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Verbesserung der Handlungsorientierung vs. Lageorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit

Training der Selbstgesprächsregulation im Amateurfußball

Masterarbeit 2014 90 Seiten

Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

1. Einleitung

2. Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes
2.1 Handlungs- und Lageorientierung im Fußball
2.2 Rekonstruktion von Handlungsfähigkeit im Fußball

3. Problemstellung

4. Zielsetzung und Hypothesen
4.1 Spezifische Hypothesen

5. Zielgruppe
5.1 Zusammensetzung und Voraussetzungen
5.2 Größe und Aufteilung von Experimental- und Kontrollgruppe

6. Theoretischer Hintergrund
6.1 Motivation, Ziele und Volition
6.2 Handlungs- und Lageorientierung nach Misserfolgserlebnissen (HLOM)
6.2.1 Handlungs- und Lageorientierung bei der Handlungsplanung (HLOP)
6.2.2 Handlungs- und Lageorientierung bei Tätigkeitsausführung (HLOT)
6.3 Mentales Training
6.4 Kompetenzerwartung
6.5 Selbstgesprächsregulation
6.6 Trainingsplanung und -durchführung
6.7 Cooper-Test (12-Minuten-Lauf)
6.8 100-Meter-Sprint
6.9 Mannschaft

7. Methodik
7.1 Beschreibung der Datengewinnung
7.2 Beschreibung der Testgüte und Testkonstruktion des HOSP

8. Ergebnisse
8.1 Handlungsorientierung nach Misserfolg
8.2 Handlungsorientierung bei der Handlungsplanung
8.3 Handlungsorientierung bei der Tätigkeitsausführung
8.4 Der Cooper-Ausdauer-Test
8.5 100-Meter-Sprint
8.6 Interesse an der Sportpsychologie

9. Diskussion und Ausblick

Glossar

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang (Bilder/Tabellen)

Zusammenfassung

Im Rahmen einer Interventionsstudie wurden zwei Fußballmannschaften (40 Spieler) von zwei Schleswig-Flensburger Fußballvereinen im Herrenbereich (Kreisliga 1) aus sportpsychologischer und motorischer Perspektive getestet, um Aussagen über die Selbstgesprächsregulation im trainingspraktischen Alltag machen zu können. Zur Testung zählte zum einen der Handlungsorientierungsfragebogen-Sport (HOSP). Dieses Verfahren misst die Handlungsorientierung in drei Bereichen nach Misserfolg (HOM; 12 Fragen), bei der Handlungsplanung/-entscheidung (HOP; 12 Fragen) und während der erfolgreichen Tätigkeitsausführung (HOT; 12 Fragen). Zum anderen gehörten zur Testung der Cooper-Test (12-Minuten-Lauf) sowie der 100-Meter-Sprint. Die Teilnehmer machten Angaben zur Person/allgemeines Sportverhalten und -erfahrungen und beantworteten den Handlungsorientierungsfragebogen-Sport (HOSP).

Die zwei Gruppen wurden aufgeteilt in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe. Die Experimentalgruppe bekam eine sportpsychologische Intervention „Selbstgesprächsregulation“ und die Kontrollgruppe nur den geplanten Trainingsalltag sowie den Fragebogen. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, dass Interventionen (in diesem Fall die Selbstgesprächsregulation) die Handlungsplanung/-entscheidung und Ausdauerleistungsfähigkeit (Cooper-Test) verbessern können, hingegen die Handlungsorientierung nach Tätigkeitsausführung und Misserfolg sowie der 100-Meter-Sprint nicht signifikant waren. Selbstgesprächsregulation stellt für die Verbesserung der Handlungsorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit einen erfolgsversprechenden Bestandteil dar. Auf der Basis der Datenauswertung werden Empfehlungen für das innere Selbstgespräch mit Bezug auf die vorbenannten Testparameter gegeben.

Schlagwörter: Fußball - Selbstgesprächsregulation – Handlungsorientierungsfragebogen Sport – Cooper-Test – 100-Meter-Sprint

Sportpsychologie ist keine Zauberei,

eher ein großer Saal mit vielen verschiedenen Eingängen,

zu denen es gilt, den richtigen Schlüssel zu finden.

René Paasch, 2014

1. Einleitung

Neben den spezifischen Fähigkeiten, wie Technik, Taktik und Kondition sind die kognitiven Fähigkeiten der Spieler ausschlaggebend und repräsentativ für erfolgreiche Spiele im Fußball (Höner, 2008)

In Bezug auf die fußballspezifische Kompetenz, muss der Fußballer somit unter hohen Zeitdruck, im richtigen Moment, seine Leistung abrufen können. Es lassen sich im Fußball häufig Situationen beobachten, die für Zuschauer und Mitspieler nicht nachvollziehbar sind. Wer kennt nicht Situationen, in denen ein Spieler erfolglos auf das Tor schießt, obwohl zum Zeitpunkt des Torschusses ein Mitspieler besser steht?

