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Kindersoldaten in Zentralafrika. Analyse der aktuellen Situation

von Tom Hackenberg (Autor)

Hausarbeit 2013 25 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Themenfindung

2. Wer/Was sind Kindersoldaten
2.1 Allgemeine Definition des Begriffes „Kindersoldat“
2.2 Rechtslage
2.3 Betroffene Gruppe

3. Situation der Kindersoldaten
3.1 Weshalb werden Kinder als Soldaten eingesetzt?
3.1.1 Rekrutierung von Kindern als Soldaten
3.1.2 Einsatz von Kindern als Soldaten
3.2 Ausbildung zum Kindersoldaten
3.3 Leben als Kindersoldat
3.3.1 Mädchen in bewaffneten Konflikten
3.3.2 Flucht aus dem Krieg

4. Kindersoldaten in Zentral-Afrika
4.1 Ein regionaler Überblick
4.2 Betrachtung des Einsatzes von Kindersoldaten in Uganda
4.2.1 Die Lord´s Resistance Army (LRA)
4.2.2 Anführer der LRA: Joseph Kony

5. Folgen, die Kinder davon tragen
5.1 Auswirkungen auf die Kindersoldaten
5.1.1 Psychische Auswirkungen auf die Kindersoldaten
5.1.2 Physische Auswirkungen auf die Kindersoldaten
5.1.3 Soziale Folgen für die Kinder
5.2 Demobilisierung der Kindersoldaten
5.2.1 Die Reintegration in die Gesellschaft
5.3 Hilfsorganisationen
5.3.1 Deutsches Bündnis Kindersoldaten
5.3.2 Aktion Rote Hand

6. Persönliches Resümee und abschließende Gedanken

1. Themenfindung

Ich, als ein in Deutschland lebender Jugendlicher, habe mich in meiner Jugend wenig mit „sozialer Gerechtigkeit“ beschäftigt. Im Jahr 2012 wurde durch den Internetfilm „Kony2012“, von US-Amerikanischen Journalisten, über die schreckliche und unmenschliche Situation von Kindersoldaten in Afrika berichtet. Das war für mich der Anlass, um über das „Kind sein“ im Allgemeinen und über die Kindersoldaten in Afrika im Besonderen nachzudenken.

Zurückblickend auf meine Kindheit, verspüre ich Freude. Mir hat es nie an etwas gemangelt. Kein Wunder, denn Kinder sind der Teil unserer Gesellschaft, der mit höchster Priorität behandelt wird. Laut dem Deutschen Recht haben alle Kinder Anspruch auf Leben, Überleben, Entwicklung und Bildung.i Aber wie sieht das in Afrika aus, wo in vielen Ländern Hungersnot, Krieg und Verbrechen an der Tagesordnung stehen. Für die Kinder in den Konfliktgebieten sind Kinderrechte etwas Unbekanntes; wieso sollten sie etwas vermissen, was sie noch nie bekommen haben. Man kann die Ungerechtigkeit in den Staaten Afrikas natürlich auf die zurückgebliebene, soziale Infrastruktur schieben. Jedoch wird schon weit vor unserer Zeit, in der Bibel, nach sozialer Gerechtigkeit gefordert. Jesus verkündet während seiner Bergpredigt: „ Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werdenii. Ich versuchte zu verstehen, wie Warlords trotz unzähliger Verbote gegen die Menschenrechte verstoßen und solche unchristlichen und unmenschlichen Übeltaten mit Kindern tun können. Aus ein paar Minuten Gedankengang über dieses Thema wurden schnell mehrere Stunden und ich war erpicht darauf, mehr darüber zu erfahren. Es folgten lange Diskussionen mit Verwandten und Bekannten über die Materie der „sozialen Gerechtigkeit“, welche ich immer mit der Thematik der Kindersoldaten in Verbindung brachte. Auf diesem Weg wuchs das Interesse daran, mehr über den Sinn von Minderjährigen als Soldaten zu erfahren. Hervorgerufen durch die Diskussionen entstand der Wunsch meine Facharbeit darüber zu schreiben. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, deutlich zu machen, weshalb es Kindersoldaten auf der Welt gibt und welches Leid sie ertragen müssen. Zur Klärung möchte ich mit der Definition des Begriffs „Kindersoldat“ beginnen.

