Lade Inhalt...

Die Spanier. Göttliche Heilsbringer oder gierige Goldsucher? Entdecker oder Eroberer?

Examenslehrprobe im Fach Geschichte

Unterrichtsentwurf 2012 7 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Examenslehrprobe im Fach Geschichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Geplanter unterrichastsverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

2. Beschreibung der Lerngruppe und unterrichtliche Voraussetzungen

Die Lemgruppe setzt sich aus 9 Mädchen und 16 Jungen zusammen und wird von mir bereits seit dem Halbjahr 2010/11 eigenverantwortlich unterrichtet. Insgesamt zeigt sich die Lerngruppe am Geschichtsunterricht als interessiert und motiviert. Eine klare Dominanz geht von den Jungen der Klasse aus, die meist den Unterricht mit ihren Beiträgen fördern, manchmal jedoch auch durch störende und überflüssige Kommentare auffallen. Einige Mädchen sind dagegen eher schüchtern. Seit dem 7.5.2012 ist ein neuer Schüler in die Klasse gekommen, der noch einige Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat. Das Leistungsniveau in der Klasse ist sehr unterschiedlich. Dieser Umstand zeigt sich vor allem bei der Bearbeitung von Quellen und schriftlichen Aufgaben. Vor allem die Informationsentnahme aus Quellen und Darstellungstexten fällt einigen noch sehr schwer. Dies muss folglich verstärkt eingeübt werden. Die Arbeitsform der Partnerarbeit ist in der Lerngruppe bereits eingeübt und funktioniert gut. Ein Schüler wird dabei wegen seines Verhaltens den anderen Schülern gegenüber oft ausgegrenzt. Dieser Schüler bekommt entweder die Möglichkeit sich einer bestimmten Zweiergruppe anzuschließen oder er darf allein arbeiten. Die Klasse hat sich bereits mit der Renaissance und innerhalb dessen mit dem neuen Menschen- und Weltbild beschäftigt. Außerdem wurden in der Lerngruppe innerhalb der Unterrichtseinheit „Entdecker oder Eroberer?“ die Voraussetzungen der Entdeckungsfahrten vor allem unter Christoph Kolumbus sowie die Person des Hernan Cortes und die aztekische Kultur speziell die Stadt Tenochtitlán behandelt. In der vorausgegangen Stunde haben sich die Schüler anhand einer Quelle von Juan Ginés de Sepúlveda im Auftrag Karls V mit der spanischen Sicht auf die Azteken sowie deren Motive für ihr Handeln auseinandergesetzt. Die vorliegende Stunde knüpft an dieses Wissen an und zeigt nun die Perspektive der Azteken auf die Spanier und ihr Handeln und ermöglicht so einen multiperspektivischen Zugang.

3. Vorstellung des Unterrichtsgegenstandes

Mit der Eroberung (spanisch = conquista) Mexikos durch den spanischen General Hernán Cortés (1485-1547) begann für die dort ansässigen Azteken die allmähliche Zerstörung ihrer Kultur. Dabei sind kaum schriftliche Zeugnisse für aztekischer Sicht der Eroberung vorhanden. Lediglich die Aufzeichnungen[2] einiger Azteken in der Volkssprache, dem Náhuatl, geben Auskunft über die Perspektive der Azteken in Bezug auf die spanischen Konquistadoren. Im Gegensatz dazu blieben die vermeintlichen Motive der Spanier für die Eroberung des Aztekenreiches der Nachwelt in vielfacher Weise erhalten. Nicht zuletzt durch das Tagebuch des Hernán Cortés sowie vielfältige Aufzeichnungen im Auftrag der spanischen Krone und päpstliche Erlasse. Angetrieben von dem Streben nach Reichtum und Macht, diente die Fahrt Cortés'auch der Begründung der spanischen Herrschaft in Mittelamerika. Dabei profitierten die spanischen Konquistadoren bei ihrem ersten Zusammentreffen mit aztekischen Gesandten im Jahre 1519 vor allem von deren religiöser Vorstellung, ihr Gott „Quetzalcóatl“ (Schlange mit Quetzalfedern[3] ) würde wiederkehren. Die Azteken kannten ihren Gott in Gestalt eines „bärtigen und weißhäutigen“[4] Gottes und hielten Cortés für eben diesen. Nach der anfänglichen Verehrung stellte sich allerdings schnell heraus, dass der spanische Admiral nicht die lang ersehnte und nun wiedergekehrte Gottheit, sondern von ganz anderen Motiven geleitet war. Die in der Stunde zu bearbeitende Quelle zeigt dann auch die aztekische Sicht auf das Verhalten der Spanier und ihre Motivation. Dabei wird deutlich, dass die Spanier in den Augen der Azteken wie niedere Tiere wirkten, die aus bloßer Goldgier handelten. So werden die Spanier mit Affen und Schweinen verglichen, die vor Gier „anschwollen“, nach Gold wühlten und sich den Schätzen der Azteken bemächtigten, „ als ob es kein Raub, als ob es ein günstiger Fund wäre“.[5] Die in der Quelle dargestellte Perspektive steht in einem unmittelbaren Gegensatz zu der Sicht der Spanier auf ihr Handeln, die vor allem die Zivilisierung der „wilden und barbarischen“ Völker und deren Bekehrung zum Christentum in den Vordergrund stellen. Das wirft die Frage auf, welche Sichtweise die wahrscheinlichere ist und fordert die Schüler auf, eine Stellung zu beziehen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Obwohl es keine genauen und ausführlichen Zeugnisse darüber gibt, welches der Motive das eigentliche und vorrangige war, kann letztlich aber davon ausgegangen werden, dass das Streben nach Reichtum und die persönliche Bereicherung wohl als das vorrangige Motiv vor den Bemühungen der Christianisierung der Ureinwohner und dem Zivilisierungsdrang der Spanier zu sehen ist. Dies bestätigt auch die folgende Behandlung der Azteken durch die Spanier, die letztlich mit der Vernichtung ihres Reiches endete. Durch die Funde in Hispaniola wussten die Spanier zumindest, dass auf dem südamerikanischen Kontinent Gold vorhanden war.

