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Benito Mussolini und der Tod des österreichischen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuss

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verwendete Werke
2.1. Quellen: Briefwechsel und Biographie
2.2. Sekundärliteratur

3. Die Ära des Bundeskanzlers Dollfuss
3.1. Politischer Werdegang
3.2. Machtergreifung
3.3. Aussen- und Innenpolitik Österreichs

4. Geheimer Briefwechsel zwischen Mussolini und Dollfuss
4.1. Reise nach Rom und folgender Briefwechsel
4.2. Besuch in Riccione
4.3. Rede auf dem Trabrennplatz
4.4. Ereignisse 1934

5. Die Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuss am 25. Juli 1934

6. Schlussfolgerungen und Abschlussgedanken

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit widmet sich den Umständen und Ursachen, welche zum Tod des, vom 10. Mai 1932 bis zum 25. Juli 1934 amtierenden, österreichischen Bundeskanzlers, Engelbert Dollfuss geführt haben. Unter Dollfuss bewegte sich Österreich auf einer austrofaschistischen Linie und wirkte den Einflüssen des nationalsozialistischen Deutschlands entgegen, und zwar mittels Unterstützung von Italien und Ungarn. Am 25. Juli 1934 wurde der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuss bei einem Putschversuch von Nationalsozialisten ermordet. Der Putschversuch misslang, jedoch veränderte seine Ermordung gewiss den Verlauf der historischen Ereignisse im Staate Österreich. Die vorliegende Arbeit widmet sich folgenden Fragen: Wie waren die Beziehungen zwischen dem italienischen Diktator Mussolini und dem österreichischen Bundeskanzler Dollfuss` aufgebaut und wie führten diese zu dessen Ableben? Was waren die Ziele und was waren die Betrübungen dieser Beziehungen? Es soll kritisch ausgearbeitet werden mittels Beschreibungen von ineinander wirkenden Ereignissen, welche Faktoren bei dem Attentat eine Rolle gespielt haben und auf was sich die Beziehungen Mussolinis und Dollfuss` tatsächlich begründeten. Die Ausarbeitungen basieren vor allem auf einer Dokumentensammlung „Der Führer bin ich selbst“ (erstmals 1949 veröffentlicht), bestehend aus einem Geheimen Briefwechsel zwischen Mussolini und Dollfuss und weiteren wichtigen Dokumenten. Im Abschnitt nach der Einleitung werden die verwendete Literatur und Quellen genauestens beschrieben, wobei hier angemerkt sei, dass sich die verwendete Literatur überschneidet und die gleichen Inhalte wiedergegeben werden, dass aber in gewissen Details sich die Werke ergänzen und verschiedene Aspekte aufhellen. Bezüglich des Forschungsstandes kann man sagen, es wurden sowohl ältere als auch neuere Werke benutzt, wobei diese Thematik bereits sehr oft und ausführlich behandelt wurde, allerdings jeweils im grossen Kontext der Regierung unter Dollfuss oder Person Dollfuss und nicht fokussiert auf die Beziehung Mussolini - Dollfuss. Der geheime Briefwechsel ist hierbei das Werk, welches diese am zentriertesten behandelt. Der Aufsatz ist in fünf Teile gegliedert:

- Nach der Einleitung, in welcher die Arbeit und Quellen präsentiert wurden, erfolgt als zweiter Abschnitt eine Quellen- und Literaturbeschreibung, in welcher die verwendeten Werke genauer vorgestellt und analysiert werden.
- Der dritte Teil beschreibt die Faktoren und die Vorgeschichte, die in Verbindung mit dem Tod des Bundeskanzlers stehen, und dieser teilt sich wieder in drei Unterabschnitte: den politischen Werdegang Dollfuss`, die Machtergreifung seiner Regierung, und die aussenpolitischen Gegebenheiten und die innenpolitischen Ereignisse, die nach der Ausschaltung des Parlaments folgten.
- Im vierten Teil wird der Briefaustausch zwischen Dollfuss und Mussolini behandelt, nebst anderen wichtigen Dokumenten, welche erhalten geblieben sind, in Zusammenhang mit den Ereignissen, die den Schreiben nebenher gingen, nämlich den Treffen und Gesprächen mit Mussolini, der vom „Duce“ motivierten Propagandarede des Dollfuss, und der bürgerkriegsähnlichen Ereignisse im Februar 1934.
- Der fünfte Abschnitt handelt über die Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuss.
- Den Abschluss der Arbeit liefert ein Schlussteil mit einem Überblick über alle Ereignisse und einigen Anmerkungen.

