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Schweizergeschichte fürs Volk

Die Darstellung der Schweizergeschichte in den vier Dokufiction-Filmen im Rahmen des Themenmonats „Die Schweizer“ des Schweizer Fernsehens (SRF) im November 2013 und deren Verwendung im Unterricht

Masterarbeit 2014 92 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Filmische Darstellungen von Geschichte
2.1. Die verschiedenen Genres
2.1.1. Filmdokumente
2.1.2. Dokumentarfilme
2.1.3. Spielfilme
2.2. Die Frage der Authentizität
2.3. Die Geschichte als Projektion der Gegenwart
2.4. Der Einfluss von Filmen auf das aktuelle Geschichtsbild

3. Die Verwendung von Filmen im Geschichtsunterricht
3.1. Wie und wann werden Filme im Unterricht verwendet?
3.2. Der didaktische Mehrwert
3.3. Die problematischen Aspekte

4. Die Bedeutung der Nationalgeschichte in der Schweiz
4.1. Die Mythen der Schweizer Geschichte
4.2. Der Wandel in der Schweizer Geschichtsschreibung
4.3. Die Schweizer Geschichte im Unterricht

5. Der Themenmonat „Die Schweizer"
5.1. Die Ziele des Themenmonats
5.2. Die Methoden der Geschichtsvermittlung
5.3. Der Inhalt der Folgen
5.3.1. Folge 1: Die Schlacht am Morgarten - Werner Stauffacher
5.3.2. Folge 2: Haudegen und Heiliger - Hans Waldmann und Niklaus von Flüe
5.3.3. Folge 3: Der General, der die Schweiz rettete - Guillaume Henri Dufour
5.3.4. Folge 4: Kampf um den Gotthard - Alfred Escher und Stefano Franscini
5.4. Die Diskussion in deröffentlichkeit
5.4.1. Das Fehlen der Frauen
5.4.2. Personifizierung
5.4.3. Nationalgeschichte
5.4.4. Darstellungsform
5.5. Analyse deröffentlichen Diskussion

6. Eine Umfrage bei Geschichtslehrpersonen
6.1. Methode
6.2. Ergebnisse
6.3. Analyse der Ergebnisse

7. Die Verwendung der vier Dokufiction-Filme im Unterricht
7.1. Für welche Themen eignen sich die Folgen?
7.1.1. Folge 1: Die Schlacht am Morgarten - Werner Stauffacher
7.1.2. Folge 2: Haudegen und Heiliger - Hans Waldmann und Niklaus von Flüe
7.1.3. Folge 3: Der General, der die Schweiz rettete - Guillaume Henri Dufour
7.1.4. Folge 4: Kampf um den Gotthard - Alfred Escher und Stefano Franscini
7.2. Ideen für die Verwendung im Unterricht
7.2.1. Erforschung von vorhandenen Mythen
7.2.2. Figurenvergleich zwischen Waldmann und von Flüe
7.2.3. Gegenüberstellung von Liberalen und Konservativen
7.2.4. Quellenanalyse zum Bau der Gotthardbahn und Bezug zur Aktualität

8. Fazit

Bibliographie

Anhang: Detaillierte Ergebnisse der Umfrage

1. Einleitung

„The past is never dead. It's not even past."1

Als im November 2013 das Schweizer Fernsehen den Themenmonat „die Schweizer" startete und infolge dessen die vier publikumswirksamen Dokufiction-Filme über „sechs herausragende Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte"2 ausstrahlte, löste dies eine grosse mediale Debatte aus. Von Historikern und von Politikern aus allen Lagern wurden verschiedene Aspekte der Serie kritisiert.

Diese Arbeit geht nun den Fragen nach, wie die nationale Geschichte in diesen Filmen dargestellt wird und wieso in der Schweiz die eigene Geschichte so intensive Diskussionen auslöst. Um dies zu beantworten wird die Bedeutung der Nationalgeschichte in der Schweiz analysiert. Die Entstehung und die Funktion der darin zahlreich vorkommenden Mythen steht dabei im Zentrum. Es wird auch aufgezeigt, wie sich die Geschichtsschreibung im Laufe der Zeit verändert hat. In einem zweiten Schwerpunkt geht es um den Einsatz der Dokufiction-Filme im Geschichtsunterricht. Es wird untersucht, für welche Themen und auf welche Art und Weise sich die Filme von den Lehrpersonen im Unterricht verwenden lassen.

Zuerst wird grundlegend angeschaut, wie sich Geschichte filmisch umsetzen lässt. In einem zweiten Schritt geht es darum, die Verwendung von Filmen im Geschichtsunterricht genauer zu beleuchten und darzustellen, welche Lernziele auf diese Weise erreicht werden können und wo die problematischen Aspekte sind.

Darauf folgt eine Analyse der Bedeutung von Nationalgeschichte für die Schweiz, um dann im Folgenden die Geschichtsdarstellung in den Dokufiction-Filmen zu besprechen. Zu diesem Zweck wird auch ein Überblick über die vielfältige Kritik geboten.

Anschliessend wird mit Hilfe einer Umfrage ausgewertet, wie Geschichtslehrpersonen über die Filme und die Geschichtsdarstellung darin denken und ob sie sich vorstellen können, diese im Unterricht zu verwenden. Zum Schluss wird mit Bezug auf die bis dahin dargestellten Ergebnisse eingeschätzt, ob und wie die Dokufiction-Filme im Unterricht verwendet werden können. Es werden auch Ideen für eine Umsetzung vorgestellt.

