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Arbeitsbedingte Belastungsfaktoren und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit

Hausarbeit 2010 22 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserläuterungen
2.1 Arbeit
2.2 Gesundheit
2.3 Empirische Sozialforschung

3 Arbeitsbedingte Belastungsfaktoren und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit
3.1 Lühring & Seibel: Arbeitssituation, Arbeitserfahrung und psychische Gesundheit
3.2 Arbeitswelt NRW: Belastungsfaktoren, Bewältigungsformen , Arbeits- zufriedenheit
3.3 Beermann u.a.: Arbeitsbedingungen in Deutschland - Belastungen, Anforderungen und Gesundheit
3.4 Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen: Vierte europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen

4 Zusammenfassung und Vergleich

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema, inwiefern Arbeit und Gesundheit im Zusammenhang stehen, mit Schwerpunkt auf der Frage nach dem Einfluss der Arbeitsbedingungen auf die psychische und körperliche Gesundheit von Menschen. Hierzu werden im Folgenden empirische Studien, die Informationen und Daten zu diesem Themengebiet liefern, in zeitlicher Reihenfolge zusammengestellt und kritisch erläutert. Zunächst findet eine Bedeutungserläuterung der Begriffe „Arbeit“ und „Gesundheit“ statt, da dies im Folgenden die meist relevanten Wortstämme sind, sowie des Begriffs „empirische Sozialforschung“, unter dessen Rahmens der folgende Text erarbeitet wurde. Anschließend folgt die Darstellung vier verschiedener Studien, wobei versucht wurde, möglichst solche mit unterschiedlichen Strukturdaten (Umfang, zeitlichen Hintergründe, Orte, Kontexte) einzubeziehen. Im Anschluss findet ein abschließendes Resümee statt, in welchem die wichtigsten Ergebnisse der Studien zusammengefasst und miteinander verglichen werden, Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufgedeckt und Ursachen für diese gefunden werden sollen.

Bei der Messung von Arbeitsbedingungen gilt es ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Aspekte zu berücksichtigen: von Tätigkeitsmerkmalen und Beschäftigungsbedingungen über Sicherheit und Gesundheitsschutz, die Organisation der Arbeit, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten bis hin zur Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Da dies den Rahmen der vorliegenden Hausarbeit sprengen würde, werden im Folgenden hauptsächlich Untersuchungsergebnisse, die den Zusammenhang zwischen spezifischen Arbeitsbedingungen (was auch Tätigkeitsmerkmale, Organisation sowie Entwicklungsmöglichkeiten einschließt) und Belastungen, sowie die gesundheitlichen Auswirkungen, die diese Belastungen verursachen, dargestellt.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll sich auf abhängig Beschäftigte richten, da Selbstständige häufig ihre Arbeitsbedingungen zu einem größeren Anteil selber bestimmen können als Erstere. Die Folgen, welche die Studien aus ihren Ergebnissen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Arbeit ziehen (z.B. zur betrieblichen Gesundheitsförderung), werden hier nicht berücksichtigt, da das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, Korrelationen zwischen Arbeitsbedingungen und Beschwerden herauszuarbeiten und nicht Reaktionen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der ArbeitnehmerInnen daraus abzuleiten. Es wird der Behauptung nachgegangen, dass wahrgenommene negative Arbeitssituationen einen starken, beeinträchtigenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Angestellten hat. Aus Gründen der Übersichtlichkeit soll im Folgenden auf geschlechterneutrale Formulierungen verzichtet werden, statt dessen wird durchgängig die weibliche Form benutzt.

2 Begriffserläuterungen

2.1 Arbeit

Bereits die ursprüngliche Wortherkunft des Begriffs „Arbeit“ zeigt einen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Arbeit auf, demnach sich der germanische, gotische, alt- und mittelhochdeutsche Sinn dieses Wortes mit „Mühe, Beschwernis, Leiden“ herleiten lässt. Auch im lateinischen Wort „Labor, laboris“, welches mit „Mühe, Anstrengung, Arbeit“ übersetzt wird, zeigt sich dies (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeit_ %28Sozialwissenschaften%29)1.

„Arbeit ist zielgerichtete menschliche Tätigkeit zum Zwecke der Transformation und Aneignung der Umwelt auf Grund selbst- oder fremddefinierter Aufgaben mit gesellschaftlicher - materieller oder ideeller - Bewertung, zur Realisierung oder Weiterentwicklung individueller oder kollektiver Bedürfnisse, Ansprüche und Kompetenzen.“ (Semmer & Udris, 2004, S.158). Der Hauptgrund für den gesellschaftlich enormen Stellenwert der Arbeit ist sicherlich die Tatsache, dass diese der Existenzsicherung dient, in Staaten ohne (oder ungenügendem) Sozialsystem sogar eine Notwendigkeit des Überlebens darstellt. Weiterhin lässt sich ergänzend behaupten, dass Arbeit immer zielgerichtet und ergebnisorientiert ist und nach Marx u.a. den gesellschaftlichen Stellenwert eines Individuums bestimmt.