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu wissen, welcher Unterschied besteht zwischen einem handlungsorientierten und lageorientierten Fußballer. Der Handlungsorientierung wird – insbesondere bei technisch und konditionell ausgebildeten Fußballspielern- eine hohe Bedeutung für die Spielfähigkeit im Fußball zugesprochen (Abemethy, 1999, S. 132). In der Praxis wird die Schulung allerdings nicht explizit in der Trainingsplanung berücksichtig jedoch bestimmen kognitive Komponenten in Verbindung mit der Aufmerksamkeit wesentlich die psychische Regulation der Handlungen des Sportspielers und damit seiner Spieltätigkeit und Leistung. Die Entwicklung solcher leistungsbestimmender Faktoren werden mehr oder weniger dem Zufall überlassen (Konzag, 1997). Als Konsequenz daraus ist die Handlungsfähigkeit mit Unterstützung innerer Gespräche gegenüber den bereits gut erforschten technischen Bereichen besondere Entwicklungsmöglichkeiten zuzuschreiben. Lageorientierte Fußballer zeigen schlechtere Leistungen vor allem bei Aufgaben, die fein- und grobmotorische Koordination verlangen, wie der angemessene Einsatz von Ressourcen wie z. B. Kraft und Konzentration (Gabler 2004, S. 223). Es gibt Sportarten, die allerdings lageorientierten Sportlern entgegenkommen (Beckmann & Kazén, 1994), sogenannte Einzel-Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Laufen und einige Leichtathletiksportarten. Handlungsorientierten Fußballern ist zwar möglich, sich kurzzeitig in eine Art Lageorientierung zu versetzen (analytisches Denken), jedoch vermögen lageorientierte Fußballer nur sehr schwer oder nur unter besonders positiven Umständen handlungsorientiert zu sein. Steigt der mentale Druck, werden lageorientierte Fußballer eher den Kontakt zu ihren sportlichen Fähigkeiten verlieren. Das Vertrauen in die eigenen intuitiven Fähigkeiten ist auch unter mentalem Druck vorhanden und wirkt sich dysfunktional auf das Teamgefüge und die Ausdauerleistungsfähigkeit aus. Häufig ist zu beobachten, wie Spieler ihre Leistung am Spieltag nicht abrufen können und sich eher mit äußeren Rahmenbedingungen beschäftigen. Im Fußball lassen sich durch innere Selbstgespräche Situationen besser bewältigen, wie z. B. die vorhandenen Leistungsressourcen im Spiel abzurufen (vgl. Schliermann & Hülß, 2008).

Seit vielen Jahren ist die Sportpsychologie fester Bestandteil der Fußballtrainer-Aus­bildung in Deutschland. Aber erst mit der Einführung des Talentförderprojekts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahr 2002 fand die Sportpsychologie regelmäßigen Zugang in den leistungsorientierten Fußball. Die angewandte Sportpsychologie gewinnt somit immer mehr an Bedeutung und Akzeptanz im deutschen Fußball und wird in den kommenden Jahren ein fester Bestandteil des Trainings- & Betreuungssystems werden. Schwerpunkte der Sportpsychologie im Fußball sind: Allgemeine Diagnostik, sportpsychologisches Coaching, sportpsychologisches Training mit Gruppen und das Teambuilding. Die Diagnostik ist eine wichtige wesentliche Voraussetzung zur sportpsychologischen Trainingssteuerung. Gleichzeitig sorgt die möglichst objektive Erfassung für solide Transparenz in Bezug auf die durchgeführten Interventionen (Beckmann und Kellmann, 2008). Sportpsychologisches Training umfasst systematisches und regelmäßiges Üben von psychologischen Fertigkeiten mit dem Ziel, kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die sportliche Leistung zu verbessern und das persönliche Wohlbefinden zu steigern (vgl. Weinberg & Gould, 2003).

Ein Großteil von Trainern und Spielern im Fußball hat bereits erkannt, dass neben den vier Säulen Talent, Technik, Taktik und Kondition die kognitive Stärke als fünfter wichtiger Pfeiler unentbehrlich ist. Sportpsychologen sind im deutschen Leistungssport mittlerweile weit verbreitet, auch wenn sich viele Disziplinen, besonders der Fußball, lange schwer getan haben oder immer noch tun, den Sportpsychologen oder Mentalcoach als weiteren Experten im Trainerteam zu akzeptieren. Hinzukommt die fehlende Aufklärung, denn diese weist in psychologischer Hinsicht mangelnde Kenntnisse und Umsetzungen auf. Des Weiteren spielen nicht ausreichend finanzielle Mittel eine Rolle sowie die fehlende Akzeptanz der Sportpsychologie im Amateurfußball. Der Einsatz von Sportpsychologen in den einzelnen Amateurklassen ist somit (noch) als Utopie anzusehen.

Die Studie des Autors soll nun zeigen, dass es mit mentalen Interventionen der Selbstgesprächsregulation (Eberspächer, Immenroth, Mayer, 2002), die effizient im Trainingsalltag von Amateurfußballern integriert werden können, gelingen kann, hemmende gedankliche Muster zu beeinflussen, sodass Fußballer handlungsorientierter und ausdauerleistungsfähiger werden.

2. Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes

Der folgende Abschnitt dient der Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes, der die Handlungs- und Lageorientierung einerseits im Fußball und andererseits in inneren Gesprächen umfasst.