2. Wer/Was sind Kindersoldaten

2.1 Allgemeine Definition des Begriffes „Kindersoldat“

In den „Pariser Prinzipien“(2007), das neben Deutschland weiter 59 Staaten unterschrieben haben, definiert man den Begriff Kindersoldat als „Kinder, die mit Streitkräften oder bewaffneten Gruppen assoziieren". Dies sind „alle Personen unter 18 Jahren, die von Streitkräften oder bewaffneten Gruppen rekrutiert oder benutztwerdenoder wurden, egal in welcher Funktion oder Rolle, darunter Kinder, die als Kämpfer, Köche, Träger, Nachrichtenübermittler, Spione oder zu sexuellen Zwecken benutzt wurden. Ausdrücklich sind esnicht nur Kinder, die aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen haben."iii

2.2 Rechtslage

„ Kinder haben Rechte, kein Mensch ist der Besitz eines andereniv

Die UN-Kinderrechtskonvention, die von 193 Staaten ratifiziert wurde, garantiert in über vierzig Artikeln, jedes Kind der Welt vor körperlichem und geistigen Schaden oder Missbrauch, Verwahrlosung oder Vernachlässigung, Misshandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauches und jeglicher Art des Kinderhandels zu schützenv. Durch den Artikel 38 [Schutz bei bewaffneten Konflikten vor der Einziehung zu den Streitkräften] der UN-Kinderrechtskonventionen stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Kinder in einem bewaffneten Konflikt besonders geschützt und betreut werden.vi Ein Protokoll zur Ergänzung der Kinderrechtskonvention, welches am 25. Mai 2000 verabschiedet wurde, verbietet explizit die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren zu Soldaten. Jedoch unterscheidet sich die Realität von dem schriftlich Verfassten deutlich. Gerade was die Dritte Welt betrifft sind die Staaten nicht in der Lage die Konvention zu erfüllen. Der politische Wille und die realen Möglichkeiten reichen hier nicht aus, um den Kindern ihre Rechte zu gewährleisten. Die Statistik bestätigt das, denn allein in Afrika sind 120.000 Kinder an bewaffneten Konflikten beteiligt.vii Durch Forderungen wie sie beispielsweise das Projekt „Straight 18“ unterstützt, sollen nicht Volljährige geschützt werden: Kein Kind unter 18 Jahren darf in Armeen, bewaffneten Einheiten oder anderen militärischen Verbänden eingesetzt oder rekrutiert werden. Dies ist unabhängig von dem Aufgabengebiet, also auch Funktionen ohne Waffen sind verboten. Des Weiteren ist es auch unabhängig davon, ob es unfreiwillig oder freiwillig geschieht. Minderjährige dürfen nicht für den Kampfeinsatz angeworben werden. Somit müssen alle Kinder unter 18 Jahren aus Armeen und bewaffneten Gruppen entlassen werden und müssen bei ihrer Rückkehr ins zivile Leben unterstützt werden.viii Nach der internationalen Definition ist ein Siebzehnjähriger der sich freiwillig der Bundeswehr verpflichtet, allerdings genauso Kindersoldat, wie ein in Afrika rekrutiertes Kind, das zum Töten gezwungen wird. Jedoch machen die bereits vorhandenen kriegerischen Konflikte und die politischen Umstände den Unterschied. Deshalb konzentrier ich mich bei meiner Darstellung auf die kämpfenden Kindersoldaten aus den Entwicklungsländern. Ich befasse mich im Folgenden vor allem mit afrikanischen Kindern unter 15 Jahren.

2.3 Betroffene Gruppe

Zum Großteil handelt es sich um Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren, die vor allem in Zeiten eines bewaffneten Konfliktes von Regierungsgruppen oder irregulärer, nationaler oder nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen (von Oppositionskräften, Gruppierungen ethnischer oder religiöser Minderheiten, Paramilitärs, Milizen) zwangsrekrutiert werden.ix Es wurden aber auch schon Kinder ab dem sechsten Lebensjahr hinzugezogen. Durch die später erwähnten sozialen Gründe und die nicht zuletzt massenhafte Verfügbarkeit von einfach zu bedienenden Waffen, fällt es den Warlords leicht die Kinder damit auszustatten .

Auf dem Bild sieht man eine Kalaschnikov, mit welcher die Kinder ausgerüstet werden. Kindersoldaten stammen in der Regel aus armen Bevölkerungsschichten. Teilweise sind Kinder durch Kriegsereignisse von ihren Eltern getrennt worden. Besonders gefährdet sind Straßenkinder oder Kinder die sich in Konfliktgebieten, Notunterkünften oder Flüchtlingslagern befinden. Dort fehlt es ihnen meist an Schutz und Sicherheit vor dem Zugriff der bewaffneten Gruppen. Sie besitzen nur selten einen Schulabschluss oder eine Berufsausbildung. Sie können häufig weder lesen noch schreiben und erlernen somit auch nicht die notwendigen Umgangsformen, um in einer Zivilgesellschaft friedlich miteinander leben zu können.

