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Gedeckte und ungedeckte Zinsparität

Seminararbeit 2014 21 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Devisenmarkt und Wechselkurs
2.2 Devisenkassa- und Devisenterminmarkt

3 Zinsparitätentheorie
3.1 Voraussetzungen, Formeldarstellung
3.2 Gedeckte Zinsparität
3.2.1 Interpretation
3.2.2 Zahlenbeispiel anhand empirischer Daten
3.3 Ungedeckte Zinsparität
3.3.1 Interpretation
3.3.2 Auswirkungen auf den Wechselkurs
3.4 Devisenmarktspekulation

4 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Devisenmarkt

Abb. 2: Vergleich von Eurorenditen auf Inlands- u. Auslandseinlagen

Abb. 3: Bestimmung des Gleichgewichtswechselkurses

Abb. 4: Erhöhung des Inlandszinses u. Wechselkurshöhe

Abb. 5: Erhöhung des Auslandszinses u. Wechselkurshöhe

Abb. 6: EONIA Zinssatz

Abb. 7: Australischer Zinssatz

Abb. 8: Kassawechselkurs u. absolute Swapsätze

Abb. 9: Errechnung der gedeckten Zinsparität

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Das Handelsvolumen im Devisenhandel hat in den letzten Jahren ein immenses Wachstum erfahren. Laut BIS (Bank of International Settlements) erreichte das Volumen im April 2013 einen Rekordwert von 5,3 Billionen USD pro Tag (vgl. Rime/Schrimpf 2013: 1). Der Welthandel von Waren und Gütern dagegen betrug 2012 lediglich rd. 18 Billionen USD im gesamten Jahr (vgl. o.V. 2013: 23). Die wichtigsten Akteure auf dem Devisenmarkt sind Geschäftsbanken, Unternehmen und bankenfremde Finanzdienstleister (z.B. Wertpapier-Investmentfonds). Weitere Marktteilnehmer sind Zins­arbitrageure und Spekulanten (vgl. Krugman et al. 2012: 444f.; Siebert/Lorz 2006: 239). Die Akteure werden auf dem Devisenmarkt tätig, wenn sie von einer Fremdwährungseinlage eine größere Wertsteigerung als von einer Inlandseinlage erwarten. Diese Wertsteigerung ist sowohl vom Zinsniveau als auch von der Wechselkursveränderung abhängig (vgl. Krugman et al. 2012: 452). Eine zentrale Frage für die Devisenmarktteilnehmer lautet daher: Welche Faktoren bestimmen die Bildung und Schwankungen von Wechselkursen? Kurzfristige Wechselkursschwankungen lassen sich nicht auf die trägen Veränderungen der Gütermarkttransaktionen (Importe und Exporte) zurückführen. Dagegen reagieren internationale Kapital­bewegungen sehr schnell auf Zinsänderungen und beeinflussen den Wechselkurs daher ebenfalls sofort (vgl. Frenkel 2006: 68; Rose/Sauernheimer 2006: 194). Die Zinsparitätentheorie liefert einen Erklärungsansatz für den Zusammenhang zwischen Zinsdifferenzen und Wechselkursänderungen in der kurzen Frist.

Die vorliegende Seminararbeit befasst sich daher mit der Darstellung und Erläuterung der gedeckten und ungedeckten Zinsparität. Im folgenden Kapitel werden zunächst grundlegende Begrifflichkeiten des Devisenmarktes und des Wechselkurses erklärt. Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Hauptthema, dem Zinsparitätentheorem. Hierin werden zunächst die Voraussetzungen der Zinsparität genannt sowie die Formel dargestellt. Daran schließt sich die Interpretation der gedeckten Zinsparität an. Das Vorliegen der Zinsparität wird anhand eines Zahlenbeispiels mit empirischen Daten getestet. Ebenfalls wird die ungedeckte Zinsparität interpretiert und die Auswirkungen von Kapitalanlagen auf den Wechselkurs werden detailliert erläutert.

2 Begriffliche Grundlagen

Zur Erleichterung und Erhöhung des Verständnisses werden in diesem Kapitel zunächst grundlegende Begrifflichkeiten dargestellt und erklärt.