2.1 Handlungs- und Lageorientierung im Fußball

Mit Handlungs- und Lageorientierung werden persönliche Eigenschaften in der Volitionspsychologie bezeichnet: Ein eher handlungsorientierter Fußballer ist in der Lage, sich etwa nach einem Fehlpass nicht in Gedanken festzuhalten, sondern beispielsweise eigene Fehler zu identifizieren und neue Versuche zu wagen. Ein eher lageorientierter Fußballer hingegen ist so auf die Lage fixiert, dass er sich nicht dazu imstande sieht, sich von seinen Gedanken und Gefühlen zu lösen, um anstehende Aufgaben anzugehen. Er wird beispielsweise viel eher als ein handlungsorientierter Sportler versuchen, eine Schuldfrage zu klären und sich selbst oder anderen Mitspielern Vorwürfe zu machen. Trotz allem sollte man festhalten, dass sowohl Handlungs- als auch Lageorientierung im Fußball ihre Daseinsberechtigung haben. Als Beispiel dafür sollen ein lageorientierter Ersatzspieler und ein handlungsorientierter Spielführer einer Mannschaft dienen. Der Ersatzspieler hat mehr Kapazitäten frei, auf eventuelle Spielsituationen zu achten, während der Spielführer sich nicht von jedem potenziellen Risiko aus der Ruhe bringen lässt. Problematisch wird es hingegen, wenn es ein Fußballer nicht schafft, aus seiner Lageorientierung zur Handlungsorientierung zu wechseln, wenn es an der Zeit ist, zu handeln. Zudem verlieren lageorientierte Fußballer unter Stress oft den Überblick und neigen dazu, fremde Wünsche und Ziele mit den eigenen zu verwechseln, und dies wiederum beeinflusst die physiologischen Parameter auf kurze und lange Sicht.

2.2 Rekonstruktion von Handlungsfähigkeit im Fußball

Die Sportpsychologie im Fußball bezieht sich auf Ursachen und Wirkungen der psychischen Prozesse, die sich in einem Spieler vor, während oder nach dem Spiel abzeichnen. Beobachtungen zur Handlungs- und Lageorientierung in der Spielforschung sind leistungsrelevant und spielentscheidend. Der lageorientierte Fußballer weist unter situativen Druck, eine hohe Tendenz zur Inkonsequenz und Unbeständigkeit in Entscheidungen auf. (Roth 1991). In Laborstudien zur Handlungsfähigkeit im Fußball vernachlässigten die Lageorientierten bei Zeitdruckbedingungen die Entscheidungsqualität und Entscheidungszeit. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Handlungsfähigkeit und deren Verlauf der Informationsbereitschaft. Die mentalen Prozesse, die einer Entscheidung zur Grunde liegen, ob sich ein Spieler in einer bestimmten Spielsituation für ein Abspiel oder Torschuss entscheidet, sind mannigfaltig. Die Handlungen wie z.B. „Pass zu einem freilaufenden Mitspieler“, individuelle Motive, intrinsische Anreize der Aufgabe und die sich aus der Umwelt ergebenden extrinsischen Reize sind zu differenzieren. Die Handlungskompetenz resultiert somit aus der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, den situativen Anforderungen und dem Gestaltungsspielraum, die dann zur Handlung führen. Die Situation-Handlungs-Kopplung sollte dem Spieler bewusst sein, um sich innerlich regulieren zu können, denn nur wenn innere Prozesse erkennbar sind, ist es möglich Selbstgespräche zu trainieren (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Grundaspekte subjektiver Situationsdefinitionen in der Situation-Handlungs-Kopplung (aus Nitsch, 2004, S. 16)

3. Problemstellung

Im Fußball beeinflussen Handlungs- bzw. Lageorientierung der Sportler unterschiedlich in deren Leistung. Ein handlungsorientierter Fußballer spielt unter hohem Schnelligkeitsdruck besser, der lageorientierte Fußballer trifft bessere Entscheidungen, wenn er unter größeren Präzisionsdruck gerät (Roth, 1993). In einer Untersuchung beim Jugendfußball kam Froese (2007) zu dem Ergebnis, dass die lageorientierten Spieler deutlich weniger Scorepunkte nach einer Pause mit einem negativen Feedback erzielten im Gegensatz zu handlungsorientierten Spielern, die nach derselben Situation viel bessere Resultate bringen.

In einem PC-Experiment wies Raadts (2009) nach, dass Fußballspieler mit erhöhter Volition den Zugang zu ihrer Handlungsschnelligkeit einbüßen sowie auch Scorepunkte verlieren, wenn über Bildschirm-Einblendungen das Machtmotiv mit negativen Begriffen besetzt wird. Spieler hingegen, die bei diesem Bildschirmtest in der Lage waren, ihre Volition zu kontrollieren, hatten auch eine höhere Kontrolle über ihre Handlungsschnelligkeit ein stabileres Scorepunkte-Ergebnis.

