Lade Inhalt...

Die Europäische Union in den britischen Medien. Eine neue Dimension der Europaskepsis?

Seminararbeit 2013 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Großbritannien und Europa
2.1 Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg
2.2 Europäische Integration ohne Großbritannien

3. Großbritannien in der Europäischen Gemeinschaft
3.1 Großbritannien als ' awkward ' Partner in Europa
3.2 Gründe für die schwierigen Beziehungen zwischen Großbritannien und Europa

4. Neue Debatte in Großbritannien über die Europäische Union
4.1 Gründe für die neue Debatte
4.2 Der Ton der Debatte in den britischen Medien

5. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Großbritannien und Europa pflegten schon immer ein ambivalentes Verhältnis. Seit der globalen Finanzkrise im Jahre 2008 ist dieses Verhältnis am vorläufigen Tiefpunkt angekommen. In der vorliegenden Arbeit werden sowohl die Gründe als auch der Ton in der Meinungsdebatte seit 2008 analysiert. Ziel ist es zu verdeutlichen, dass die schon immer europakritische Haltung der Briten seit der Finanzkrise eine neue Dimension erreicht hat. Zunächst wird die außenpolitische Situation Großbritanniens im Rahmen der europäischen Integration umrissen. Anschließend wird auf die institutionelle Einbindung der Briten im europäischen Verbund eingegangen und die daraus resultierenden Gründe für die schwierigen Beziehungen genannt. Abschließend wird die neue Meinungsdebatte sowohl auf politischer Ebene, als auch in der britischen Presse genauer untersucht. Dabei werde ich auf Kampagnen, Schlagzeilen und die verwendete Terminologie zurückgreifen, um die oben genannte These zu stützen.

2. Großbritannien und Europa

2.1 Groß britannien nach dem zweiten Weltkrieg

Mit dem Ende des zweiten Weltkriegs ergaben sich eine Reihe von Veränderung im international System. Die Stellung des Britischen Imperiums, das sowohl geopolitisch als auch wirtschaftlich eine dominante Rolle spielte, wurde im Zuge des Krieges stark geschwächt. Zum einen kristallisierte sich ein bipolares System mit den Supermächten Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika heraus und zum anderen erkämpften sich immer mehr ehemalige Kolonialgebiete ihre Unabhängigkeit.1

Nichtsdestotrotz sah sich Großbritannien weiterhin als wichtige Figur in der internationalen Politik. Kurz nach dem Krieg untermauerte Winston Churchill Großbritanniens außenpolitische Stellung, indem er drei Einflusssphären Großbritanniens formulierte: Die special relationship mit den Vereinigten Staaten, das Commonwealth und schließlich Europa. Die special relationship basierte auf der Annahme, dass Großbritannien in der Lage sei, den Vereinigten Staaten zum einen eine Hilfestellung in internationalen Angelegenheiten zu geben, da diese als ehemalige dominante Figur im internationalen System bereits Erfahrungen habe und zum anderen schweißte die gemeinsame Bedrohung durch die Sowjetunion die beiden Staaten enger zusammen. Des Weiteren verstand sich Großbritannien weiterhin als führende Kraft im Commonwealth, was Ihnen erlauben würde, eine wichtigere Rolle in internationalen Angelegenheiten zu spielen als andere europäische Staaten. Darüber hinaus wickelte Großbritannien 40% ihres Ex- und Imports mit dem Commonwealth ab, sodass das Interesse an einer Erhaltung dieser Konstellation groß war.2 Auch im Bezug auf Europa sah Großbritannien für sich eine besondere Rolle vor. Churchill brachte die Haltung Großbritannien zu einer europäischen Integration in einem Artikel der Sunday Evening Post deutlich zum Ausdruck, indem er schrieb:

„We see nothing but good and hope in a richer, freer, more contended European commonality. But we have our own dream and our own task. We are with Europe, but not of it. We are linked, but not comprised. We are interested and associated, but not absorbed.“3

Dadurch wurde deutlich, dass sich Großbritannien nicht als einer unter vielen in Europa versteht, sondern weiterhin an seine besondere Rolle im internationale System glaubte. Dieser Anspruch an sich selbst war einer der Gründe dafür, dass Großbritannien den 1950 vorgestellten Schuman-Plan zur Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl ablehnte. Weitere Gründe für die Ablehnung waren, dass zum einen die Kohle und Stahl Industrie kurz davor privatisiert wurde und zum anderen, wie bereits oben erwähnt, der Großteil des britischen Handels mit dem Commonwealth stattfand. Auch die Überredungskunst der Vereinigten Staaten, die starkes Interesse am europäischen Einigungsprozess hatten, konnte die Briten nicht beeiflussen.4

Aus diesen Gründen sah die britische Regierung keine Notwendigkeit an der europäischen Integration teilzunehmen und verließ sich stattdessen auf die special relationship mit den Vereinigten Staaten und das Commonwealth. In der Folge entwickelte sich die europäische Integration ohne die Briten zu einer Erfolgsgeschichte und Großbritannien sah sich vor einer Reihe neuer Probleme gestellt, die im folgenden Kapitel näher beleuchtet werden.