2.1 Devisenmarkt und Wechselkurs

Im Rahmen von internationalen Transaktionen müssen verschiedene Währungen (z.B. Euro und USD) getauscht werden. Importeure, die ausländische Güter kaufen wollen, müssen dazu in der Regel ihre inländische Währung gegen ausländische Währung tauschen. Exporteure, die für ihre Waren Fremdwährungen erhalten, müssen diese gegen inländische Währung tauschen. Der Markt, auf dem Währungen verschiedener Länder gehandelt werden, heißt Devisenmarkt. Unter Devisen ist ausländisches Geld (d.h. ausländische Währung) zu verstehen.[1] Der Preis für ausländische Währung auf dem Devisenmarkt ist der Wechselkurs. Dabei bestimmen Angebot und Nachfrage nach einzelnen Währungen den Preis (d.h. die Wechselkurse). Beim Warenimport kommt es beispielswiese zu einer Devisennachfrage, beim Export zu einem Devisenangebot. Der Wechselkurs zwischen zwei Währungen lässt sich in zwei verschiedenen Notierungen unterscheiden: Bei der Preisnotierung wird der Preis einer ausländischen Währung (z.B. USD) in inländischer Währung (z.B. Euro) ausgedrückt. Hierbei wird angegeben, wie hoch der Preis für fremde Währungen ist. Die Angabe aus deutscher Sicht lautet €/$. Dagegen gibt die Mengennotierung an, welche Menge an ausländischer Währung man für eine Einheit inländischer Währung erhält. Die Angabe aus deutscher Sicht lautet $/€ (vgl. Beck 2008: 297; Göcke/Köhler 2002: 161). Bei Ausführungen im weiteren Verlauf der Arbeit wird die Preisnotierung verwendet.

Der Wechselkurs zwischen zwei Währungen ändert sich jede Minute. Diese Veränderungen werden als Auf- oder Abwertung bezeichnet. Eine Aufwertung der inländischen Währung bedeutet, dass die ausländische Währung in inländischen Währungseinheiten gemessen günstiger wird. Aus Sicht der Preisnotierung sinkt der Wechselkurs. Dagegen steigt der Wechselkurs und die ausländische Währung wird in inländischen Einheiten teurer, wenn die inländische Währung abwertet (vgl. Blanchard/Illing 2009: 527).

Die folgende Abbildung zeigt den Devisenmarkt mit dem Devisenangebot und der Devisennachfrage (nach USD) als Funktion des Wechselkurses. Der Devisennachfragefunktion liegt die Annahme zugrunde, dass mit steigendem Wechselkurs die ausländischen Güter teurer werden und deshalb die Importnachfrage zurückgeht. Somit wird auch die Devisennachfrage zurückgehen. Die Exporte werden bei steigendem Wechselkurs zunehmen, da die Preise inländischer Produzenten in Euro einen geringeren Dollarpreis ergeben. Im Ausland werden deutsche Exporte relativ billiger. Deshalb wird das Dollarangebot mit steigendem Wechselkurs zunehmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Devisenmarkt

Quelle: In Anlehnung an: Frenkel 2006: 41

Im Schnittpunkt der Funktionen sind Angebot und Nachfrage nach Devisen identisch. Hier liegt der Gleichgewichtskurs in Höhe von vor (Devisen­markt­gleichgewicht). Ist der Wechselkurs höher als der Gleichgewichtskurs (beispielswiese i. H. v.[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]), übersteigt das Dollarangebot die Dollarnachfrage. Es liegt ein Angebotsüberhang an USD vor. Als Folge wird der Wechselkurs sinken und es kommt zu einer Aufwertung des Euro bzw. Abwertung des Dollar. Bei einem Wechselkurs i. H. v.[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] liegt ein Nachfrageüberhang nach Dollar vor. Der Wechselkurs wird steigen und zu einer Abwertung des Euro (Aufwertung des Dollar) führen. Voraussetzung für diese Anpassungen ist, dass die Notenbanken nicht in den Devisenmarkt eingreifen und die Wechselkurse sich frei bilden können. Man spricht hierbei von flexiblen Wechselkursen. Bei festen Wechselkursen dagegen bindet die Notenbank die einheimische Währung fest an die Währung eines wichtigen Handelspartners an. Dazu muss sie bei einer auftretenden Überschussnachfrage Devisen gegen einheimische Währung verkaufen. Bei einem Angebotsüberhang muss sie Dollar gegen einheimische Währung kaufen, damit sich auf dem Devisenmarkt kein anderer Wechselkurs bildet (vgl. zu diesem Abschnitt Frenkel 2006: 41-43; Beck 2008: 307).

2.2 Devisenkassa- und Devisenterminmarkt

Hinsichtlich der Fristigkeit lässt sich der Devisenmarkt in den Kassamarkt und den Terminmarkt unterscheiden. Auf dem Kassamarkt schließen Käufer und Verkäufer einen Kaufvertrag über eine bestimmte Menge an Devisen zu einem vereinbarten Preis. Der vereinbarte Preis ist der Kassawechselkurs [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Die Erfüllung des Rechtsgeschäfts, d.h. der Tausch der Währungen, muss spätesten am zweiten Geschäftstag nach Vertragsabschluss erfolgen. Geschäfte auf dem Kassamarkt nennt man Devisenkassageschäfte.

Die Erfüllung des Devisentauschs kann aber auch für einen späteren Zeitpunkt festgelegt werden (z.B. 30, 60 oder 90 Tage nach Vertrags­abschluss). Der Preis, zu dem die Devisen in einem späteren Zeitpunkt getauscht werden, wird jedoch schon bei Vertragsabschluss festgelegt. Man spricht hierbei von dem Terminwechselkurs [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Geschäfte auf dem Terminmarkt heißen Devisentermingeschäfte. Die entscheidende Funktion des Terminmarktes besteht in der Absicherung (Hedging) des Wechselkursrisikos (vgl. Göcke/Köhler 2002: 161f.; Rübel 2009: 55f.; Siebert/Lorz 2006: 239).