Des Weiteren konnten Beckmann & Kellmann (2004) zeigen, dass sich – analog zu dem in dieser Arbeit angebrachten Beispiel –handlungsorientierte Ruderer über ihre Selbstregulationsfähigkeiten besser erholen können und daher über eine bessere Superkompensation verfügen. Heckhausen & Strang (1988) konnten darlegen, dass auch lageorientierte Basketballer unter Erfolgsdruck einen überschießenden Energieverbrauch aufweisen (gemessen über Laktatwerte), während handlungsorientierte Basketballer unter derselben Bedingung keine Veränderung aufweisen. Problematisch hierbei: Der erhöhte Energieeinsatz zahlt sich nicht aus – die geworfenen Körbe waren bei den lageorientierten Basketballern unter Erfolgsdruck nicht höher als ohne Erfolgsdruck, während die handlungsorientierten Basketball-Spieler signifikant bessere Ergebnisse erzielten. Auch wenn nach Raadts (2009) Untersuchung an Jugendfußballern Handlungs- und Lageorientierung gute Anhaltspunkte für Erholung und Belastung darstellen, sind ihm zufolge andere Persönlichkeitsvariablen noch besser zu einer solchen Vorhersage geeignet, wie zum Beispiel eine erhöhte emotional instabile Persönlichkeitsausprägung, die vor allem bei handlungsorientierten Spielern mit Schwierigkeiten äußert, die sogar beim Passverhalten beobachtbar sind.

In unteren Ligen ist es somit nicht so einfach, sportpsychologische Betreuung durchzuführen. Trotzdem schaffen es aber einige engagierte Fußballer, durch sportpsychologische Trainingsbegleitung ihre sportlichen Aktionen handlungsorientierter auszurichten. Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass sich die Fußballer in ihrem gedanklichen Umgang mit der Sportpsychologie erheblich voneinander unterscheiden. Und wenn es so ist, dass die Selbstgesprächsregulation letztlich das Handeln und die Ausdauerleistungsfähigkeit beeinflusst, dann muss es doch auch gelingen können, diese im Amateursport unterzubringen. Dieser Fragestellung geht diese Studie nach.

4. Zielsetzung und Hypothesen

Für diese Untersuchung wird die Hypothese aufgestellt, dass Interventionen (in diesem Fall die Selbstgesprächsregulation) die Handlungsorientierung vs. Lageorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit unterstützen und verändern können. Durch die empirische Belegung dieser Hypothese wird der Nutzen mentaler Maßnahmen für Amateurfußballer bekräftigt. Denn je handlungsorientierter und selbstinduzierter ein Fußballer ist, desto höher ist der fußballerische Nutzen.

4.1 Spezifische Hypothesen

Hypothese 1: Ein sportpsychologisches Training „Selbstgesprächsregulation“ verbessert die Handlungsorientierung nach Misserfolg bei der Handlungsplanung und Tätigkeitsausführung.

Hypothese 2: Ein sportpsychologisches Training „Selbstgesprächsregulation“ verbessert die physiologische Leistungsfähigkeit „Ausdauer und Schnelligkeit“ (Cooper-Test und 100-Meter-Sprint).

Hypothese 3: Das Interesse für sportpsychologische Betreuung beider Mannschaften

steigert sich.

5. Zielgruppe

Die Zielgruppe sind zwei Fußballmannschaften (40 Spieler) im Fußball-Herrenbereich (Kreisliga 1) aus dem Kreis Schleswig-Flensburg.

5.1 Zusammensetzung und Voraussetzungen

Die Zielgruppe Amateurfußballer wird im Kreis Schleswig-Flensburg Kreisliga 1 rekrutiert und zu je 20 Probanden in eine Experimental- und eine Kontrollgruppe aufgeteilt. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass keine ärztlichen Kontraindikationen vorliegen (Ausschlusskriterien). Die beiden Gruppen erhalten ein unterschiedliches Maßnahmen-Programm. Die detaillierten Inhalte der jeweiligen Maßnahmen für die einzelnen Gruppen werden in den weiteren Ausführungen noch genau erläutert.

5.2 Größe und Aufteilung von Experimental- und Kontrollgruppe

Die Beschränkung auf Amateurfußballer erfolgt bewusst, denn gerade bei einer nicht so beachteten Gruppe von Fußballern ist die angewandte Sportpsychologie interessant und auf lange Sicht relevant. Eine gemischtgeschlechtliche Gruppe mit breiter Altersstruktur brächte eine enorme Komplexität individueller Bedürfnisse, Voraussetzungen und Dispositionen mit sich, was die Studienarbeit erheblich erschweren und ein aussagekräftiges Studienergebnis behindern würde. Mit der gewählten Beschränkung ist trotz natürlich auch hier vorherrschender Individualität der Probanden eine Homogenität geschaffen, welche die erwarteten Studienergebnisse besser und deutlicher herausstellen kann.

6. Theoretischer Hintergrund

In den nun folgenden Kapiteln bezieht sich diese Masterthesis auf die theoretischen Themen zur Handlungsorientierung und Lageorientierung im Amateurfußball. Diese setzten sich aus Motivation, Zielsetzung, Kenntnisse über das Mannschaftgefüge, Kompetenzerwartung und verschiedenen mentalen und motorischen Trainingsformen zusammen.

6.1 Motivation, Ziele und Volition

Die inneren Gespräche sind sehr stark an intrinsische Motivation sowie an die damit verbundenen Zielsetzungen geknüpft. Daher beginnt ein Training der Selbstgesprächsregulation immer mit dem oben genannten Faktoren, die die Interventionsgruppe für sich erschließen musste.

Motivation – wozu und wann ist sie nun besonders wichtig? In welcher Weise benötigen wir Motivation, um unsere sportlichen Ziele zu erreichen?