4. Didaktische Entscheidungen

Im Lehrplan des Landes Schleswig-Holstein[6] für die Sekundarstufe I der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen für das Fach Geschichte ist für die Klassenstufe 7 für das Gymnasium die Beschäftigung mit dem Thema „Aufbruch in eine neue Welt“ verbindlich vorgesehen und umschließt gleichsam den Inhalt „Entdecker und Entdeckte“.[7] Da es sich bei meiner 6. Klasse um eine G8-Klasse handelt, die bereits im 5. Jahrgang mit dem Geschichtsunterricht begonnen hat, fallt dieses Thema laut Orientierungshilfe G8 für die Sekundarstufe I[8] sowie dem schulinternen Curriculum des Hans-Geiger-Gymnasiums in diese Klassenstufe. Ich habe die von mir durchgeführte Unterrichtseinheit allerdings im Sinne einer klareren Problemorientierung „Entdecker oder Eroberer?“ genannt. An der Hochkultur der Azteken und deren Zerstörung durch die spanischen Konquistadoren soll exemplarisch das Aufeinandertreffen zweier Welten, ausgelöst durch Expansionsdrang, Machtstreben, Missionierungseifer und die Gier nach Reichtum, gezeigt werden. Dabei muss notwendigerweise ein multiperspektivischer Zugang zu der Sicht auf die jeweils fremde Kultur gelegt werden, um gleichsam die Multikausalität von Geschichte herauszustellen. Die Sicht der Azteken auf die Spanier und der Vergleich mit deren eigener Legitimation für ihr Handeln ist folglich lohnenswert und notwendig und schult das kritische Urteilsvermögen der Schüler. Die Ergebnisse der Stunde werden auch in der folgenden Stunden aufgegriffen, in denen es darum gehen wird, die weitere Behandlung der Azteken durch die Spanier sowie die Wirkungen der spanischen Eroberungen bis in unsere Gegenwart zu verdeutlichen, um am Ende der Unterrichtseinheit die Problemfrage „Entdecker oder Eroberer?“ beantworten zu können.

Die Praxis, eigentliche meist niedere Absichten und Gründe für bestimmte Handlungen hinter anderen zu verbergen, wurde nicht erst durch die Eroberer der Neuzeit geprägt, sondern hat eine lange Tradition. Gerade deshalb ist das kritische Hinsehen und das Überprüfen von mehreren Perspektiven auf einen Sachverhalt von entscheidender Bedeutung für die unmittelbare Lebenswelt der Schüler. Auch heute noch werden Eroberungen und Kriege unter Vorspiegelung falscher Gründe begonnen und geführt. Viele westliche Staaten legitimieren ihr Vorgehen mit der Notwendigkeit der Errichtung einer Demokratie in bestimmten Ländern. Heute ist der eigentliche Grund für das Vorgehen allerdings nicht mehr vorrangig das Gold. Heute sind es Rohstoffe wieöl, die in den Fokus geraten sind. Die Betrachtung der Motive der Spanier aus aztekischer Sicht hilft den Schülern letztlich auch ihre eigene Gegenwart kritisch zu betrachten und vorgesetzte Motive kritisch zu hinterfragen und zeigt gleichsam die lange Tradition eines solchen Verhaltens auf.

