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Bad Bank Good Bank. Zur Ethik des Investmentbankings

Gelten für die Geschäfte von Banken andere oder gar höhere ethische Ansprüche als für Industrieunternehmen?

Essay 2014 8 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Bad Bank - Good Bank? Zur Ethik des Investmentbanking

Leuphana Universität Lüneburg

Abgabedatum: 24.01.2014

Essay: „Gelten für die Geschäfte von Banken andere oder gar höhere ethische Ansprüche als für Industrieunternehmen? Diskutieren sie diese Frage im Rekurs auf die Themen und Strukturen des Seminars.“

Um die Frage zu diskutieren, ob für die Geschäfte von Banken andere oder gar höhere ethische Ansprüche als für Industrieunternehmen gelten, soll zunächst erklärt werden, worum es sich bei Bankgeschäften im Detail handelt.

Gemäß §1 Kreditwesengesetz sind Banken, im Gesetz auch als Kreditinstitute bezeichnet, Unternehmen, die „Bankgeschäfte gewerbsmäßig oder in einem Umfang betreiben, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert.“[1] Zu den Geschäften von Banken zählen unter anderem die Annahme fremder Gelder als Einlage (Einlagegeschäft), das Gewähren von Gelddarlehen (Kreditgeschäft), der Ankauf von Wechseln und Schecks (Diskontgeschäft), sowie die Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren für andere (Depotgeschäft) und das Zahlungsverkehrsgeschäft.

Abgesehen von den üblichen Aufgaben und Funktionen einer Geschäftsbank gehen Finanzinstitute im getrennten Bereich des Investmentbanking ungleich risikoreicheren Aktivitäten nach um Umsatz zu generieren. Die Geschäfte dort umfassen den Handel mit Rohstoffen, Anleihen, Derivaten und verzinslichen Wertpapieren. Außerdem die Betreuung von Firmenfusionen und –übernahmen und die Organisation von Börsengängen.[2]

Generell stellen Banken ein wichtiges Rad im Getriebe einer funktionierenden Volkswirtschaft dar. Im wirtschaftlichen Leistungsaustausch wickeln sie die Zwischenschaltung von Kapital ab. Sie übernehmen eine Mittlerrolle im gesamtwirtschaftlichen Geldkreislauf und gleichen die Differenz zwischen Kapitalgebern bzw. Kapitalangebot und Kapitalnehmern bzw. Kapitalnachfrage aus.

Nun folgend soll dargelegt werden, wie sich ethische Ansprüche definieren.

Der Begriff „Ethik“ wird vom altgriechischen Terminus „ethos“ abgeleitet. Dieser bedeutet „gewohnter Lebensort“, „Gewohnheit“, „Sitte“, „Brauch“ oder „Charakter“.[3] Ethik ist eine eigenständige, philosophische Wissenschaft, die Moral zum Gegenstand hat. Der von Cicero geprägte Ausdruck „philosophia moralis“ wird so auch als Übersetzung von „êthikê“ (Ethik) verwendet.[4]

Abgeleitet vom lateinischen Wort „mores“, das für „Sitten“ oder „Charakter“ steht[5], wird unter Moral das Verständnis vom „richtigen“ Handeln des Menschen verstanden. Für moralisches Handeln werden Handlungsregeln, Wertmaßstäbe und Sinnvorstellungen angesetzt, die sich nicht nur auf ein Individuum, sondern auf eine Gruppe oder Kultur, bzw. die soziale Gemeinschaft beziehen.

Während Moral der Handlungskategorie zuzuordnen ist, gehört Ethik der Reflektionskategorie an. Ethik ist die Reflektion von Moral und moralischen Urteilen, das heißt Urteilen, die ein Verhalten für gut oder böse befinden. Sie (unter-) sucht moralische Maßstäbe und beleuchtet sie kritisch. Insbesondere widmet sie sich der Frage „Was soll ich tun?“, die Kant neben drei weiteren Fragen als Schlüsselfrage der Philosophie erachtete[6]. Selbst beantwortet er sie in einem kategorischen Imperativ, der lautet „[...] handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“[7]

Ethische Ansprüche sind Ansprüche, die sich aus der Überprüfung und Begründung moralischer Überzeugungen heraus ergeben.

Der Sachverhalt, dem das Essay- Thema zu Grunde liegt, stellt zugleich die Argumentationsweise dar, die für eine Befürwortung anderer oder gar höherer ethischer Ansprüche an Bankgeschäfte steht. Die Argumentation leitet sich aus besonders aus den typischen Gegebenheiten in der Finanzbranche ab. Diese sollen neben den Sitten der Branche hauptsächlich unter Bezug auf das Werk „Tod eines Investment Bankers“ von Nils Ole Oermann dargestellt werden.

Definitionsgemäß versteht man unter „Sitte“ den allgemein gewordenen Stil des Handelns und Verhaltens (gute Sitten = „das Schickliche“), dessen Einhaltung vom Einzelnen wie von der Gemeinschaft mehr oder weniger streng gefordert und beobachtet wird.[8]

Als ein in der Finanzbranche allgemein gewordener Stil kann man den Umstand bezeichnen, dass Geld und der gewonnene Wettbewerb in dieser Branche „die alles entscheidenden Größen“[9] sind. Es mag einleuchtend klingen, dass Geld in einer Finanzbranche eine entscheidende Größe ist, jedoch wird mit „Geld“ hier der von einem Banker generierte Umsatz zum Vorteil des Finanzinstitutes impliziert. Der gewonnene Wettbewerb umfasst nicht nur den Wettbewerb zwischen konkurrierenden Unternehmen, sondern zudem den Wettbewerb zwischen konkurrierenden Mitarbeitern ein und desselben Unternehmens.

[...]


[1] Vgl.§1 Kreditwesengesetz (KWG)

[2] Oermann, Nils Ole: Tod eines Investmentbankers. Eine Sittengeschichte in der Finanzbranche, Freiburg 2013, S. 53 ff.

[3] Rohls, Jan: Geschichte der Ethik, Tübingen 1999, S.1

[4] Cicero, De fato 1; Historisches Wörterbuch der Philosophie: Moral, moralisch, Moralphilosophie, Bd. 6, S. 149.

[5] Rohls, Jan: Geschichte der Ethik, Tübingen 1999, S.1

[6] Igensiep, W., Baranzke, H., Eusterschulte, A. [Hrsg.]: Kant Reader. Was kann ich wissen, Was soll ich tun, Was kann ich hoffen. Würzburg 2004, S.34

[7] Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik in Sitten, 2.Abschnitt=Bd.6, S.33-80 i.A., in: ders.,Werke in sechs Bänden, hrsg. von Weischedel, W., Wiesbaden 1956

[8] Schmidt, Heinrich[Hrsg.]: Philosophisches Wörterbuch, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1969, S.564

[9] Oermann, Nils Ole, 2013, S.41

Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656662082
ISBN (Buch)
9783656662099
Dateigröße
7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v274049
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,3
Schlagworte
Wirtschaft Investmentbanking Banking Wirtschaftsethik Investementbanker Unternehmensethik

Autor

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Titel: Bad Bank Good Bank. Zur Ethik des Investmentbankings