2. Filmische Darstellungen von Geschichte

Der Filmregisseur Rainer Wolffhardt gibt als Antwort auf die Frage, ob man Geschichte überhaupt verfilmen kann, ein klares „Nein" zur Antwort. Man kann sich ihr höchstens nähern, indem man sie explizit oder implizit mit einbezieht. Filme können die Geschichte nicht darstellen, aber sie können Geschichten erzählen.3 Was ist nun aber das Erkennungsmerkmal einer „historischen" Geschichte? Zeigt nicht jeder Film zwangsläufig etwas Vergangenes? Dies ist zweifelsohne so. Was einen Film nun zu einem historischen macht, ist die Darstellung einer Epoche, die sich von der gegenwärtigen unterscheidet oder von Ereignissen, die von historischer Bedeutung sind. Dabei kommt es auf den Blickwinkel an. Eine Dokumentation über die Anschläge auf das World Trade Center in New York im Jahre 2001 ist eine historische, auch wenn uns die dargestellte Zeit noch nicht sehr fremd erscheint. Ein Spielfilm, der dieses Ereignis behandelt, ist ein historischer Spielfilm, wenn die Darstellung des Attentats im Vordergrund steht. Wenn der Zuschauer jedoch in erster Linie an der in den Film eingearbeiteten Liebesgeschichte interessiert ist, dann wird er diesen nicht als historischen Spielfilm empfinden. Es kommt also auf die Perspektive des Filmemachers und des Betrachters an. Jeder Film kann unter historischen Aspekten beleuchtet werden und jeder Film, der explizit eine gewisse vergangene Zeit darstellt, wird das Bild des Zuschauers von dieser prägen.

2.1. Die verschiedenen Genres

Geschichte kann in unterschiedlichen Formen im Film dargestellt werden. Diese unterscheiden sich auf verschiedenen Ebenen: Die Machart des Films, die Botschaft und die Zielgruppe sowie den Anspruch an die historische Genauigkeit der Darstellung. Die Übergänge sind dabei fliessend und die Bezeichnungen vielfältig. Nachfolgend werden die drei Hauptkategorien kurz vorgestellt.

2.1.1. Filmdokumente

Als Filmdokumente bezeichnet man Original-Bild- und Tondokumente, die zeitgenössisch entstanden sind. Diese können zufällig oder auch vorbereitet zustande gekommen sein. Sie sind nicht im Nachhinein mit einem Kommentar versehen worden. Filmdokumente sind historische Quellen, die eine Einordnung in den geschichtlichen Kontext benötigen. Filmdokumente stellen den direktesten filmischen Zugang zur Geschichte dar, da sie noch keine Interpretation des Geschehens liefern. Dennoch muss die Intention und die Perspektive des Filmemachers berücksichtigt werden. Filmdokumente kann es dementsprechend nur aus der neueren Geschichte geben, weil früher die technischen Möglichkeiten etwas zu filmen nicht vorhanden waren. Wenn ein Spielfilm oder eine Dokumentation als Quelle zur Untersuchung ihrer Entstehungszeit analysiert wird, dann werden diese auch zu Filmdokumenten. 4

2.1.2. Dokumentarfilme

Dokumentarfilme beinhalten meist Filmdokumente, zusätzlich aber in der Regel einen gesprochenen Kommentar. Oft kommen dazu noch Aussagen von Zeitzeugen oder Experten. Die Dokumentarfilme können dann auch noch mit Texten, Diagrammen, Skizzen, Karten, Animationen oder szenischen Einspielungen, also von Schauspielern nachgestellten Szenen, ergänzt werden.5 Dokumentarfilme haben das Ziel, die Ereignisse möglichst faktengetreu wiederzugeben. Sie beinhalten aber immer auch schon eine Interpretation des Dargestellten, die dann vom Konsumenten kritisch hinterfragt werden muss. Das Geschichtsbild der Entstehungszeit eines Dokumentarfilms hat jeweils einen grossen Einfluss auf die Darstellungsform der Geschichte in diesem.6

Eine Untergruppe der Dokumentarfilme stellen die Unterrichtsfilme dar. Diese Dokumentationen sind speziell für den schulischen Kontext produziert und nach didaktischen Aspekten aufgebaut. Im Zentrum der Filme steht der Kommentar, die Bilder dienen dazu, diesen zu illustrieren.7 Unterrichtsfilme sollten sich ursprünglich deutlich von Spielfilmen unterscheiden und verzichteten deshalb meist darauf, filmische Gestaltungsmittel einzusetzen. Die einzige Aufgabe der Filme war, Sachverhalte korrekt darzustellen. Erst im Laufe der Zeit wurde erkannt, das mit filmgestalterischen Mitteln die Lernmotivation der Schüler gefördert werden kann.8