Zur näheren Erklärung dieser Fragen soll das Rubikonmodell der Handlungsphasen (Heckhausen, 1989) dienen. Die folgende Abbildung zeigt Heckhausens Rubikonmodell in einer einfachen, nach Grawe (2000) modifizierten Form. Den Mittelpunkt des Modells bilden vier Phasen, mit denen die Entwicklung eines Handelns von der Zielbildung bis zur Zielrealisierung beschrieben wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Heckhausens Rubikonmodell nach Grawe (2000)

Die erste Phase enthält je nach Motivstruktur des jeweiligen Menschen verschiedene Wünsche und Absichten. Der aus den spezifischen Motiven resultierende motivationale Antrieb spielt in dieser ersten Phase eine besondere Rolle. Und ganz entscheidend für die Art der Zielverfolgung ist die jeweilige Ausprägung und Gewichtung der menschlichen Grundmotive. Die Berücksichtigung der persönlichen Motivstruktur ermöglicht eine Motivation, die auch in der Lage ist, Ziele gegen Hindernisse und Widerstände mit Kraft weiterzuverfolgen und durchzusetzen.

Im alltäglichen Leben begegnen uns zahlreiche miteinander konkurrierende Zielmöglichkeiten und Handlungsalternativen. Den Rubikon überschreiten wir dann, wenn wir uns für einen Weg entschieden haben. Dann haben wir eine Intention gebildet – es gibt kein Zurück. Die sinnbildliche Verwendung des Begriffes Rubikon geht zurück auf den gleichnamigen Fluss, den Julius Cäsar überquerte, und nach dessen Überquerung Cäsar Rom den Krieg erklärte mit dem berühmten lateinischen Satz „Alea iacta est“ – „Der Würfel ist gefallen“.

Die zweite Phase beinhaltet das Warten auf eine geeignete Gelegenheit, um die getroffene Intention mit den jeweiligen Zielen umzusetzen. Längst nicht jede Situation ist passend, um den Weg zu einem Ziel zu beschreiten. Um es in einem ganz augenfälligen Beispiel zu beschreiben, ist ein unerwartetes Punktspiel ohne Vorbereitung, in Bezug auf die veränderte mentale Umsetzung, auch wenn die Umgebung dafür als Unterstützung ein wichtiges Kriterium darstellt. Besser ist es hier, auf eine Situation zu warten, in der man vorbereitet in ein wichtiges Spiel gehen kann.

Die richtige Situation mündet schließlich in der dritten Phase, der Zielrealisierung. In dieser Phase ist die Volition (der Wille) von ganz zentraler Bedeutung. Der Wille und die Handlungssteuerung beziehungsweise Handlungsregulation sind eng miteinander verbunden, und so ist der starke Wille maßgeblich am Erfolg einer Handlung beteiligt. Hier wird wieder der Bezug zur Motivstruktur des Menschen sichtbar. Je mehr ein Mensch gemäß seiner eigenen Motivstruktur ein Ziel in den Fokus nimmt, umso stärker wird der Wille sein, das Ziel auch wirklich zu erreichen, ganz gleich, welche Hindernisse sich in den Weg stellen.

Wenn die Handlung beendet ist, beginnt die vierte und letzte Phase, in welcher die Handlung bewertet beziehungsweise ausgewertet wird. Zielerreichung und Erfolg werden geprüft. Mit Erfolg werden gute Gefühle wie Stolz und Zufriedenheit einhergehen, mit Misserfolg Ärger, Scham, Enttäuschung. Aus dem wie auch immer ausgegangenen Ergebnis wächst jeweils neue Energie für neue Motivation. Diese Motivation führt zu neuen Zielen oder beim Scheitern eventuell zum Versuch, das alte Ziel noch einmal in Angriff zu nehmen.

Gerade wenn angesteuerte Ziele nicht gelingen oder auch wenn man sie falsch ansteuert, sinkt häufig die Motivation. Fast jeder hat dies schon einmal kennengelernt. Man weiß, man sollte diese oder jene Sache erledigen, doch man schafft es nicht. Man drückt sich, weil man zum Beispiel lustlos ist. Dies kann verschiedene Gründe haben. So kann es sein, dass wir den Weg nicht nach unseren persönlichen Motiven gestaltet haben und daher nicht das notwendige Maß an Motivation entfalten konnten. Es kann aber auch sein, dass wir die Ziele selbst ganz falsch gesteckt haben. Im Folgenden sollen daher Ziele und dazugehörende Aufgaben unter die Lupe genommen werden.

Wer ein Ziel erreichen möchte, der muss auf dem Weg dorthin verschiedene Aufgaben bewältigen, um am Ende Erfolg zu haben. Jeder Mensch möchte am liebsten sein Ziel sofort und ohne große Umwege erreichen, und oft vergisst man dabei, sinnvolle und erreichbare Etappenziele anzusteuern, weil man nur noch das eine große Ziel im Blick hat und so schnell wie möglich dorthin möchte. So verlangt man von sich oftmals viel zu viel und meistens auch absolut Unerreichbares, da die Aufgaben auf dem Weg zum Ziel unrealistisch gesetzt werden. Denn was nützen Aufgaben zur Zielerreichung, die nicht erreicht werden können? Daher ist die Formulierung von geeigneten Zwischenzielen eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe. Jedes einzelne Zwischenziel auf dem Weg zum großen Endziel muss so gewählt sein, dass es durchaus Anstrengung und Einsatz erfordert, es muss aber auch erreichbar sein. Die Erreichbarkeit eines Zieles geht einher mit der Erfolgserwartung, die ein Mensch bezüglich seiner Zielerreichung hat. Die Erfolgserwartung beschreibt die jeweils wahrgenommene subjektive Wahrscheinlichkeit eines Erfolges zu einem gesteckten Ziel.