2. Verwendete Werke

2.1. Quellen: Briefwechsel und Biographie

Der Fokus meiner Arbeit liegt auf einer Quellenedition des Briefwechsels zwischen Mussolini und Dollfuss unter dem Titel „Der Führer bin ich selbst“. Hierbei handelt es sich ursprünglich um Abschriften des Historikers Prof. Dr. Paul R. Sweet, welche anhand der Originale, die den amerikanischen Befreiungstruppen im Jahre 1945 bei ihrem Vormarsch in den Westen Österreichs, in die Hände fielen. Dabei handelte es sich um Bestände des Österreichischen Staatsarchivs, welche ausgelagert waren. Im Jahre 1949 wurden seine Abschriften ins Deutsche übersetzt, ergänzt und unter dem Titel „Geheimer Briefwechsel Mussolini-Dollfuss“ veröffentlicht. Dabei sind die Dokumente identisch wiedergegeben worden, wobei anzumerken ist, dass zwei Briefe (Brief Mussolini an Dollfuss vom 9. September 1933 und Brief Dollfuss an Mussolini vom 22. September 1933) im Staatsarchiv nicht aufzufinden sind, und man nichts über den Verbleib der Originale weiss.1 Die Dokumente, die zu dieser Sammlung zählen, sind nicht nur Briefe zwischen Mussolini und Dollfuss, sondern auch Briefe von anderen Personen, und andere Dokumente wie Rundschreiben, Notizen und Berichte. Die Quellen sind mit Anmerkungen und Erläuterungen versehen, und die überarbeitete und ergänzte Neuauflage „Der Führer bin ich selbst“, aus dem Jahre 2004, wurde mit zwei weiterführenden Beiträgen erweitert, sodass es sich um eine Quellensammlung handelt, da mehrere verschiedene Briefe und Dokumente, die zusammengehörig sind, enthalten sind, und um eine Quellenedition, da viele Erläuterungen die Quellen dokumentieren, und zum Schluss die beiden sekundärliterarischen Beiträge Hintergrundinformationen zum Quellenkorpus liefern. Der Gesamtumfang dieser Auflage beträgt 157 Seiten.

Die zweite Quelle, der biographische Roman der Tochter von Dollfuss, ist in einer sehr lebendigen Ausdrucksweise, mittels oft gebrauchter direkter Rede, geschrieben, und enthält tatsachengetreue Schilderungen, die den Informationsgehalt nicht wertend wieder geben. Es wird lediglich verdeutlicht, womit sich Dollfuss in seinem Handeln rechtfertigte. Der Bundeskanzler wird hier sehr menschlich dargestellt, auch Einblicke in private Szenen werden gewährt. Hinzu kommt, dass viele Zitate von Dollfuss und anderen Persönlichkeiten, angeführt werden. Die Biographie enthält Inhalte, welche die Frau von Dollfuss in einem Buch für ihre Kinder aufgeschrieben hatte, damit diese nach ihrem Tode sich ein Bild von ihrem Vater machen konnten. Als seine Tochter Eva Dollfuss im Januar 1993 unerwartet starb, wurde das Manuskript von deren Tochter fertig gestellt und 1994 veröffentlicht (368 Seiten).2 Bei beiden von mir verwendeten Quellen handelt es sich um gedruckte.

2.2. Sekundärliteratur

Das aktuellste und für diesen Aufsatz gewichtigste sekundärliterarische Werk ist Gudula Walterskirchens 320 Seiten lange „Engelbert Dollfuss - Arbeitermörder oder Heldenkanzler“ aus dem Jahre 2004. Es beginnt mit Interviews von verschiedenen Politikern Österreichs, welche weit auseinander gehen, und die verschiedenen Bilder und geteilten Meinungen über Dollfuss widerspiegeln.3 Der Hauptteil beinhaltet biografische Ereignisse von Engelbert Dollfuss, seinen politischen Werdegang, die Machtergreifung, innenpolitische und aussenpolitische Geschehnisse, sowie den Tod des Bundeskanzlers.4 Als Schlussteil werden Nachwirkungen seiner Politik und seines Todes aufgezeigt.5 Die Monographie von Franz Schausberger „Letzte Chance für die Demokratie“ aus dem Jahre 1993 (177 Seiten) ist kürzer als diejenige von Gudula Walterskirchen und weniger detailliert, enthält die wichtigsten Inhalte der innenpolitischen Begebenheiten und besitzt im Anhang Kurzbiographien aller Regierungsmitglieder der Ära Dollfuss. Die aussenpolitischen Aspekte werden hierbei geringfügiger erörtert. Franz Goldners „Dollfuss - Im Spiegel der US-Akten“ (168 Seiten), aus dem Jahre 1979, stützt sich auf Berichterstattungen von amerikanischen Diplomaten und Gesandten, wobei der Verfasser meint, dass diese die bestmögliche Quellen seien, weil seiner Ansicht nach die Vereinigten Staaten von Amerika die neutralste Stellung zu Österreich in jenen Zeiten hatten.6 „Hitlers Niederlage in Österreich“, 280- seitig, von Gottfried-Karl Kindermann, welches 1984 veröffentlicht wurde, hat als Schwerpunkt die Geschehnisse, welche in Österreich und Deutschland aufeinander wirkten und stellt Hitler und seine Absichten besonders detailreich dar. Die Dissertation von Dieter Anton Binder „Dollfuss und Hitler“ wurde 1976 an der Universität Graz approbiert und veröffentlicht. Die erste Auflage erschien 1979. Die 289 Seiten enthalten zahlreiche Schilderungen der Beziehung und Ereignisse zwischen und um Hitler und Dollfuss. Als besonderen „Bonus“ enthält sie im Anhang (separate Seitenzahlen) Interviews, Protokolle, Karikaturen, Briefe, Berichte und andere Dokumente. Weitere Sekundärliteratur, die ich angeführt habe, ist Peter Kulemanns "Sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Österreich von Hainfeld bis zur Dollfuss-Diktatur am Beispiel des Austromarxismus“ (507 Seiten) aus dem Jahre 1979.