Davon zu unterscheiden ist eine weitere Untergruppe der Dokumentarfilme, die Dokufiction-Filme oder eingedeutscht Dokufiktionen. Diese bestehen aus den gleichen Elementen wie Dokumentarfilme, jedoch ist der Anteil der szenischen Einspielungen weit höher (Reenactment). Diese machen den Kern der Filme aus und die Kommentare, Expertenaussagen und allfällige weitere Elemente wie Karten, Textquellen usw. dienen dazu, die von Schauspielern nachgestellten Ereignisse einzuordnen. Das Nachspielen von historischem Geschehen dient auch als Ersatz für das Fehlen von Filmdokumenten aus länger zurückliegenden Epochen wie z.B. dem Mittelalter. Die Dokufiction-Filme unterscheiden sich aber nicht nur in einer anderen Gewichtung der verwendeten Elemente von Dokumentarfilmen oder Unterrichtsfilmen, sondern auch in ihrem Zielpublikum. So sind sie dafür konzipiert, ein Massenpublikum am Fernsehen zu unterhalten. Solche populären Geschichtsdarstellungen laufen auch unter dem Begriff Histotainment oder allgemeiner unter Infotainment. Der grosse Erfolg von Formaten dieser Art führt auch zu vielfaltiger Kritik. Es wir eine Kommerzialisierung der Geschichtskultur bemängelt.9 Die Kritiker befürchten, dass die Zuschauerquoten wichtiger sind als die Faktentreue. Ausserdem würde bei solchen emotionalisierten Darstellungen „das Nachdenken durch Nacherleben und Nachfühlen ersetzt".10 Diese Dokufiction-Filme würde den Kampf um die Deutungshoheit der Geschichte mit ihrer publikumswirksamen Aufmachung leicht gewinnen und so das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft nachhaltig prägen. Wenn nun aber „falsche" Geschichtsbilder vermittelt werden, entsteht ein Schaden, der nur schwer wieder zu beheben ist.11 Wenn eine solche Darstellung in das kollektive Gedächtnis übergeht, dann wird aus den einzelnen Erinnerungen der Zuschauer ein Wahrheitsanspruch.12

Befürworter solcher populärwissenschaftlicher Darstellungen von Geschichte heben hervor, dass durch diese ein viel grösseres Publikum erreicht werden könne und somit ein Interesse für Geschichte auch bei Personen geweckt werde, die sich sonst nicht damit abgeben würden. Dokufiction-Filme haben in ihrer Darstellungsweise eine gewisse Nähe zum Spielfilm, sind aber in der Herstellung weniger aufwändig, da nur einzelne Szenen nachgespielt werden. Im Gegensatz zu historischen Spielfilmen wird die gezeigte Geschichte auch kommentiert und eingeordnet. Dokufiction-Filme haben grundsätzlich von sich den Anspruch, historische Fakten korrekt darzustellen. Wenn aber durch Reenactement Historisches dargestellt wird, gibt es immer Bereiche, für diese es keine Informationen aus der Geschichtswissenschaft gibt. Diese Lücken müssen von den Filmemachern gefüllt werden. Eine solche Darstellung kann also nie vollumfänglich historisch korrekt sein. Ganz abgesehen davon, dass ein Film nie Realität oder Wirklichkeit darstellen kann.13 Besonders grossen Erfolg haben in letzter Zeit Dokufiction-Serien, die sich mit Nationalgeschichte befassen. So entstand zum Beispiel in Deutschland im Auftrag des ZDF in den Jahren 2008 bis 2010 die 20-teilige Serie „Die Deutschen" und in Grossbritannien produzierte Sky Atlantic 2012 „The British". In diese Reihe gesellte sich 2013 nun auch das Schweizer Fernsehen SRF mit seiner Serie „Die Schweizer".

2.1.3. Spielfilme

Spielfilme mit historischen Inhalten sind ein weites Feld. Wenn man sich am fliessenden Übergang zwischen historischen Dokumentationen und Spielfilmen entlang bewegt, dann kommt man nach den Dokufiction-Filmen als erstes zu den dokumentarischen Spielfilmen. Diese sind ganzheitlich dramaturgisch inszeniert und enthalten keinen einordnenden Kommentar. Sie orientieren sich aber wie Dokumentationen an historischer Korrektheit. Im Vordergrund stehen bei diesen Produktionen die historischen Ereignisse und Persönlichkeiten. Davon abzugrenzen sind Spielfilme mit historischen Inhalten. Diese gehen mit den geschichtlichen Fakten freier um, ihr Hauptziel ist, eine spannende Geschichte zu erzählen.14

Die Grenze zwischen diesen Arten von Spielfilmen ist oft nur schwer zu ziehen. Der Zuschauer kann dies oft nicht, da er die gezeigten Fakten nicht kennt und die Intention der Filmemacher meist nur schwer einschätzen kann. Weiter gibt es auch Spielfilme, die in einem historischen Setting spielen, aber frei erfundene Geschichten erzählen. Dazu werden oft historisch belegte Figuren verwendet, diese aber eingesetzt, ohne sich um historische Fakten zu kümmern. In einem entfernteren Sinne historische Inhalte haben zum Beispiel auch Fantasy-Filme, die in einer mit mittelalterlichen Symbolen durchdrungenen Fantasiewelt spielen.15

