Lade Inhalt...

Entstehung und Entwicklung des nationalsozialistischen Denkens in Österreich. Eine Analyse von Martin Pollacks „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater.“

Bachelorarbeit 2011 33 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einführung in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges
1.1. Der Aufstieg der Diktatoren
1.2. Beschwichtigungspolitik
1.3. Einfluss anderer Mächte

2. Festigung der nationalsozialistischen Macht in Deutschland
2.1. Die Reichstagswahl vom 5. März
2.2. Die Machtübernahme des NS-Regimes in Deutschland
2.3. Hitler – Führer und Reichskanzler

3. Martin Pollack – österreichischer Journalist, Schriftsteller und literarischer Übersetzer

4. Martin Pollack und sein Buch: „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“
4.1. Zum Inhalt und Aufbau

5. Entstehung und Entwicklung der nationalsozialistischen Gesinnung
5.1. Nationale und kulturelle Auseinandersetzungen im österreichisch-slowenischen Grenzgebiet
5.2. Gerhard Bast und seine „Karriere“ als paradigmatisches Beispiel für die NS-Zeit
5.2.1. Antisemitismus
5.3. Gerhard Bast auf dem Gipfel seiner NS-Karriere. Grausamkeiten der NS-Zeit
5.4. Gerhard Bast und der Ödipuskomplex

6. Schlussfolgerungen

7. Bibliographie
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur
7.3. Internetquellen
7.3.1. Rezensionen
7.3.2. Interview
7.3.3 Bildernachweis

8. Zusammenfassung in polnischer Sprache.

Einleitung

Der Bericht von Martin Pollack „Der Tote im Bunker“ ist, wie viele andere literarische Texte, auf eine bestimmte Art und Weise mit dem Autor verbunden. Jeder Schriftsteller identifiziert sich mit seinem Werk und versucht etwas zu beweisen, zu erzählen oder eine Geschichte zu beschreiben. In diesem Fall ist es ein extrem persönliches Werk, das über den Vater des Autors Gerhard Bast berichtet. Die Außergewöhnlichkeit des Buches besteht darin, dass die Hauptperson auch ein NS-Kriegsverbrecher ist. Der Schriftsteller verspürte das Bedürfnis, sich mit der Vergangenheit seines Vaters in literarischer Form auseinanderzusetzen. Während der Materialsuche für den Text versuchte er nicht nur seinen Vater eigentlich kennenzulernen, sondern auch auf viele quälende Fragen, die mit der NS-Karrierewahl seines Vaters verbunden sind, zu antworten.

Martin Pollack, ein berühmter und geschätzter österreichischer Schriftsteller, Journalist und literarischer Übersetzer, schrieb das Buch mit dem Titel „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater“. Es ist eine persönliche Auseinandersetzung, ein schmerzhafter Text, der nicht nur über die NS-Karriere seines Vaters – Gerhard Bast – berichtet, sondern auch eine schrittweise erfolgende, schonungslose Analyse der Entstehung und Entwicklung des nationalsozialistisches Denkens in Österreich ist. In dieser Diplomarbeit wurden die Diagnosen von Martin Pollack zur Entstehung und Entwicklung des Nationalsozialistisches Denkens in Österreich präsentiert. Das Buch von Martin Pollack analysiert die ersten sprachlichen, nationalistischen und kulturellen Konflikte, die in Österreich stattfanden. Am Beispiel der Familie Bast wurde es genau dargestellt, wie sich das nationalistische Denken entwickelt und später zum Nationalsozialismus verwandelt hatte.

Etwa 40% österreichischer Bürger können sich gegenwärtig nicht entscheiden, das Kriegsende als Sieg oder Niederlage zu betrachten.[1] Martin Pollack versucht zu beweisen, dass Österreich zwar Hitlers erstes Opfer war, aber auch viele seine Landsleute gern in die Wehrmacht, die SS oder die Gestapo eingetreten sind.

1. Einführung in die Zeiten des Zweiten Weltkrieges

In den Jahren zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg kamen in Italien und Deutschland faschistische und nationalsozialistische Diktatoren an die Macht. Ihre expansive und nationalistische Politik untergrub die internationale und diplomatische Glaubwürdigkeit.