Folgende Kriterien treffen somit im Allgemeinen auf jeden Kindersoldaten zu.

1) Sie kommen aus armen oder anderweitig benachteiligten Gesellschaften
2) Sie stammen aus aktuellen Konfliktzonen
3) Sie kommen aus gestörten oder nicht existenten Familienstrukturenx

3. Situation der Kindersoldaten

3.1 Weshalb werden Kinder als Soldaten eingesetzt?

3.1.1 Rekrutierung von Kindern als Soldaten

Die Mehrzahl der Kindersoldaten werden zwangsrekrutiert, „denn aus eigener politischer und religiöser Überzeugung kämpfen die Kinder und Jugendlichen in fast allen Fällen nicht“xi. Die Rekrutierungen erfolgen in Form einer Großrazzia. Dabei werdenöffentliche Plätze in der Stadt wie z. B. Märkte, Parks und manchmal auch Pausenhöfe umstellt und die Kinder gefangen genommen. Vor allem aber werden Razzien auf dem Land durchgeführt, dort werden ganze Dörfer überfallen und die Kinder und Jugendlichen verschleppt.xii Aus Angst vor Misshandlung und Strafe beugen die Kinder sich und tun das was man ihnen befiehlt – töten. „ Wenn du ihn nicht killst, denkt der Leftenant, du bist Spion. Und wer weiß, ob er dich dann nicht killt.“xiii. Das gerade aufgeführte Zitat von Iweala zeigt, wie er als Kindersoldat in seiner „Aufnahmeprüfung“, zum Töten gezwungen wurde. Hätte er dem nicht Folge geleistet, wäre er getötet worden. Ein anderes Druckmittel, um Kindersoldaten zu rekrutieren, zeigt uns folgendes Zitat von Singer: „ The rebels told me to join them, but I said no. Then they killed my smaller brother. I changed my mind.” (deutsch: Die Rebellen haben mir angeboten ihnen beizutreten. Ich lehnte ab, dann haben sie meinen kleinen Bruder getötet. Ich änderte meine Meinung)xiv. Hierbei haben die bewaffneten Einheiten durch das Töten eines Familienmitglieds das Kind dazu gezwungen sich ihnen anzuschließen. Jedoch werden nicht alle Kindersoldaten in einer solchen Form zwangsrekrutiert. Andere sehen eine Chance als Soldat ihren Lebensunterhalt zu verdienen und Schutz, Sicherheit und Versorgung durch die Armee zu bekommen, und schließen sich ihr notgedrungen freiwillig an. Manche werden auch von ihren Eltern geschickt.xv Die Kinder verbinden Soldat sein und eine Waffe tragen mit Macht. Sie sind somit in der Lage zu Plündern, um sich selbst zu versorgen.xvi Kinder, die ihre Eltern durch eine Kriegshandlung verloren haben oder von ihnen getrennt wurden, werden von den bewaffneten Gruppen gelockt, indem diese Rache an den Tätern versprechen. Iweala erlebte das selbst mit: „ Wenn du bei mir bleibst, paß ich auf dich auf, und wir kämpfen gegen den Feind, der deinen Vater mitgenommen hat.“xvii - verspricht ihm sein Kommandant. Eine weitere Ursache weshalb Kinder zu Soldaten werden ist, dass Eltern sie in die Obhut der bewaffneten Einheit übergeben. Oftmals können die Eltern ihre Kinder nicht ernähren und sichern sich mit dem „Verkauf“ des Kindes ihr eigenes Überleben. Mehari berichtet hierzu: „ Doch das Wichtigste für ihn war, drei hungrige Mäuler weniger stopfen zu müssen. Drei Esser mehr oder weniger in der Familie zu haben konnte den Unterschied zwischen Überleben und Verhungern bedeuten “.xviii