2.2. Die Frage der Authentizität

Historiker neigen dazu, historische Spielfilme wegen Ungenauigkeiten zu kritisieren. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Filmemacher zu jedem Detail der Ausstattung ihrer historischen Welt Stellung nehmen müssen, was geradezu zu Ungenauigkeiten führen muss. Oft ist vieles nicht genau rekonstruierbar, so dass man einfach kritisieren kann, dass es nicht so wie im Film gewesen ist, aber wie es wirklich war, weiss niemand genau. Dazu kommt, dass eine historisch genaue Rekonstruktion noch keinen guten Spielfilm macht. Epochen wie zum Beispiel das Mittelalter, über die vieles nicht genau bekannt ist, bieten den Filmemachern auch eine gewisse Freiheit in der Darstellung. So kann man zum Beispiel mit einer Figur wie Robin Hood oder auch Werner Stauffacher machen, was man will, weil es keine genauen historischen Quellen gibt, trotzdem wird die Figur immer in einen historischen Kontext gestellt.16

Wenn ein historischer Film sich Mühe gibt, bei der Ausstattung und den historischen Ereignissen genau zu sein, so bleibt seine Authentizität dennoch eingeschränkt. Dies fängt an bei der Sprache, die ja in den allermeisten Filmen eine moderne ist, und geht weiter über den Körper der Schauspieler, sein Habitus, seine Mimik und Gestik bis zu den Gefühlen, die sich nicht so einfach rekonstruieren lassen.17 Die Ausstattung, die Schauspieler und die behandelten Themen werden trotz allen Bemühungen immer etwas Gegenwärtiges an sich haben. Zum Beispiel wird für die in vielen historischen Spielfilmen vorkommenden komödiantischen Einschübe immer zeitgenössischer Humor verwendet. Diese Analyse gilt auch für die in Dokumentationen und vor allem auch in Dokufiction-Filmen vorkommenden schauspielerischen Sequenzen.

Der Film als modernes Darstellungsmittel verkörpert die fundamentale Differenz zu dem Dargestellten.18 Die meisten Filme versuchen dies zu überbrücken, indem sie den Zuschauer in die Handlung und die historische Welt hineinziehen. Es besteht ein Kontrakt mit dem Zuschauer, sich auf diese Illusion einzulassen, weil der Film sonst nicht funktioniert.19

Je weiter die gezeigte Epoche von uns zeitlich entfernt ist und je weniger man über diese weiss, desto grösser ist die Distanz, die zu überbrücken gilt. Dies gilt insbesondere auch für Darstellungen des Mittelalters, wie es auch die beiden ersten Folgen der Serie „Die Schweizer" sind. Damit das Mittelalter im Film für das Publikum als authentisch wahrgenommen wird, muss es die Erwartungen des Publikums betreffend, wie das Mittelalter war, erfüllen. Es müssen die richtigen Bezüge hergestellt werden, dabei müssen diese nicht der gezeigten Epoche entsprechen. Das Mittelalterbild der Zuschauer wurde von den vorhergehenden Filmen geprägt, also orientieren sich die Erwartungen an dem. Wenn ein Element genug oft in verschiedenen Filmen wiederholt wird, wird es von den Zuschauern als authentisch wahrgenommen. So ist zum Beispiel der Schwertkampf in neueren Mittelalterfilmen meistens an die fernöstliche Kampfkunst angelehnt. Dies hat sich durch die vielen Fantasy-Filme etabliert und wird nun als authentisch für das europäische Mittelalter wahrgenommen.20 Auch beeinflusst die fortschreitende Darstellungstechnik das Mittelalterbild. So kann man feststellen, dass die Armeen in den mittelalterlichen Schlachten immer grösser werden.

Mit verschiedenen erzähltechnischen Mitteln versuchen die Filmemacher die Authentizitätsillusion ihrer Filme aufrecht zu erhalten. Beliebt ist das Verwenden von Erzählerfiguren, die das Geschehene als selbst erlebt darstellen. Auch wird oft Bezug auf historische Ereignisse oder Personen genommen. Sehr oft kommt am Anfang des Films ein Text, der die historische Situation erklärt. Das Verwenden von geschriebenen Texten wie Briefe und Urkunden unterstreicht auch die historische Dimension eines Filmes. Da die Zuschauer meistens nicht genau über die behandelte Epoche bescheid wissen, kommt es dazu, dass sie ihre Lücken mit den Informationen aus dem Film füllen, obwohl diese historisch nicht verbürgt, nicht vorhanden oder auch schlicht falsch sind. Somit können fiktive Filmgeschichten in den Köpfen der Zuschauer zur historischen Realität werden.21

2.3. Die Geschichte als Projektion der Gegenwart

Nicht nur im Film, sondern auch ganz allgemein ist jegliche Geschichtsdarstellung durch die Umstände der Zeit, in der sie entstanden ist, geprägt. Dies betrifft einerseits die Lücken in der Geschichtsüberlieferung, die gefüllt werden müssen, aber auch die Interpretation der überlieferten Fakten. Das gleiche Ereignis wird so von unterschiedlichen Personen, die jeweils verschieden geprägt sind und auf variierendes Vorwissen zurückgreifen, niemals genau gleich dargestellt. Die Einflussfaktoren sind zum Teil individuell, zum Teil gesellschaftlich und ideologisch geprägt. Die Darstellung von Geschichte ist immer eine Konstruktion und sagt oft mehr über die Zeit aus, in der sie entstanden ist, als über die Zeit, die sie beschreibt. Unter Einbezug dieses Aspekts kann es so etwas wie eine „historische Realität" nicht geben. Auch zeitgenössische Darstellungen von Ereignissen zeigen diese oft auf unterschiedliche Weise. Die Geschichte wird also aus einer Ansammlung von subjektiven Quellen konstruiert.22