1.1. Der Aufstieg der Diktatoren

Der Versailler Vertrag beschwor schmerzlich die Besiegten mit Reparationsforderungen und deutlichen Gebietsabtrennungen. Diese Beschlusse halfen Hitler bei der Machtergreifung. Der Frieden von Versailles enttäuschte Italien, in der Folge gewann Mussolini große Popularität in seinem, militanten, nationalsozialistischen Kreis. Hitler fand in Deutschland viele Unterstützer für seine extremen, nationalistischen Pläne, in denen er alle Strafbestimmungen von Versailles beseitigen und alle Deutschsprechende in Europa territorial einen wollte.

Die USA wollte sich nicht in Europa und in europäische Probleme einmischen, deshalb mussten England und Frankreich, die beiden stärksten europäischen Mächte, eingreifen. Niemand wünschte einen neuen Krieg und jeder war überzeugt, dass der Erste Weltkrieg wegen eines diplomatischen Systems stattfand, das nicht mit der internationale Krise zurechtkommen konnte. Vertreter beider Länder wollten mit den Diktatoren verhandeln, um eventuelle neue Konflikte zu vermeiden.

Einerseits setzte man in den zwanziger Jahren seine Hoffnung auf den Völkerbund und die Abrüstungspolitik, andererseits stieg das gemeinsame Misstrauen. Am Anfang der dreißiger Jahre war es schon offensichtlich, dass der Völkerbund kein Garant des Friedens mehr ist. Der Angriff Japans auf die Mandschurei, die abessinische Krise (1935-1936) und der Spanische Bürgerkrieg waren Beweise dafür, dass der Völkerbund sich mit solchen Krisen nicht mehr auseinandersetzen konnte.

1.2. Beschwichtigungspolitik

In den dreißiger Jahren wussten die Politiker von Großbritannien und Frankreich, dass Hitler seine legitimen Forderungen nach Revision des Versailler Vertrages durchführen wollte. Obwohl Rheinland (1936) wieder besetzt wurde und Österreich eigentlich unter deutscher Kontrolle war, glaubte man besonders in England, dass ein Krieg zu vermeiden ist. Die Versuche von Stanley Baldwin (1867-1947) und Arthur Neville Chamberlain (1869-1940), mit Deutschland zu verhandeln sahen in Augen der Gesellschaft sehr positiv aus. In Großbritannien dachte die politische Linke, dass wenn man das Kriegsrisiko verringern will, muss man sich an die Abrüstungspolitik festhalten. Trotz der Rüstungsbegrenzung und der Verhandlung Chamberlains rüstete Deutschland aber auf. Frankreichs Position war auch schwach, wegen innerer, politischer Probleme, die eine feste Außenpolitik beschränkten.

Nach dem Ersten Weltkrieg wollte Frankreich nur defensive Politik führen, was man deutlich im Ausbau der Maginot-Linie sehen konnte.

Hitler wollte den Versailler Vertrag außer Kraft setzen und darum nutzte er die Schwäche der Westländer aus. Außerdem bereitete er Aktionen im Osten vor.

Hitlers Auseinandersetzungen mit dem Versailler Vertrag und weitere Handlungen des NS-Regimes werden genauer im Kapitel 3. präsentiert.

Nach der Wiederbesetzung des Rheinlands und dem Anschluss Österreichs wollte Hitler auch die von Deutschen besiedelten Sudeten übernehmen. In 1938 wurde Tschechoslowakei aufgeteilt, obwohl man früher deutlich sagte, dass die Gebiete dieses Landes, die von anderen Völkerschaften besiedelt sind, nicht besetzt werden. In Westeuropa glaubte man, dass alle Handlungen die Chamberlain vornahm, ein Erfolg waren und den Krieg verhinderten. In Prinzip sah das anders aus. Hitler marschierte in Prag (März 1939) ein und damit zerstörte er die Grundsätze der Beschwichtigungspolitik und zeigte seine weitere Forderungen.

1.3. Einfluss anderer Mächte

Westmächte schränkten seinen Wiederstand gegen Deutschland ein, weil sie der Sowjetunion misstrauten. Das Deutsche Reich wurde immer stärker und das bekümmerte die ganze West- und Osteuropa. Obwohl es Orte in Westmächte gab, wo man immer noch UdSSR misstraute, versuchte Moskau die Westländer zu vereinigen und gemeinsam eine antifaschistische Allianz zu schließen. Das Vorgehen Englands und Frankreichs der Tschechoslowakei gegenüber brachte die UdSSR dazu, im August 1939 einen Nichtangriffspaket mit Hitler abzuschließen.

