mehr qualifizierte Arbeit und Gut 2 eher unqualifizierte Arbeit.

Es liegt keine Spezialisierung auf Güter vor. Die Länder importieren die gleichen Güter, die auch im Inland produziert werden (Borchert, 2001, S.76). Die PF sind innerhalb eines Landes mobil und zwischen den Ländern immobil. Es gibt keine Transportkosten oder Zölle, sodass die Güter international frei ge- handelt werden können und sich die Güterpreise vollständig angleichen können. Die in den Ländern eingesetzten Produktionstechnologien sind identisch (Rübel, 2008, S.83).

Es werden nur Endprodukte gehandelt (Pavcnik, 2011, S.241).

Das Theorem geht nun davon aus, dass sich die durch den Außenhandel veränder- ten relativen Güterpreise auf die Entlohnungen der PF auswirken (Bivens, 2007, S. 2), sodass der im jeweiligen Land reichlich vorhandene PF vom Außenhandel profi- tiert und der knappere PF Einbußen erleidet (Krugman et al., 2012, S.140). Für das IL heißt das, dass auf der einen Seite der relative gestiegene Güterpreis für Gut 1 (z. B. Computerchips) günstig auf die Löhne der qualifizierten Arbeiter wirkt, da dies der reichlich vorhandene PF im IL ist. Auf der anderen Seite sinkt der relative Preis für Gut 2 (z. B. Sportbekleidung), was sich ungünstig auf die Löhne der unqualifizierten Arbeiter auswirkt, da dies der knappere PF ist. Somit erleiden im IL diejenigen Arbei- ter Einbußen, die im Import konkurrierenden Sektor intensiv zum Einsatz kommen. Im EL sollte genau das Gegenteil geschehen. Hier sollte der Handel, durch die ge- stiegenen Löhne der unqualifizierten Arbeiter, die dort als reichlich vorhandener PF gelten, günstig auf die Einkommensverteilung wirken (Bivens, 2007, S. 2). Durch die- sen logischen Mechanismus könnte der Handel theoretisch die Einkommensvertei- lung beeinflussen und die Kombination aus gestiegenem Nord-Süd-Handel und ge- sunkenen relativen Preisen für Importgüter könnte zu einer größeren Ungleichheit in den IL beitragen, als frühere Studien der 90er mutmaßten (Krugman, 2008, S. 117).

Trotz dieser überzeugenden Logik des über 70 Jahre alten S-S-T, scheint es an der Zeit seine theoretischen Annahmen und Voraussagen einmal kritisch zu hinterfragen.

Zunächst nimmt das S-S-T an, dass beide Güter in beiden Ländern produziert werden. Verschiedene empirische Studien beweisen jedoch, dass dies nicht der Fall ist, sondern Länder mit einem höheren Arbeits-Kapital-Verhältnis, wie China, eher Textilien herstellen, wohingegen Länder mit höherem Kapital-Arbeits-Verhältnis, wie die USA eher Flugzeuge oder Computer produzieren. Diese Mutmaßung einer NichtSpezialisierung der Länder, worauf in Kapitel 4 näher eingegangen wird, wird sich als heutzutage unzutreffend erweisen.

[...]


1 Migrationsbewegungen gehören auch zu den Komponenten der ökonomischen Globalisierung. Auf- grund des erlaubten Umfangs der Arbeit kann dieser Aspekt jedoch nicht näher betrachtet werden.

2 Der Gini Koeffizient ist das gebräuchlichste Maß für die Messung von Ungleichheit. Er bewegt sich theoretisch von 0, wenn jeder das gleiche Einkommen hätte, bis 100 (oder 1) wenn eine einzelne Person das gesamte Einkommen einer Gesellschaft bekäme (Milanovic, 2011, S. 8).

3 Das Gastland ist das Land, in welches die Direktinvestitionen fließen.

Details

Seiten
34
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656729716
ISBN (Buch)
9783656729631
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274443
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
globalisierung einkommensverteilung

Autor

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