2.2 Gesundheit

Laut der WHO von 1946 wäre „Gesundheit (…) [ein] Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen, geistigen und (...) sozialen Wohlbefindens“ (Herfarth 2007, S.1) und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen. Nach dieser Definition ist der Maßstab für völlige Gesundheit sehr hoch angesetzt, das heißt sie inkludiert eine große Anzahl von Menschen, die dementsprechend als nicht gesund gelten würden.

2.3 Empirische Sozialforschung

„Empirische Sozialforschung kann zunächst als eine Sammlung von Techniken und Methoden zur korrekten Durchführung der wissenschaftlichen Untersuchung menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Phänomene gesehen werden.“ (Schnell u.a. , S.5) Vorrangiges Ziel empirischer Sozialforschung ist es, Aussagen über gesellschaftliche Zusammenhänge und Handlungen von Menschen, durch das systematische Sammeln von Daten und Informationen, zu treffen. Dabei gelten unter anderem die Kriterien der Inferenz (Aussagen über Ursachen der Beobachtung, Berücksichtigung nicht beobachtbarer Phänomene), Transparenz der Vorgehensweise, Unsicherheiten bei Schlussfolgerungen sollen möglichst niedrig gehalten werden, deren Gültigkeit von den angewandten Methoden abhängen.

3 Arbeitsbedingte Belastungsfaktoren und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit

3.1 Lühring & Seibel: Arbeitssituation, Arbeitserfahrung und psychische Gesundheit (vgl. Lühring & Seibel 1982, S.12-19)

Im Rahmen der folgenden Studie wurden ab 1979, zwei Jahre lang in 10 Betrieben unterschiedlicher Branchenzugehörigkeit der BRD, arbeits- und medizinsoziologische Untersuchungen durchgeführt. Dadurch sollten Zusammenhänge zwischen Arbeitssituationen, individueller Arbeitserfahrung und psychischer Gesundheit analysiert werden. Dies wurde mittels standardisierter Arbeitsplatzanalysen (Beobachtung und Informationen von Vorgesetzten) und standardisierten Interviews mit einem Langer-Test, der 22 Items umfasst (welcher die psychische Gesundheit misst und als valide gilt) bei 840 Arbeiterinnen durchgeführt.

Zu Anfang wird auf Lücken der Vollständigkeit der untersuchten Merkmale hingewiesen: die defizitäre Untersuchung psychischer Strukturen, welche die sozialen und hierarchischen Bezüge der Arbeit ausklammert und dass auf ein vereinfachtes Reiz (Belastung) - Reaktionsschema (Beanspruchung) zurückgegriffen werden musste.

Anschließend folgt ein Überblick über diverse bisherige Studien zu diesem Thema, in welchen unter anderem eine hohe Interkolleration zwischen den Merkmalen Arbeitsautonomie und qualifikatorischen Anforderungen, kaum wechselseitige Einflüsse der objektiven Arbeitssituationen und der psychischen Gesundheit, allerdings starke Korrelationen zwischen subjektiven Arbeitsanforderungen und psychischer Gesundheit festgestellt wurden. Um alle drei Indikatoren anschließend zu verknüpfen solle nun „die Zusammenhangsstruktur zwischen objektiv konstatierbaren Merkmalen der Arbeitssituation, Dimensionen der subjektiven Arbeitserfahrung und der psychischen Gesundheit anhand von Ergebnissen einer eigenen empirischen Erhebung analysiert werden.“ (Lührung & Seibel 1982, S.14).

Vorerst wurde das Ergebnis des Langer-Tests, der die psychische Gesundheit auf der Basis von Werten zwischen 0 und 22 misst (wobei der Bestwert bei 0 liegt), der männlichen 348 Angestellten vorgestellt, dessen Durchschnitt bei 5,1 liegt.

In der Arbeitsplatzanalyse wurden 41 Items berücksichtigt, u.a. die Arbeitszeitregelung, Lohnform und Arbeitsbewertung, qualifikatorische Ansprüche, Komplexität, Körper- und Umweltbelastungen, Hierarchie und Arbeitsautonomie.

Hierbei zeigte sich, dass konsistente Korrelationen zwischen den beiden Merkmalen objektive Arbeitssituation und psychische Gesundheit nur bei drei Aspekten (Kooperative Struktur der Arbeit, Determinanten von Arbeitsgeschwindigkeit, Art der Ausführung und Arbeitsautonomie) vorhanden sind. Dabei war die psychische Gesundheit je besser, desto

- mehr Möglichkeiten der Herstellung informeller Kontakte bestehen
- weniger die Produktionstechnologie die Arbeitsgeschwindigkeit bestimmt
- geringer die Abhängigkeit der Arbeitsausführung von situationsspezifischen Bedingungen ist
- geringer kooperative Abhängigkeiten für die Tätigkeit bestehen
- mehr Dispositionsmöglichkeiten über das Arbeitstempo und die Art der Arbeitsausführung vorhanden sind.