Eine hohe Erfolgserwartung begleitet von hohem Anreiz macht die Quelle menschlicher Motivation aus. Für ein Motivationsprogramm hinsichtlich jeder Zielsetzung muss ein Coach dies unbedingt berücksichtigen. Ein unerreichbares Ziel mit schlecht gesteckten Etappenzielen führt zu Resignation, Überforderung und Motivationsverlust. Ein zu leichtes Ziel ist ebenfalls kaum Ansporn für Gefühle wie Stolz, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz.

Weiterhin von Interesse ist das persönliche Anspruchsniveau, das ein Mensch mit seinem Ziel verbindet. Dieses Anspruchsniveau entscheidet darüber, welchen Anspruch und damit, welche Aufgaben jemand an sich stellt. Je nach Anspruchsniveau wird aus verschiedenen Alternativen die jeweilige Aufgabe zum Ziel ausgewählt. Und je nach Anspruch wird eine Aufgabe als leicht oder schwer betrachtet. Wenn die Erfolgserwartung groß ist, so ist eine schwierige Aufgabe immer reizvoller als eine leichte. Und je größer die Erfolgserwartung bei einem hohen Ziel ist, umso größer ist auch die Motivation. Gemäß des nachfolgenden Diagramms der Motivation nach Rheinberg (2000) können die damit zusammenhängenden Fragen, „Ist die Situation festgelegt?“, „Ist Handeln möglich?“, „Ist das Ergebnis erreichbar?“ oder „Sind die Folgen attraktiv?“ mit Ja oder Nein beantwortet werden. Werden alle Fragen mit Ja beantwortet, folgt die Handlung, die im darauffolgenden Prozess-Diagramm der Handlung strukturiert wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Prozess-Diagramm der Motivation nach Rheinberg (2000)

Im Anschluss an die Entwicklung der Motivation zu handeln beginnt mit der Wahl der Aufgabe die Handlung, die mit den Fragen einhergeht „Ist das Ziel formuliert?“, „Ist ein Erfolgsplan vorhanden?“, „Wurden Lösungen gesucht?“ oder „Sind die Ressourcen gegeben?“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prozess-Diagramm der Handlung nach Rheinberg (2000)

Menschen suchen ständig nach Gründen und Ursachen für die eigenen Handlungen sowie für das Handeln anderer Personen. Dies hilft dabei, gewünschte Ergebnisse erneut zu erzielen sowie Unerwünschtes zu vermeiden. Bezüglich der hier behandelten Thematik hieße das, man würde die Gründe zusammenstellen, warum man beispielsweise ein bestimmtes Teilziel wie etwa eine gewisser Torabschluss in vorgegebener Zeit erreicht oder eben nicht erreicht hat. Kennt man die Gründe für Erfolg oder Misserfolg des Handelns, so weiß man den Weg zum Erfolg oder weiß gegebenenfalls, wie man nicht handeln sollte, wenn man erfolgreich sein möchte. Die Suche nach Gründen und Ursachen nennt man Ursachenzuschreibung oder auch Kausalattribution, die Gründe, die Handlungen erklären, heißen Kausalfaktoren. Die Tatsache beispielsweise, dass jemand zwar ein Trainingsprogramm diszipliniert durchgeführt, das begleitende Ernährungsprogramm jedoch vernachlässigt hat, könnte ein solcher Kausalfaktor sein, der bewirkt hat, dass der gewünschte sportliche Erfolg ausgeblieben ist.

Um den Motivationsprozess für die Zielsetzung des Weiteren erfolgreich zu steuern, fanden die sieben Ansätze nach Rheinberg (2000) Anwendung, die im folgenden Schaubild dargestellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Praxismodell der Motivation (nach Rheinberg, 2000)

Noch einmal zusammengefasst sind dies:

1. eigene Motivationsprobleme kennenlernen (Sensibilisierung)
2. Quellen der Freude bewusst machen
3. Änderungswünsche bewusst machen
4. Ziele entwickeln
5. regelmäßig Rückmeldungen aufsuchen (um Erfolg zu überprüfen)
6. Hindernisse ausschalten
7. nach Formen der Unterstützung suchen

Rheinbergs sieben Ansätze helfen dabei, mögliche Blockaden und Hindernisse bei Motivation und Zielerreichung aufzudecken und den Weg wieder freizumachen bzw. freizuhalten. Im Folgenden werden die sieben Ansätze noch einmal kurz erläutert.