2.2 Europäische Integration ohne Groß britannien

Nachdem Großbritannien die Zusammenarbeit mit den anderen europäischen Staaten abgelehnt hatte, gründeten Frankreich, Deutschland, Italien, sowie die Benelux Staaten 1951 die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Da sich diese Zusammenarbeit als erfolgreich erwies, trieben die Gründungsmitglieder der EGKS die Pläne zu einer weiteren Liberalisierung des gemeinsamen Binnenmark voran, sodass 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) im Rahmen der römischen Verträge rechtswirksam gegründet wurden.5

Während dieser Zeit musste Großbritannien feststellen, dass sich die Rahmenbedingungen im internationale System zu ihren Ungunsten entwickelt hatten. Zunächst musste sich die britische Regierung eingestehen, das die EWG ein äußerst erfolgreiches Projekt war und Großbritannien nicht dazugehörte. Des Weiteren begann der britische Handel mit dem Commonwealth zu sinken stellte 1961 nur noch ein Drittel des britischen In-und Exportes dar. Das heißt, dass im Jahre 1961 Großbritaninnien überwiegend Handel mit den EWG Staaten betrieb. Darüber hinaus begannen die Staaten des Commonwealth immer mehr ihre eigenen Interessen zu artikulieren und diese bestanden auch darin, dass Großbritannien der EWG beitreten soll, damit die Commonwealth Staaten Zugang zum lukrativen europäischen Markt erhalten. Auch die USA vertraten weiterhin die Ansicht, dass die Briten sich dem europäischen Einigungsprozess anschließen sollten.6

Ferner verdeutlichte die Sueskrise 1956 den Niedergang der internationalen Weltmachtstellung Großbritanniens. Obwohl die militärische Intervention erfolgreich verlief, scheiterte der Versuch den ägyptischen Präsidenten Nasser zu stürzen, der gegen den Willen der Briten und der Franzosen die mehrheitlich britisch-französische Sueskanal-Gesellschaft verstaatlichen wollte. Für die Briten war dieser Konflikt ein diplomatisches Desaster, da sie sich nun eingestehen mussten, dass sie ohne die neue Weltmacht USA nur schwer ihre Interessen durchsetzen können.7

Um den Anschluss nicht zu verlieren, entschied schließlich die Regierung unter Macmillan einen Antrag zur Aufnahme in die EWG zustellen. Selbstverständlich war es der Anspruch Großbritanniens in der EWG sofort eine Führungsrolle zu übernehmen. Die grundlegenden Regeln der EWG basierten jedoch hauptsächlich auf den Interessen der Gründungsmitglieder, während die Briten weiterhin eine starke Rolle in den drei Einflusssphären - USA, Europa und Commonwealth - spielen wollten.8 Bis Großbritannien jedoch in die EWG aufgenommen wurde, mussten sie zwei Vetos durch Frankreichs Präsident Charles de Gaulle gegen ihren Beitritt verkraften. De Gaulle fürchtete vor allem um die Machtposition Frankreichs, sollte Großbritannien der EWG beitreten. Außerdem war ihm die special realtionship der Briten mit den Vereinigten Staaten ein Dorn im Auge, mit denen er sich während des zweiten Weltkriegs überworfen hatte. Des Weiteren prangerte de Gaulle an, dass die Briten nur auf den ökonomischen Vorteil der Mitgliedschaft aus seien und den nötigen Gemeinschaftsgeist vermissen ließen. Erst nach dem Rücktritt de Gaulles 1969 war die dritte Bewerbung der Briten erfolgreich, sodass sie schließlich 1973 Mitglied der inzwischen umbenannten Europäischen Gemeinschaft (EG) wurden.9 Das oben beschriebene Spannungsverhältnis stellte sich bereits nach kurzer Zeit als problematisch dar, da es für Großbritannien nicht einfach war, zwischen allen Einflusssphären die politische Balance zu halten. Infolgedessen verfestigte sich der Ruf des „ awkward Partners“ unter den europäischen Nachbarn, dessen Gründe im nächsten Kapitel diskutiert werden.

[...]


1 Vgl. David Reynolds, Britannia Overruled. British Policy and World Power in the Twentieth Century. (London: Longnam, 1995) 20, 163.

2 Vgl. Stephen George, An Awkward Partner. Britain in the European Community. (Oxford: Oxford University Press, 1998) 39.

3 Clive Ponting, "Churchill and Europe: a revision," in European Integration and Disintegration: East and West, ed. Robert Bideleux and Richard Taylor (London: Routlegde, 1996) 37.

4 Vgl. George, An Awkward Partner, 20.

5 Vgl. Mark Gilbert, European Integration: A Concise History. (Maryland: Rowman & Littlefield Publishers, 2012) 35ff.

6 Vgl. David Sanders, "Britain and the world," in: Half a century of British politics, ed. Lynton Robins and Bill Jones (Manchester: Manchster University Press: 1997) 22f.

7 Vgl. Reynolds, Britannia Overruled, 193.

8 Vgl. Wolfram Kaiser. Using Europe, Abusing the Europeans. Britain and European Integration, 1945-1936. (New York: Palgrave, 1996) 207.

9 Vgl. Gilbert, European Integration, 70f.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656668503
ISBN (Buch)
9783656668497
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274322
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,3
Schlagworte
europäische union medien eine dimension europaskepsis

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Europäische Union in den britischen Medien. Eine neue Dimension der Europaskepsis?