3.1.2 Einsatz von Kindern als Soldaten

Kinder sind leichter zu rekrutieren als Erwachsene, da sie körperlich und geistig noch nicht ausgewachsen sind. Somit sind sie leichter manipulieren und ideologisch zu beeinflussen als Erwachsene. Sie können aufgrund ihres Entwicklungsstatus kaum Widerstand gegen die Anweisungen leistenxix. Ihnen wird das Töten vom ersten Tag als Soldat an beigebracht. Sie sind skrupelloser, da sie das Töten als gängige Konfliktlösung lernen. Gefahren und Taten, die sie begehen, erscheinen ihnen harmlos. Sie nehmen die Situationen spielerisch wahr – eben wie ein Kind. Unter anderem sind Kinder genügsamer bei der Rationierung von Lebensmitteln und Ausrüstungsgegenständen. Im Gegensatz zu erwachsenen Soldaten, werden die Kinder unentgeltlich oder gegen einen kleinen Obolus (wie z.B. Zigarettenpäckchen) in den Kampf geschickt. Das macht sie zu einer Art billiger Streitkraft. Trotz der geringen Bedürfnisse ist die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser, Nahrung, Medizin und Hygiene mangelhaft. Zu Beginn der Ausbildung werden Kinder zu Hilfsdiensten wie Lasten tragen, Küchenhilfe oder als Mechaniker eingesetzt. Oftmals aber dienen die Kinder bereits in ihren jüngsten Jahren schon als Spione und bekommen die Aufgabe Informationen zu überbringen. Nach einer kurzen Grundausbildung, nehmen die Kinder dann aktiv an bewaffneten Kämpfen teil und müssen bei Massakern und Massenhinrichtungen teilnehmen und Schießbefehle ausführen. Sie werden als lebende Schutzschilder, Kugelfang, Bombenentschärfer, Koch-, Putz- und Sexsklaven benutzt.xx Da die Kinder schlecht ausgerüstet sind und im Kampf direkt an der Front kämpfen, werden sie von den Vorgesetzten oftmals als Kanonenfutter betrachtet. Iweala erlebte die Geringschätzung selbst mit: „ Wir stehn auf dem Platz, und Kommandant geht vor uns hin und her und brüllt, sind wir Soldaten? Und wir sagen, jawohl, Sir![ …] Dann lächelt der, wie wenn ers uns nicht glaubt, und manchmal sagt er zu sich, mit uns wärs hoffnungslos und wir taugen nur zum Kanonenfutter, gerade gut genug zum Krepieren.“xxi. Bei Nutzlosigkeit oder wenn ein Kind nicht „gehorcht“ wird es verstümmelt oder erschlagen. Zudem werden die Kinder zum Suchen, Verlegen und Räumen von Minen eingesetzt. Nicht selten verletzen sich die Kinder dabei schwer.

[...]


i Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderrechte#Grundlegende_Kinderrechte

ii Die Bibel: NT, Matthäus 5,6

iii http://www.kindernothilfe.de/Rubriken/Themen/Kindersoldaten/Definition.html S.1

iv UNICEF: Geschichte der Kinderrechte S.1(PDF)

v Vgl. Mittermaier: kinder als soldaten, S.164

vi Vgl. http://www.national-coalition.de/pdf/UN-Kinderrechtskonvention.pdf

vii Vgl. Mehari: Feuerherz S.309f

viii Vgl. http://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/inhalte/ 10_Material/Basisinfos/Basisinfo_Kindersoldaten_terre_des_hommes_Feb12.pdf S.3

ix Vgl Mittermaier: kinder als soldaten, S.163f

x Vgl. Brett,MacCallin:S.63

xi http://reset.org/knowledge/kindersoldaten

xii Vgl. Urbach: (GE)WEHRLOS, S. 16

xiii Iweala: Du sollst Bestie sein! S.30

xiv Singer: Children at war S.3

xv Vgl.Brett, MacCallin: S.113

xvi Vgl. Iweala: Du sollst Bestie sein S41

xvii Ebd., S. 19

xviii Mehari: Feuerherz, S. 70

xix Vgl. Brett/ MacCallin: S.147f.

xx Vgl. http://www.drk-hessen.de/jrk/Kampagnen/Kindersoldaten/KISO_warumkindersoldaten.htm

xxi Iweala: Du sollst Bestie sein!, S. 43f

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668096585
ISBN (Buch)
9783668096592
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274070
Note
1,3
Schlagworte
Kindersoldaten Afrika Kinder Arbeit Gerechtigkeit Krieg Kony Uganda

Autor

  • Tom Hackenberg (Autor)

    1 Titel veröffentlicht

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Titel: Kindersoldaten in Zentralafrika. Analyse der aktuellen Situation