- Eigene Motivationsprobleme kennenlernen (Sensibilisierung): Dieser erste Schritt besteht darin, sich die eigenen Probleme, welche die Motivation hemmen, wirklich bewusst zu machen. Hier soll der Proband so genau wie möglich schriftlich erfassen, in welchen Situationen er immer an seinem Ziel gehindert bzw. vom Weg abgebracht wurde. Auch bereits das bloße Erkennen bzw. Eingestehen eines Motivationsproblems gehört zum ersten Schritt, ist doch das Eingeständnis überhaupt die Voraussetzung für eine Veränderung.
- Quellen der Freude bewusst machen: Der zweite Schritt ist nun, sich Situationen bewusst zu machen, in denen der beschrittene Weg zum Ziel Freude und positive Gefühle bereitet hat. Diese Situationen sind vom Probanden ebenfalls so genau wie möglich zu erfassen und schriftlich zu fixieren. Die Quellen der Freude können ein sehr wertvolles Werkzeug sein, um für ein schwieriges Ziel Disziplin sowie Motivation aufrechtzuerhalten.
- Änderungswünsche bewusst machen: Im nächsten Schritt macht der Proband sich bewusst, welche Situationen, Inhalte, Bedingungen oder Bedürfnisse er gerne auf eine bestimmte andere Weise erfüllt hätte. Hier wird sich der Proband sicherlich intuitiv auch wieder gemäß seiner individuellen Motivlage orientieren. Zu dieser Bewusstmachung notiert der Proband Antworten auf die Fragen: Was wünschen Sie sich? Gibt es etwas, das Sie gerne ändern würden? Welche Möglichkeiten hätten Sie gerne? Was könnte für Sie ein Gewinn sein?
- Ziele entwickeln: Nach den ersten drei Schritten kann nun im vierten Schritt die Zielentwicklung angegangen werden. Wie dies genau geschieht, wird im nächsten Kapitel zum Zielsetzungstraining detailliert beschrieben.
- Regelmäßige Rückmeldungen aufsuchen (Erfolg überprüfen): Dazu gehören beispielsweise die Durchsicht und Kontrolle des Trainingsplans, Wiegeergebnisse, Resultate ärztlicher Untersuchungen und Feedback durch Gespräche.
- Hindernisse ausschalten: Im weiteren Schritt gilt es, Hindernisse zu erkennen und auszuschalten, die man sich selbst in den Weg stellt oder die durch andere verursacht werden. Dazu machen die Probanden sich bewusst, welche konkreten Gegebenheiten sie am gefassten Entschluss, etwas zu tun, gehindert haben. Diese Hindernisse sind konkret zu benennen und zu notieren, damit Gegenmaßnahmen möglich werden. Zu den Hindernissen, die man selbst verursacht, gehören negative Selbstgespräche (z. B. „Das schaffe ich nie“, „Ich kann das nicht“, „Es geht bestimmt wieder daneben“ usw.).
- Nach Formen der Unterstützung suchen: Um Blockaden und Hindernisse auszuschalten, ist die Suche nach Unterstützung sinnvoll. Dies kann in Form von Selbstunterstützung (d. h., man unternimmt hilfreiche Handlungen, wendet Techniken bzw. Übungen an, die man besonders gut kann, trägt bestimmte Trainingskleidung, in denen man sich gut fühlt) oder durch die Hilfe anderer geschehen (z. B. in der Gruppe ein Ziel gemeinsam ansteuern, Gespräche mit Fußballkollegen, das Lob und die Ermunterung durch andere, Beanspruchen eines persönlichen Trainers).

Zunächst aber: Was genau ist überhaupt ein Ziel? Wie kann man es definieren? In Wikipedia findet sich folgende verständliche Definition:

„Der Begriff Ziel (griechisch τέλος [telos], lateinisch finis, englisch objective, goal) bezeichnet einen in der Zukunft liegenden, gegenüber dem Gegenwärtigen im Allgemeinen veränderten, erstrebenswerten und angestrebten Zustand (Zielvorgabe). Ein Ziel ist somit ein definierter und angestrebter Endpunkt eines Prozesses, meist einer menschlichen Handlung. Mit dem Ziel ist häufig der Erfolg eines Projekts bzw. einer mehr oder weniger aufwendigen Arbeit markiert. Beispiele hierfür sind das Ziel einer Reise, Qualitätsziele, Unternehmensziele oder das Erreichen einer Zeitvorgabe oder Marke bei einem sportlichen Wettkampf.“

Ziele sind also erwünschte Endzustände, auf die man sein Handeln ausrichtet. Und alle Handlungen sind auf ein Ziel gerichtet. Dieses Ziel, das man erreichen möchte, sollte zunächst einmal benannt werden. Grundsätzlich sollte ein benanntes Ziel der SMART-Formel entsprechen, das heißt, es sollte:

- s pecific – spezifisch/konkret,
- m easurable – messbar,
- a ttractive – attraktiv,
- r ealistic – realistisch und
- t ime framed – zeitlich bestimmt sein.

Im Einzelnen soll diese Formel anhand von Beispielen kurz erklärt und verdeutlicht werden.