Ein Film kann also nie zeigen, wie es wirklich war. Er kann aber eine spezifische, subjektive Wahrnehmung einer Situation darstellen und die Deutung dieser und somit das Geschichtsbild der Filmemacher aufzeigen. Da es keine übergeordnete objektive Realität gibt, kommt ein solcher subjektiver Blickwinkel der Wirklichkeit am nächsten.23 Filme, die mit dem Anspruch kommen, die Wirklichkeit darzustellen, müssen daran scheitern. Sie können höchstens von sich behaupten, eine Wirklichkeit zu rekonstruieren. Dies gilt sowohl für Spiel- als auch für Dokumentarfilme.

Wenn ein Film die Lücken in der Überlieferung füllt, so ist dies oft die einzige Möglichkeit, ein ganzheitliches Bild einer Epoche zu zeigen. Nur so kann sich der Zuschauer in die für ihn fremde Welt hineinversetzen. Das Dazuerfinden ist also ein für die Geschichtsvermittlung durch Filme notwendiges Mittel. Um einen historischen Blickwinkel einnehmen zu können, sollte jedoch deutlich gemacht werden, was durch Quellen belegt ist und was nicht.

Ein Beispiel aus den unzähligen Robin Hood-Filmen soll illustrieren, wie die Darstellung von historischen Persönlichkeiten in Abhängigkeit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse stehen kann. In den 30er Jahren wurde in The Adventures of Robin Hood (1934) König Richard Löwenherz als gütig und gerecht dargestellt, ein König, der für sein Volk sorgt. Robin Hood steht auf seiner Seite und kämpft in seinem Namen. Dies entsprach der damals herrschenden Staatsideologie, die von den Filmstudios übernommen wurde. In den 70er-Jahren sah dies in Robin and Marian (1976) dann ganz anders aus. Der König war nun egoistisch und machtversessen, er nützte das Volk aus und beschützte es nicht mehr. Robin kann sich nicht mehr mit seinem Herrscher identifizieren und widersetzt sich seinem Befehl, unschuldige und wehrlose Bewohner eines Schlosses anzugreifen. Dies entsprach dem in dieser Zeit herrschenden Bild der Regierung, die einen ungerechten Krieg in Vietnam geführt hat. Dazu muss aber gesagt sein, dass keiner der hier erwähnten Filme den Anspruch hatte, historisch korrekt zu sein. Dennoch prägen solche populäre Filme das Bild der Epoche, in der sie spielen.24

Wie in den Filmen Geschichte dargestellt wird, lässt Rückschlüsse auf die Gesellschaft der Entstehungszeit zu. Aber auch die Auswahl der Stoffe, die behandelt werden, hängt von den vorherrschenden Interessen ab. Es sind oft aktuelle Ereignisse, die die Themenwahl beeinflussen. Wenn ein Film wie Kingdom of Heaven im Jahre 2005 den Zusammenprall des Christentums mit dem Islam während den Kreuzzügen thematisiert, dann ist dies kurz nach 9/11 ein hoch aktuelles Thema. Historische Ereignisse, Personen oder Themen, die von Historikern als wichtig empfunden werden, werden nicht unbedingt oft filmisch umgesetzt. So ist zum Beispiel Karl der Grosse im Spielfilm weit weniger vertreten als mythische Figuren wie zum Beispiel König Arthur. Themen wie die Entstehung von städtischen Gesellschaften oder der aufkommende Handel werden oft nur am Rande behandelt, weil das aktuelle Interesse daran als zu gering erachtet wird.25

Oft sind, sowohl in Spiel- als auch in Dokumentarfilmen, Figuren interessant die einen nationalen Charakter haben und somit wichtig für die nationale Identität sind. Beispiele dafür sind Jeanne d'Arc in Frankreich, William Wallace in Schottland oder auch Werner Stauffacher für die Schweiz. Welche Themen behandelt werden, und vor allem auch welche nicht, „lässt Rückschlüsse zu auf das, was eine Gesellschaft über sich selber zugibt, was sie in Szene setzt und was sie verdrängt".26

2.4. Der Einfluss von Filmen auf das aktuelle Geschichtsbild

Das Geschichtsbewusstsein leitet sich aus den Geschichtsbildern ab. Bildhafte Darstellungen stehen am Anfang des Lernens. Diese sind prägend und gegen ihre Wirkungskraft kommt Denken und angelerntes Wissen oft nicht an. Ältere Schulbücher glichen einem Bildband, worin die Geschichte anhand von einzelnen wichtigen Bildern erzählt wurde, und diese so das Geschichtsbild prägten. Die Bilder sind das, was in Erinnerung bleibt und überlagern den dazugehörigen Text. Wenn also ein Bild des Rütlischwurs im Geschichtsbuch prominent gezeigt wird und daneben steht, das man nicht genau sagen kann, wie und ob sich dieses Ereignis zugetragen hat, dann wird das Bild sich den Schülern einprägen, trotz dem widersprechenden Text. Die Auswahl der gezeigten Bilder muss also gut durchdacht und begleitet werden.27