Der letzte Versuch Hitler zum Nachgeben zu zwingen, war eine Garantie an Polen und Rumänien, die von England gegeben wurde. Die Garantie betraf den Schutz des territorialen Besitzes beider Länder. In der gleichen Zeit einigte sich aber Hitler mit Moskau über Aufteilung Polens. Diesmal verlangten England und Frankreich den Rückzug der deutschen Soldaten. Als das Ultimatum am 3.09.1939 ablief, erklären Großbritannien und Frankreich Hitler den Krieg.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1. Josuke Matsuoka und Adolf Hitler

Josuke Matsuoka [links auf dem Bild], japanischer Außenminister schloss den Dreimächtepakt mit Deutschland und Italien ab. In den dreißiger Jahren führte Japan eine aggressive Außenpolitik. Erstens wurde Mandschurei von Japan besetzt und das schwankte die Stabilität im Fernen Osten. Zweitens im Jahr 1937 fängt der Krieg zwischen Japan und China an und weitere Gebiete wurden von den japanischen Truppen erobert. Nicht nur für Europa aber auch für die USA war es klar, dass man den Konflikt lösen muss. Aber wenn man Japan unter Druck setzte, verschärfte sich die japanische Aggression noch deutlicher[2].

2. Festigung der nationalsozialistischen Macht in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 2. Fackelzug durch das Brandenburger Tor

Am Abend des 30. Januar 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht und das Ereignis markierte auch symbolisch das Ende der Weimarer Republik. Wenige Stunden früher, hatte Reichspräsident Paul von Hindenburg neuen Reichskanzler ernannt. Adolf Hitler wollte, eine neue Regierung festigen, die von jeder Kontrolle befreit sein sollte. Viele Deutsche glaubten, dass solche Politik den „demokratischen Chaos“ der Weimarer Jahre bekämpfen sollte. Dieses Ziel erreichten die Nationalsozialisten ziemlich schnell: alle politische Gegner „beruhigte“ man mit Gewalt und alle Machtinstrumente übernahm man, um völlig den Staat zu kontrollieren. Die ganze politische Verwirrung fand im Sommer 1934 ihren Abschluss und so waren in Deutschland Pluralismus und Demokratie zerstört.

In Hitlers Kabinett waren zwei weitere Nationalsozialisten mit Reichsinnenminister Wilhelm Frick und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich vertreten. Es gab auch noch andere acht Vertreter aus dem konservativen und deutschnationalen Lager, die das Übergewicht besaßen. Um Radikalisierung der Politik zu hindern, versprach sich Vizekanzler Franz von Papen die Nationalsozialisten „abzukühlen“.

Was die Berater von Paul von Hindenburg planten, also Wechsel eines autoritären Präsidialkabinetts erschien schnell als unvorhersehbares Risiko. Die Pläne die Nationalsozialisten irgendwie „abzukühlen“, waren durchkreuzt nach der von Hitler geforderten Reichstagsauflösung am 1. Februar 1933 und mit der unbedingten Neuwahl des Reichstages. Mit der Unterstützung der Regierung fing die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) seinen Wahlkampf unter dem Motto: „Kampf dem Marxismus“ und mit großer Hilfe der Propaganda und Terror an. Alle Gegner und die politische Opposition, also Kommunisten, Sozialdemokraten und jüdische Abgeordneten wurden häufig verfolgt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 3. Konzentrationslager in Oranienburg

Reichsinnenminister Frick und kommissarischer preußischer Innenminister Göring gaben gemeinsam die Macht den Nationalsozialisten in der Hand wenn es sich um die Polizeigewalt handelt. Göring erlaubt der preußische Polizei in einem „Schießerlass“ vom 17. Februar einen rücksichtslosen Gebrauch der Schusswaffe gegen jeden politischen Gegner. Außerdem wurden in Preußen von Göring verschiedene Hilfsverbände aufgestellt. 50.000 Angehörigen der Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) nahmen in „Schutzhaft“ bis Ende April 1933 ungefähr 25.000 Gegner des Regimes. Noch im 1933 wurden von SA und SS erste Konzentrationslager (KZ) in Oranienburg [auf dem Bild] und Dachau errichtet.