5. Methodische Entscheidungen

Der Einstieg in die vorliegende Stunde erfolgt über eine bildliche Darstellung aus dem 16. Jahrhundert, auf der die Ankunft der spanischen Konquistadoren unter Hernán Cortés in Veracruz festgehalten wurde. Dabei handelt es sich bei dem Bild um eine spanische Buchmalerei, deren Maler nicht bekannt ist. Ich erhoffe mir davon sowohl einen motivierenden und fordernden Einstieg als auch die Möglichkeit, alle Schüler einzubeziehen, da jeder etwas, sei es nur beschreibend, zu dem Bild sagen kann. Nachdem die Perspektive und die Wirkungsabsicht des Bildes geklärt sind, bekommen die Schüler eine Quelle mit der Bemerkung, dass es nun einmal um die Sicht der Azteken auf die Spanier gehen solle. Dieses kurze Gelenk soll nach dem lauten Lesen der Quelle durch einige Schüler und der Klärung möglicher Verständnisschwierigkeiten und Fragen direkt in die Erarbeitungsphase der Stunde münden. In dieser werden die Schüler aufgefordert, die Quelle, also die Sicht der Azteken auf die Spanier, zu bearbeiten und ihre Ergebnisse in die Tabelle einzutragen, in der die Sicht der Spanier bereits in der vorangegangenen Stunde festgehalten wurde. Alternativ hätte man auch zwei Quellen aus aztekischer Perspektive in arbeitsteiliger Partnerarbeit nach der Methode Think-Pair-Share bearbeiten lassen können. Dies ist aufgrund der mageren Quellenlage zu diesem Thema allerdings nicht möglich. Schnellere Schüler sind dazu aufgefordert eine Additum-Aufgabe zu der Quelle zu lösen, die darin besteht, dieser eine passende Überschrift zu geben. Bei der Erarbeitung steht es den Schülern frei, sich auch mit ihrem Banknachbarn über ihre Ergebnisse auszutauschen, da besonders schwächere Schüler dadurch die Möglichkeit bekommen, ihre Ergebnisse abzugleichen, so sicherer auch im Hinblick auf die Ergebnispräsentation werden und sich in der anschließenden Sicherungsphase eventuell eher am Unterrichtsgespräch beteiligen. Die Ergebnisse werden von den Schülern präsentiert und im Unterrichtsgespräch aufgenommen. Richtige Ergebnisse werden von mir an der Tafel festgehalten (die Tabelle der letzten Stunde sollte noch an der Tafel stehen). Die Schüler sind dazu aufgefordert, ihre Ergebnisse zu vergleichen und wenn nötig, Verbesserungen und Ergänzungen vorzunehmen. In der folgenden Problematisierung der Stunde sollen die Schüler die herausgearbeiteten Motive der Spanier aus aztekischer Sicht mit denen der Spanier vergleichen und sich einen passenden Titel bzw. eine Schlagzeile für die Spanier aus aztekischer Sicht überlegen. Alternativ hätte man die Schüler zunächst in Murmelgruppen einen Titel überlegen und diskutieren lassen können. Ich habe michjedoch dagegen entschieden, da ich mir einen möglichst spontanen und gerne auch überzogenen Titel erhoffe. Da in der letzten Stunde bereits eine Schlagzeile zur Sicht der Spanier entstanden ist, ergibt sich nun durch Hinzufügen eines Fragezeichens die Problemfrage der Stunde (beispielsweise: Christliche Retter oder gierige Schatzsucher?), die im Transfer durch die Schüler diskutiert werden soll. Hierbei werden sich höchstwahrscheinlich seitens der Schüler mehrere Stellungsnahmen für und gegen eine positive und negative Titulierung der Spanier ergeben, die begründet und diskutiert werden sollen. Am Stundenende werde ich über die Tabelle die Überschrift „Die Entdeckung bzw. Eroberung des Aztekenreiches“ notieren und den Hinweis geben, dass es in den folgenden Stunden darum gehen soll, welcher der beiden Begriffe passender sei. Bei genügend Zeit soll nach diesem Ausblick ein Bezug zur Gegenwart hergestellt werden, indem die Schüler sich äußern sollen, wie Kriege heute gerechtfertigt werden und welche Motive dabei eine Rolle spielen.

[...]


[1] Im Folgenden wird ausökonomischen Gründen der Begriff„Schüler“ für beide Geschlechter verwendet.

[2] Beispielsweise zu finden in: Miguel León-Portilla und Renate Heure (Hrsg.): Rückkehr der Götter. Die Aufzeichnungen der Azteken über den Untergang ihres Reiches, Köln 1962.

[3] PraxisGeschichte, 1/1992.S.19.

[4] Ebda. S. 19.

[5] Miguel León-Portilla und Renate Heure (Hrsg.): Rückkehr der Götter. S. 55.

[6] Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.): Lehrplan für die Sekundarstufe I der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen Hauptschule, Realschule, Gymnasium - Geschichte, Kiel. S. 31.

[7] Ebda. S.31.

[8] Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schlewig-Holstein (IQSH) (Hrsg.): Orientierungshilfe G8 für die Sekundarstufe I Geschichte, Kronshagen 2008. S. 22.

Details

Seiten
7
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656670629
ISBN (Buch)
9783656669838
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274132
Note
1,0
Schlagworte
spanier göttliche heilsbringer goldsucher entdecker eroberer examenslehrprobe fach geschichte

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Spanier. Göttliche Heilsbringer oder gierige Goldsucher? Entdecker oder Eroberer?