Noch stärker wirkt das bewegte Bild. Filme prägen das Geschichtsbewusstsein der Jugendlichen in hohem Masse.28 Die meisten Filme mit historischen Inhalten, die sie sehen, sind Spielfilme und werden ausserhalb der Schule konsumiert. Aber auch an historischen Dokumentationen und Dokufiction-Filmen gibt es ein breites Angebot am Fernsehen und im Internet, von dem jederzeit Gebrauch gemacht werden kann. Die von Filmen geschaffenen „Bilder und atmosphärischen Eindrücke [prägen sich] so unwiderstehlich ein, dass sie bei einem Grossteil der Betrachter alle anderen Informationsquellen überlagern und zur Wirklichkeit werden".29 Wenn man sich die Lebensumstände vergangener Epochen vorstellen muss, greifen viele auf die Bilder aus Spielfilmen zurück, die in dieser Zeit spielen. Historische Spielfilme und natürlich auch Dokumentationen und Dokufiction-Filme haben einen „elementaren Einfluss auf die Geschichtsbilder [ihrer] Rezipienten".30 Mit einer Studie an deutschen Geschichtsstudierenden konnte belegt werden, dass deren Geschichtsbilder zum Thema Reformation oft durch den Spielfilm Luther (2003) beeinflusst waren. Auch wenn sich die Studierenden durchaus bewusst waren, das ein kritischer Zugang zu historischen Spielfilmen nötig ist. Da die Überprüfung der historisch korrekten Darstellung von Ereignissen in Filmen eine aufwendige Arbeit ist, wird dies meistens unterlassen. Die einprägsamen Bilder der Filme füllen so die Lücken in Bereichen, in denen man keines oder nur wenig Vorwissen hat.31

Bei historischen Filmen ist auch immer zu beachten, dass diese oft aus einem anderen Kulturkreis stammen, meistens aus dem amerikanischen. Für Amerikaner ist der Zugang zu geschichtlichen Epochen wie dem Mittelalter, die sich in der dargestellten Form auf ihrem Kontinent nicht zugetragen haben, ein ganz anderer. Es gibt dort keine Kirchen, Burgruinen, Traditionen oder sonstige Relikte aus dieser Zeit, die uns immer daran erinnern, das dies eine reale Epoche war. Dies führt dazu, das bei uns in Europa der Anspruch, möglichst genau diese Geschichte darzustellen, viel ausgeprägter ist. In Amerika ist eine vertiefte Beschäftigung mit dem Mittelalter, sowohl in der Schule wie auch in der Gesellschaft, weniger angesagt, weil es nicht die eigene Geschichte betrifft. Wenn nun aber das Mittelalterbild, das durch amerikanische Filme vermittelt wird, das Mittelalterbild der Europäer mitprägt, dann muss dies kritisch beleuchtet werden.

Die Macht der Filme sieht man auch daran, dass sie durch ihre grosse Verbreitung nicht nur das Geschichtsbild prägen, sondern auch gesellschaftliche Konventionen. So werden bei uns zum Beispiel die Hochzeitszeremonien immer mehr dem durch Filme transportierten amerikanischen Vorbild angepasst.32

3. Die Verwendung von Filmen im Geschichtsunterricht

Die Schule ist prägend für das Geschichtsbewusstsein der Gesellschaft. Das Geschichtsbewusstsein kann als „eine komplexe Kombination von Vergangenheitsdeutung, Gegenwartswahrnehmungen und Zukunftsdeutungen"33 definiert werden. Wenn Jugendliche und Erwachsene gefragt werden, was sie mit dem Begriff Geschichte assoziieren, nennen die meisten den Geschichtsunterricht an der Schule. Das Geschichtsbewusstsein entsteht aber nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern in der gesamten Gesellschaft. Es bietet sich aber in der vertieften Betrachtung von Geschichte an der Schule die Gelegenheit, das Geschichtsbewusstsein zu reflektieren und somit auch bewusster damit umzugehen. Die Identität, die aus diesem Bewusstsein hervorgeht, kann so von einer übernommenen zu einer erarbeiteten werden. Es können in diesem Zusammenhang auch ausserschulisch gebildete Aspekte der Identität problematisiert werden.34

Da der Geschichtsunterricht so zu einem wichtigen Faktor der Identitätsbildung wird, kann er auch instrumentalisiert werden. Wenn durch den selektiven Rückgriff auf Geschichte Zustände oder Ansprüche legitimiert werden, droht die Gefahr, den Lernenden Identität aufzuzwingen. Es muss deshalb darauf geachtet werden, dass die Schülerinnen und Schüler durch ein differenziertes Geschichtsbewusstsein zu einer selbstbestimmten und kritischen Identitätsfindung angeleitet werden.35 Da Filme mit ihrer multimedialen Kraft einen grossen Einfluss auf das Geschichtsbewusstsein haben, spielen sie in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

3.1. Wie und wann werden Filme im Unterricht verwendet?

Die Verwendung von Filmen im Geschichtsunterricht ging einher mit dem technischen Fortschritt und der damit immer grösser werdenden Verfügbarkeit von Filmmaterial. Mit dem Aufkommen von Videokassetten in den 80er Jahren wurde es für die Lehrpersonen möglich, ohne grossen Aufwand Filme im Unterricht zu zeigen. Im Zuge dieser Entwicklung wurden auch speziell für den Unterricht Filme produziert. Diese können, wenn sie professionell didaktisch gestaltet sind, einen wertvollen Beitrag zum Geschichtsunterricht leisten. Der Einsatz von Filmen ist für Lehrpersonen zu etwas Alltäglichem geworden und kann neben Unterrichtsfilmen auch Dokumentationen, Dokufiction- Filme und Spielfilme umfassen.36