Aus dieser Analyse lässt sich feststellen, dass bisher vorwiegend untersuchte Indikatoren wie psychischer, physischer und externer Belastungen, sowie allgemein objektive Merkmale der Arbeitssituation kaum Einfluss auf die psychische Gesundheit haben, sich signifikante Korrelationen jedoch im sozialen und hierarchischen Kontext der Arbeit ergeben, welche relativ niedrig sind (r= 0,14).

Im nächsten Schritt sollen in der Studie die Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit, Dimensionen subjektiver Arbeitserfahrung und objektiv gemessener Arbeitsautonomie analysiert werden. Dazu muss „eine Dichotomisierung der Variable objektive Arbeitssituation aus der Arbeitsplatzanalyse zwei Gruppen von Arbeitern mit hohen und geringen objektiven Einflussmöglichkeiten auf die Art der Arbeitsausführung gebildet werden“ (Lühring & Seibel 1982, S.15) um bei diesen einzeln für sich die Verbindung zwischen Arbeitserfahrung und psychischer Gesundheit zu untersuchen. Anhand der durchschnittlichen Langer-Werte zeigt sich, dass Arbeiter mit weniger Autonomieraum in niedrigem Ausmaß mehr psychische Beschwerden (L-Wert: 5,3) als Arbeiter mit hohen Autonomiechancen (L-Wert: 4,9, Gesamtdurchschnitt: 5,1) haben. Weiterhin ließ sich feststellen, dass die subjektiv erlebte zeitliche Struktur der Arbeit relevant für die Gesundheit der Arbeiter ist, wobei das Phänomen der quantitativen Überforderung den größten Einfluss auf die Entstehung psychischer Probleme hat. Die Perzeption von Arbeitsmonotonie wurde durch zwei Fragen gemessen, wobei eine nicht signifikante Beziehung zwischen der objektiven Arbeitsstruktur, jedoch ein deutlicher Zusammenhang zwischen subjektiver Wahrnehmung der Beanspruchung und der psychischen Gesundheit festzustellen ist (vgl. Tabelle 1).

(Lühring & Seibel 1982, S.16)

Je mehr die Arbeit also als monoton erlebt wird, desto schlechter die psychische Gesundheit, wobei die subjektive Monotonieerfahrung von der objektiven Autonomie in Abhängigkeit steht, wenn beide Variablen hoch sind, lässt sich ein negativer Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit feststellen. Ebenso besteht ein Einfluss der objektiven Autonomie auf die perzipierte Arbeitsautonomie, es stellte sich heraus, dass psychische Beschwerden bei einer Tätigkeit mit eigenen Entscheidungs- und Gestaltungsmöglichkeiten abnehmen. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass auch bei konfliktreichen kollegialen und hierarchischen Bedingungen der Arbeit psychische Beschwerden häufiger auftreten.

Insgesamt zeigte sich, dass Korrelationen zwischen der Tätigkeit und psychischer Gesundheit vor allem stark durch subjektive Wahrnehmungsmuster geprägt sind, welche wiederum in Abhängigkeit zu objektiv messbaren Merkmalen der Arbeitssituation stehen. Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass psychische Stresserfahrungen insbesondere häufig bei Tätigkeiten vorkommen, bei denen die Indikatoren

- restriktive Arbeitssituation + soziale/hierarchische Konflikte
- autonome Arbeitssituation + subjektive Monotonie (qualitative Unterforderung)
- beide Arbeitssituationen + subjektive quantitative Überforderung + restriktive Zeitstruktur gegeben sind.

Die Studie eignet sich gut als Einführung in das Thema, da sie einen relativ kurzen Überblick über die wichtigsten Aspekte darlegt, wie Arbeit und psychische Gesundheit zusammenhängen. Außerdem werden ausreichend Literaturhinweise zur Vertiefung angegeben und die Methoden sowie empirische Ergebnisse transparent deutlich gemacht. Allerdings berücksichtigt diese Untersuchung nur wenige Teilaspekte, die abstrahiert werden und in ein pauschalisierendes Reiz-Reaktionsschema eingefügt wurden, was die Autoren als notwendig erachten. Außerdem wird weder eine Hypothese aufgestellt, noch eine Begriffserläuterung zu psychischen Beschwerden gegeben oder auf deren Symptome bzw. Auswirkungen eingegangen. Die Gliederung der Studie ist für unerfahrene Leser verwirrend und ist durch das häufige Verwenden fachlicher Fremdwörter nicht leicht verständlich.

[...]


1 Anmerkung: Dieses Wissen entstammt Folien aus dem Seminar „Arbeit und Gesundheit“ von Maria Stippler. Da sich allerdings hierzu keine andere Quelle finden ließ, musste auf Wikipedia zurückgegriffen werden, was ich bitte zu entschuldigen.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656670957
ISBN (Buch)
9783656670834
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274272
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Humanwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
arbeitsbedingte belastungsfaktoren auswirkungen gesundheit

Autor

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Titel: Arbeitsbedingte Belastungsfaktoren und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit