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Die Übersetzung und die Funktion des Wiedererzählens in Wolfram von Eschenbachs Parzival

Seminararbeit 2013 15 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzung von Wolfram von Eschenbach,´Parzival´ V.129,5-130,16

3. Grammatik
3.1. Die Kadenzen der Verse 129,19 (gehêret) und 130,6 (nôt)
3.2. Die Wortformen und die Klassenzugehörigkeit folgender Verben: was (129,10), huob (129,16), slief (130,7)
3.3. Die besonderen Verben: tohte und hete
3.4. Bestimmung der Adjektive hôh, guot, snêwîzem

4. ´Wiedererzählen´: Vergleich Wolfram von Eschenbach die Verse 117,7-137,30 und Chrétien de Troyes ´Perceval´ die Verse 69-833S.

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Wiedererzählen ist eine Methode, die im Mittelalter sehr oft genutzt wurde. Da das Wiedererzählen häufig von einer Sprache in eine andere stattfand, betont Worstbrock[1],,Wiedererzählen ist kein Übersetzen“. Die Dichter orientierten sich an dem Publikum und dieses erwartete die ,,Überliefertheit des Erzählten“[2]. Als gelungene Dichtung bezeichnete man keine neue oder fiktionale, sondern jene, die aus einem bereits vorhandenen Text, der bearbeitet wurde, entstand. Heutzutage steht man eher kritisch zum Wiedererzählen und verurteilt dieses als Plagiat.

Die vorliegende Arbeit beginnt mit der möglichst wörtlichen Übersetzung einer Textpassage aus Wolfram von Eschenbachs Parzival. Dabei wird die Grammatik berücksichtigt, die sich konkret mit der Bestimmung der Kadenzen, der Adjektive, der Verben und der besonderen Verben beschäftigt. Anschließend folgt das eigentliche Thema, nämlich das Vergleichen zweier Textpassagen aus Wolfram von Eschenbachs Parzival und Chrétien de Troyes unvollendetem Werk Le Roman de Perceval ou Le conte du Graal.

Wolfram scheint sehr sorgfältig Details seiner Quellen zu benützen und bei seiner Bearbeitung so wenig wie möglich umkommen zu lassen. Umgekehrt zeigt er sich aber offensichtlich immer wieder als kühner, manchmal sogar leichtsinniger Erfinder, der mit den Erwartungen seiner Hörer spielt.[3]

Mit dieser Formulierung betont Wehrli in welcher Weise Wolfram Chrétiens Werk als Vorlage benutzt hat. Durch das Vergleichen zweier konkreter Textpassagen wird deutlich, wo Wolfram Chrétiens Roman wiedererzählt und wo er eingreift. Er hat das Werk nicht nur ergänzt, sondern auch erweitert und verschiedene Thematiken vertieft. Wolfram selbst hat bestritten, dass Chrétien die Vorlage seines Romans war und weist im Vorwort auf Kyot hin[4].

Die Frage nach dem Vergleich von Wolfram von Eschenbach und Chrétien de Troyes des mittelalterlichen Parzivals ist ein viel betrachtetes Forschungsfeld der germanischen Mediävistik, um dessen Erschließung sich vor allem Mergell Bodos Werk Wolfram von Eschenbach und seine französischen Quellen bemüht hat. Mithilfe dieses Romans sollen die spezifischen Textpassagen verifiziert werden. Andererseits sollen in der vorliegenden Arbeit neue Denkanstöße geliefert werden im Hinblick auf die Charakteristika des Wiedererzählens in Wolfram von Eschenbachs Parzival.

2. Übersetzung von Wolfram von Eschenbach, ´Parzival´ V. 129,5-130,16

Da wandte sich der Knabe zunächst (129, 5)
zum Wald von Briziljan.
Er kam an einen Bach geritten,
den hätte selbst ein Hahn überschritten:
Obwohl auch Blumen und Gras da standen,
durch die sein Fluss so dunkel war, (129, 10)
durchquerte der Knabe ihn nicht.
Den ganzen Tag ritt er entlang,
da sein Verstand nicht weiter reichte.
Er verharrte die Nacht wie er konnte/ imstande war,
bis ihm der helle Tag erschien. (129, 15)
Da brach der Knabe auf
zu einer durchsichtigen und klaren Furt.
Auf der anderen Seite war das Feld/die Wiese
mit einem Zelt geschmückt,
viel Reichtum war daran erblickt. (129, 20)
Aus dreierlei Farben war das Samt,
das Zelt (es) war hoch und weit:
Auf den (die) Nähten lagen (verdeckten) die schönen Borten.
Da hing ein Überzug aus Leder,
den man drüber ziehen konnte, (129, 25)
immer wenn es regnen wollte.

Duc Orilus de Lalander,
dessen Frau fand er dort
wonniglich liegend,
die reiche (edle) Herzogin,

ähnelte der Geliebten eines Ritters (eines Ritters Geliebten). (130, 1)
Sie hieß Jeschute.

Die Dame war eingeschlafen.
Sie trug die Waffen der Liebe (der Liebe Waffen),
Einen Mund alles durchstrahlend (durchleuchtig) rot, (130, 5)
und verlangten des Ritters Herzensnot.
Während die Dame da schlief,
lief ihr der Mund auseinander:
Der schuf (trug) der Liebe Hitze und Feuer.
So lag das Wunder an Vollkommenheit. (130, 10)
Von schneeweißem Bein
nah beieinander und klein,
so standen ihre glänzenden Zähne.
Ich glaube, ich könnte mich daran gewöhnen ihn zu küssen,
einen so hoch gelobten Mund: (130, 15)
Das ist mir bisher nicht kund geworden.

3. Grammatik

3.1 Die Kadenzen der Verse 129,19 (gehêret) und 130,6 (nôt) an.

Bei der Bestimmung der Silbenanzahl des jeweiligen Reimwortes sollte stets das entsprechende Reimwort des nachfolgenden bzw. des vorangehenden Verses mit berücksichtigt werden[5].

Mit eime gezelt gehêret

x´ / x´x / x´x / x x´x` /

Grôz rîchheit dran gekêret.

Die dreisilbig klingende Kadenz. Ihr liegt stets ein dreisilbiges Reimwort zugrunde. Im Unterschied zur zweisilbig klingenden Kadenz ist die dreisilbig klingende Kadenz an keine phonetische Bedingung geknüpft. […]Die Mora des letzten Taktes erhält stets eine Nebenhebung[6].

Gehêret ist ein dreisilbiges Wort, das eine Nebenhebung auf der letzten Silbe enthält und dessen zweite Silbe betont ist.

Tervooren[7] ergänzt, dass es sich bei einer dreisilbigen Kadenz um Wörter mit einem Tongipfel und einem schwachtonigen e handelt.

einen munt durchliutic rôt,

und gerndes ritters herzen nôt.

x / x´ x / x´x / x´x / x´ /

Die einsilbig volle Kadenz (in der älteren Forschung auch als einsilbig männliche Kadenz bezeichnet). Diese liegt generell bei allen einsilbigen Wörtern vor, ist also nicht an bestimmte phonetische Bedingungen geknüpft.[8]

[...]


[1] Worstbrock 1999 S.130.

[2] Ebd. S.128.

[3] Wehrli 1997 S.305.

[4] Vgl. Bumke 2004 S.244.

[5] Vgl. Hennings 2001 S. 186.

[6] Ebd. S.188.

[7] Vgl. Tervooren 1979 S.10.

[8] Hennings 2001 S. 186.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656658467
ISBN (Buch)
9783656658481
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273932
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
Schlagworte
übersetzung funktion wiedererzählens wolfram eschenbachs parzival

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Titel: Die Übersetzung und die Funktion des Wiedererzählens in Wolfram von Eschenbachs Parzival