Der Terminwechselkurs kann vom Kassawechselkurs abweichen. Liegt der Terminkurs über dem Kassakurs, handelt es sich um einen Aufschlag bzw. Report. Ist der Terminkurs niedriger als der Kassakurs, spricht man von einem Abschlag bzw. Deport.

Die prozentuale Abweichung des Terminkurses vom Kassakurs wird als Swapsatz bezeichnet (vgl. Rose/Sauernheimer 2006: 195). Die Formel für den Swapsatz lautet: (1) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

3 Zinsparitätentheorie

Dieses Kapitel bildet den Schwerpunkt der Seminararbeit. Im ersten Abschnitt behandelt es die Voraussetzungen, die zur Gültigkeit der Zins­parität vorliegen müssen sowie die Herleitung der Formel. Der zweite Abschnitt erläutert die gedeckte Zinsparität, bevor in Abschnitt drei die ungedeckte Zinsparität und die Wechselkursbestimmung erörtert werden. Der letzte Abschnitt des Kapitels befasst sich mit der Devisenspekulation.

3.1 Voraussetzungen, Formeldarstellung

Damit die Zinsparität erreicht wird, bedarf es bestimmter Voraussetzungen. Zum Einen müssen in- und ausländische Kapitalanlagen als perfekte Substitute angesehen werden. Zum Anderen muss eine vollkommene internationale Kapitalmobilität vorliegen (vgl. Maennig 2013: 291). Dazu dürfen für die Kapitalanlage im Ausland keine Transaktionskosten anfallen (vgl. Blanchard/Illing 2009: 543), und die Anlagealternativen dürfen sich in ihrer Fälligkeit und Liquidität nicht unterscheiden (vgl. Krugman et al. 2012: 454f.). Ebenso sollten den Marktteilnehmern alle notwendigen Informationen über die Anlagemöglichkeiten uneingeschränkt zur Verfügung stehen (vgl. Göcke/Köhler 2002: 164). Die Gültigkeit der ungedeckten Zinsparität erfordert zudem, dass die Anleger risikoneutral sind, ihre Anlage allein aufgrund der erwarteten Rendite auswählen und identische Erwartungen bezgl. des Wechselkurses haben (vgl. Siebert/Lorz 2006: 241). Eine weitere Voraussetzung zur Erreichung der Zinsparität ist, dass es keine Beschränkungen bzw. gesetzliche Bestimmungen für den internationalen Kapitalverkehr gibt (vgl. Rittenbruch 2000: 195). In der Realität sind diese Voraussetzungen nicht uneingeschränkt gegeben. Der Devisenmarkt kommt den Eigenschaften vollkommener Märkte jedoch sehr nahe (vgl. Göcke/Köhler 2002: 164).

Die Formel der Zinsparität wird hier nun anhand eines Beispiels hergeleitet:

Kapitalanleger stehen vor der Entscheidung, ob sie ihr Kapital im Inland oder Ausland anlegen sollen. Dabei vergleichen Sie die Rendite aus der Anlage eines Euro im Inland mit der Rendite im Ausland. Für eine Kapitalanlage im Inland erhalten die Anleger den Zinssatz [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] pro Periode. Der Vermögens­bestand aus Anlage des Euro am Ende der Periode beträgt folglich [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Wird der Euro im Ausland angelegt, beispielsweise in den USA, muss er zunächst in USD umgetauscht werden. Der Zinssatz für die Anlage im Ausland beträgt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] pro Periode. Nach Ende der Anlagezeit ist der Betrag einschließlich erhaltener Zinsen wieder in Euro zurückzutauschen. Soll ein Wechselkursrisiko ausgeschlossen werden, tauschen Anleger zu Beginn der Anlagezeit den Euro am Kassamarkt zum Wechselkurs [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in Dollar. Gleichzeitig wird mittels eines Termingeschäftes vereinbart, den USD-Betrag am Ende der Anlegezeit zu einem festen Kurs [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] in Euro zurückzutauschen. Das Endvermögen in Euro aus der Kapitalanlage im Ausland beträgt demnach [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten].

[...]


[1] In dieser Arbeit wird der Begriff Devisen allgemein für ausländische Währung verwendet. Streng genommen werden Banknoten und Münzen als Sorten bezeichnet.

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656666462
ISBN (Buch)
9783656666431
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274194
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
1,7
Schlagworte
gedeckte ungedeckte Zinsparität Zinsarbitrage Devisenmarkt Wechselkurse Kassamarkt Terminmarkt

Autor

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Titel: Gedeckte und ungedeckte Zinsparität