Es ist auch ein Wandel in der Geschichtsdidaktik, die den Einbezug von Spielfilmen begünstigte. Man will heute nicht mehr nur noch die Geschichte darstellen, wie sie sich wirklich ereignet hat, sondern auch das Geschichtsbewusstsein untersuchen. In diesem Zusammenhang werden auch populäre Geschichtsdarstellungen wie historische Spielfilme interessant, die früher von Historikern und Geschichtsdidaktikern verschmäht wurden. Auch ist man davon abgekommen, in Spielfilmen einen grundsätzlich schlechten Einfluss auf die Jugend zu sehen.37

Filme eignen sich für unterschiedliche Unterrichtsphasen. Als Einstieg in ein Thema können sie dank ihrer oft emotionale Färbung zur Motivation dienen, zur Einstimmung und um eine Problematik bewusst zu machen. Filmsequenzen können auch zur Präsentation von Lerninhalten dienen, da sie meist eine hohe Informationsdichte aufweisen. Auch können sie durchgenommene Stoffe veranschaulichen oder vertiefen. Weiter kann eine Filmsequenz auch als Bereicherung des Unterrichts eingesetzt werden, indem den Schülern eine spannende und lustvolle Abwechslung geboten wird.38

Eine Studie an deutschen Schulen hat gezeigt, dass im Geschichtsunterricht eher selten Spielfilme eingesetzt werden. Dokumentar- und Unterrichtsfilme jedoch sind ein verbreitetes Mittel, um Geschichtsinhalte zu vermitteln. Die befragten Lehrerinnen und Lehrer brachten zum Ausdruck, dass noch grosse Unsicherheiten in Bezug auf die Auswahl und den didaktischen Umgang mit Spielfilmen besteht. Wenn Spielfilme eingesetzt werden, dann um das inhaltsbezogene Wissen der Schüler zu vertiefen. Die Darstellungsweise wird kaum analysiert und das vermittelte Geschichtsbild nicht reflektiert. Jedoch gaben die meisten Lehrerpersonen zu Protokoll, dass sie die Schüler auf die Konstruiertheit von Spielfilmen aufmerksam machen und den Einfluss dieser auf das Geschichtsbewusstsein der Schüler thematisieren.39

3.2. Der didaktische Mehrwert

Dokumentarfilme können als historische Quellen die „Wirklichkeit" in einer Vielschichtigkeit und Komplexität darstellen, die eine verbale Erzählung oder Beschreibung nicht erreichen kann. Es können so auch Stimmungen vermittelt werden und es entsteht eine grosse Direktheit, die allein durch Worte nicht erreicht werden kann. Dokumentarfilme können unter Umständen auch objektivere Informationen liefern, weil im Bildausschnitt auch Dinge gezeigt werden, die dem Filmenden unwichtig erscheinen, denen aber beim Anschauen des Films dann Bedeutung vom Zuschauer beigemessen werden kann. Dokumentarische Sequenzen sind ausserdem die einzige Möglichkeit, einen visuellen Eindruck von vergangenen oder geografisch weit entfernten Ereignissen oder Orten zu bekommen, die für die Lernenden sonst nicht zugänglich sind.40 Der Film kann Objekte und Ereignisse räumlich darstellen und sie so besser fassbar machen. Dazu kommt die Möglichkeit, Geschehnisse in Echtzeit wiederzugeben, die gefilmte Zeit und die Zeit im Film sind dann also identisch. Dadurch können zeitgebundene Abläufe und Handlungen wirklichkeitsgetreu wiedergegeben werden.41

Für Schüler, denen der Zugang zur Geschichte über Textquellen schwerfällt, können Filmbeiträge eine Hilfe sein. Dieses ist vor allem in der heutigen film- und fernsehgewohnten Gesellschaft ein gewinnbringender Ansatz.42 Filme haben den Vorteil, dass sie verschiedene Wahrnehmungskanäle bedienen und so die Aufmerksamkeit der Zuschauer bündeln.43 Studien haben ergeben, dass der Einsatz von Filmen im Geschichtsunterricht einen gesteigerten Lerneffekt bewirkt. Es wurde eine Steigerung von 121% festgestellt, wenn man den „konventionellen" Unterricht ohne Medieneinsatz bei 100% festlegt. Am effektivsten ist dann eine Medienkombination von Filmen, Tonaufnahmen und Texten mit einer Lernsteigerung von 149%.44