3. Die Ära des Bundeskanzlers Dollfuss

3.1. Politischer Werdegang

Engelbert Dollfuss, geboren am 4. Oktober 1892, dessen markantes Kennzeichen seine geringe Körpergrösse von etwa 1.53m war7, welche ihm den Spitznamen „Millimetternich“ bescherte8, stammte aus einer bäuerlichen Familie.9 Dollfuss ging, nachdem er sein Theologiestudium, welches ihn charakterlich prägen sollte, da er sich unter anderem aus religiösen Motiven berufen sah, in die Politik zu gehen,10 abgebrochen und zu Jus gewechselt hatte, eine Offizierslaufbahn ein, und im Jahre 1918 leistete er dann seinen Kriegsdienst an der italienischen Front11. Danach setzte er sein Studium der Rechte fort und wurde Sekretär des Österreichischen Bauernbundes, welcher ihm ein Studium in Berlin ermöglichte.12 1927 wurde er zum Direktor der Niederösterreichischen Landwirtschaftskammer ernannt. Nachdem er in der Agrarwirtschaft sehr gute Leistungen erbracht hatte, wurde er zum Präsidenten der Österreichischen Bundesbahn erkoren, wo er radikale Änderungen durchsetzte. Danach wurde er am 18. März 1931 zum Minister für Landes- und Forstwirtschaft der christlichsozialen Regierung unter Bundeskanzler Otto Ender ausgewählt, wo er weiterhin gute Leistungen zeigte, indem er beispielsweise Schutzzölle und Exportsubventionen einführte und damit die einheimische Produktion unterstützte.13 Schliesslich wurde er nach dem Rücktritt des christlichsozialen Bundeskanzlers Buresch am 10. Mai 1932 zum neuen Bundeskanzler ernannt und beauftragt, eine neue Regierung zu bilden.14

3.2. Machtergreifung

Um Neuwahlen zu verhindern und eine Mehrheit im Parlament zu besitzen, ging er eine Koalition mit dem Landbund (Parteien, die in ländlichen Gegenden ihre Anhänger vor allem bei den Bauern hatten, und sich durch Ständegedanken und Antimarxismus auszeichneten) und dem Heimatblock (politischer Arm der paramilitärischen Gruppierungen der Heimwehren; antiparlamentarische Ausrichtung; nationale Lager) ein, nachdem die Partei der Grossdeutschen.

[...]


1 Vgl.: Maderthaner, S. 9-10

2 Vgl.: Dollfuss, S. 9-11

3 Vgl.: Walterskirchen, S. 13-46

4 Vgl.: Ebd. S. 47-244

5 Vgl.: Ebd. S. 245-289

6 Vgl.: Goldner, S. 7

7 Vgl.: Walterskirchen, S. 62

8 Vgl.: Ebd. S. 123-125

9 Vgl.: Vgl.: Dollfuss, S. 12; Vgl.: Walterskirchen, S. 47-49

10 Vgl.: Walterskirchen, S. 146

11 Vgl.: Dollfuss, S. 28-41; Vgl.: Walterskirchen, S. 50-65

12 Vgl.: Dollfuss, S. 42-48; Walterskirchen, S. 73

13 Vgl.: Dollfuss, S. 55-80

14 Vgl.: Dollfuss, S. 81-92; Vgl.: Schausberger, S. 69-82; Vgl.: Walterskirchen, S. 79-106

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656665908
ISBN (Buch)
9783656665892
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273938
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Historisches Seminar
Note
unbenotet
Schlagworte
Engelbert Dollfuss Benito Mussolini Austrofaschismus

Autor

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