Am 28. Februar 1933 bildete die „Reichstagsbandverordnung“ den gesetzlichen Rahmen für die Verfolgung der politische Gegner und festigte die Macht der NSDAP. Außerdem setzte die Verordnung verfassungsmäßigen Grundrechte der persönlichen Freiheit, der Meinung-, Vereins- und Versammlungsfreiheit außer Kraft. Man kann sagen, dass der Ausnahmezustand während der NS-Zeiten permanent und nie aufgehoben war.

2.1. Die Reichstagswahl vom 5. März 1933

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 4. Wegbereiter und Vorkämpfer für das neue Deutschland – Broschüre.

Die Reichstagswahl vom 5. März 1933 verlief in Klima der Rechtsunsicherheit und hatte keinen freien Charakter. Wegen der massiven Propaganda der NSDAP hatten andere Parteien eigentlich wenig zu sagen. Man verhaftete viele Funktionäre der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) – andere lebten im Untergrund oder verließen das Land. Auch manche (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) SPD-Mitglieder verfolgte man und sie gingen in die Illegalität. Die 43,9 Prozent für die NSDAP war eine Enttäuschung besonders wenn man den ganzen propagandistischen Einfluss berücksichtigt.

Um die parlamentarische Regierungsmehrheit im Reichstag zu haben, musste NSDAP eine Regierungskoalition mit der „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ aus DNVP (Deutschnationale Volkspartei) und „Stahlhelm“ (Bund der Frontsoldaten) bilden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 5. Der erste deutsche Mai – von der NS-Führung zum Staatsfeiertag erklärt (1933).

Die Nationalsozialisten festigten seine Macht nicht nur dank Gewalt und Terror aber vor allem dank ihrer allgegenwärtigen Propaganda. Nach dem 30. Januar 1933 war sehr charakteristisch für das Straßenbild, dass Hakenkreuzfahnen überallhin flatterten. „Nationalsozialistische Revolution“ die von der NSDAP geführt war, sollte dank Parteiaufzüge und gewaltige Aufmärsche noch deutlicher sein. Mit Postkarten, Broschüren und aller Art Plakaten machte man aus Adolf Hitler einen Personenkult. Alle Medien kontrollierte Propagandaminister Joseph Goebbels und hier wurde „der Große Führer“ als „Heilsbringer“ und „Retter des deutschen Volkes“ dargestellt. Der Führerkult, der schon in der Mitte der 1920er Jahre in der NSDAP entwickelt wurde, verwandelte sich zum Organisationsprinzip eines ganzes Landes. In Dörfern und Städten wurden Plätze und Straßen nach Hitler benannt. Das „Dritte Reich“ sollte eine Fortsetzung des Kaiserreichs sein; es sollte um seine Tradition und Macht kämpfen zu können. Darum wollte man auch die als demütigend empfundenen Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 revidieren. Die Beziehungen zwischen dem neuen Deutschland und dem Kaiserreich verbesserten sich symbolisch beim wohl inszenierten „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933, als sich Hitler vor dem Reichspräsidenten von Hindenburg verneigte.

[...]


[1] Jan, Strzałka: „Głowa Morducha Halsmanna. Sprawy rodzinne, czyli austriackie rozliczenia z przeszłością. Rozmowa z Martinem Pollackiem, autorem „Ojcobójcy” i „Der Tote im Bunker””, http://ioh.pl/doniesienia-prasowe/gowa-morducha-halsmanna,104, eingesehen am 25.04.2011.

[2] http://www.mybude.com/wissen/zweite-weltkrieg-gegenwart/2738-weltkrieg-2.html, eingesehen am 27.04.2011.

Details

Seiten
33
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656660750
ISBN (Buch)
9783656660743
Dateigröße
901 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274266
Institution / Hochschule
Wyższa Szkoła Języków Obcych, Poznań – Lehrstuhl für Deutsche Sprache
Note
4/5 (80%)
Schlagworte
Martin Pollack Der Tote im Bunker Nationalsozialismus Österreich Kriegsverbrecher Auseinandersetzung NS NS-Zeit Ödipuskomplex Gerhard Bast

Autor

Zurück

Titel: Entstehung und Entwicklung des nationalsozialistischen Denkens in Österreich. Eine Analyse von Martin Pollacks „Der Tote im Bunker. Bericht über meinen Vater.“