Die Geschichte im Film begegnet der Gesellschaft in erster Linie aber nicht in Dokumentationen, sondern im historischen Spielfilm. Diese eignen sich auch für den Geschichtsunterricht, oft aus didaktischen Überlegungen sogar besser als Dokumentationen. Durch die Mittel der Personifizierung und Dramatisierung werden die Gefühle der Zuschauer angesprochen. Es werden exemplarische historische Gegebenheiten dargestellt. Es gelingt so dem Spielfilm oft besser, ein ganzheitliches Bild von historischen Umständen darzustellen. Wenn die Quellenlage Lücken aufweist, werden diese im Spielfilm meist so gefüllt, wie man sich aufgrund existierender Zeugnisse die beschriebene Zeit vorstellt. So ist es für Lernende einfacher, ein Eindruck einer vergangenen Zeit zu erhalten.45 Natürlich nehmen es nicht alle Filmemacher sehr genau mit der geschichtlichen Authentizität, da oft das Erzählen einer spannenden Geschichte im Vordergrund steht und historische Fakten sich diesem Ziel unterzuordnen haben. Dennoch gibt es einige Filme, die versuchen mit Hilfe von Historikern die beschriebene Zeit so genau wie möglich darzustellen.46

Beim Einsatz von Spielfilmen im Unterricht muss die Multiperspektivität berücksichtigt werden. Es muss den Schülern bewusst gemacht werden, dass das Gezeigte auch anders hätte dargestellt werden können. Wenn man ihnen solche variierenden Darstellungen zeigen kann, dann wird dieser Erkenntnisgewinn am besten erreicht. Ausserdem soll mit der Klasse besprochen werden, wer den Film aus welcher Motivation hergestellt hat. Wenn die Schüler mit diesen Überlegungen konfrontiert werden, wird ihr Geschichtsbewusstsein gestärkt und es spielt nicht mehr eine so grosse Rolle, ob im Spielfilm alle Fakten historisch korrekt dargestellt sind.47

Das Veranschaulichen von vergangenen Ereignissen ist aber nicht das einzige Potenzial von historischen Spielfilmen im Unterricht. Mit ihrem Einsatz kann auch analysiert werden, wie Geschichte dargestellt wird. Es muss dafür die Konstruktion und die Erzählweise des Films untersucht werden. Um in diesen Fragen noch ungeübte Schüler auf die Konstruktion von historischen Spielfilmen aufmerksam zu machen, kann es sich anbieten, einen Film zu zeigen, der offensichtlich seinen Inszenierungscharakter zeigt, indem zum Beispiel moderne Elemente in eine mittelalterliche Handlung integriert werden. Anhand historischer Filme kann auch die Entstehungszeit dieser in den Fokus genommen werden. Die Spielfilme sind so selbst eine historische Quelle, anhand derer das Geschichtsbild einer bestimmten Zeit rekonstruiert wird. Im Sinne einer Förderung des Geschichtsbewusstseins sind diese beiden Zugänge als äusserst gewinnbringend einzuschätzen.48

[...]


1 William Faulkner - Requiem for a Nun (1951)

2 http://www.srf.ch/sendungen/die-schweizer/die-schweizer

3 Vgl. Wolffhardt, S. 36.

4 Vgl. Wehen, S. 19.

5 Vgl. ebd., S. 19f.

6 Vgl. Meyers, S. 64.

7 Vgl. Mainka-Tersteegen, S. 45.

8 Vgl. Mikat, S. 52f.

9 Vgl. Nolte, S. 144.

10 http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/gesundheit/aversionen-gegen-herrn-k-/755788.html (kons. am 20.4.2014)

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Ansorg, S. 100.

13 Vgl. ebd., S. 98.

14 Vgl. Wehen, S. 20.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. Röckelein, S. 61

17 Vgl. ebd.

18 Vgl. Kiening, S. 69.

19 Vgl. Scharff, S. 70.

20 Vgl. ebd.

21 Für Kap. 2.2. vgl. auch: Christen, David: Der Mythos Robin Hood im amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts. Proseminararbeit an der Universität Basel, 2011.

22 Vgl. Wehen, S. 22f.

23 Vgl. ebd.

24 Vgl. Gentry, S. 277ff.

25 Vgl. Röckelein, S. 57f.

26 Ganz-Blättler, S. 360.

27 Vgl. Furrer I, S. 20.

28 Vgl. Gautschi, S. 138.

29 Junkelmann, Marcus, zit. nach Sommer, S. 429.

30 Sommer, S. 429.

31 Vgl Sommer, S. 434ff.

32 Vgl. Ganz-Blättler, S. 362.

33 Von Borries, Bodo, zit. nach Furrer I, S. 19.

34 Vgl. Furrer, S. 57 und Gautschi, S. 16.

35 Vgl. Furrer, S. 57f.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Schneider, S. 365f.

38 Vgl. Maier, S. 92f.

39 Vgl. Wehen, S. 55.

40 Vgl. Gautschi, S. 138f.

41 Vgl. Maier, S. 84.

42 Vgl. Meyers, S. 58.

43 Vgl. Wehen, S. 31.

44 Vgl. Meyers, S. 55.

45 Vgl. Meyers, S. 139.

46 Als Beispiel kann hier Der Name der Rose (1986) genannt werden.

47 Vgl. Gautschi, S. 140.

48 Vgl. Wehen, S. 32f.

Details

Seiten
92
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656660705
ISBN (Buch)
9783656660682
Dateigröße
740 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274199
Institution / Hochschule
Fachhochschule Nordwestschweiz – Pädagogische Hochschule
Note
1,5
Schlagworte
schweizergeschichte volk darstellung dokufiction-filmen rahmen themenmonats schweizer fernsehens november verwendung unterricht

Autor

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Titel: Schweizergeschichte fürs Volk