Spezifisch bzw. konkret bedeutet, dass das Ziel ganz genau und individuell benannt sein muss. Allgemein formulierte Ziele sind nicht fassbar und daher schlecht umzusetzen. Ein allgemeines Ziel wäre „Ich will ein besserer Fußballer werden“, ein spezifisches Ziel „Ich werde mindestens zweimal die Woche trainieren.“

Ein messbares Ziel ist ebenfalls greifbar und verstehbar, und man kann es gezielt angehen. In Worten ausgedrückt wäre dies zum Beispiel: „Ich werde dreimal die Woche jeweils 90 Minuten trainieren“ statt „Ich werde trainieren.“

Ein Ziel muss attraktiv sein, und zwar auf jene Weise, dass es inspiriert und begeistert, dabei aber weder überfordert noch unterfordert. Zum Beispiel: „Bei diesem Ausdauertraining werde ich das Ballhochhalten trainieren und anschließend ein besseres Ballgefühl haben.“ Dazu kann man sich zum Beispiel folgende Fragen stellen:

- Inspiriert und begeistert mich mein Ziel und gibt es mir zusätzliche Kraft?
- Macht mich mein Ziel zufrieden und zuversichtlich?
- Erfüllt mich mein Ziel?
- Glaube ich an mein Ziel?
- Glaube ich jetzt im Augenblick, dass ich das Ziel erreichen kann?
- Gebe ich dafür alles?

Das Ziel muss natürlich auch realistisch, sein. Unrealistisch wäre überspitzt gesagt: „Ich will bei jedem Fußballspiel fünf Tore schießen.“ Realistisch hingegen: „Ich will (zumindest) ein Tor pro Fußballspiel schießen.“ Oder um es mit dem schönen Satz von Lothar Linz zu sagen: „Setz dir als Ziel das bestmögliche Resultat, an das du glauben kannst.“

Und schließlich sollte ein Ziel innerhalb eines spezifizierten und festgelegten Zeitrahmens liegen. Ein Beispiel kann sein: „Zum Datum X werde ich die Anzahl von Y Toren geschossen haben.“

Hat man sein Vorhaben präzise nach der SMART-Formel formuliert, macht es Sinn, sich noch einmal ganz bewusst für dieses Ziel und dieses Vorhaben zu entscheiden. Diese bewusste Entscheidung für das Ziel ist das sogenannte Commitment, das heißt, die persönliche Verpflichtung bzw. das Versprechen an sich selbst, das Ziel zu verfolgen. Dieses Versprechen sich selbst gegenüber hilft mit, sich zu motivieren, die Entscheidung umzusetzen und das Ziel zu erreichen. Gerade bei wichtigen Zielen kann ein Commitment die Kraft geben, sich auf den Weg zu machen und daran festzuhalten. Ebenso ist ein Commitment an sich selbst ein guter Anreiz, sich noch einmal klar vor Augen zu führen, ob das Ziel wirklich denjenigen Wert für einen selbst hat, dass er ein damit einhergehendes Commitment rechtfertigt. Folgende Fragen an sich selbst sollten die Probanden dabei stellen:

- Habe ich genügend und sorgfältig über mein Ziel nachgedacht sowie Vorteile und Nachteile abgewogen?
- Gibt es jemanden, der meine Entscheidung beeinflusst hat oder es gerade tut? Bin wirklich ich selbst es, der das Ziel verfolgt? Oder will ich damit die Erwartungen anderer erfüllen?
- Kann ich mich gänzlich mit meiner Entscheidung identifizieren und dazu stehen? Entspringt mein Handeln meinem freien Willen?

Zusätzlich motivierend und gegebenenfalls auch bindend kann es sein, sein Vorhaben schriftlich festzulegen und damit sozusagen einen Vertrag mit sich selbst zu schließen. Im Zielsetzungstraining dieses Motivationsprogramms wurden diese nun behandelten theoretischen Kriterien berücksichtigt. Die Wichtigkeit und die Bedeutung von Zielen wurden den Probanden eingehend bewusst gemacht. Sie erfuhren, wie man Ziele wirksam formuliert und verankert, und lernten Wege zur erfolgreichen Verwirklichung von Zielen kennen.

Nach der SMART-Formel wurde zunächst präzise und individuell mit jedem Probanden das entsprechende Ziel gesetzt. Anschließend wurde der gesamte Zeitrahmen für das Ziel noch einmal in kleinere Zeitabschnitte zerlegt, um Zwischenziele für diese einzelnen Zeitabschnitte zu formulieren, das heißt, zum langfristigen Oberziel kamen noch mittelfristige und kurzfristige Ziele hinzu. Dies macht Sinn, denn wenn der große Weg zum Gesamtziel durch Etappenziele markiert wird, gewährleistet dies rechtzeitige Erfolgskontrollen, dass man auf dem richtigen Weg ist, und es gewährleistet auch das Erfahren von kleinen Erfolgserlebnissen, die wiederum für den weiteren Weg motivieren.

Für die Zielarbeit wird das VAKOG-Modell zur Einprägung des Ziels genutzt. Das VAKOG-Modell bezieht sich auf alle fünf Sinneskanäle visuell (sehen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen und tasten), olfaktorisch (riechen) und gustatorisch (schmecken) und soll hier helfen, Ziele über den Nutzen der Sinneskanäle besser einzuprägen, zu festigen und zu ankern.

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Details

Seiten
90
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656672005
ISBN (Buch)
9783656694014
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274367
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Gesundheit und Sport (vormals H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst)
Note
Schlagworte
Fußball - Selbstgesprächsregulation – Handlungsorientierungsfragebogen Sport – Cooper-Test – 100-Meter-Sprint

Autor

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Titel: Verbesserung der Handlungsorientierung vs. Lageorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit